Monsieur Mort est insomniaque
1.
ich ging bis zur straße. siehst du?, nur irgendein schild, ein weiterer name, man vergisst so schnell, du wirst dich erinnern, & schließlich spürte ich regen obwohl die sonne schien.
2.
in dem kleinen café schenkte ich ihm das buch; es fühlte sich nicht wie abschied an, eigentlich nicht. nein.
ich legte es auf den tisch, - ich erinnere mich nicht mal mehr an die farbe des tisches, - & unvermittelt, als risse mich jemand aus einem traum, da sagte ich: für dich, - er sah es nicht kommen. wie hätte er sollen? ich habe nicht ein wort darüber verloren.
also streckten sich überrascht seine finger & nahmen das buch, - rotes leinen band die seiten, in gold geprägt stand babel, - sein danke klang trocken & warm, & das braun der augen ging über ins dunkel. er lächelte schief, & ich saß auf dem harten stuhl, dachte an das wort somnambul, wie ich es in letzter zeit häufiger mache, & strich mir strähne für strähne aus den störrischen augen. es fühlte sich nicht wie abschied an, eigentlich nicht. nein.
3.
die stadt im sommer erzählt mir etwas über das verlassen-werden; wie eine alte frau sitzt sie am fluss & redet von straßen, die fortführen, von anderen städten, du erzählst mir von wien, & ich denke ununterbrochen an paris, irgendwo steckt barcelona, aber ich nehme nur den wind auf, der mir erstes fernweh in die augen streut, --
4.
am fenster sitzend, lasse ich meinen atem frei.
ich hinterlasse meine spuren im herzen fremder.
ich gehe durch warmen staub, wische mit den fingern das schwarz weg, das mir die weißen möbel deckt, & überlege, wie sehr mir die träume die welt entzünden. die weißen vorhänge, das parkett, ich habe mal davon geträumt, es ist schon länger her. ich habe von diesem leben geträumt. wach auf, sagt daher der zeigefinger, der sich an kleinen dingen schneidet: an leisen worten, von schmalen mündern gesprochen; an der musik der gitarre, die mir der südwind ins duschwasser mischt; am glück.
kurz vor 23 uhr sticht mich der körper. es könnte die galle sein. oder die niere, ich sollte das untersuchen lassen. ich weiß. ich sollte jeden meiner leberflecke unter die lupe nehmen. ich sollte meine hoden von der medizin betasten lassen. ich sollte wie jedes jahr meine hirnströme messen. das leben ist so schmerzhaft, ist stromschnelle unter vielen. war es. letztes jahr war es das. jetzt ist es anders.
ich habe von der müdigkeit getrunken.
ich habe meine wut verschüttet.
das ist es nicht wert, sagt die synapse, die sich mit der andren bindet, das ist es nie gewesen, aber da sitzt ein mensch vor mir, der etwas will, der mich mit brennenden augen ansieht, dessen speichel mir vor lauter wut die arme netzt, & ich mache mir notizen, - ich schreibe jetzt mehr im stillen, - & ich, ich, --
vor meinem bücherregal sitze ich trunken. im schlaf hänge ich die photographien um, die mir die wände färben. ich weiß nicht weswegen. ich möchte manchmal weinen, so dünnhäutig bin ich selbst im wind, hemmungslos, endlos, aber das geschieht natürlich nicht. die traurigkeit entkommt mir nicht. sie ist in glück getränkt. in verzweiflung. in sorge. ich kann nichts mehr voneinander trennen.
um punkt sieben uhr bin ich wach. ein krankenwagen weckt mich nicht, auch nicht die müllmänner, nicht die leute vom bau; es ist das licht, das sich im schmierigen fenster aufhält, das leise daran klopft, lass mich ein. der tod webt mir weißes haar ins braun. manchmal fällt es auf. manchmal nicht.
5.
ich habe mir das trinken verboten.
ich verhänge die fenster mit schwarzem tuch.
die besinnungslosigkeit war mir amme & hure,
jetzt bedarf es den träumen.
schlafe. geh bis zur straße. & nenn mir den namen.

