Interlude: Ichheit vs. Wir-Sein.
Ich tu mich schwer mit neuen Bekanntschaften; in fact: I am not into humans.
Teil 2.
Im Ernst. Es kann innerhalb einer Sekunde passieren, dass ich mich für jemanden interessiere, ich kann mich sofort verlieben, kann innerhalb eines Atemzugs von jemandem besessen sein, - aber es dauert Jahre bis ich mich dieser Person gegenüber auch wirklich öffne. (Anders öffne, als ich das hier mache).
Es geht dabei nicht so sehr um das Innere, - das Innere ist für mich ein ewiges Nichts, oder ein endliches Alles, eine Art radioaktiver Abfall mit einer unbekannten Halbwertszeit; ich kann mein ganzes Leben vor einem anderen Menschen ausbreiten, kann in so bunten Sätzen wie diesen von meinen Erlebnissen, von meinen Gedanken erzählen: das Ich springt dabei trotzdem nicht aus der Torte. Es bleibt hinter den Worten zurück, verliert sich in den Berührungen, - es findet keine Alltäglichkeit, keine Gewöhnung an das eigene Leben; dazu braucht es meiner Meinung nach Zeit.
Ich öffne mich gegenüber einem Menschen in Bezug auf mein Vertrauen, und vielleicht: in Bezug auf den Prozess des Ich-Seins. [Eine Annäherung an den Menschen, der mehr Ich ist, - mehr Ich als derjenige, der gerade diese Zeilen schreibt, mehr Ich als der, der in der Bahn sein Gesicht gegen die Fensterscheibe drückt, als der, der im Hörsaal am Rand sitzt und seine wilden Kritzeleien in ein Notizbuch schmiert]. Es dauert lange bis ich mich in der Gegenwart des Anderen nicht mehr eigenartig verzerrt fühle, - wie im Spiegelkabinett als Schattenwurf, etc. Es dauert lange bis ich mir mein Lachen nicht mehr verkneife, weil es aus mir herausbricht und sich nicht mehr aufhalten lässt. Es dauert lange bis ich meine Ängste dechiffriert ausspreche, lange, bis ich körperlich werde, den Anderen berühre, umarme vielleicht, lange, bis ich mich nicht mehr über mich selbst wundern muss, weil ich bemerke, dass der Andere genauso verschroben ist, wie ich selbst, etc. Es passiert nicht von einem Tag auf den anderen, dass ich vertraue.
Sympathien? Ja, meinetwegen. Aber selbst die verteile ich nicht fahrlässig an jeden x-beliebigen Menschen, der mir mal etwas Gutes tut. Ich bin ein komplizierter Mensch, exzentrisch, manisch, rastlos, widersprüchlich. Das ist nichts besonderes. Jeder ist auf die ein oder andere Art und Weise kompliziert, - darauf kann man sich, besonders heutzutage, nichts mehr einbilden. Das Ich ist eine Masse an Widersprüchen, an Extremen, an Austauschbarkeit. Darum geht's nicht. Selbst, dass ich Ewigkeiten dazu brauche, um gegenüber einem Menschen wirklich liebevoll zu sein, ist nicht von Bedeutung. (Ich habe ein Warnschild über meinem Herzen; das reicht). Was ich sagen will ist: mir fällt es schwer.
Um so mehr freut es mich deshalb, wenn ich mal einem Menschen begegne, bei dem das nicht zum Problem wird. (Es gibt tatsächlich diese Menschen, die einem die Freiräume lassen, die für mich so existenziell sind). Chaos und Unverstand beispielsweise, (und Makko natürlich auch; und einige weitere, von denen vielleicht noch die Rede sein wird). Natürlich hat es bei ihnen auch gedauert, aber es war immer eine Art gegenseitiger Prozess: Man ist nicht, wie man ist, - man ist, wie man wird. Das ist wichtig, entscheidend für das Gefühl des absoluten Vertrauens, des Rückhalts, vielleicht ein familiäres Gefühl. Etwas, das den Blutsbanden ebenbürtig ist. Sein wie man ist, - Ich-Sein. Das bedeutet sowohl Alleine-Sein als auch Beisammen-Sein. [Das Individuum ist nur eine Relation zu anderen]. Was auch immer ich also reflektiere, - sowohl über sie, meine Freunde, als auch über mich selbst: es ist immer Teil des eigenen Seins. (Und jetzt der Knall und der Sprung aus der Torte).






















