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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein</title>
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    <dc:publisher>morbus</dc:publisher>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein</title>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4942766/">
    <title>der gläserne mensch</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;du fragst mich, wie es mir geht, &amp; ich denke: &lt;i&gt;wie kann ich nicht lügen?&lt;/i&gt; also zucke ich mit den achseln, &amp; bleibe sprachlos im zimmer sitzen. die welt ist blau, weil der rollo blau ist. meine augen sind blau, weil ihnen der farbstoff fehlt. wenn ich wieder so blond wäre, wie ich es als kind war, dann würde das auch für meine haare gelten. fehlende farbstoffe. nein, ich bin einfach nicht so bunt, wie ich gerne wäre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ ] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir tun nur ein bisschen die beine weh, aber ich brauche wirklich kein aspirin, danke. durch mein rückrat windet sich der stracheldraht, aber ich will wirklich keine tabletten mehr. ich wache jeden morgen auf, &amp; fühle mich noch ein paar augenblicke geborgen. schmerzlos. eingelullt in träume, die mich berührt haben. aber ich fühle mich nur solange gut bis ich aufstehe. dann fühle ich mich vom morgengrauen betrogen. &lt;br /&gt;
aber ich bin nicht so. ich bin kein melancholischer mensch. ich bin kein pessimistischer mensch. ich bin manchmal ein soziopath, aber in anbetracht meiner mitmenschen halte ich das für verzeihlich. notwendig sogar. in gedanken schreie ich sehr viel; stehe schreiend an klippen, stehe schreiend in zügen, stehe schreiend in kirchenschiffen. (&amp; auch in krankenhäusern). es ist mehr als nur ein gefühl, mehr als nur eine laune. windsein heißt farblos sein. aber toben-dürfen. ich tobe gern. der rest von mir ist zerbrechlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ ] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber es gibt etwas, das mich berührt. betroffen macht. das ist die sache mit dem krebs, den mir ein telephongespräch in hauchdünnen scheibchen in die wirklichkeit reicht. meine tante hat es, diesen krebs. &amp; es stellt sich immer wieder heraus, dass sie weiter kämpfen muss. &lt;br /&gt;
ich hingegen stehe nur daneben, neben meiner mutter, &amp; meinem bruder, &amp; auch neben mir, &amp; ich weiß nicht, wie ich damit umgehen muss. in gedanken rekapituliere ich die letzten augenblicke, - das mache ich schon seit jahren, archiviere momente in einmachgläsern, die ich bei bedarf freilasse, für eine szene oder zwei, aber das erleichtert nicht den umgang. ich versuche andere zu analysieren, versuche meine umgebung zu analysieren, aber es ist nur ein dumpfes schweigen, ein darüberreden, dem die worte nicht gerecht werden, ein heimlicher schrecken, ein betäubtsein, eine hand, die zaghaft durch die haare streicht. es ist eine geschichte, die tausendfach gelebt wird, es ist ein leben, das tausendfach in krankenhäusern stirbt, es ist die vielzahl, krebse an stränden, dicht bei der gischt. das hört man, das sieht man, das hat man in der eigenen familie, das kennt man von bekannten, von freunden, aus dem fernsehen, von liedern, - im schlimmsten fall hat man es sogar selbst. dieses haben, dieses nicht-haben. &lt;br /&gt;
ich werde zum man, objektiviere mich, weil ich nichts spüre, keine echte empfindung, - nichts, was sich beschreiben lässt. es ist dumpf &amp; taub, als tauche man in den  marianengraben hinab, glitzernde luftperlen unter der glasglocke, &amp; die brodelnde schwärze, tausend bar druck, kälte, hitze, unfähigkeit, sich zu bewegen, zu schreien, zu denken; ein gefängnis, dem man nur dann entkommt, in dem man sich auf etwas anderes konzentriert. (seit jahren konzentriert man sich schon auf etwas anderes). beileid, mitleid, das blut in den venen, das dicker sein will als wasser, &amp; das doch nur flüssigkeit ist, transportmittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
alles ist zerbrechlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ ] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber es gibt die lebenslust in bauchigen rotweingläsern, in weißen betten. wie riecht es eigentlich in sacré-cur? ich versuche es zu schmecken. mozarella auf roten tomaten. melonen vor dem ventilator. ich sitze in der s-bahn, &amp; fange unermüdlich an zu grinsen. eigentlich hatte ich doch noch glück, mit allem. eine currywurst, dazu pommes. ich weiß, wie es nach dem ersten sommerregen riecht. ich weiß, wie das erste eis des jahres schmeckt. ich weiß, wie es ist, wie es nicht ist, bin ein liebesblöder vollidiot. das heißt: kein leben nur aus zweiter hand. daher lache ich auch gern.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich kann alles vergessen, jeden splitter unter der haut, jedes gefühl der sterblichkeit, ich sauge mich an einem körper fest, den ich begehre, &amp; es ist mir ganz egal, was man von mir denkt. (es ist alles nicht genug). ich raufe mir die haare, &amp; verschütte mein bier. ich bin einer der gläsernen menschen. (ein falscher schritt, &amp; meine welt &amp; ich sind kaputt). das ist okay. was kann man denn sonst auch tun? wie lebt man richtiger besser vollständiger? es gibt zu sich selbst keine alternativen.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/egotrip&quot;&gt;egotrip&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-22T14:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4942223/">
    <title>GROSSstadtGEFLÜSTER, Pt.3</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4942223/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Graue Einheitsfassaden, aufgerissene Straßengräben, bunte Kopftücher vor dem H&amp;M, und ein Geruch von verbranntem Fett. Mitten in der Stadt, &lt;i&gt;Großstadt&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Kreis&lt;/i&gt;stadt, - ein Blick in eine Welt der Slowmotionbewegungen, in der das &lt;font size=&quot;1&quot;&gt;GROSSE&lt;/font&gt; um das KLEINE kreist. &lt;br /&gt;
Wir gehen stumm und zielstrebig an den Gebäuden vorüber, die nach dem Krieg in großer Hast errichtet wurden: große graue Einkaufshallen, die sich viel zu dicht aneinanderdrücken, - ihr Glas ist trübe geworden, die Spiegel sind blind, - und Geschäfte, die mit Schildern werben, die von tausend Jahren Sonnenschein farblos geworden sind, mit Produkten, die im Gedränge untergehen. Vor einem der Geschäfte, - es ist ein Schreibwarenladen, - sitzt ein Mann und trinkt Cola vom McDonalds; daneben steht ein Becher mit Kleingeld, und ein schiefes Pappschild mit krakeliger Schrift: &lt;i&gt;Ich bite um 1 Milde spende&lt;/i&gt;. Als gäbe es die Armut nur in der Großstadt, denke ich, und bemerke, wie es keiner merkt. Auch Peppermint Patty nicht. Worin liegt also der Unterschied? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Theorie sind wir alle gute Menschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei versucht man es! Man &lt;i&gt;will&lt;/i&gt; es: Anschluss an die Welt von Morgen! Daher die neuen Fugen im Kopfsteinpflaster. Daher die neuen Schilder. Daher neue Glasbauten. Alles will Leichtigkeit vermitteln, und ist in Wirklichkeit nur schrecklich schwer. &lt;br /&gt;
Zwei Minuten später verscheucht der Verkäufer den Bettler vor seinem Laden; er droht ihm mit der Polizei. &lt;i&gt;Steine zwischen Steinen, zeige kein Mitleid.&lt;/i&gt; Keine Milde, spende!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gehen an kleinen Gruppen junger Männer vorbei, immer wieder. Selbstbewusste junge Männer, in gestreiften T-Shirts und geringelten Pullovern; in ihren Ohrläppchen glitzern geschliffene Glassteine. Sie stehen vor der Kirche, und rotzen auf die Treppen; sie stehen vor den Brunnen, und streuen ihre Zigarettenasche hinein; sie sitzen auf den Wippen der Kinder, und telephonieren. Sie sind so bemüht cool, so bemüht lässig, so bemüht stark, in ihren kleinen elitären Gruppen, aber was sind sie allein? Ich versuche in ihren Gesichtern zu lesen, versuche zu ermitteln, welche Ängste sie quälen, welche Wünsche sie haben, aber ich sehe alles wie durch das Pigmentrauschen des Fernsehers. Es ist zu weit weg. Eine andere Generation. Eine andere Welt. &lt;br /&gt;
Wir gehen an Frauen vorbei, immer wieder. Selbstbewusste junge Frauen, in zu engen Klamotten; auf ihren Lippen glänzt roter Lippenstift, ihre Titten hüpfen beim Gehen. Sie wirken billig, und aufdringlich, zu laut, zu grell, zu viel von allem, - ein Gegenentwurf zur Emanzipation, oder seine Verwirklichung? Sind das die Mädchen, die in HipHop-Videos mit ihren Ärschen wackeln? Sie tragen kleine Einkaufstüten, in denen kleine Dinge rascheln. (Glück gibt es zu kaufen). Zum Ficken reicht es allemal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildzeitung hat einen neuen Menschen geschaffen. [Ich denke an den Film &lt;i&gt;Idiocracy&lt;/i&gt;, an eine Welt degenerierter Glückseligkeit]. &lt;br /&gt;
Zwischen der Nordsee und dem Kaufhof beginne ich daher Peppermint Patty ein bisschen zu mögen, weil sie alle mit der gleichen Verachtung straft. [Jeder, der sich erniedrigt, verdient die Probleme, die er sich schafft]. Mit jedem Schritt: &lt;i&gt;Ich gehöre nicht zu euch&lt;/i&gt;, mit jedem Blick: &lt;i&gt;Eure Dummheit ist Teil des Problems&lt;/i&gt;, mit jedem Atemzug sagt sie: &lt;i&gt;Auch wenn es Jahre, oder Jahrzehnte dauert: Die Revolution wird kommen&lt;/i&gt;. Futur II. Die Revolution wird gekommen sein. (Es sind nichts als Privilegien). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin zu Hause, ohne zu Hause zu sein, gehe durch Straßen, deren Namen ich nicht kenne, an deren Ecken und Kreuzungen aber billige Erinnerungen stehen, bleibe mit meinen Augen an Auslagen hängen, die mir bedeutungslos sind, und die trotzdem eine Art &lt;i&gt;Begehren&lt;/I&gt; wecken, versuche dem eine Bedeutung abzuwringen. Ein Rückblick in die Kindheit. Ein Rückblick in die Jugend. Und dann? Es ist nur eine Geisterstadt, in der die Gespenster der verlorenen Zeit ihr Unheil treiben. Ticktack. Wo bin ich gewesen? &lt;br /&gt;
Ein leerer Platz in der Métro verfolgt mich durch den Sommer, Herbst und Winter, ein Kuss auf nackter Haut, ein Rippenbogen, der nicht meiner ist, auf dem sich straff die Sehnen spannen. &lt;i&gt;hush my darling hush&lt;/i&gt;, und nichts als das Rauschen des Windes, der durch die Baumwipfel streicht. Ist es. Systematischer Verlust, rote Sekundenzeiger, ein Ausblick eines Himmels über einem roten Ziegeldach? Oder nur: Erinnern? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein konvexes blaues Zyklopenauge über dem Display. &lt;br /&gt;
&gt;&gt;Klack, &lt;br /&gt;
macht die Uhr, und das Herz, und der Zug fährt weiter durch die siebenundvierzig Minuten Felder, Wiesen, Fachwerkhäuser. (Ich muss zurück).&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Avalons+Erben&quot;&gt;Avalons Erben&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-22T09:25:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4940403/">
    <title>GROSSstadtGEFLÜSTER, Pt.2</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4940403/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wir sitzen in der Bahn. [&lt;i&gt;Stadt&lt;/i&gt;bahn, heißt die, und es folgen siebenundvierzig Minuten Felder, Wiesen, Fachwerkhäuser]. Man teilt sich den Raum, indem man dem anderen nicht in die Augen sieht. Das ist einfach. Viel schwerer hingegen ist es, generell keine Anzeichen von Leben zu zeigen, kein Atmen, kein Blinzeln; man werde Stein zwischen Steinen. &lt;br /&gt;
Ich sitze neben Chuck-y, Niemalslandbewohner. Ich beobachte ihn aus den Augenwinkeln, und zwar in der Reflektion im Fenster. Ihm sind früh die Haare ausgegangen, weshalb er sich schon seit Jahren die letzten blonden Büschel abrasiert, und auch wenn das damals merkwürdig frühreif gewirkt hat, so, als hätte er plötzlich seine Jugend verloren, so ist es ihm jetzt Merkmal und Kennzeichen, ein notwendiges Stilmittel; unvorstellbar, er könnte irgendwann doch mal seine Geheimratsecken zur Schau stellen. Er ist ein Kopf kleiner als ich, - was keine Kunst ist, - aber dafür viel kräftiger, allein seine Oberarme sind so muskulös, dass ich daneben wie ein unterernährter Waisenknabe wirke. Das betont er natürlich: sich, und seinen Körper. Meistens sind es daher T-Shirts, die er ein kleines bisschen zu kurz trägt, - um so vieles zu kurz, dass, wenn er sich bewegt, ein bisschen Haut zu sehen ist, - nicht viel natürlich, das wäre ihm zu aufdringlich, nur ein Spalt breit. Vermutlich denkt er, dass es auf Frauen verführerisch wirkt, wenn sie ein bisschen blonden Flaum sehen, ein bisschen schwarzes Haar, Hüft- und Bauchmuskulatur. Keine Ahnung. Es funktioniert in der Regel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde ist Chuck mein Nemesis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre da nicht Peppermint Patty, sie sitzt neben ihm. Hat sich ihre roten Haare zu einem Zopf geflochten. Es sind schöne rote Haare, gefärbt natürlich, - wahrscheinlich mit so einer Farbe mit ausdrucksstarkem Namen, &lt;i&gt;Sunset Revolution Red&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;Bloody Mary Red&lt;/I&gt;, - aber eindrucksvoll. &lt;br /&gt;
Peppermint Patty ist das generell. &lt;I&gt;Eindrucksvoll&lt;/i&gt;, natürlich. Eine perfekt funktionierende Stepford. Mit Emanzipationschip. Wie sie da so ihre Brüste durch das enge schwarze Tanktop drückt, wie sie ihre langen Beine übereinanderschlägt, der Kajal ein bisschen wie die Winehouse, ein Piercing in der Nasenwurzel, - sie schreit nicht &lt;i&gt;Fick mich!&lt;/i&gt; Sie schreit: &lt;i&gt;Denk nicht mal im Traum dran, mich als sexuelles Objekt zu betrachten!&lt;/i&gt; Auf ihrem Rucksack glitzert ein Button, er zeigt Alice Schwarzers Profil, darunter steht: &lt;i&gt;Welcome to the Wonderland of outmoded Thinking, Alice&lt;/i&gt;. Für einen Moment frage ich mich, ob das Zynismus ist, oder eine klare politische Aussage, aber ich verkneife mir jeden Kommentar. Für Peppermint Patty bin ich nicht mehr als eine flüchtige Erscheinung, ein Versuch emanzipatorischer Konvergenz. Das muss man nicht beachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Chucky vier Jahre lang nicht mehr gesehen; er war in Jerusalem, hat behinderte Kinder betreut und währenddessen eine Ausbildung als Sanitäter abgeschlossen, - sein soziales Engagement ist wirklich erschreckend. Während der Fahrt unterhalten wir uns ausschließlich über seinen Aufenthalt, - auf meine Frage, wie die Lage abseits der Medien zwischen Juden und Palästinenser sei, schnaubt Peppermint Patty verächtlich. Mir ist, als hätte ich etwas gefragt, wofür ich mich zutiefst schämen sollte, - Darf man überhaupt noch Jude sagen?, - aber ich schnaube nur irritiert zurück. Und weil sie es so will, richte ich mich an sie, wende mich voll und ganz ihr zu, ganz und gar Futur II, heute: eine Zukunft, die schon abgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
Ich frage: &lt;i&gt;Und was hast du in den letzten vier Jahren so getrieben&lt;/i&gt;? &lt;br /&gt;
Sie: &lt;i&gt;Was soll ich schon&lt;/i&gt; getrieben&lt;i&gt; haben?&lt;/i&gt; [So wie sie das Wort betont klingt es plötzlich wirklich anzüglich]. &lt;i&gt;Ich war natürlich&lt;/i&gt; (!) &lt;i&gt;zwei Jahre in Südamerika.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Natürlich,&lt;/i&gt; sage ich. Und konzentriere mich auf ihren Kopf, der dann natürlich explodiert, Blut und Gehirn spritzen gegen Fenster und Polster. Ich wische mir die Reste aus dem Gesicht, und bevor das geschieht, nicke ich. &lt;i&gt;Natürlich&lt;/i&gt;. Was auch sonst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font size=&quot;1&quot;&gt;FRTSTZNG FLGT&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Avalons+Erben&quot;&gt;Avalons Erben&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-21T11:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4938568/">
    <title>GROSSstadtGEFLÜSTER, Pt.1</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4938568/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Zukunftsberge, - Zukunft bergen, Futur II: &lt;i&gt;geborgen haben&lt;/i&gt;; man atme gegen das Fensterglas und staune über die Synchronität der Bahnhofsuhren: &lt;br /&gt;
&gt;&gt;Klack, &lt;br /&gt;
Herzschlag. Die Uhr steht auf Punkt 8, und ich sehe nervös auf das Handy. Ein Anruf in Abwesenheit. Sonst nichts. Mein großes blaues Auge schwebt konvex über dem Display und driftet immer weiter ab, nach oben, wo es dann mit dem anderen zusammenschmilzt und mich für ein paar Sekunden zum Zyklopen macht, - bis ich mich schließlich ganz und vollständig sehe. Ein abgehärmtes Gesicht: spröde wulstige Lippen, die gesichtsbeherrschende Nase, zu eng beieinander stehende, gerötete Augen, - das heute ist nicht gerade mein vorteilhaftestes Aussehen. (Aber ich kann es besser).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sehe auf, Zyklopenbeschleunigung: Der rote Sekundenzeiger verharrt, und ticktackt dann schließlich weiter, - &lt;i&gt;die Deutsche Bahn stiehlt mir systematisch Zeit&lt;/i&gt;, denke ich, und starre doch wieder zurück zu den Gleisen. &lt;br /&gt;
&gt;&gt;Klack. &lt;br /&gt;
Kein Grund völlig auszuflippen. Ich schwitze maßlos in den grauen Kapuzenpullover, - da hilft das Ärmelgekrempel und Kragenziehen auch nichts. Die Luft steht still, ist opak und lebensfeindlich, und das Training macht es auch nicht gerade besser. (Wie kann es um diese Uhrzeit nur so heiß sein?) &lt;br /&gt;
Umkrempeln, - das Wort hallt in meinem Kopf nach, ticktack: U m k r e m p e l n. Ein falsches Wort und dann wechselt man die Spur. (Wispernd, ein Lufthauch). Wie der Sportarzt, der mich jetzt also zum Laufen motiviert hat. (Futur II: &lt;i&gt;Er wird mich zum Laufen motiviert haben&lt;/i&gt;). Und dann das knallrote und viel zu enge Schweißarmband, das mir irgendwann Narziss geliehen hat, das ich dann zufällig zwischen den alten Notizbüchern fand, und das mir jetzt die Blutzufuhr abquetscht. &lt;i&gt;Umkrempeln&lt;/i&gt;. Ein Leben? Eine Einstellung. Ich atme nichts als lauwarme Luft in die Welt, und denke, es sei kochendheißer Dampf. Also: Ins Sportstudio, Gym, Fitnesscenter, - warum gibt es nur so viele aussagelose Worte für ein- und dieselbe Einrichtung? (Substrakt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&gt;&gt;Klack. &lt;br /&gt;
Ich gehe einen Schritt weiter weg, um mir Platz zu schaffen, - weniger impressionistisch also, - und sehe mich zwischen der Kneipe mit den nikotingelben Fenstern und der Bahnhofstoilette eingekeilt, direkt am Parkhaus, unter den &lt;s&gt;sind das Erlen?&lt;/s&gt; Bäumen. Ich bin den ganzen Weg zum Bahnhof gerannt, um den ersten Zug in die Großstadt zu kriegen, dabei ist die Großstadt weder groß, noch Stadt, sondern viel mehr die wahllose Aneinanderreihung unzähliger Substitute: picklige (postpubertierende) Türken in viel zu weiten Klamotten mit Glitzerapplikationen (Totenköpfe sind so &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; gerade), und Friseusenbiatches in viel zu engen Hüfthosen (pink, weiß &amp; mit Playboybunnies), die frischblondiert, mit Solariumbräune und Frenchnail-Maniküre zu &lt;i&gt;4 Minutes&lt;/i&gt; aus Handyspeakerboxen ihre leichten Köpfchen bewegen, alte Frauen in zweiteiligen Standardkostümen, Männer, arschlos in Kordhosen, und Mütter, die ihren Kindern eine kleben, Emos, verschüchtert in Schwarz und Goths, irritiert in Weiß, etc. Und ich. &lt;br /&gt;
&gt;&gt;Klack. &lt;br /&gt;
Und ich. &lt;br /&gt;
&gt;&gt;Klack. &lt;br /&gt;
Und die Uhr. &lt;br /&gt;
Tick tack. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der eingeschlagenen Glaswand lehnt eine Plastiktüte vom Kaufland, - sie ist voller leerer Bierflaschen. Fliegen kreisen. [Die Wiederholung ist (m)eine Kunstform]. Sieht das jemand, - irgendwer? Der Zug kommt, ganz in gelb, und mit Zyklopenbeschleunigung. Noch ein Blick auf die Uhr, - es ist sechzehn Minuten nach acht, - und dann steigt er aus. Viel zu spät, natürlich. Chuck, und seine Peppermint Patty. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&gt;&gt;Klack. &lt;br /&gt;
Das erste, was er sagt, ist: &lt;i&gt;Ich hab da ein Buch für dich&lt;/i&gt;, dann rieche ich herbes Männerduschgel, und fühle mich völlig überdreht. Sie nickt dazu, weiß, dass sie nicht mit mir reden muss, denkt, ich sei ihr unterlegen, und ich nicke unverbindlich zurück. Mein Nicken könnte alles heißen, von &lt;i&gt;Schön dich zu sehen&lt;/i&gt; bis &lt;i&gt;Fahr doch zur Hölle, du dumme Schlampe&lt;/I&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font size=&quot;1&quot;&gt;FRTSTZNG FLGT&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Avalons+Erben&quot;&gt;Avalons Erben&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-20T14:45:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4935564/">
    <title>kleinSTADTtheater</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4935564/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ein Sommer &lt;br /&gt;
ein einzelner! &lt;br /&gt;
reicht, um die Ferne&lt;br /&gt;
um die Liebe zu schmecken, &lt;br /&gt;
und ein Kuss, &lt;br /&gt;
ein Blick&lt;br /&gt;
ein einzelner?&lt;br /&gt;
im Supermarkt um die Ecke reicht, &lt;br /&gt;
- und hakelige Tasten, die einrasten, ohne sich zu lösen,&lt;br /&gt;
reich[t], all das?&lt;br /&gt;
Finde die richtigen Steckverbindungen, &lt;br /&gt;
und dir ist die Außenwelt gegeben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[please repeat]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist es das, was der Rücken trägt? &lt;br /&gt;
Kleinstadtpoesie &lt;br /&gt;
zur Weltkugel gerollt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders: &lt;br /&gt;
Der iPod spielt längst andere Alben, und Lenin wird wohl für immer ein Sternchenthema bleiben, aber immerhin: Don Quixote im Wartezimmer. &lt;br /&gt;
Ich bin nicht in Berlin, momentan, auch wenn ich morgens oft aufwache und mich nach Berlin &lt;s&gt;fühle&lt;/s&gt; sehne, - dann, wenn der Kissenabdruck nicht nach Lavendel riecht, sondern nach Augensalbe, - aber die Momente sind selten. Ich bin südlicher. Dort, wo es schwer ist, eine Internetverbindung zu kriegen. (Ha!, überlistet). Dort, wo alles der Muttertron richtet, und die Mittage unter brütendheißen Dachgiebeln ausgeschlafen werden, - es fehlt nur das Heu und die hochgekrempelten Ärmel, die Kühe auf den Weiden und meine wettergegerbte Haut. Stattdessen? Vergangenheit, die mir als Milchkaffee auf das neue Jacket tropft, und irgendeine Form der Zukunft, - fleischgeworden in Frauen, die mir auf den Arsch glotzen, der meistens ein stückweit höher als meine Hose sitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sehe mir Kirchen an, in klammen Kleidern, und mit schmerzendem Rücken, und denke mich frei. [Überhaupt, all das: Ich habe sehr viel Zeit zum Nachdenken. Über-Denken, manchmal]. Egal wie sehr mich die Sterblichkeit schüttelt: mein Wahn versiegt, und dann gibt es doch wieder einen Blick hinaus, und die Möglichkeit ist nichts im Vergleich zur Wirklichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Ich habe endlich den ersten Satz gefunden]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt vieles, was sich ergibt. (Strasbourg). Es gibt vieles, was ungenutzt blieb. (Jena). Es gibt vieles, was mich durstig macht (Bier), und vieles, was mich sättigt. (Eis). Es gibt tausendundeinen Traum, und immer noch Jeff Buckley. Berlin ruft mich zurück, - erst leise, aber von Tag zu Tag lauter, - aber ich kann hier noch nicht fort. Es gibt noch so vieles auf meiner Liste. [Also doch, dirty south]. Die Großstadtpossen müssen warten, die Welt dreht sich gerade (nur) auf meinem Rücken. Nirgends sonst. Also: Geduld. Also: Atmen. Also: Sommer.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/fort-laufend&quot;&gt;fort-laufend&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-19T10:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4845996/">
    <title>Ansatz 2B</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4845996/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Man kennt einen noch lange nicht deswegen, weil man sich unterhält; man kommt sich nicht näher, nur weil man weiß, welche Augenfarbe der andere hat; ein Buch verrät nichts über seinen Autoren, ein Lied nichts über seinen Komponisten, ein Kind nichts über seine Eltern. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mann unterbricht sie, in dem er sagt: &lt;i&gt;Es sind die gewöhnlichen Tage, die Sie traurig machen&lt;/i&gt;, und dann?  Sie sieht zwar abrupt auf, aber sieht sie ihn? &lt;i&gt;Nur ein wenig Wirklichkeit reicht doch vollkommen aus!&lt;/i&gt;, schreien ihre Augen, aber sie hält das weiße Blatt Papier weiter zwischen ihren Fingerkuppen, stumm und anteilnahmslos, und zerreibt ihre eigene Schrift zu blauen Flecken. Fühlt sie sich geliebt, wie sie da so steht? Mit den großen Kreolen. Und dem schwarzen Haar. Ist sie glücklich? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie zuckt mit den Achseln, und sagt: &lt;i&gt;Vielleicht&lt;/i&gt;, und liest einfach weiter.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. &lt;br /&gt;
In der S-Bahn schnappe ich irgendwo das Wort &lt;i&gt;Nobelpreis&lt;/I&gt; auf und denke an das Gefühl des Scheiterns, das in mir nagt. Nein. Das mich &lt;i&gt;ausmacht&lt;/i&gt;. [Ich bin der Kokon der Wirklichkeit, und aus mir schlüpft der Wahnsinn]. Ich mogle mich durchs Leben, bin mal hier, mal da, und eigentlich nirgends richtig, ich bin nie anwesend, ich bin ein Gespenst, die Erinnerung eines ganz anderen Menschen. &lt;br /&gt;
Berlin bewegt sich; links und rechts huscht die Stadt, die Menschen, die Welt. Highspeed-Bewegungen, Flatrate-Leben, Spam-Filter im Herzen. &lt;i&gt;Das ist da draußen&lt;/i&gt;, denke ich. Und lenke mich ab, feiere eine Party in meinem Kopf, damit ich die Stille nicht hören muss, die mich umgibt, die mich durchdringt, die Ich ist, - mehr Ich als alles andere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Everybody worries&lt;/i&gt;, sagt der Amerikaner unvermittelt zu der Polin, die neben ihm steht, kurz bevor sie am Zoo aussteigen. Ich entscheide ganz spontan, dass das auch meine Station ist, und bin plötzlich mitten im internationalen Überall. Im Exil der Worte. Im Gedränge, atme tief ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich begleite sie eine Weile, gehe neben ihnen, als gehörte ich dazu. Es ist auch alles so leicht, in dieser Gruppe, wo jeder sich nur mit Englisch verständigen kann. (Weil Muttersprache &lt;i&gt;mother&apos;s tongue&lt;/i&gt; ist, - das liegt im Mund und lässt sich nur im Kuss erfühlen). &lt;br /&gt;
Der Ire geht neben mir, und redet mit dem Italiener: sie lachen, - das versetzt mir einen kurzen Stich, aber das geht vorbei. &lt;i&gt;Everybody worries.&lt;/i&gt; (But did anybody care?) Die Ukrainerin in dem bunten Wickelkleid stimmt ein Kinderlied an, das ich nicht verstehe, und der Amerikaner prasselt quasselnd fröhlich weiter auf die übrigen ein, wie ein plötzlicher Regenschauer, wie ein Gewitter. Bis er mich bemerkt, - da hält er inne. &lt;br /&gt;
Er hat ein breites Gesicht, in dem sich seine kleinen grauen Augen schier zu verlieren scheinen, breit und grob, wie ein altes Leintuch, das man zum Trocknen auf die Wäscheleine hängt, und er lächelt ein schräges Lächeln, mit dem er nicht nur Zähne, sondern auch viel Zahnfleisch zeigt. &lt;i&gt;Er ist das Cliché eines Texaners&lt;/i&gt;, denke ich, denn er trägt tatsächlich schwarze Cowboystiefel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Hey, and where do you come from?&lt;/i&gt; fragt er mich, ganz in der Annahme, ich sei Teil der Gruppe, und ich erwidere: &lt;i&gt;Berlin&lt;/i&gt;, und grinse. So gehen wir auseinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.&lt;br /&gt;
Als ich nach draußen komme, - Jeff Buckley spielt gerade &lt;i&gt;Last Goodbye&lt;/I&gt;, - bin ich für eine Weile glücklich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reicht das denn nicht aus? &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Bahnbegegnungen&quot;&gt;Bahnbegegnungen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-28T22:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4891837/">
    <title>white light white light alcohol white light</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4891837/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Solange ich denke, dreht es sich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt. Kopf. Erinnerung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das Restalkoholblut in meinen Gedanken. Wie ein Lachen, das man mit der Hand wegwischen will, und das natürlich trotzdem bleibt. Habe ich gerade wirklich, -- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindrücke. Ausdrücke. (Wenn ich sitze, wanke ich). Suchend tippeln die Finger über mein Gesicht, aber sie finden nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Fünf Stunden Schlaf sind fünf Stunden zu viel&lt;/i&gt;, denke ich, und schmecke nichts als Ödnis in meinem Mund. Warum ist eigentlich meine Kleidung verkehrt herum? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnere dich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern saß ich also auf einer Party, oder nein: &lt;i&gt;Party&lt;/i&gt; ist zu viel gesagt. Es waren sieben Leute auf einem Balkon in Friedrichshain, - und Bier, viel Bier für Le Mo und mich, und im Grunde auch recht viel Bier für das Chaosmädchen, aber nicht genug, um den Film zu zerreißen. &lt;br /&gt;
Ich erinnere mich in einer Art überschnappender Deutlichkeit. An das Zusammenklappen meiner Beine auf dem kleinen Balkon, und an Nennen-wir-sie-Maude, die links, - links rechts links?, - von mir saß, und lachte, und auf Spanisch in ihr Telephon brüllte, und trank, und lachte, und lachte, und. Trank. Ich erinnere mich an den BWL-Studenten, und an den anderen, der der Andere bleibt, weil ich schon viel zu betrunken war, als sie sich vorstellten, um mir irgendetwas anderes als ihre Gesichter zu merken, die sich, wenn es sich denn ergab, nur dann zu mir drehten, wenn es ums Aufstehen und Bierholen ging. (Oder um den Zaubertrank, der nach Amaretto und Sommerfrüchten schmeckte). So im Nachhinein. Ich denke, die zwei konnten mich nicht leiden, denn immer wenn ich mit Nennen-wir-sie-Maude sprach, verstummten sie, hörten kurz zu, und tuschelten dann. (Besonders aufgefallen ist es mir bei dem Wort &lt;i&gt;Philosophie&lt;/i&gt;, das ich im Zusammenhang mit meinem Studium in Tubinga erwähnte). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem, ... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte mir für den Abend fest vorgenommen, betrunken zu sein. Unreif und kindisch betrunken, &lt;i&gt;volltrunken&lt;/i&gt;, ich wollte blind werden, und torkeln, und dann auf einen hochwertigen Teppich kotzen, aber es blieb nur beim Taumeln und Lachen. Tatsache ist: Ich gehöre zu den Menschen, die, wenn sie betrunken sind, eine Art Normalität erreichen. Ich kann dann ungezwungen reden, ohne dabei redselig oder aufdringlich zu sein, (Blei löst sich nicht in Alkohol auf), und bleibe zum größten Teil, so wie ich bin, werde also weder emotional, noch unmündig. Alles, was ich verliere, ist meine introvertierte Schüchternheit; ich werde also nicht sofort allzu zynisch, beleidige niemanden wahllos, und bleibe vor allen Dingen bei Verstand. Ich weiß, wann Schluss ist, wann ich an der Grenze zur Kontrolllosigkeit stehe, und in welchen Fällen ich diese überschreiten kann. (Was natürlich auch nichts weiter ist als eine Form der Kontrolle). &lt;br /&gt;
Je nach Gesellschaft werde ich, was ich sein muss. Das klingt vielleicht zwanghaft, aber so ist es nicht gemeint. Reden, wenn zu reden ist, und schweigen, wenn es das Reden erlaubt. (Daraus könnte man eine Devise machen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch immer. &lt;br /&gt;
Le Mo und ich tauschten stumme Blicke über die Kommentarfeldfunktionen der Anwesenden, - die Marquise d&apos;O. bspw., die nett wirkte, ohne dabei nett zu sein, oder die zwei Kerle, die Nennen-wir-sie-Maude mit einer prophetischen Weltuntergangsstimme, die trotzdem versucht war, so beiläufig wie möglich zu klingen, als schwul outete. Ich weiß nicht wieso, (es wirkte so zusammenhangslos); sie hatte es möglicherweise getan, weil ich irgendeinen Satz vor mich hingesagt, oder sie mit einem Blick, - einem bestimmten, - angesehen hatte, aber sie sagte es so, als müsse sie sich für das Verhalten der zwei entschuldigen, und als sei das Wort &lt;i&gt;schwul&lt;/i&gt; dabei die Entschuldigung schlechthin. Happy gay people. Ich nickte nur, und sagte vielleicht: Das ist mir völlig egal, oder auch: Damit hab ich kein Problem, - was beides nicht der Kern meiner Gedanken gewesen wäre, aber schlicht lässiger über die Lippen ging. Was kümmert mich die Sexualität von zwei Menschen, die ich erst vor wenigen Minuten kennengelernt habe? &lt;br /&gt;
Ich dachte noch darüber nach, als Marquise d&apos;O. schon längst verschwunden war, - &lt;i&gt;um sich zu waschen&lt;/i&gt;, wie sie sagte, und für einen Moment wünschte ich mir, sie hätte etwas ganz und gar Etikettiertes gesagt, wie: Ich pudere mir mein Näschen, doch die Marquise d&apos;O. war eher einem pragmatischeren Charakter zu zuordnen, denn sie fragte schon zu Beginn, ob wir nicht etwas zu rauchen hätten, und als keiner bejahte, schon leicht angepisst erwiderte: &lt;i&gt;Ich dachte, ihr hättet Kiffer eingeladen&lt;/i&gt;, - und Le Mo und ich übelst Biernachschub orderten. Ich dachte darüber nach, wie seltsam es ist, dass heutzutage das Outing eines Menschen (gerade durch einen anderen Menschen) immer noch nach Aufmerksamkeit verlangt. Wen interessiert eigentlich, wer welche Sexualität hat? Wen interessiert, ob der Kerl mit anderen Kerlen oder doch eher mit Frauen schläft, wo doch weder das eine noch das andere etwas über seinen Charakter aussagt, über das, was ich &lt;i&gt;Seele&lt;/i&gt; nenne? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich konnte sagen: Sie haben sich über mein bisheriges Studium brüskiert (seit wie vielen Jahren warte ich darauf, dieses Wort sinnvoll in einem Satz zu benutzen?), und zwar mit einer Art, die mich wütend machte. Also sind sie möglicherweise kein Gespräch wert. &lt;br /&gt;
By the way. Wie oft musste ich meinen Studiengang gegenüber anderen verteidigen, egal aus welchen Gründen? Wie oft musste ich mir anhören: &lt;i&gt;Philosophie und Französisch? Toll, und was macht man später damit?&lt;/i&gt; Und wie oft wollte ich sagen: Was? Du Vogel, was fängt man mit dem Wissen an, das man sich im Leben aneignet? Was resultiert aus dem Studium der Philosophie anderes als ein kritisches Verhältnis zu sich selbst und der Welt? Als die Fähigkeit, abstrakt zu bleiben, zu relativieren, zu pathetisieren, Kind zu bleiben, ohne kindisch zu sein? Natürlich hat es seine Nachteile, das hat jeder Studiengang, aber mit welchem Recht wird Philosophie heutzutage degradiert? Gerade die Philosophie, die Jahrhunderte lang Keimzelle für anderes war? &lt;br /&gt;
Ich war unglücklich, mit der Philosophie Tubingas, ja. Und ich mochte die meisten Studenten nicht, weil sie gerade ins andere Extrem glitten. Aber wie ich da so auf dem Balkon saß, und den abfälligen Blick der beiden sah, da spürte ich so etwas wie trotzigen Stolz in mir auflodern. Ja. Ich war &lt;i&gt;stolz&lt;/i&gt;, es zu studiert zu haben, &lt;i&gt;stolz&lt;/i&gt; auf Tubinga, mein Dänemark, das mir zwei Jahre lang Heim war, nie Zuhause oder Heimat, aber Heim, und auch wenn ich dem entflohen bin, - ich war stolz darauf. Ich habe es in meinem Studium weiter gebracht als andere, und ich habe den Studiengang nicht abgebrochen, weil ich es nicht geschafft hätte, sondern weil ich mit der Umgebung unglücklich war. Welche Risiken ich eingehen, und welche Opfer ich bringen musste, - das war diesen Vollpfosten doch überhaupt nicht klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte ihnen dafür aufs Maul hauen können, für ihren Blick und ihr Tuscheln, das für einen Charakterzug spricht, der mit meinem kollidiert, aber doch nicht für ihre Homosexualität. Ich hätte sie über das Balkongeländer werfen können, weil sie mich in diesem einen Moment geringschätzten, weil sie mich in eine Schublade pressten, in ein bestimmtes Weltbild, in dem Philosophiestudenten nichts wert sind, und nicht, weil sie mit Kerlen ficken. (Dabei erscheint es mir so paradox, wie intolerant Menschen sind, die selbst mit Intoleranz zu kämpfen haben). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich versuchte trotzdem höflich zu sein. Höflich, aber unverbindlich. Ich konzentrierte mich auf Nennen-wir-sie-Maude, und auf das Chaosmädchen und Le Mo, - das war schön, so wie es war. Und vielleicht ist es die Wirkung des Restalkohols, der mir beim Schreiben dieser Zeilen immer noch durch die Adern fließt, aber ich habe jetzt, so im Nachhinein, das Gefühl, dass ich nicht nur neue Menschen, sondern etwas an ihnen und mir selbst kennenlernte. Etwas, das vielleicht mit Respekt zu tun hat, und mit der Selbstverständlichkeit der Toleranz, mit Stolz (und Vorurteil, ha!), und jeder Menge Bier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, ein Hamster spielte noch eine Rolle. (Ich möchte ihn, nein: sie, - es war nämlich eine sie, - wie eine Hauptrolle in einem Bühnenspiel erwähnen: Henriette, - so hieß sie wirklich, - die Hamsterette). Keine wesentliche Rolle, zugegeben. Sie war nur für die Musik zuständig, (andere gab es keine). Und für die Szene mit der Marquise d&apos;O., die, als dieses riesige Tier auf ihrer flachen Hand saß, plötzlich aufschrie: &lt;i&gt;Ich glaube, es hat mich angekackt.&lt;/i&gt; Sie ließ es unbemerkt von allen anderen in den Käfig zurückfallen, wo es dann entsetzt quiekte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also: die Hamsterette, nicht die Marquise d&apos;O. &lt;br /&gt;
Wobei. Es hätte auch anders herum sein können.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Chaos%2C+Unverstand+und+Wahnsinn&quot;&gt;Chaos, Unverstand und Wahnsinn&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-27T08:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4796560/">
    <title>supposed to be. 21</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4796560/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wie sich die Menschen aneinanderreihen, Schlangen schlängelnder Leutseligkeit, wie Kind um Kind treten sie sich auf die Füße, und dann? Ein Lachen aus dem Zimmer nebenan. Ich beobachte ihre Schuhe, Sohlen, Schnürsenkel, auf dem Boden liegen zwar keine Worte, - sie verlieren sich noch in ihren Mündern, - aber trotzdem starre ich nach unten. Schweigsam, auf das Linoleum. &lt;i&gt;Kein Leben ist wie dieses&lt;/i&gt;, denke ich, und weiß nicht, was ich fühlen soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krankenschwestern in ihren weißen, gestärkten Kitteln schieben das Essen in die Zimmer, und ich bin kurz vorm Ziel. Zimmer 120: ein freundliches &lt;i&gt;Guten Abend&lt;/i&gt; von drinnen, draußen echot es zurück; Zimmer 121: nichts als das Schweigen; Zimmer 122: der Besuch, der sich durch die Tür ins Freie stiehlt; Zimmer 123, - und die Welt bleibt stehen. Ich erstarre noch für einen Moment unschlüssig an der Tür, schaue nach unten, dann auf die Uhr. Danach trage ich nie wieder eine Uhr, aber in diesem Moment ist sie wichtig. Sie zeigt 18.19 Uhr. Eine Zeit, in der es, nein, nicht &lt;i&gt;es&lt;/i&gt;, in der &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt; möglich gewesen wäre. Eine Zeit der Unschuld, vielleicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Kommen Sie doch rein«, sagt die blonde Schwester, die das Tablett gerade ins Zimmer balanciert. &lt;i&gt;Kommen Sie doch rein&lt;/i&gt;, eine Aufforderung, ganz selbstverständlich. Wie sollte sie wissen, dass zwischen &lt;i&gt;hier&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;da&lt;/i&gt; gar alles liegt? Vergangenheit? Zukunft? Enttäuschung? Verlust? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschied? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sieht ganz süß aus, mit ihren blonden Zöpfen. Ein bisschen wie Heidi, oder irgend so ein Mädchen vom Land, aus einem Heimatfilm, vielleicht zu bayrisch für meinen Geschmack. Da hilft auch das Lippenpiercing nicht. (&lt;i&gt;Reiß dich zusammen&lt;/i&gt;). Ich nicke stumm, und gehe rein. Schwanzjucken, Kopftätscheln, ein Blick auf ihren Arsch, und dann die verschmierten Fenster, - wie Popcorn im Kino verliert sich die Alltäglichkeit in solchen Momenten. Unvorstellbar, dass es wirklich &lt;i&gt;normal&lt;/i&gt; ist, dass im Hintergrund keine melodramatische Musik spielt, - ein Krankenhaus ohne Geigen gibt es nicht, - aber so ist es, &lt;i&gt;so&lt;/i&gt; und nicht anders. Zimmer 123. Ein Raum wie eine Abstellkammer: ein Einzelbett, ein weißer Beistelltisch neben dem Bett, und ein kleiner brauner Holztisch gegenüber dem Bett, ein Schrank, eingefasst in eine Wand, und sonst nichts. Nur Alan. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alan. (&lt;i&gt;Sprich seinen Namen aus&lt;/i&gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zähle stumm bis drei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eins. Zwei. Drei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was ist das?«, fragt er, und wischt sich mit der Hand über das Gesicht. Kein Nebel. Kein Schleier. Seine Augen sind wie Spiegel allmählich erblindet. So blinzelt er der Schwester entgegen, und wehrt mit der anderen Hand das Tablett ab, das sie ihm auf den Beistelltisch stellen will. &lt;br /&gt;
»Ihr Essen«, sagt sie, und lächelt, - sie lächelt mehr in meine Richtung als in seine, »Eine Suppe mit, -- «&lt;br /&gt;
»Ich hab keinen Hunger«, erwidert er, und er klingt trotzig dabei, - so, als hätte er es schon tausend Mal gesagt.  &lt;br /&gt;
»Aber Sie müssen etwas essen«, synchronisiere ich ihre Lippen, aber sie sagt es nicht. Sie bleibt stumm. Ihre Augen funkeln noch nicht einmal. Worüber sollte sie diskutieren? Sie stellt das Tablett hin, auf den anderen Tisch, nickt mir zu, und verschwindet lautlos aus dem Zimmer. Ich bleibe stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alan ist nicht wiederzuerkennen. Seine Arme sind bandagiert, seine Haare abgeschoren. &lt;i&gt;Kenne den Schmerz, und du wirst erlöst&lt;/i&gt;, - das sagt auch das Kreuz über dem Holztisch, aber das sieht Alan nicht. Seine Kreuze haben ihn vom Sehen erlöst, vom Denken, Leben, willkommen in der Transzendenz des Niemalslandes. Und doch sieht er zu mir herüber. &lt;br /&gt;
»Is da noch wer?«, sagt er.&lt;br /&gt;
Das ist das Cliché des Blinden. Und ich muss sagen: &lt;i&gt;Ich bin&apos;s&lt;/i&gt;, und dann herrscht Stille, und dann irgendwann sage ich doch was, und so weiter, aber es geht nicht voran. Also sage ich lieber im Vornherein nichts. Er blinzelt aus seinen Augenhöhlen, und ich weiß plötzlich, dass er sehr wohl etwas sieht, ich weiß, dass er mich erkennt, und mehr noch: ich weiß, dass er mich &lt;i&gt;braucht&lt;/i&gt;, aber ich stehe nur da. An einer Stelle. Unverrückbar wie der Baum, der da steht, wohin er gepflanzt wurde. Ich weigere mich, diesen Anblick zu akzeptieren. Ich weigere mich, diese Tatsache zu akzeptieren. Hier ist die Linie, und nicht ich habe sie gezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Seh ich denn so schlimm aus?«, fragt er in den Raum hinein.  &lt;br /&gt;
»Schlimmer als sonst.« &lt;br /&gt;
Er lacht, oder nein: er versucht es, aber seine Lunge zwingt ihn zum Husten, und so wird er von seinem eigenen Körper geschüttelt. Haut und Knochen schieben sich übereinander, reiben sich aneinander, und bleiben dann verschoben stehen. &lt;br /&gt;
»Meine Leber versagt«, sagt er. »Un meine Nieren sind auch am Arsch. Aber ich hatte gestern schon die Op.«&lt;br /&gt;
Es war sein Weg. &lt;br /&gt;
»Klasse«, sag ich, und das Wort schnürt mir halb und halb die Luft ab. Es war sein Weg. Seiner, ganz allein. »Bist also n kleiner Sonnenschein auf dem Weg der Besserung.«&lt;br /&gt;
»Jep.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stille, zwischen den Worten atmet die Stille. Ich sehe ihn an. Und ich möchte zurück, nur für einen Augenblick will ich zurück, nur ganz kurz. Und auch nicht für lange. Zurück in die Kindheit, als alles noch so einfach war, und die Zukunft noch unerreichbar weit fort. Es geht nicht, ich bleibe stehen. &lt;br /&gt;
Man sagt immer, man sei ein bisschen traurig gewesen, damals, man habe manchmal geweint, und dann setzt man hinter die Geschichte einen Haken, man verarbeitet sie, man spricht darüber und fängt an, es zu verändern, - aber vielleicht bin ich darüber sogar mehr als nur &lt;i&gt;ein bisschen&lt;/i&gt; traurig, - vielleicht bin ich &lt;i&gt;richtig&lt;/i&gt; traurig, angefüllt mit so viel Salz, dass ich den Meeren ihren Geschmack zurückgeben könnte, so traurig, dass all die Worte, all meine kostbaren Worten ihren unwiderruflichen Sinn verlieren, all die Seiten nichts als Vakuum, als Stille. Aber warum? Das Alles geht mit dem Nichts diesen einen Pakt ein, und man lebt. Und man stirbt. Reicht das denn nicht? (&lt;i&gt;Nein&lt;/i&gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich werde das schon schaffen«, sagt er, »Ich hab die OP ja auch überstanden. Der Rest is ganz einfach.«&lt;br /&gt;
Ich nicke, nicke mit dem Heliumballon meines Kopfes, - weit und klein ist die Welt, - und bewege mich zu ihm hinüber, ganz langsam, ganz vorsichtig, der Boden könnte wanken, die Wänden könnten stürzen, jetzt, sofort. Es könnte alles vergehen. Ich rücke dichter an das Bett heran. &lt;br /&gt;
Aus der Nähe betrachtet sieht er noch viel schlimmer aus. Rote Pusteln bedecken sein Gesicht, seine Lippen sind aufgesprungen, die Wunde an seiner Stirn eitert. Seine Hände sind keine Hände mehr. Warum ist draußen der Himmel nur so verdammt blau? Es sollte regnen. Stundenlang sollte es regnen.  &lt;br /&gt;
»Gott ist mein letzter Gedanke, und wenn ich sterbe, verschwindet die Welt, und alles wird vergessen.«&lt;br /&gt;
»Besonders meine hässliche Visage«, sag ich.&lt;br /&gt;
»Ja, ganz besonders die.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Habe ich seine Hand gedrückt? Habe ich geweint? Habe ich irgendetwas Bedeutungsvolles gesagt, - oder überhaupt etwas verdammt? Ich wünschte, ich &lt;i&gt;hätte&lt;/I&gt;! Stattdessen stand ich nur da. Genügte es denn? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen war es warm, und die Leute saßen in ihren T-Shirts im Grünen. Draußen war alles so, wie es sein sollte. Es gab keinen Ort des Sehnens mehr, keine Trutzburg, die man erobern musste. Ich musste keine Treppen mehr steigen, um anzukommen. Ich musste nicht den Schlüssel in der Tür umdrehen, und darauf warten, dass es geschieht. Es war alles da: Ein Universum der Angst, das mit dem Universum der Liebe verschmolz. Ein altes Ehepaar, das sich nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Falten liebt. Der letzte Sommerferientag, an dem die Zeit zerrinnt, und die Möglichkeiten doch schier endlos bleiben. Berthe auf dem Hausdach, und ihr Kirschmund lächelnd, und ihr langes Haar tänzelnd im Wind, und in der Ferne die Schwalben. Ein Schokoklecks im Mundwinkel. Ein Gefühl des Fallens, und Fliegens, eine Berührung meiner Lippen auf ihrer Haut, ihrer seidigen Haut. &lt;br /&gt;
Ich spürte nicht die Art Katharsis, die man spüren &lt;i&gt;will&lt;/i&gt;, - es tat auf eine bestimmte Art und Weise &lt;i&gt;weh&lt;/I&gt;, es schmerzte so sehr, dass ich zu atmen vergaß, aber vielleicht war das meine Art von Katharsis. Wie sollte es nicht weh tun? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stand in meinem Pullover da, in meiner Jacke, in meinen 54 Grad Fahrenheit, in diesem weißen perfekten Raum, neben ihm, &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt; neben ihm, und ich wusste, oder ahnte viel mehr, was alles verloren war, wie lange es brauchen würde, bis auch mich der Verlust treffen würde, und es war nicht bloß ein Nadelstich, den man mit einem Achselzucken erträgt, es war nicht bloß einfach ein &lt;i&gt;Abschied&lt;/I&gt;, es war &lt;i&gt;endgültig&lt;/i&gt;, für &lt;i&gt;immer&lt;/I&gt;, - für eine Ewigkeit, die sich nicht auf der Raum-Zeit-Konstante erstreckt, eine Ewigkeit, die nicht expandiert, weder in eine Richtung, noch in alle gleichzeitig. Es ist die Ewigkeit meines Lebens, die auch irgendwann erlischt, und vergessen wird, in nur wenigen Jahren, in ein paar Jahrzehnten. Keines der Worte wird das aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und doch. Ich sah, -- der Traurigkeit ins Gesicht? War es das? &lt;i&gt;bear the sadness of itself&lt;/i&gt;? Ich sah dem entgegen, was unweigerlich kommen &lt;i&gt;musste&lt;/I&gt;, - den Prozessen der Trauer, den gewöhnlichen Handlungen des Alltags, - das Abspülen, das Einkaufen, das Fernsehen, - und auch wenn ich vielleicht in Zukunft zögern würde, zu lieben, so würde ich es doch irgendwann wieder tun. Ich würde wieder hoffen, würde mich wieder in eine wie sie verlieben, würde wieder einem Freund helfen, - helfen bis zur Selbstaufgabe, und ich würde es trotz aller Reden nie bereuen. Aber der Moment der Katharsis verging, und ich verabschiedete mich von ihm. Eins, zwei, drei. Mit drei Worten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&lt;i&gt;Man glaubt, man wüsste. Und dann doch nicht. Niemals&lt;/i&gt;). Nichts hast du gesehen. Hiroshima mon amour. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tod kam plötzlich. Er kommt im Nachhinein immer plötzlich. Das macht seine Grausamkeit aus. Bei Alan geschah es am nächsten Tag, irgendwann am frühen Morgen. Die Schwester dachte, er würde schlafen, - schlafen, nur für einen Augenblick. Ich hörte es erst Wochen später. Im Zug, die Cashewkerne, das viele Salz auf meinen Lippen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nah ist die Erlösung für einen Märtyrer? Wie selbstverständlich ist die Flucht für einen Träumer? Wie hoch kann man fliegen, bevor man sich an der Sonne verbrennt? Das bleibt offen, natürlich bleibt es offen, - das ist der einzige Ausweg. Es bleibt alles offen. Letzten Endes. Das gibt den Dingen ihre Schönheit, und ihre ... Zerbrechlichkeit. Wie flüchtig das Leben ist, und wie wenig wir es begreifen, - vielleicht ist das unsere größte Schwäche. Vielleicht aber auch unsere einzige Stärke. Ich weiß es nicht. &lt;br /&gt;
Draußen, am See zieht sich das Herz zum letzten Schlag zusammen. &lt;i&gt;Still&lt;/i&gt;, flüstert es, &lt;i&gt;der Herbst kommt, und danach der Winter, und allmählich frisst das Vergessen.&lt;/i&gt; Dabei waren drei übrig. &lt;i&gt;Drei&lt;/I&gt;. Wie ein Ausruf auf dem Hochhausdach! Drei Gedanken, drei Menschen, drei Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende blieb nur eines. &lt;br /&gt;
Und am Ende blieb nur davon zu erzählen. &lt;br /&gt;
Und am Ende, und am Ende?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe nichts verloren. Das ist alles. &lt;br /&gt;
Ich habe nichts von all dem verloren. Es ist alles da. 
&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Parallelwelt%3A+Strich%28er%29leben&quot;&gt;Parallelwelt: Strich(er)leben&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-25T11:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4885818/">
    <title>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;font size=&quot;1&quot;&gt;LÖSCH MIR DIE AUGEN...</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4885818/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;font size=&quot;1&quot;&gt;LÖSCH MIR DIE AUGEN AUS: ICH KANN DICH SEHN&lt;br /&gt;
WIRF MIR DIE OHREN ZU: ICH KANN DICH HÖREN.&lt;br /&gt;
UND OHNE FÜSSE KANN ICH ZU DIR GEHN,&lt;br /&gt;
UND OHNE MUND NOCH KANN ICH DICH BESCHWÖREN.&lt;br /&gt;
BRICH MIR DIE ARME AB, ICH FASSE DICH,&lt;br /&gt;
MIT MEINEM HERZEN WIE MIT EINER HAND.&lt;br /&gt;
HALT MIR DAS HERZ ZU, UND MEIN HIRN WIRD SCHLAGEN,&lt;br /&gt;
UND WIRFST DU IN MEIN HIRN DEN BRAND, &lt;br /&gt;
SO WERD ICH DICH AUF MEINEM BLUTE TRAGEN. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[RAINER MARIA RILKE]&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-24T12:25:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4884561/">
    <title>Interlude. (001)</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4884561/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1. &lt;br /&gt;
Manchmal denke ich darüber nach, wie es im Alter werden wird, - wenn die Beine nicht mehr so einfach die Schwerkraft überwinden, wenn die Haut Falten hat, und keine Elastizität, wenn all die Menschen tot sind, die ich geliebt habe, und der Tod nur eine weitere Nummer auf der Liste. (Grabreden. Glockengeläut. Blumen). Ich frage mich dann: &lt;i&gt;Sind 21 Gramm in einem Seufzen vertan? Oder reicht ein Gedanke, - ein einziger nur, - damit dem Tod kein Reich mehr bleibt?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. &lt;br /&gt;
Manchmal sitze ich auf Friedhöfen und lese Dostojewskij. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &lt;br /&gt;
Manchmal verliebe ich mich in eine Welt, die nicht meine ist. Eine abstrakte Welt. Eine subversive Welt. Eine &lt;i&gt;substrakte&lt;/i&gt; Welt, voller verspäteter Rückschlüsse. Darin gleichen sich Tag und Nacht, und ich selbst bleibe verschieden. Wie ein Blick in ein leeres Zimmer. (Ich bin Princips rechte Hand). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. &lt;br /&gt;
Manchmal verbrenne ich armenisches Papier; es vertreibt den Geruch bitterer Mandeln, der meine Liebe ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.&lt;br /&gt;
Manchmal verzähle ich mich absichtlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. &lt;br /&gt;
Manchmal beobachte ich Menschen beim Reden, damit ich das Gefühl fürs Sprechen nicht verliere. Ich mache es heimlich, und beiläufig, und träume im Nachhinen oft, ich hätte doch etwas gesagt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. &lt;br /&gt;
Manchmal habe ich schreckliche Angst, und verliere mich in mir selbst, - Stunden, Tage, Wochen, - nur weil ich nach etwas suche, was ich schon längst habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. &lt;br /&gt;
Manchmal ist es zwei Uhr morgens, und ich wünschte, ich hätte jemanden zum Reden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. &lt;br /&gt;
Manchmal stehe ich am Meer, und erkenne, was es bedeutet, aus dem Meer zu kommen. Dann zähle ich Wellen, die meine Füße küssen, und hinweg wischen, und atme Salz, das sich in meinen Lungen absetzt, damit ich es immer in mir trage, - und bin glücklich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9.&lt;br /&gt;
Manchmal schneidet ein Lächeln meinen Blick entzwei wie eine Rasierklinge, und ich lächle zurück. Zahm, zaghaft, zögerlich, zeige kaum Zähne, lächle nur mit meinen Lippen das Lächeln gedankenloser Liebe, - und möchte doch nur küssen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/shortcuts+to+my+brain&quot;&gt;shortcuts to my brain&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-23T21:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4878670/">
    <title>Interlude: das Kreisen</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4878670/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die Wahrheit ist eine ganz andere: Mein Gesicht wird diffus, sagt man, und das Chatfenster meines Kopfes schließt sich nicht, egal wie oft man auf das X auch klickt, ... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, es geht nicht voran, ich stecke in einer Vorstellung fest, in einem Auflachen, in einem Gedanken. Ich bin hiermit unzufrieden, und ich entwickle mich nicht weiter. (Auch mit diesem Blog nicht). Das ist die Wahrheit. Deshalb suche ich nach einem neuen Namen, - nach etwas, das mich besser beschreibt, etwas, mit dem ich alles besser verwirklichen kann, aber ich verheddere mich nur in Übersetzungsprogrammen oder in Identitätskopien, Lord Byron 2.0. sozusagen. Das ist nicht das, was ich denke. Das alles trifft überhaupt nicht den Kern. &lt;br /&gt;
Ich lese manchmal meine Worte, und frage mich dann, wer der Kerl ist, der da schreibt. Alles pathetisches minderwertiges Zeugs, alles nicht weiter wichtig. Dann denke ich, dass ich nicht schreiben kann, dass ich keine Talente habe, dass ich keine Grundlage für dieses Leben besitze, und auch keinen Zweck. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich versuche mich an einer Geschichte, die ich nicht beende, die ich anfange, und abbreche, weil ich andere Bücher lese, die mir vorwurfslos Splitter in die Hirnwindungen rammen. Du schaffst es nicht, niemals, nie. (Sagen die Philosophen). Immer vergleiche ich, vergleiche vergleichsweise Vergleiche, und trage doch nur den Schaden davon. Ich würde so gerne etwas schaffen, bin aber zu unfähig, es zu verwirklichen. Das ist die Wahrheit. Ich erreiche in meiner absoluten Freiheit nichts anderes als die Kurznachrichten an das absolute Scheitern, als diese hastigen Notizen, die belanglos verschwinden, weil sie nichts besagen, - nichts als den geisten Verfall. Oh, was für eine Kunst! &lt;br /&gt;
Manisch hysterisch lache ich schließlich mit aufreibenden Händen an Stirn und Nacken, und mein Gesicht wird diffus, sagt man, und ich löse mich ganz plötzlich auf. &lt;i&gt;I&apos;m stuck in a rut, baby.&lt;/i&gt; Mitten in dieser großartigen Stadt lebe ich eine andere Art der Krise aus, die völlig unabhängig von meinem Leben funktioniert, denn mein Leben ist das, was außerhalb geschieht, in einer Welt der Atome, die man nicht sieht, - ich echolote mein eigenes Leben in der Erinnerung sterbenskranker Glühwürmchen, fresse Monde für die Abstraktion eines Kusses, denke zurück, wie es war, als alles wahr war, und nichts davon betrifft mich, denn ich bin der nette Mann an der Kasse, der sein Kleingeld raussortiert, und der es dann doch nicht passend hat, bin der, der &lt;font size=&quot;1&quot;&gt;DER&lt;/font&gt; sagt, und sich selbst meint, und trotzdem, und trotzdem, -- ein Anfall in einem Wispern, zwischen den Gleisen, frischt auf in der Nacht, um die Sterne zu jagen, und so kreist die Welt in einem einzelnen Atemzug zu Notizzetteln zersprengt, an Wänden kleben sie, und schreien mich an, und nichts geschieht. Das ist Wahnsinn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei. Bin ich glücklich? Ja, deshalb optimiert sich alles um seiner selbst willen, und die Unzucht treibt mit mir ein neues Spiel,  - es nennt sich Selbstbefriedigung, und geschieht in jedem Spiegelbildblick. Sind das da meine Haare? Sag auf Wiedersehen, Herz, nein, ja, alles nur eine Wiederholung, ein Echo der Vergangenheit. (Bewältige mich!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich so bin, wie ich jetzt bin, dann fängt etwas in mir Feuer. Die, die mich nicht kennen, weder mein Gesicht, noch meine Anfälle, die wissen nicht, was mit mir geschieht. Die lächeln, und verdrehen die Köpfe, weil sie glauben, ich wolle nur herausragen, aus der Menge, wolle besonders sein, dabei ist es mir noch nie darum gegangen. Ich habe den Tod geschmeckt. Was bedeutet mir Ruhm, was Berühmtheit? Wenn sie meine Augen sehen könnten, würden sie erschrecken, denke ich. (Das habe ich zu oft in meinem Leben gehört). Ein Sonnenstrahl in meinem Gehirn entsendet neue Impulse für diese Erde unter meinen Fingernägeln. Das klingt platt, und ist es auch. Ein letztes Mal. So, wie es aus der Laune heraus geschieht, geschieht es nicht, - weil man etwas besseres sein will, - dafür bin ich zu arrogant, zu verrückt, um verrückt zu sein; die Erkenntnis meines Wahnsinns sabotiert mich, und wärmt mich zur selben Zeit. Denn das ist alles nur aus einer Laune heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während mein Gesicht diffus geworden ist, ... &lt;br /&gt;
Während ein neues Lied alles in Schwingungen versetzt, ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
something old, something new, something borrowed, something blue. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vielleicht ist das Panama). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss alles neu machen, zwanghaft neu machen, verändern, re-kapitulieren. [Eigentlich bin ich nicht da, das wissen die wenigsten, und nur die Erinnerungen erscheinen regelmäßig um 13 Uhr am Mittag]. Also warte ich weiter ab, bis endlich alles online ist, und ich von vorne anfangen kann. Vielleicht brauche ich nur eine Pause, wie ich immer eine Pause gebraucht habe. Eine Auszeit vom Hier-Sein. Ein Knopf, ein Schalter, und plötzlich schläft Trevor Reznik. Eine Brise und ein Hauch, und Kirillow bleibt am Leben. So einfach ist das, mit dem Wunderland meiner expandierenden Ohnmachtsanfälle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich brauche Laudanum für meine trockenen Lippen.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/out+of+mind+%7C+b-sides&quot;&gt;out of mind | b-sides&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-21T21:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4878260/">
    <title>Interlude: Oh wie schön ist Panama</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4878260/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ein Anflug von Hitler; Skype: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;ich will, dass europa mir gehört, &lt;br /&gt;
&amp; sei es nur für die hälfte meines lebens.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was? &lt;br /&gt;
Naja. Der Kontext ist ein Gespräch (mit dem Chaosmädchen) über Panama. Oder genauer gesagt: über das Suchen &amp; Finden des persönlichen Neverlands, über das Reisen schlechthin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fakt ist, dass ich kein Tourist sein will. Nicht für den halben Preis. (Das hat mir der Tsunami damals gründlich ausgeredet). Ich will kein Hotelleben führen, gründlich und von den Putzfrauen am Abend wieder hergerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;ich will erkunden, mich in etwas einleben, es mir zu eigen machen, die bevölkerung beobachten, sie studieren, mit den &quot;eingeborenen&quot; reden, lachen, weinen, weiß der teufel, auch dreckigen sex haben, wenn&apos;s sein muss, aber ich will nicht von leben zu leben springen, &amp; nirgendwo wurzeln, also: wurzeln nicht im sinne von stehenbleiben &amp; verweilen,&lt;/i&gt; [...]&lt;i&gt; ich möchte, wenn ich woanders bin, so viele erfahrungen wie möglich machen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfahrungen. Kein Plastik, kein Photoalbum, kein &lt;i&gt;I &#9829; NYC&lt;/i&gt;-T-Shirt. Ich will keinen Abenteuerurlaub für 99 Euro, plus Rückerstattung, keine klimatisierten Bustouren. In Marokko will ich den Sand in meinen Poren, in Brasilien den unmittelbaren Schweiß der Gefahr. Es funktioniert nicht anders, - der Wunsch nach Authentizität ist nicht neu; ich will (wenn, dann!) Teil des Landes werden, der Menschen, der Kultur. Es geht nicht nur um ein paar Tage, oder Wochen zwischen zwei Lebensabschnitten, sondern um Lebensabschnitte selbst. (Refinanzier das, du Idiot!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber: Bevor ich einen auf Entdecker mache, muss ich erst realisieren, nach was ich eigentlich strebe. Was ich &lt;i&gt;will&lt;/i&gt;, oder was ich erwarte. (Wenn überhaupt). Nach was ich mich &lt;i&gt;sehne&lt;/i&gt;. Fluchtpunkte setzt sich jeder selbst, klar, und man erreicht sie proportional zur eigenen Konsequenz, darum geht es auch gar nicht. Tatsache ist doch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;ich kenne nicht mal das land, in dem ich wohne, aus dem ich komme. ich habe nicht einmal die hälfte davon gesehen. ich will wieder nach hamburg, &amp; nach leipzig, ich will bremen [wieder] sehen, &amp; meinetwegen auch das schwuchtelige köln; [ich habe auch von europa kaum was mitbekommen]. ich will wieder nach strasbourg, &amp; nach spanien; ich will italien bewandern. [ich will nach dänemark &amp; schweden, &amp; nach polen, &amp; england].&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheint mir einfach, in die Ferne zu schweifen, sich nach etwas zu sehnen, das weit weg ist, weil man sich an das Gefühl des Sehnens gewöhnt hat, weil man versüßten Schierling trinkt, sobald man bei einem fremden Namen plötzlich denkt: &lt;i&gt;Ach, wäre ich doch nur dort!&lt;/I&gt; &lt;br /&gt;
Ich für meinen Teil habe mein ganzes Leben lang schon das Gefühl, dass ich etwas suche, was ich unmöglich finden kann, aber gerade, jetzt im Augenblick, ist es nicht so schlimm wie in der Vergangenheit, weil ich jetzt hier bin, in einer Stadt, nach der ich mich regelrecht verzehrt habe. Jahrelang. (Und vieles davon war nur projiziert, natürlich, aber darum leidet die Realität noch lange nicht darunter: Ich brauche den Schmutz, den Verfall &amp; die Enttäuschung genauso zum Leben. Manchmal sogar noch notwendiger als alles andere). Vielleicht will ich zu viel, setze mir zu hohe Hürden für mein Leben, das anders viel einfacher sein könnte, vielleicht bin ich auch nur zu selbstgefällig, - ich weiß es nicht. Ich würde wollen, wenn ich müssen dürfte, aber es gibt überall Einschränkungen, und Prämissen, - das Geld, die Zukunft, die Liebe, - aber was sich nicht ändert lässt, erträgt man. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke, die Besonderheiten findet man nicht im Tui-Katalog, die Wunder geschehen nicht, weil man sie bucht. Ja, mehr noch: Man entkommt dem eigenen Leben nicht, indem man den Standort wechselt, - man riskiert nur einen neuen Blick darauf, verschiebt das Okular und sieht eine andere Perspektive. Und was ist dann Panama? Ich meine: Lehrt es dich Zufriedenheit? Oder Gelassenheit? (Falls ja, dann: Oh wie schön ist Panama). Oder kommt es darauf an, in Bewegung zu bleiben, um Bewegungen auszulösen, im Inneren wie im Äußeren? Fakt ist doch: das Streben nach einem anderen Leben in der Ferne vereitelt das eigentliche Leben in der Nähe. Wie soll ich richtig leben, wenn ich nur danach strebe, dem zu entkommen, und mich dann auf die wenigen Fluchtpunkte fixiere, die es mir bietet? Heißt das auf Dauer nicht: Unglücklichsein? Und weniger: Leben? &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/fort-laufend&quot;&gt;fort-laufend&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-21T19:15:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4765770/">
    <title>supposed to be. 20</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4765770/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Gibt es die Versprechen auf Besserung tatsächlich? Ich meine: im &lt;i&gt;echten&lt;/I&gt; Leben? Gibt es das Resultat, das sich wirklich anstreben lässt? Und nicht nur als allerletzte Instanz, sondern als erste, als einzige? &lt;br /&gt;
Jetzt huste ich, weil mir der Rauch lastend in der Lunge liegt, und ich trinke um den Geschmack zu vertreiben, dabei weiß ich, dass es nicht hilft. Weder das Husten, noch der Alkohol. Und trotzdem. &lt;i&gt;Und trotzdem&lt;/i&gt;, immer wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin müde, meine Augen brennen. Ich habe mir gerade alte Photos angesehen. Von uns. Nein, völlig falsch. Es gibt &lt;i&gt;uns&lt;/i&gt; ja nicht mehr, - &lt;i&gt;wir&lt;/i&gt; sind nur die Einzelteile eines Puzzles, das niemand mehr zusammensetzen will; &lt;i&gt;wir&lt;/i&gt; sind Gespenster, die im Verborgenen weiter existieren, zur Geisterstunde, um Mitternacht, ohne je einander zu sehen, zu riechen, zu fühlen; &lt;i&gt;wir&lt;/i&gt; tragen kostbares Geschmeide und teure Gewänder, und fühlen nur den Wind, nur den Regen, nur die Dauer eines einzelnen Herzschlags, - eines einzelnen! Jetzt haben wir ein anderes Leben, - oder jedenfalls ist es dazu geworden, irgendwann, vor ein paar Jahren. Hätten wir anders entschieden? Hätten wir in der Kindheit einen Traum weniger geträumt, wenn wir es gewusst hätten? Gäbe es mich noch, wenn nicht ich den Auslöser gedrückt hätte, sondern jemand anderes? Wer würde da jetzt liegen? Draußen, am See? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal träume ich davon. Manchmal erinnere ich mich falsch. Manchmal belüge ich mich selbst, um es besser zu machen. Dabei sind all die Träume, und Erinnerungen und Lügen die eigentlichen Fehler. Aber was soll man denn tun? Wie geht es anders? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sitzt jetzt in diesem Ohrensessel, und schaut mich an. &lt;i&gt;Beende es,&lt;/i&gt; sagen seine blauen Augen, und dann verblasst sein Körper zu Staub. Was soll ich beenden? Er ist kollabiert. Er ist gestorben. Mehr kann ich nicht sagen. Auf die ein oder andere Art sind wir alle gestorben, damals, in einer anderen Welt. Im Zimmer 123, im zweiten Stock, durch einen Korridor, durch einen Vorhang tastend, - was soll man da noch sagen? Es ist vorbei? Nichts ist wirklich vorbei. Wir wechseln nur den Aggregatszustand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal bin ich so müde. Da sehe ich zum Fenster raus, zu all diesen Starbuckspappbechern, zu all diesen McDonalds-Tüten, die im Brackwasser in der Gosse schwimmen, und denke zurück, zurück, ans echte Leben, zurück an den See, zurück an die Liebe, - ich denke an all das zurück, was ich nie hatte. Stattdessen sind da diese leeren Stellen, diese weißen Flecken unbenutzter Lebendigkeit, nur ein Schaukeln unter Bäumen, und ein Biss in die Tollkirschen, -- &lt;br /&gt;
Atropos, -- &lt;br /&gt;
Scherenschnitte. &lt;br /&gt;
Wie verabschiedet man sich richtig? &lt;br /&gt;
Natürlich gibt es Bücher, die einen mit schlauen Aufarbeitungstipps versorgen, es gibt Psychotherapeuten, und Selbsthilfegruppen, es gibt Musikseminare, aber letztlich ist ein Verlust doch unüberwindbar, oder nicht? Die Traurigkeit wird Teil des Lebens, - sie fügt sich in die Summe, sie ist wie eine Note einer Melodie, nur ein einzelner Ton, und trotzdem so stark wie ein ganzes Lied. Solange wir nicht vergessen, bleibt etwas zurück, - etwas, das nicht &lt;i&gt;verarbeitet&lt;/i&gt; werden kann, nein, mehr noch: etwas, das nicht verarbeitet werden &lt;i&gt;will&lt;/i&gt;. Warum auch? Lebe, weil du leben &lt;i&gt;darfst&lt;/i&gt;, aber sterbe, weil du sterben &lt;i&gt;musst&lt;/i&gt;. Sagt man &lt;i&gt;Lebwohl?&lt;/i&gt; Oder sagt man: &lt;i&gt;Bis bald&lt;/i&gt;? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich sehe dich so deutlich vor mir. Einen jungen Mann, der das Leben verdient hätte. Und der es doch nicht bekam. Du warst nicht abrupt aufgestanden, als wir über die Nazis sprachen, - du hast mich nur angesehen, aus deinen strahlenden Augen, hast mich&lt;/i&gt; nur&lt;i&gt; angesehen, und ich wünschte mir, ich könne wütend auf dich sein, dabei war &lt;/i&gt;ich&lt;i&gt; es, der stundenlang gesprochen hatte, - mein Mund war trocken, und ich hatte mir auf die Lippe gebissen, - über die Schuld unserer Großväter, und Väter, und auch über unsere eigene Schuld, und irgendwann war ich ganz schrecklich ungerecht geworden, dir gegenüber, und vielleicht auch mir selbst gegenüber, aber das wollte ich nicht zugeben, und so saß ich da, mit funkelnden bösen Augen, und starrte dich an. Ich wollte böse sein, aber du hast nur gelächelt, du hast gottverdammt nur gelächelt. &lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sitze jetzt in meiner verrauchten Kleidung am Fenster, und versuche mich an die Einzelheiten zu erinnern, ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wir Kinder waren. Kleine schmächtige Jungs, die auf abschüssigen Straßen Fahrradfahren lernten, immer gerade aus, und runter, die Beine hoch, weg von den Pedalen, und hinunter, dem Wind entgegen. Auf Schaukeln wippend, unter dem Baum, gegenüber vom See, als die Sonne schräg stand, und die Fenster zu eigenen Sonnen wurden; damals, als Claire sich ein T-Shirt batikte, in gelb und grün und blau und pink, und die Kirschen glitzernd zwischen unseren Lippen zerplatzten. Und wir wurden älter, die Landstraßen reichten nicht mehr aus, sie wurden immer kürzer, und die Welt schrumpfte, und das Korn wogte nicht mehr hoch genug. Hinaus, hinaus, aufs Meer hinaus, - dorthin, wo das Glück ist. &lt;br /&gt;
Wie wir jünger waren, und schlaksig. Gemeinsam entdeckten wir: Haare an Stellen, wo vorher keine waren; Berührungen, die man später nicht mehr teilte; Gedanken, die allein zu grausam waren, um gedacht zu werden, zusammen aber auf der Hirnhaut prickelten. Keine Gefahr, der man auf dem Rummel nicht widerstand. Die erste Schlägerei, und Schürfwunden an den Handgelenken. Bier. Frauen, und die Liebe. Wir schnürten uns einen Rucksack, und wollten in die weite Welt, und dann war Mittwoch, und es fuhr kein Zug. Nicht nach Mitternacht. &lt;br /&gt;
Wie wir älter wurden. Du wurdest nicht so groß wie ich, aber dafür blieb ich schlaksig. Die Revolution erfand man im Sex, und die Liebe im Alkohol, und beides endete oft mit einem bösen Kater. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Du trägst diese schwarze Jacke, und lächelst in die Kamera. Neben dir steht Berthe, sie hat ihren Kopf auf deine Schulter gelegt, und ihre Hand berührt sachte deine Brust. Die Sonne scheint euch beiden ins Gesicht. Es ist Sommer, es &lt;/i&gt;muss&lt;i&gt; Sommer sein, sonst ergäbe all das keinen Sinn.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nur passiert? Es ist jetzt fünf Jahre her, und ich weiß nicht mehr, wie es passieren konnte. Die Zeit hat es nicht besser gemacht. Ich habe so vieles über Berthe geschrieben, dabei ging es nie wirklich um sie. Es ist alles falsch, in der falschen Reihenfolge, in der falschen Zeit, es sollte &lt;i&gt;seine&lt;/i&gt; Geschichte sein, dabei ist er nie wirklich &lt;i&gt;da&lt;/i&gt;, er ist nie präsent. Überall heißt es nur: &lt;i&gt;Zähl deine Wunden, und du verstehst&lt;/i&gt;, aber ich verstehe es nicht; ich bin narbenlos. &lt;br /&gt;
Ich habe oft versucht zurückzugehen, habe versucht, mich durch die Träume in die Vergangenheit zu zwängen, und es zu ändern, mit jedem Wort, mit jeder Berührung, ich habe versucht, das Unglück aufzuhalten, und manchmal hat es tatsächlich funktioniert, - nur irgendwann bin ich schließlich aufgewacht. Und du warst einfach nicht mehr da. Die Frauenstimme sagte, die Nummer sei nicht vergeben. Das Handy schickte mir meine SMS zurück. Keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Wohin gehört man, wenn die zweite Hälfte fehlt? Wohin gehört man, wenn die Märtyrerpsychopharmaka die Märtyrer kriegt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein Bild. Noch eine Zahl. &lt;br /&gt;
Dann habe ich alles endlich aufgebraucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bin frei.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Parallelwelt%3A+Strich%28er%29leben&quot;&gt;Parallelwelt: Strich(er)leben&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-18T11:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4760234/">
    <title>supposed to be. 19</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die Straßen wurden erst matschig, und dann schmolz auch der Matsch, und niemand schlich mehr über die Gehsteige. Der Schnee verschwand irgendwann. Das ist mir geblieben. &lt;i&gt;Der Schnee verschwand&lt;/i&gt;. All das Eis wurde wieder zu Wasser, und versickerte unbemerkt am Straßenrand. Niemand war da, um es aufzuhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie saß an seinem Fenster, den Kopf an das Glas gelehnt, und auf dem Schoß eines ihrer Bücher, &lt;i&gt;Tous les hommes sont mortels&lt;/i&gt; von Simone de Beauvoir, und vielleicht war sie nie glücklicher als jetzt, als in diesem Moment. Die Sonne, die den Schnee vertrieb, verfing sich in ihren Haaren, und sie lächelte als ich das Zimmer betrat.  &lt;br /&gt;
»Da bist du ja«, sagte sie. &lt;br /&gt;
»Ja, tschuldige, ich musste noch was besorgen.«&lt;br /&gt;
Ich kramte aus meinem Rucksack das Geschenk heraus, und gab es ihr ohne ihr in die Augen zu sehen. Sie strahlte, wie sie strahlte! Mit der Sonne im Nacken, und dem feuchten Glanz der Straßen. Sie überstrahlte alles. Meine Augen konnten sie nicht fassen. &lt;br /&gt;
»Was ist es?«&lt;br /&gt;
»Mach&apos;s doch einfach auf«, sagte Skeleton. Er lag auf dem Bett. &lt;br /&gt;
Als wäre es der Startschuss gewesen, riss sie das Papier auf, - es zeigte abstrakte Linien, und Kreise, - und förderte eine kleine Schachtel zutage, blau und samtig, mit einer goldenen Krone darauf, umrankt von Lorbeeren. Sie öffnete sie, und hielt inne, eine Sekunde, zwei, drei. &lt;br /&gt;
»Was ist das?«&lt;br /&gt;
»Erkennst du&apos;s nicht?«&lt;br /&gt;
»Na ... doch, aber. Das ist. Ich weiß von &lt;i&gt;wem&lt;/i&gt; das ist. Aber wie kannst du. Ich meine.«&lt;br /&gt;
»Mach&apos;s doch mal dran«, sagte Skeleton, und grinste. Ich hatte mit ihm darüber gesprochen; er wusste alles. &lt;br /&gt;
»Das wäre doch &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; nicht nötig. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.«&lt;br /&gt;
Sie nahm das silberne feingliedrige Kettchen heraus, betrachtete es eine Weile, und machte es dann, nach einem weiteren Zögern, an ihrem Handgelenk fest; es funkelte kühl im Sonnenlicht. »Es ist echt schön, es ist. Ich kann das nicht annehmen, echt nicht, weil.« &lt;br /&gt;
»Shht«, machte ich. »Es ist deins, halt&apos;s in Ehren, wenn&apos;s dir gefällt, - falls nicht, naja, dann verschenk&apos;s weiter.« &lt;br /&gt;
Sie nickte, und lächelte dabei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kettchen ging verloren; sie sollte es später nicht mehr finden, sie sollte es nicht mehr tragen. Vermutlich war es in ihrer Nähe geschmolzen, versickert am Straßenrand, vergessen mit der Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später an diesem Tag, als Berthe schon bei der Spätschicht war, saßen Skeleton und ich zusammen in einem Café, drüben in der Nähe des Schlosses. In der Vergangenheit hatten wir oft in diesem kleinen Café gesessen, dieses war das letzte Mal vor dem letzten Akt. Das Café selbst war ganz und gar auf französisch gemacht, mit gußeisernen Stuhllehnen und weichen grünen Kissen, mit gußeisernen Tischen mit Mosaikmustern, mit dezenten Farbtönen an den Wänden und grünen Markisen. Es roch immer nach frischem Kaffee und Kuchen, nach Baisers und Éclairs, nach Moccabohnen, nach einem Versprechen auf reinen Genuss, - daher nannten wir die Frau, der das Café gehörte, auch &lt;i&gt;Madame Sybaritisme&lt;/i&gt;, - und im Hintergrund spielten die Chansons einer vergessenen Zeit, &lt;i&gt;padam, padam&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Glaubst du, es hat ihr gefallen?«, fragte ich. &lt;br /&gt;
Skeleton schaute nicht auf, - er hatte sich eine Zeitung vom Stapel genommen, und hatte sie praktisch über den ganzen Tisch verteilt. &lt;br /&gt;
»Alan. Hörst du mir zu?«&lt;br /&gt;
»Ehrliche Antwort?«&lt;br /&gt;
»Ja.«&lt;br /&gt;
»Nein.«&lt;br /&gt;
»Danke, du Affe.«&lt;br /&gt;
»Keine Ursache.«&lt;br /&gt;
»Ich frage dich aber jetzt ernsthaft, also hör mir nur kurz zu.«&lt;br /&gt;
»Bitte«, er schlug demonstrativ die Seite um, die er gerade gelesen hatte. »Bin ganz Ohr.«&lt;br /&gt;
»Glaubst du, es hat ihr gefallen?«&lt;br /&gt;
»Was?«&lt;br /&gt;
»Verdammt, das Armband, wasn sonst?«&lt;br /&gt;
»Bin ich eine Frau?«&lt;br /&gt;
»Nein.«&lt;br /&gt;
»Sehe ich aus wie eine Frau?«&lt;br /&gt;
»Ein bisschen, ja, aber, -- «&lt;br /&gt;
»Was ich damit sagen will, ist: Ich weiß es nicht. So wie sie &lt;i&gt;ausgehen&lt;/i&gt; hat, hat sie sich gefreut, ja. Also wird es ihr auch gefallen haben.«&lt;br /&gt;
»Das ist sowas von keine qualitative Aussage.«&lt;br /&gt;
»Sei Es zufrieden, Es bekommt keine weitere.« Er schlug die Zeitung wieder auf, und begann zu lesen. Er wirkte wie früher, - warum wirkte er wie früher? War es nicht die Zeit, in der er am schlimmsten dran war? Hatte er nicht seine Kunden, jeden Mittwoch ab 19 Uhr? Ja, er nahm weniger als sonst, natürlich ein Quantensprung, aber reichten diese Männer denn nicht aus, um ihm all das zu nehmen, all das zu zerstören, was die Drogen heilgelassen hatten? Er wirkte so unverletzt, so gesund, trotz seiner Blässe und den Narben an den Handgelenken, trotz den geröteten Augen, trotz den aufgebissenen Lippen, trotz der strähnigen Haare. Er wirkte gesund, - und war doch viel weiter weg davon als jemals zuvor. Ich wusste nichts, gar nichts wusste ich, - es war viel zu spät, als ich die Dimension erkannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Glaubst du, wir können nach Italien, - im Sommer?«&lt;br /&gt;
»Was?«&lt;br /&gt;
»Nach Italien. Im Sommer.«&lt;br /&gt;
Er schaute wieder auf. »Diesen Sommer?«&lt;br /&gt;
»Ja, warum nicht?«&lt;br /&gt;
»Das geht nicht.«&lt;br /&gt;
»Was? Warum?«&lt;br /&gt;
»Ich hab zu tun.«&lt;br /&gt;
»Was hast du denn bitte zu tun?«&lt;br /&gt;
»Das geht dich nichts an.«&lt;br /&gt;
»Seit wann das denn?«&lt;br /&gt;
»Seit ich wieder gehen und zusammenhängende Sätze sprechen kann.«&lt;br /&gt;
»Seit voriger Woche also?«&lt;br /&gt;
»Ich will darüber nicht reden.«&lt;br /&gt;
»Alan.«&lt;br /&gt;
»Im ernst, lass mich in Ruhe.«&lt;br /&gt;
»Okay, werden wir ja dann sehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Luft war opak, und dick, und es roch nach Vanille. &lt;br /&gt;
Der Schnee verschwand. Im Sommer war Alan tot. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Bald ist es zu Ende].&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://morbus.twoday.net/topics/Parallelwelt%3A+Strich%28er%29leben&quot;&gt;Parallelwelt: Strich(er)leben&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T11:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/4759416/">
    <title>supposed to be. 18</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/4759416/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;i&gt;Zwei&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist manchmal so einfach, die Kontrolle zu verlieren. Gib auf, und du wirst, was du gewesen bist. Nur was ist das? Was sind wir schon, und was &lt;i&gt;waren&lt;/i&gt; wir? Setz das in Relation zur Logik, und wir sind nicht mehr als das A, nicht weniger als ein B; dann sind wir nur die Summe all der Cs, die aus den Ds entstehen, und alles, was von deinem Leben übrig bleibt, sind die Frequenzfragmente im Weltraum, ein Grabstein, der verwittert, und eine Zahl, die dein ganzes Leben in einen Rahmen zwängt, in ein paar Jahrzehnte der Ungewissheit, ein paar Atemzüge, und schon ist es vorbei; man geht daran vorüber, und streicht mit den Fingerspitzen den Staub der Jahre fort, fort und zur Seite, und: &lt;i&gt;Erinnerst du dich?&lt;/i&gt; Nein, eben nicht. Wen kennt man denn schon genau, an wen erinnert man sich &lt;i&gt;richtig&lt;/i&gt;, welches Bild stimmt im Nachhinein zu hundert Prozent? Ist die Erinnerung nicht in Wirklichkeit nichts anderes als eine billige Hure, die uns regelmäßig mit &lt;i&gt;den&lt;/i&gt; Freiern betrügt, die sie auch am Besten bezahlen? Und welche Bezahlung ist schon besser als die Lüge? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist, wenn ich mich falsch erinnere? &lt;br /&gt;
(Vorwärts! Spul den Film zurück zum Ende!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es endet mit einer Kleinigkeit: Ich aß, -- aß ich im Zug gesalzene Cashew-Kerne? Ich weiß es nicht mehr, aber ich erinnere mich daran; ich sehe es aus einer Perspektive, die unmöglich stimmen kann, schräg von links, wie durch das Fenster hindurch, - aber ich schmecke noch ihr Salz auf meinen Lippen. Oder ist es nichts als die Geschmacksleere, - nichts als das Vakuum. &lt;I&gt;Sieh raus&lt;/i&gt;, und ich sehe mich selbst vorüberrauschen, zur Schreckensfratze verzerrt, - hail, horror vacui!, - und es ist noch lange nicht vorbei. Nichts ist richtig. Es ist alles falsch herum. Ich blinzle ein paar mal mit meinen Augen, um das Bild zu korrigieren, um nicht wieder hemmungslos zu heulen, und dann, -- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blaue Augen, blaue Ozeanaugen, die nichts sahen in Hiroshima. Hiroshima, Hiroshima, mon amour. Und es war nie ein Versehen. Man rutscht nicht ab, man hat nie den freien Fall aus tausend Metern Höhe, - man stürzt nach oben, hinauf, immer der Sonne entgegen, und dann schmelzen plötzlich die wächsernen Flügel, und die Federn verpuffen, und nichts geschieht, nichts als ein Leben mit weißen Tabletten, und Wein. Hat sie nicht ein anderer geliebt, ein anderer besessen; hat nicht ein anderer die Räder zerstochen, und gesagt: &lt;i&gt;Willkommen Gegenverkehr&lt;/i&gt;!, und dann hat das Licht geblitzt, - und sie wurde verschlungen. Jemand schreit: &lt;i&gt;Lebensgefahr! V O R S I C H T! man kann das Leben vermeiden.&lt;/i&gt; Aber auch das ist gelogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste nicht, wie er sich seine Drogen verdiente. Wie sollte ich das auch wissen, wo doch alles so eindeutig war? Man denkt, als Protagonist wüsste mal als erster davon, aber es stimmt nicht; gerade als erste Geige hört man nie den Klang der anderen Instrumente. Wo es doch ein Tag am Meer war, und es das Kinderlachen gab, wie aus der Ferne, - oder war es nur das grässliche Schreien der Kinder vom Bahnhof Zoo, die über der Illusion der Normalität ihren Verstand verloren haben, wie man früher Teer und Federn verloren hat, auf anderen Menschen? Als letzte Berührungen auf deinem Gesicht, als letzte Ruhestätte der unermüdlichen Bewegungen, die dich aufgerieben hat, - was blieb da? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Waren wir die zwei korrodierenden Systeme? Herz und Verstand. Leib und Seele. Freundschaft und Liebe. Ein Scherz, ein Scherz, ein letztes gackerndes Lachen des Crystal-Meth-Abhängigen auf der Straße, der in Wirklichkeit &lt;i&gt;dein&lt;/i&gt; Gesicht wie eine Maske trug, und nicht das meine. Was hast du mit &lt;s&gt;ihr&lt;/s&gt; mir angestellt? Was hast du nur getan? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich aß Cashew-Kerne im Zug, und draußen schien die Sonne, und auch wenn ich nicht mehr wollte, so musste ich trotzdem zurück nach Hause, in die kleine Mansarde über den Dächern der Stadt, die ich mir über den Sommer gemietet hatte, und es gab unzählige Verpflichtungen, unzählige geschickt gelegte Stolperfallen, und ich kehrte aus Paris zurück, kehrte aus meinem kleinen Abenteuerroman zurück in die wirkliche Welt, weil ich dachte, ich wäre stärker geworden, hätte bei Rahel mehr Gelassenheit gelernt, und da rief sie mich also an, - Berthe, die Ikone des Todes. Ihre Stimme war weinerlich, und sie schniefte die ganze Zeit in den Hörer, und auch wenn ich nicht sofort verstand, um was es ging, war ich trotzdem sofort alamiert. Alamiert? Was für ein pathetisches Wort, - als hätte ich rotes Sirenengeheul gehört. Dabei war es viel subtiler, viel schrecklicher; als unsichtbare Stimme trug sie über die Entfernungen hinweg die Klagen der Vergangenheit. Ich dachte an die Schere in ihren großen Händen. Wie weit treibt uns die Verzweiflung? Wie weit gehen wir für die Vergeltung? Wer war der Körper unter der weißen Decke? Ihr langes Haar, - als Tang umwickelte es ihren Körper unter der See. Gebilde aus Licht und Schatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gerät alles außer Kontrolle. Nichts lässt sich ordnen. Ich habe zurückgesehen, und nun bin ich zu Salz erstarrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Zähl weiter, zähl endlich weiter.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
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