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Freitag, 18. Juli 2008

...

Die Technik hasst mich, also im speziellen: Computertechnik (Mikrochips, Grafikkartentreiber, Lüftungssysteme, all so was). Heute Mittag um 12 Uhr fahre ich das Notebook runter. Um kurz vor 16 Uhr fahre ich es wieder hoch. Und? Nichts ist mehr wie es war.

Ein hysterisches graues Fenster will Aufmerksamkeit; ich soll irgendwas installieren, von dem ich keine Ahnung habe, was es eigentlich ist. Abgesehen davon ist meine Grafik plötzlich grobkörnig geworden, das Wallpaper ist völlig verzerrt, und wenn ich mich durchs Internet klicke, dann laden die Seiten wie damals zu Modemzeiten. Weil ich mir aber einrede, schlau zu sein, schau ich gleich nach, was mit meiner Grafikkarte los ist, - und Wunder oh Wunder, dem hysterischen grauen Fenster nach habe ich plötzlich gar keine Grafikkarte mehr.

Kacke, denk ich, ohne im Grunde zu begreifen: Kacke. Nicht mal wütend, nur irritiert. Ein verwirrtes Kacke, genau das ist es.

Dank Google finde ich nichts hilfreiches zum Thema VGA-Controller, - der soll nämlich fehlen, oder der Treiber dafür, - warum oder wieso ist mir völlig schleierhaft; ich finde nur heraus, dass ich diesen Treiber brauche. Dafür muss ich meine Grafikkarte kennen. Klingt einfach. Aber. Ach ja. Vergessen: Es gibt ja angeblich keine Grafikkarte mehr.

Okay.
Nachdenken.
Dann: wahllos Einstellung verändern.
Ein paar Mal die Auflösung ändern.
Logischerweise den Computer hoch-, runter- und wieder hochfahren.
Nichts.

Einfach nur: Kacke.

aufgewärmt: Flieder//Robotorliebe

Ich wärme auch alte Texte auf. (Nicht einen, sondern zwei, weil ... ach, das Übliche. Ich komme zu keinem richtigen Entschluss). Trendhure, just for a day.

*

Flieder.

Ich träume von dir. Ich träume von deinen blauen Augen und deinen Lippen, ich träume von deinem braunen Haar und deiner Nase, - es ist dein Gesicht, das ich sehe, eingerahmt von dem Flieder, der im Hintergrund an einer Hauswand in Richtung Dachstuhl wächst. Lila Flieder. Duftend. Er streut leise seine Blüten.
Irgendwo dort oben, auf diesem Dachsims, sitzen die Meisen und Spatzen, und zwitschern ihre Sommerlieder, während weiße, feingliedrige Pollen durch die Luft schweben, federleicht und schwerelos. Was kümmern sie mich, - was ist die Welt ohne dich?
Ich sehe nach unten: das Kopfsteinpflaster unter meinen Füßen dreht sich, wippt und wankt. Dann sehe ich hinauf und auch der Himmel zittert, wackelt, kippt. Das alles scheint wie aus Papier; es möchte zerknüllt in Ecken liegen, möchte zu Fetzen zerrissen im Wind verwehen. Davon, und über das Meer. Dazwischen liegt der Tod, möchte ich sagen, dazwischen liegt das Verderben, aber du nimmst mir die Worte noch bevor ich sie spreche und machst sie schön, ungefährlich, - du machst sie so leicht, dass sie wie die lilafarbenen Blütenblätter durch die Luft trudeln, und niemals, niemals den Boden berühren.

[Wenn ich ausatme, höre ich Schmetterlingsflügel rascheln].

Komm, sagst du, lass uns um die Wette laufen. Dann berührst du mich an der Schulter, streifst meine Brust, - du kitztelst meine Nasenspitze mit deinem Haar, und dann eilst du davon, - durch die engen Gassen und Straßen, über die Zebrastreifen, die unter deinen Zehen galoppieren möchten, und ich eile dir nach. Vorbei an all den Gesichtern, die uns mit ihren Blicken fangen, die uns festhalten wollen, und wir schneiden ihnen ein ums andere Mal Grimassen. Hastig, verliebt, fiebrig, unermüdlich, - das sind wir. Uns kann man nicht fassen. [Wir sind der Wind. Und ihr seid nur das Papier].


Die Ampeln sind alle rot, weil du nicht in der Nähe bist.

*

Fragment: Roboterliebe [+16]


Liebst du mich?

Sie schüttelt stumm den Kopf, - ihre Haare fallen ihr jetzt in die Stirn, - und sie sieht wieder raus aus dem Fenster, raus in die Stadt, die im Sonnenlicht schwimmt [Milch der Frühe], raus in die Backsteinwelt, raus in die Ferne. Auf ihrer Unterlippe glänzt ein Tropfen Wasser, rubinrot schimmernd durch den Lippenstift, und sie scheint es nicht zu spüren.

Begehrst du mich?

Ihre Augen streifen mich für eine Sekunde, streifen über mein Gesicht wie Sandpapier, über die stoppeligen Wangen, den Hals, kurz und anteilnahmslos, dann in der Schwebe, ungebunden reißt und zieht es in den Gedärmen.

Manchmal, sagt sie. Dann nippt sie an ihrem Glas und lässt es einen Augenblick lang in ihren Händen kreisen, unschlüssig schwappt das Wasser hin und her. Aber die meiste Zeit nicht dich als Person, als Mensch. Ich drehe meine Handflächen in den staubumschwirrten Sonnenstrahlen rückwärts, - ohne wirklich darauf zu achten, - und deute ein Achselzucken an.

Soll heißen?

Zögernd stellt sie das Glas wieder auf den Fenstersims. Ihr Körper zeichnet sich unter dem dünnen Rollkragenpullover ab, wie er sich unter einem Seidentuch abzeichnen würde: man erkennt nicht nur die Konturen, sondern jede Einzelheit, die Armbeugen, ihren sanften Hals, ihre Brüste; es ist, als trage sie nur ihre Haut, - sonst nichts.

Ich begehre den Körper, den Mann unter den Neurosen; das, was zwischen deinen Beinen ist, - alles, das Pulsieren, die Handflächen, die sich ineinander verschlingenden Körper, das Salz auf deiner Haut, unter deinen Achseln, auf deiner Brust, das Zucken, das Wiegen, kurz alles, was tierisch, was unmenschlich ist. Sie lächelt anzüglich.

Befriedige ich dich?

Ihr Lächeln ist aus Stein gemeißelt. Unverrückbar, unwiderstehlich, unbeschreiblich. Oft, sagt sie, öfter als andere. Und ich, wie ich da stehe, mit den nach außen gekehrten Handflächen, denke an die Mechanik, die der Bewegung innewohnt. Ich denke daran, als sie den Pullover über den Kopf zieht und ihre Haare wie ein Schleier durch den Rollkragen nach unten fließen, wie in einem Nadelöhr. [Milch der Frühe.] Ich denke an die Reflexe, an die Muskelstränge; ich denke an das Gewebe, die Schleimhäute, die Nervenbündel, und irgendwie fühle ich mich dem Zauber beraubt, - auch dann, als sie vor mir kniet.

Später stöhnt sie und ich stöhne, oder ich bilde mir ein, ich könne es noch, könne noch meine Atemwege, meine Stimmbänder, meine Zunge, die Lippen, ja den ganzen Mund zu solchen Geräuschen benutzen, doch stattdessen empfinde ich mich selbst als alte Pumpe, als ein mechanisches Wesen, ein Roboter, der reinrutscht und rausrutscht, und sie stöhnt. Ich spüre ihr Zittern, ihre Haut, die elektrisch aufgeladen vibriert und zuckt, aber ich zucke nicht. [Ist es das? .] Es ist heiß und heißer, aber das Kribbeln bleibt aus, die Nerven scheinen taub, oder tot. Ich bewege mich nur noch so, wie sie es erwartet. Und irgendwann ist es vorbei; ich spüre alles, spüre, wie sich irgendwas zusammenzieht, wie die Nerven wieder leben wollen, aber dann, kurz vor dem eigentlichen Höhepunkt, da ist es wie ein falscher Schritt: ein Taumeln, ein Stolpern und der Gedanke: ist es das? Dann der Fall.

Als ich meine Hose wieder anziehe, habe ich wieder einen Ständer, aber das ist es nicht. Keine Geilheit, kein Verlangen, nur Mechanik, mechanische Bewegungen, Roboterliebe; nicht mehr als zwei Substanzen, die sich emotionslos vermischen, und dann knallt es, aber es bleibt ein kalter Knall. Ohne Hitze, ohne Spuren, als rauche das Innere, aber sonst nichts. Es ist sonst nichts.