Samstag, 7. Juli 2007

Live Earth - Concerto Numero Due.

Und warum eigentlich Shakira?

[Im übrigen: erscheint mir die Bühne in Hamburg als einziger etwas ... naja, provinzieller als die anderen? So im Vergleich zu ... Tokio?]

Live Earth - Concerto Numero Uno.

Ich werde geweckt von Andrew Stockdale [Wolfmother], gerade, im Live-Konzert in Sydney. Live Earth. [Und ich frage mich nebenbei, ob es so sinnvoll ist, ein paar Stars von einem Land zum anderen fliegen zu lassen, um damit auf die Umweltkrise aufmerksam zu machen]. Jetzt schaltet man um auf Cocco, in Tokio. Eine süße japanische Sängerin im Sommerkleid, und ein Akustikgitarrist schräg neben ihr. Ich verfolge es mit kribbelnder Begeisterung, -- verdammtes Marketingkalkül. Verdammter Al Gore. [Abgesehen davon: er hat Recht, er hat es schon seit zweiundzwanzig Jahren, solange ich lebe, verdammt]. Cocco rockt auf ihre Weise. Spricht jetzt ins Mikrophon und ich verstehe kein Wort, nichts, höre nur den Klang der Sprache, und ich denke, was sie sagt ist wichtig. In Tokio herrscht Stille, man hört nur ihre Stimme. Ohne Hall. Ohne Pfiffe, oder Rufe. Sie fesselt, selbst mich, wo ich nichts verstehe. Es sammeln sich Tränen in ihren Augen, sie spricht zitternd, - es muss die ergreifendste Geschichte ihres Lebens sein. [Sie kommt aus Okinawa; Umweltaktivistin, sagen die zwei Sprecher von N24, und sie nerven mich, alle beide, mit ihrem beschwichtigenden Geschwätz, zappen raus, zappen rein, beschissener Fernsehtourismus].

Als Cocco wieder anfängt zu singen, da finde ich diese Idee plötzlich wunderschön. Diese Weltverbundenheit. [Abgesehen davon: gibt es afrikanische Auftritte? In Kapstadt vielleicht? Ist ja wohl noch am Naheliegendsten]. Ist es das? Das, gottverdammt? Dieses Gefühl, es könnte gehen, es wird alles letztlich gut? Ist das die Hoffnung, auf dem Boden der Büchse? Ich will gar nicht darüber diskutieren, ich bin des Diskutierens müde.

Do something for love and peace, sagt Cocco zum Schluss. Und geht. Es folgt ein Eskimo-Joe-Rückblick [Sydney again]. Da sind ein paar gute Bands dabei, denke ich, und lasse also den Fernseher an. [Spart natürlicher idealerweise recht viel Strom, hä?] Do something for love and peace, - ich höre Judith Holofernes wieder fragen, was daran so lustig sei, und nicke innerlich. Vielleicht hatte Uschi Obermaier auch Recht, als sie völlig zugedröhnt in die Arte-Kamera säuselte: Wir brauchen wieder ein bisschen mehr Liebe in unserer Gesellschaft, - das klingt unangenehm in Berlin Kreuzberg. Oder in einem Pariser Banlieu. Da, wo es keinen Fernseher gibt, kein Live Earth, kein Jack Johnson, - Liebe? Nein, ertränkte Gewalt. Und es klingt schwer realisierbar. Im Sudan, Bürgerkrieg. In Botswana, Aids. Oder in diesen anderen verarmten Ländern, - verarmt im doppelten Sinne: die Menschen und das Land selbst; der gebrandschatzte Boden und die hungernden siechenden Kinder. [Spiegelbildlich]. Es ist schwer, obwohl es eigentlich recht leicht sein könnte, - es bedarf nur weniger Millionnen, Leben für die nächsten Generationen zu retten. In vielen Ländern. [Klar, da wäre dann noch die Geißel des Glaubens]. Es könnte wirklich einfach sein, - und das abseits des plakativen Optimismus. Ganz realitätsnah. Arbeit im Kosovo. Sozialarbeiter in Warschau. Letztlich ist irgendwie alles machbar, denke ich.

Daher werde ich auch nicht in Deutschland bleiben, - nicht auf Dauer. Wenn ich [endlich] in Berlin bin, nächstes Jahr, dann werde ich sehen, wohin ich kann. Ob nach Afrika [wie ich es mir seit einiger Zeit überlege, besonders: Sudan oder wie gesagt: Botswana, Simbabwe?], oder eher: Afghanistan, Jerusalem, -- Krieg oder Krankheit? Ich weiß es noch nicht. [In jedem Fall: Tod]. Ich könnte auch hier anfangen, in Deutschland, gegen den Faschismus, denn da ist der Schwerpunkt ganz klar, oder gegen Kinderarmut, aber mal sehen. Kleine Schritte. [Das klingt so hochtrabend].
Unpolitisch zu sein ist keine Einstellung. Es ist der Weg des geringsten Widerstandes. Deshalb habe ich auch all die Freunde von Andrea [w] gehasst, und sie selbst gleich mit. Unpolitisch? Seien wir lieber alle Künstler. Das macht mich wütend. Auch jetzt noch. [Es geht eben verdammtnochmal nicht um dich].

Passend: Linkin Park, jetzt in Tokio.


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