Seabear
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Desweiteren stimmt: Dieses Lied.
1.
Ich schütte mir heiße Milch in ein Honigglas & trinke es mit seligem Lächeln; nicht nur die Finger kleben danach, der ganze Körper tut es: Der Mund, die Schlüsselbeine, die Nippel, der Schwanz, die Beine, & Arme, alles.
Wie von Buchstaben geküsst,
glänzt der Leib --
Der Honig wirft Blasen in meinen Adern, er staut den Sauerstoff in den Zellen, er bremst den Herzschlag, gegen Null geht die Kurve des eigenen Blutes, ...
2.
Unter der Last der Sonne lösen sich die Atome auf, die Ich sind, & alles geht ein in die Atmosphäre, die unsre Hände sind, tanzend im Haar, auf Kuppen gehend über Narben & Falten; ein Tag über dem Geröll unserer Erinnerung, ein Tag als Klippenspringer, - denn ja, wir springen ins Tosen eines Meeres, das niemandem gehört außer jenen, die bereit sind es bis zum letzten Tropfen zu trinken.
3.
Der Körper liegt nackt unter dem Fenster, wo die Lichtstreifen ihn berühren können, da, beim Weiß der wehenden Vorhänge. Die Stadt, dieses B., das niemandes Namen kennt, singt draußen sein Lied; ein ohrenbetäubendes, ein zeitraubendes, ein betörendes. Alle Sätze, die mit GEGEBENENFALLS beginnen & die dann niemals enden: Sie sind dort draußen, sind hier drinnen, im Schwülen & Lauen, im Abend der Abende, in der Matrjoschka eines Herzens, das nie zur Ruhe kommend, Liebe in die Nächte hämmert, in den andren, fremden Leib, der zwischen weißen Laken liegt: Die Haare wie ein Kranz auf dem Kissen, der Brustkorb einen kühleren Atem umschließend, die Hände auf Muskeln & Haut, - geliebt, geliebt, geboren, versandet im Traum, eingesteckt in die nächste hölzerne Puppe, verloren, zu Asche verbrannt, gestreut, gesät, als Erinnerung gewachsen, geliebt, & immer geliebt.
4.
Das, was Wirklichkeit ist, fällt Tag für Tag in andre Bestandteile auseinander. Es gibt kein Oben in diesem Spiel, kein Unten, es ist alles nur Geträumtes, Wieder-Erinnertes.
Ich habe mir die Zeit immer als rauchende Frau vorgestellt; jetzt sitzt sie auf dem Fenstersims, jetzt geht sie in den Hinterhof & wirft den Müll in einen der Container, jetzt sitzt sie im Flur auf dem Boden & trinkt dort ein Glas des chilenischen Weins: & nie, & niemals, & immer von vorn geht der Kreis in einen andren über, gehen die Gedanken eines gestrigen Tages in einen morgigen ein, & der Körper, der nackt bleibt & ewig nackt, zerglüht im Fieber einer Möglichkeit.