something blue, something borrowed, something new
mit topf & pfanne schlagen wir nägel ins holz. früher hab ich mit dem topf tomatensoße gekocht, das war das einzige, was ich essen konnte. rund um die uhr: nudeln & tomatensoße. die pfanne hingegen habe ich seltener benutzt. heute schlage ich damit nägel in pressspan. billiges holz, ikeaholz. das ist mir beim umzug entzwei gebrochen, heute muss es wieder herhalten. wir bauen den kleiderschrank auf, im dritten zimmer. das unbenutzte zimmer, das am ende des flurs. es ist eigentlich eine rumpelkammer, in dem die gäste schlafen, - womit die gäste irgendwie teil des gerümpels werden, - finde ich. aber genau das versuche ich zu ändern. dafür der kleiderschrank. der kleiderschrank schafft ordnung, er spielt mit dem gerümpel versteck. im grunde ist das zeug zwar immer noch da, aber es wird aufeinander gestapelt, in regalfächer getan, es wird in die höhe gestopft. der kleiderschrank, - der sperrige & wirklich furchtbar hässliche, - erweckt den anschein von ordnung, dabei nimmt die masse in wahrheit überhaupt nicht ab. sie wird nur besser verteilt. es könnte eine metapher für mein ganzes leben sein.
wir lachen, wir haben getrunken, & draußen tobt das bisschen sturm, das wir vorhin von der brücke aus schon gesehen haben. blitze lassen uns wie graf zahl den donner zählen. wir hämmern mit topf & pfanne, & lachen darüber, wie absurd es ist. kein werkzeug erfordert kreativität, notgedrungen. (später versuchen wir es mit konservendosen, - man sollte geschälte tomaten nie unterschätzen).
schließlich steht das pressspan, & es ging tatsächlich schneller als ich's in erinnerung hatte. das ding erinnert mich an tubinga. ja, es ist überall gleich hässlich, gleich sperrig, gleich klinisch. wir reden darüber, ob wir ihn nicht bemalen sollten, schwarz vielleicht. (vom autolack in einer der kommoden sehe ich eher ab). dafür sind wir vermutlich schon zu betrunken, & farbe haben wir auch nicht, aber wir verschieben das auf wannanders. ich mag solche projekte. für die welt sind sie bedeutungslos. natürlich. die ästhetische elite aber wird über mich loblieder singen, vielleicht in tausend jahren, wenn man die reste dieses schranks aus der erde gräbt. vorausgesetzt irgendwer entwickelt eine methode, pressspan haltbarer zu machen. ach, & wenn die menschen die nächsten tausend jahre erleben.
später. wir sitzen in meinem zimmer, reden über deklinationen, achten nicht darauf, dass es längst nicht mehr regnet. warum wir unglücklich sind, liegt auf der hand. phantasmen. geldmangel. ergebnislose jobsuchen. mir wird erzählt, wie verachtung wissen übersteigt, & es macht mich wütend. generell sehe ich mich mit ungerechtigkeit konfrontiert, & will so sehr helfen, dass es mir die nächte weiß färbt. alles scheint geborgt: der moment ist geliehen von einer größeren entfernung, die nur der zufall überbrückt; das gefühl ist gestohlen von einer art schmerzlichen erinnerung, vergangenes lässt sich nicht mehr rekapitulieren, aber kapitulation ist ein anderes wort für gegenwart, - zumindest in diesem zusammenhang. kann man traurigkeit nicht von einem menschen abschälen?, kann man nicht etwas tun, etwas wesentliches, außer ihn zum lachen zu bringen? ich verschenke die gesammelten werke von virginia woolf, ich weiß nicht, ob das hilft, - natürlich nicht, - aber die geste erscheint mir notwendig. dazu noch ein notizbuch, ich finde es zufällig beim aufräumen der schraubenzieher. die beschriebenen seiten reiße ich heraus, sie taugen nichts. alles von mir geschriebene ist irgendwann obsolet. ich habe keine verwendung mehr dafür. die leere der seiten ist viel wichtiger, jetzt.
null uhr, dann rückt die stunde weiter & nagt am dasein. wir verabschieden uns mit einem handschlag, wägen die tage ab, - was geschieht & geschehen kann, - & für einen augenblick, glaube ich, wissen wir beide, dass alles nur geborgt ist. dass wir mit einem fuß schon aus der türe sind, mit der hand schon an der klinke. draußen im treppenhaus braucht das licht länger bis es angeht, es ist still, die welt ist vom regen gereinigt.
mein kleiderschrank steht.
das unglück wird darin platz finden. hoffe ich.

