Freitag, 24. August 2007

...

Ich höre wieder Green Day, und denke, dass alles möglich ist. In diesem kleinen 360-Grad-Rund, in dem ich aufwache, in dem ich auszugehen pflege, in dem ich schlafe. Das alles, - Handgriff nach Handgriff, - als Beat auf den Lippen, im Blut, im Schrei, den Virginia Woolf aus dem Totenbett reißt. Ich bin verspannt, und ich bekomme die Art von Kopfschmerz, die mich wahnsinnig macht, aber das ist okay. Selbst der Durst ist okay. [Das ist eine Epiphanie].

Liebe.Revolution.Tod., [Wt: Molekül der Einsamkeit], liegt mir als Gänsehaut im Nacken. Ja. JA! Alles ist zum Greifen da, und entzieht sich nur den Blicken, weil alle gierig starren. Ich krieg das hin. Diese Geschichte, diesen Roman, dieses Eine, das mit allem verbunden ist. [Allein der erste Satz!] Ich krieg das hin. Nur noch ein Name auf der Gästeliste und weiter weniger zögerlich.

Und sonst? Verliere ich weiter den Verstand. Erbreche ungesunde Egozentrik. Vergesse, was es zum Essen gab. Wer ich bin ist in Wirklichkeit gar nicht von Belang. [Selbst das, was ich vorsichtig als Probleme bezeichne, ist völlig irrelevant]. Dieses Ich löst sich jetzt für ein paar Tage auf; ich muss ein paar Dinge regeln. In dieser und in der anderen Welt; letztere ist viel wichtiger. [Halte dich an irgendetwas fest, sonst bist du weg].

like a kiss on the mouth

Ein Tag später. Ein grüner Streifen Welt, darüber reichlich Blau, - lastendes Hemisphären-Blau, - und der Sommerwind bringt mir papierne Küsse. Nur man selbst ist sich Barriere, ist sich Trutzburg und Wassergraben; nur man selbst ist sich Distanz, die man ein Leben lang zu überwinden versucht. [Darin liegt Konsequenz].

Da liegt mir etwas auf der lallenden Zunge. Ist das der rote. Stacheldraht, genau.

Die Augen suchen. Halt! Ihren Personalausweis, bitte. Kamerazyklopen begleiten mich blitzend aus den Straßenschluchten, dazu ein bisschen Sirenengeheul und Handschellenklicken. Hier haben Sie einen Rettungsreifen, bringen Sie sich in Sicherheit. Sicherheit? Das ist das, was auf der Strecke bleibt. Das sind Gründe, die man Punkt für Punkt durchgeht, die man abwägt, die man in Betracht zieht. Scheiß auf die Gründe, sei irrational. Also drehe ich mich in absinthischen Kreisen und reiße die Knöpfe aus dem Hemd. Ich muss atmen.

Minuten zuvor stehe ich in diesem langen Korridor mit dem Holzparkett und halte ein Buch in den Händen. Durch die verschmierten Fenster fällt goldgelbes Sonnenlicht. Glitzernde Staubwelten. Makrokosmos der Atome. Ich stehe da, und fummle ein bisschen zu oft an der Krawatte herum. Auf meinen trockenen Lippen liegt noch ein Versprechen: Ich gehe.
Während ich das Haus über die Hintertreppe verlasse, denke ich darüber nach, was im Leben alles passieren kann; welche Zufälligkeit und welche Bestimmungen bleiben, die uns oft so traumwandlerisch in Richtung der Klippen führen; welche Möglichkeiten sich erschöpfen, welche Methoden sich bewahrheiten, welche Wahrheiten letztlich das Herz aufrauhen. Meine Schritte führen über zerbrochenes Glas; irgendeines der Fenster wurde eingeschlagen, - jetzt leuchten die Brennpunkte der Sonne darin. Ich bleibe kurz stehen, sehe hinunter, durch dieses eingeschlagene Fenster zum Hof, und sehe unten die Tänzer für ihre Aufnahmeprüfung proben. Leichtfüßig fliegen sie, drehen sie ihre Pirouetten, heben sie ihre Beine und Arme, und zugegeben: ich verliere mich länger darin, als ich sollte. [Das Mädchen mit den schwarzen Locken]. Dann gehe ich weiter.

Auf dem Weg nach unten sehe ich zwei junge Männer; sie lachen und sind mitten im Gespräch. Als ich an ihnen vorbeigehe, begrüßt mich einer von ihnen [blondes Haar, das ihm in Strähnen in die Augen fällt] und fragt, ob ich hier neu sei und was ich studiere. Tanz, Kunst, Photographie? Ich sage: Nichts, und will weitergehen. Dann mischt sich der andere ein [große blaue Augen, in denen sich das Licht verfängt]: Aber du siehst aus wie ein Student. Ich studiere auch, erwidere ich, allmählich lächelnd, aber nicht hier. Pause. Noch nicht. Und was?, will der Blonde wissen. Mir liegt etwas auf der Zunge, also schlucke ich übertrieben oft, und setze an: Philosophie, aber eigentlich bin ich zum Schreiben geboren. [Ich leiste mir die Arroganz im Angesicht der Kunst]. Schriftsteller?, fragt der andere. Und ich nicke. Wenn du so willst. Der Blonde klopft mir auf die Schulter und sagt: Nein, wenn du so willst. Ich glaube, du wärst hier genau richtig. Ich lächle und nicke, und sage: Vielleicht.
Ich verabschiede mich, weil ich ihnen etwas vom Zug erzähle, den ich nehmen muss, aber der Zug steht hier. Egal. Ich gehe den letzten Rest des Korridors entlang, und sehe die Tür in weißem Gegenlicht. Noch ein paar Schritte, nur ein paar Meter und du bist wieder dieser Welt entrückt. Das Buch ist mir plötzlich zu schwer, also werfe ich es weg, - es rutscht das Parkett entlang und bleibt in einer Ecke liegen. Wieder ist es der Satz von Hermann Hesse, den ich im Kopf habe: Intensiv leben kann man nur auf Kosten des Ichs. [Steppenwolf].

Auf der Straße ziehe ich die Krawatte aus, öffne den Hemdkragen und reiße sogar die Knöpfe ab. Ja, papierne Küsse tragen mich die Straßen entlang. Papierne Küsse lassen mich träumen, lassen mich hoffen, lassen mich leben. Opfer? Gebe ich, - werde ich geben. Egal zu welchem Preis. [So viel ist sicher]. Der Rest ist eine Frage des Charakters, der Freunde und auch der Familie. Das kommt in Etappen. Denke ich. Jetzt bleibt nur mehr Sonne, mehr Wasser, und ein Krieg der Welten.



I love it, I hate it, I feel like a whore.

I give it, I take it, I come back for more.

I build it, I break it, I even the score.


1984 vs. me
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Avalons Erben
Bahnbegegnungen
Cardiomania
Chaos, Unverstand und Wahnsinn
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