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Freitag, 24. April 2009

Der Punkt.

frieden finden als sei er verloren, - in der parochialkirche beispielsweise: dort, wo das mädchen ihre tasche abstellt, um zu singen. (ihre stimme ist donnergrollen & sirenengesang). sie ist ganz im licht der bleiglasfenster.

dann mit den blicken dem wind nachjagen bis die blätter in den bäumen zu funkeln beginnen. kitsch sans luxe, natürlich.

ich finde wunder: eine frau, die mich ohne zu zögern an der kasse im supermarkt vorlässt, obwohl ich mehr in den händen halte als sie im wagen hat. ein mann, der mir ein bier schenkt, abends, auf der admiralsbrücke, - dort sitzen die menschen auf der straße, warten bis das letzte bisschen licht verlischt, & trinken & lachen & spielen musik. (& die schnorrer sammeln die flaschen). in einem der antiquariate in der oranienstraße das buch von edward bellamy finden, - auch wenn es niemand je gesucht hat. dazu den besten kaffee der stadt trinken & darüber lachen. den ersten spargel des jahres mit messer & gabel zerfasern & über das nachbarskind lächeln, das am fenster zum hof wieder mal tanzt.

die motte tanzt ebenfalls: sie tanzt nachts um augen & lippen, weil durch blinzeln & atmen so viel licht entkommt; dann spricht man leise, flüstert ins telephon, damit die schatten es nicht hören. dabei geht es um nichts anderes als die nacht, die ewig verführerische, es ist schon kurz nach zwei, bald geht wieder die sonne auf.

ich denke an die egglise de portovenere & spüre die gischt im gesicht. nur dort, sagst du, nur dort. aber ich wünsche mir, die laternen am hermannplatz würden jetzt zu goldfunken zerplatzen. vielleicht ist das ja zu viel verlangt. aber der wunsch macht mich glücklich genug.
dann sagst du: komm mit, für ein paar monate. irgendwann im sommer. ich zeig dir die stadt, & ich spüre es, spüre wie sehr mir die ewigkeit das haar zerwühlt, & denke an das geschirr, das noch zu spülen ist, & an die t-shirts, die man noch waschen muss, & denke an das ganze ganze wissen, das ich mir anzueignen habe, - über die oktoberrevolution in russland, über die französische revolution, über spanien, über die diskurstheorie; ich muss mehr über bergson wissen, & derrida; vom schreiben & organisieren ganz zu schweigen. aber darum geht es überhaupt nicht. das ist nicht der punkt.

der punkt ist das ende alles bekannten.
was danach folgt, ist die ungewissheit.
das, was man abenteuer nennt.
es beginnt im kopf & endet nie.