de golpe
der multivitaminbrausetablette beim brausen zusehn; an der straßenecke stehn, und der regen klatscht applaus im eigenen gesicht; teuren whiskey aus kleinen gläsern trinken und über die eigene unfähigkeit am lautesten lachen; türkischen honig in der hosentasche schmuggeln und dann verschenken; die hand einen moment länger als gewöhnlich im anschlag lassen;
schließlich nennt sich's leben, nicht?,
und die ewigkeit ist kalt, eisig kalt, ohne irgendein gefühl, - daran wird kein gedanke mehr verschwendet, kein herzschlag, denn die ewigkeit ist ein abzählreim: wir gehn zurück zum ersten bitterlemonaugenblick, nennen es zweifel, um uns später daran zu gewöhnen, vermissen es beim zuschlagen aller türen, gehn grade straßen lang, vergessen's später. könnte es sein, dass wir zu leise lieben? könnte. es könnte auch sein, dass wir's zu laut sagen. wenn wir's sagen, mein ich. wenn überhaupt. das müsste man erst mal präpositionieren. könnte es sein, dass wir uns verlieren? das ist schon längst geschehen.
der knall kommt viel zu überraschend, - die sicherungen schlagen funken. und nichts als viel verzweiflung schwappt über, mit ins dunkle rein. es ist ein treppenhaus,
verloren,
ein verlornes treppenhaus, - die stufen führen eigentlich nirgends hin, aber ich steh da wirklich drin, huste in die armbeuge bis es sich so anfühlt als zögen spitze finger meine adern an den schläfen raus, und denke an den schlaf, den letzten, weil alles nur schlaf ist, und gehe hoch, und immer höher, nirgends hin. und doch ertappt mich jemand dort beim lachen, ich kann's noch, ich will noch, das lachen ist süßes gift, der letzte grund, weshalb nicht längst alles ineinander bricht. und bier wäre auch noch da.
thanatos, du siehst.
gib mir den becher, ich reich ihn weiter,
an den, der ihn zu halten vermag.
stummheit schlängelt sich frei, legt sich mir auf augen & mund, & nichts als mein herz, -- klingeln, ein scheppern, draußen im hof rennen die kinder, auf der straße schiebt sich der verkehr im dröhnen voran, glasklirren: nichts als das herz, nichts als das, schlägt thanatos die worte tot. (mein lachen, das ist das einzige, das mir ganz gehört).
An diesem Morgen stehe ich in der Sonnenallee und schmecke Kaffee und Orangensaft nach; der Regen geht so restlos ins Überall ein, dass ich nicht weiß, ob das Wasser von oben oder längst von unten kommt, - was soll's, - & ich stehe da, warte auf die M41, & für eine Minute bin ich frei. Trotz allem frei, müsste ich sagen. Trotz allem!, - dem Busfahrer ins Gesicht geschlagen; trotz allem!, - dem Hausmeister die Schlüssel aus der Hand gerissen, - verdammtnochmal! für eine Minute gehöre ich dazu, da bin ich plötzlich kein Versuch mehr, sondern ein Fulltime-Mensch: In meinen Adern der Alkohol, im Herzen der Kummer, die Sorgen, in meinem Mund der Geschmack von Orangensaft, Kaffee, die nassen Ärmel, die nassen Schuhe, die Ungeduld im rechten Fuß, der drohende Husten im Hals, - das ist alles plötzlich mehr als weißes Rauschen. Es ist das Gefühl, zum ersten Mal in Echtzeit zu existieren. Kein Phantom, eine Minute lang. Das ist die eigentliche Ewigkeit. Alles, was man bekommt. Von ihr.

