Sonntag, 29. Juli 2007

Zwischenschritte, stolpernd

Eigentlich ist nichts so, wie ich es geplant habe. Alles ist schief: Das Herz unter den Rippen, der Mund mit dem Lächeln, die Pläne, die zwischen zwei Schritten auf der Strecke bleiben. Ich sage, alles ist okay, gerade, und denke trotzdem an die kleinen Katastrophen und Missverständnisse, die während eines Telephonats an die Oberfläche dringen: Was willst du vom Leben?

Ich will nach Paris, und plane zwei Besuche in zwei verschiedenen Zeiträumen, - Ende August für ein paar Tage, Ende Dezember, über Silvester; mit Makko auf der einen Seite, mit Chaos und Unverstand auf der anderen, - das muss, weil ich es sage. Dann die rippenstoßende Ungewissheit Italiens: ich folge Firenze, Milano, Verona im September, und liege jetzt planend über den Karten. Dann Berlin, natürlich, immer noch und von Herzen kommend, brechend, in Fragmenten über dem Frühstückstisch verschüttet, und Frankfurt. [Letzteres nur als Etappe]. Basel muss ich mit Wehmut von der Liste streichen, - dazu reicht dieses Leben nicht, - und stattdessen beziehe ich jetzt ein bisschen mehr Frankreich und Italien in mein Leben ein. Herz, - rasen, über die Straßen, in Richtung Sonnenunter, auf! und die Augen blinzeln in die rotgeränderte Wolkenschlucht über den Dächern der Stadt. Ich will vergessen, die Vergangenheit abschließen, und so kämpfe und wringe ich dem Leben ein bisschen Sinn ab, - absurd verschachtelt und voller Situationskomik: Io e il mio ego, - das muss Liebe sein. Also lache ich Avalon entgegen, meiner ehemaligen Schule, und ich lache auch Tübingen entgegen. Nein, dann glaubt nicht an mich, das ist egal; ich brauche eure Zustimmung nicht. Ich schüttle arrogant und selbstverliebt den Kopf: Es geht nicht darum, die Welt zu sehen; es ist viel mehr die Suche nach ein bisschen mehr Ichheit, mehr Kollektivität, - keiner kann mir sagen, was das Leben sein soll, oder was es sein muss; daher setze ich mir mein Leben selbst. [Weder Gott noch Geld geben mir, was ich brauche]. Scheiß auf Strukturalismus, wenn du ihn nicht brauchst! Scheiß auf die richtige Wortwahl, wenn sie dich nicht befriedigt! [Jeder will den Ausbruch aus Dänemark]. Das Leben braucht die Toleranzgrenze nicht, sie braucht nur das Atmen von Möglichkeiten. Daher will ich nicht mehr dazugehören, will nicht mehr Teil dieser anderen Welten sein, - lass die Menschen fett und unpassend gekleidet sein, wenn sie es sein wollen; lass sie machen und tun und denken, was sie wollen, - selbst dann, wenn sie sich selbst zerstören. [Nur sei selbst anders, und mehr, als du bist].

Das ist alles ganz praktisch, - es folgt alles den Gesetzen der Physik und Logik. Du bist, was du bist, weil du es sein musst, - such dir nur die richtigen Optionen aus, und du bist alles, was du sein willst. Das klingt für den ersten Moment unlogisch, und vor allem unberechenbar. Und vielleicht ist es das auch. Logik ist das, was wir erfunden haben. Die Dinosaurier sind nicht aus logischen Gründen ausgestorben. Das besorgt die Welt von selbst.
Also nicke ich bei Beautiful, von Lee & Leblanc, und singe mit im Takt. Schief, natürlich. Ich bleibe immer und immer wieder an dieser einen Ecke hängen, reibe mir die Haut von den Muskelsträngen, schlage mir den Ellbogen an der Türe auf, aber das ist wirklich ganz okay. [Ungeschicktheit entpuppt sich manchmal auch als Segen]. Ich denke: vielleicht ergibt alles tatsächlich einen Sinn. Ich, du und die ganze verdammte Welt zwischen uns. Und wenn nicht, naja, dann haben wir immerhin das Glück gehabt, für eine Weile dieselbe Erde, dieselbe Zeit, und dasselbe Leben zu teilen. [Weißt du, wie selten das eigentlich ist?]

Ich ziehe mich an, ziehe mich aus, stehe in Regen und Wind, und denke am Straßenrand, dass es letztlich immer irgendwie weitergeht. Selbst der Tod ist nur eine Option. Damit kann man sich später aufhalten. Vielleicht geschieht das wirklich ganz von selbst. Also date ich jetzt ein bisschen, telephoniere singend mit schiefer Stimme, und plane weiter. Die letzte Woche hat gut getan, im Allgäu, aber es reicht eben nicht. Eigentlich reicht es nie.


1984 vs. me
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Avalons Erben
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Cardiomania
Chaos, Unverstand und Wahnsinn
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Parallelwelt: Strich(er)leben
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