Interlude: Die Fahrt hinaus
Habe ich mit dem Fuß gewippt, oder war es das hastige Blinzeln der Augen? War mein Mund trocken, griffen meine Finger ins widerspenstige Haar? Ging plötzlich der Puls in die Höhe, brauchte die Lunge nur mehr Luft?
Ich weiß nicht, was ich (oder mein Körper als Reaktion) tat, als ich gefragt wurde, ob ich nach Jerusalem wolle, - für einen Monat, irgendwann am Ende des Sommers. (Ein bezahlter Flug, ein bezahltes Zimmer). Ich weiß nicht, was mir zuerst durch den Kopf ging. Das Fliegen vermutlich, die Angst davor. Oder waren es die Geschichten, die man sich im Westen so erzählt; die in die Luft gesprengten Busse, die verkleideten Männer mit ihren Bombengürteln? (Ja). Und danach? Der Felsendom. Die Klagemauer. Leben wie es in meinem Kopf eigentlich passieren sollte. Eine Frage zwischen zwei Stunden.
Und doch: Bisher keine Zusage. Von mir, mein ich. Ich konnte nicht so ohne weiteres Ja schreien, auch wenn mir R. sagte, ich solle. Ein Monat Jerusalem. Schreiben. Einfach so. Der Herzschlag macht mich schlaflos. Soll ich? (Mit 24, dann). Ist es das? Erfüllt sich die Prophezeiung, die ich mir selbst gegeben habe, so ohne weiteres?
Aber. Was ist mit der Zukunft eigentlich los? Also: Überhaupt! Mein Nacken ist steif vom vielen Nach-vorne-Sehen: S. redet von einem Volontariat bei Arte. R. erzählt mir etwas von einem Praktikum beim Aufbau-Verlag. Der Muttertron sagt mir, ich solle Suhrkamp nicht aus den Augen verlieren. Und Basels Ideen brennen mir Goldpartikel in die Haut: Ja, zu allem. Zu allem: Ja! Immer wieder. Ich will alles. (Und das ist durchaus bedenklich).
Was war Dänemark noch, was waren die Tage aus Wind und Vogelgeschrei?
Ich bin nervös. Ich bin unruhig. Spätestens jetzt wippt das Bein gegen den Takt, und die Augen blinzeln zu oft. Sich entscheiden. Sich bewusst werden. Die Möglichkeiten abgleichen, die Situationen richtig einschätzen. Prioritäten setzen. Das Ich ist bedeutunglos geworden: Die Intensität hat alles weggewischt, und auch wenn es jetzt so scheint, dass die Angst geblieben ist: auch das wird weichen. Denke ich. Aber die Überwindung wird nicht einfach, nichts ist wirklich einfach, natürlich nicht, - das ist ein neuer Kampf, ein neues Kapitel.
Wie kann es einfach so passieren?
(Rhethorische Spielereien).
Im Grunde ist es ganz egal, wie es passiert. Ich weiß. Darauf kommt es überhaupt nicht an.

