voy a sentir mucho tu ausencia
wann fängt das vermissen an?
dann, wenn man den abschied ausspricht?
(in einem satz, ganz nebenbei).
dann, wenn sich die hand von der anderen trennt?
(auf der straße, ein letztes mal).
wenn der zug schneller wird & die personen kleiner?
(dem flugzeug, das aufsteigt, kann man nicht nachwinken).
ich höre ein lied über die einsamkeit.
mein körper hockt auf einem der psychedelischen plastiküberzugsitze der bvg (rot, blau, weiß, schwarz) & die augen wollen alles gern zerfurchen. nein. ich bin nicht wütend, wie sollte ich wütend sein? auf wen?, warum? nur weil jemand früher den raum verlässt als erwartet? wem will ich das zum vorwurf machen? (mir vielleicht, weil ich unfähig bin, damit umzugehen). nein. der zustand lässt sich nicht konservieren, diese momente passen in kein einmachglas, - es geht alles ineinander über, & ich weiß, weiß?, ahne, fühle!, wie richtig es ist, wie sehr es sein muss, ...
gib mir ein neues glas bier, bruder, gib mir eine antwort: wann fängt nur das vermissen an?
dann, wenn die flugzeugräder den boden berühren?
(die lungen werden ganz mit neuer luft gefüllt).
wenn der erste monat vorüber ist?
(der erste brief geschrieben, die ersten bilder geschickt).
wenn die jahre kommen, die jahre!, jahrtausende, die allenfalls erinnerungen übrig lassen: eine melodie im einkaufszentrum, ein gedanken an den letzten tag, den letzten moment, das letzte wort, der letzte blick, - denn ja: als letztes bleibt der blick, der stumme, der ewige blick, - fängt jetzt das vermissen an?
die s-bahn stößt mich ins freie. ich atme berliner luft (luft luft!), & versuche mir vorzustellen, wie die nächsten monate laufen, das nächste jahr. (& vielleicht noch das übernächste). ich denke an die entscheidungen, die letzten augenblicke, - ist das wehmut?, ist das melancholie? nein, darauf geschissen. es ist abschied. #
Alles sagt mir, ich solle mich nicht wundern; alles sagt: Warum bist du traurig darüber, war es nicht doch zu erwarten? Nichts ist für die Ewigkeit bestimmt, natürlich nicht. Es war nur eine Theorie. Etwas, woran ich glauben wollte.
Jemand geht.
Jemand bleibt.
So läuft es eben.
Genieße die Zeit, die bleibt.
Es könnten noch Wochen sein. Monate. Vielleicht noch ein Jahr. Alles, was danach kommt, wirst du Vermissen nennen, und Anpassung, und du wirst dir deine eigene Feigheit vermutlich nie verzeihen.
Leinen loß!, du bist kein Pier, bist keine Tränke. Nichts und niemand ist an dich gebunden. Du kannst keinen, - keinen, der so ist wie du selbst, - vom Gegenteil überzeugen. Also streichst du dir die Augen wund, schreibst einen kleinen Text darüber, wie es sich anfühlt, - wie?, was? dieses Gefühl des Ausgießens: Das Herz schüttet dunkles Blei in die Eingeweide, alles läuft über, über und über!, und wird in Schwermut ertränkt, aber sei's drum: Du kannst es nicht verhindern. Du bist deinem Spiegelbild begegnet. Einer neun Jahre älteren Version deiner selbst: Sieh dir jetzt in die Augen, und sag, dass du nicht dasselbe machen würdest, - irgendwann, vielleicht im nächsten Jahr, ...
Ich seufze, seufze!, und schüttle es ab. Kaufe mir einen Döner an der Ecke, sehe mir irgendeine Serie an, lache und rede, - das Gefühl bleibt natürlich, es will den ganzen Verstand überlagern, aber ich versuche es.
Es bleibt zu wenig Zeit. Zu wenig Zeit, um jetzt schon mit dem Vermissen anzufangen. Zu wenig Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen. Zu wenig Zeit, um sich vorzustellen, wie es sein wird, ...
Ich muss der Pariser Métro entkommen.

