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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein</title>
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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein</title>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6056794/">
    <title>Der fokale Anfall</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Er sagt, sein Flug gehe am Dienstag, dem ersten Dezember, und ich frage: &lt;i&gt;Um wie viel Uhr?&lt;/i&gt; Der Fuß tritt ins Leere, es gibt keine nächste Treppenstufe. &lt;i&gt;Um acht&lt;/i&gt;, sagt er, aber es wisse es jetzt nicht so genau. &lt;i&gt;Ach also nicht so früh&lt;/i&gt;, was? Niemals bleibt ein Wort, nichts ist erwähnenswert. Das Handy legt sich wie von selbst aufs Regal zurück. Ich drehe das Licht leiser, es ist mir zu laut. Nirgends ist ein Gefühl, es ist nichts da. Keine Erschütterung, keine Traurigkeit, - ein Stein, den man in den schwarzen Schlund eines Brunnens wirft, empfindet mehr als ich. Nur die Augen blinzeln müde, die Lider wollen das Gelee zerreißen, in dem mein Ich schwimmt, - ein Ich in Aspik, verfremdet, verwandelt, namenlos, - aber sie reinigen nur die Linse vom Staub. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wasche mir die Hände, es besteht keine Veranlassung dazu, und das Wasser ist zu warm für meine Haut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Blick geht ins Ziellose. Unbeständig. Kein Spiegel erträgt mein Gesicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke es in die Stille der Wohnung hinein: &lt;i&gt;Nichts geschieht ohne Ankündigung, das ist Teil der Normalität, nicht? Reell wird es nicht dadurch, aber es ist zu erwarten.&lt;/i&gt; Die Menschen reden ständig übers Wetter, sie haben nie begriffen, was das heißt, - sie wissen dafür ganz genau, wann sie die Stadt verlassen. Das Land. Dieses. Ein Dornengestrüpp für mein Herz lacht der bittere Mund. Ertrag es wie ein Mann, heiser dringt es aus der Erinnerung. &lt;i&gt;Ein Mann?&lt;/i&gt; Hat man mir die Haut nicht aus Eisen geschmiedet, ist dieser Körper nicht aus Stein gemacht? Ach, dieses Blechkannengeklapper wärmt nicht, und solange kein Holz in mir entzündet wird, erhellt sich auch nicht das Meer, an dessen Saum ich stehe, gewappnet mit der Laterne, - ein Leuchtturm bin ich, und der Sturm zerwühlt mir die Tage. Ertrag es wie ein Mann? Ich wische mir Gras aus den Haaren während ich auf das Klingeln des Telephons warte. Wo war ich bloß? Was ist passiert? Trage ich noch den selben Pullover, ist das noch der selbe Leib? Alle Erinnerungen sind aufgescheucht wie Tauben. Wer hat sie vertrieben? Die guten Tage, die ruhigen, die im Zuckerguss begrabenen? Ein weiterer Tag weicht dem noch neueren, eine Autotür schlägt zu und die Hand winkt demjenigen, der gerade noch die Kisten die Treppen hinunter trug, den Schrank, das alte Leben; eine Glastür schiebt sich zwischen zwei Blicke, zwischen drei vielleicht oder hinein in die Tausendsten, und der Mund ruft die letzten Worte, die der Verstand wie eine Rettungsleine erfasst: &lt;i&gt;Komm zurück, komm zurück!, lasst mich nicht allein&lt;/i&gt;, aber wie schalldicht ist doch das Glas, wie laut das Dröhnen der Flugzeuge, deren Schatten auf den Straßen lasten, fliehend, fliegend, es bleibt immer irgendwer am Boden zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schiebe die Bücher zurecht, ich atme Heizungsluft ein, die mir die Lippen zerreißt, ich drehe die Musik dunkler, sie ist mir zu hell. Irgendwann bin ich schon an diesem Punkt gewesen, nicht? Ich habe davon geträumt. Abgeschält und nackt hüpfen die Fingerspitzen über leere Seiten. Jedes Wort, jedes Wort, selbst in der fremdesten Sprache mag es noch das gleiche bedeuten. Es verstehen In es &lt;i&gt;hinein&lt;/I&gt;schlüpfen Des Kaisers neue Kleider Die bitterste Pille ist die der Rationalität. Von draußen dringt kein Geräusch ins Zimmerinnere, aber sie sind da, diese Alltäglichkeiten, das Rauschen der Räder im Nass der Straße, die Rufe der Mütter nach ihren Kindern, Scheppern und Rumpeln, das Ewiglaute dieser Welt, dieses Landes, dieser Stadt durchdringt jeden Quadratmeter mit der gleichen Intensität. Nur ich, unter die Glasglocke gestellt und die Hände ans Vibrieren gelegt, ich, dessen Augen alles mustern, dessen Mund die Sätze nahtlos spricht, dessen Herz nicht stoppt, ich bin es nicht. Aber kein Grund zur Sorge. Ich bin nicht traurig. Mir läuft die Nase, und meine Haare sind fettig, dafür höre ich jemanden sagen, wie gut ich rieche, wie gut, gut, gut, und niemals ein Anflug von Erstaunen. Mir geht&apos;s gut, danke. Ich zerschlage das Ei an der Pfanne und schneide das Brot genau in der Mitte in zwei ungleiche Hälften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bleibt vom Vielen zurück? Was ist das, jetzt? &lt;br /&gt;
Er, das ist dieser beste Freund. Er geht fort, verlässt Stadt und Land, und ein anderer Fluss als die Spree fließt dort, das Meer wäscht die Küsten. Hier ist es der Wind, der zwischen all den Häusern heult, ein Wolfsrudel, dem man den Namen &lt;i&gt;Winter&lt;/I&gt; gibt, und eine andere Welt, Kultur, - ein Heimkehren für ihn, ein Zurückkommen, in etwas Bestehendes und längst Verlassenes. Auch Spanien schmeckt süß, und bitter, es zergeht mir auf der Zunge wie Italien es tat; es bindet sich an eine Vorstellung des Raubes, des Verlorenen, dabei weiß ich genau, dass es nichts damit zu tun hat, dass es in Wahrheit völlig anders ist und immer war. Ein Land ist nur ein Land ist nur ein Land, - allein die Freiheit ist die Erde, ist das Haus und das Bett, in dem wir schlafen. Auch Mainz ist nichts als eine Stadt. Vor dir sind schon andere gegangen. Ich hätte immer sagen wollen: &lt;i&gt;Geht, alle, verschwindet von hier&lt;/i&gt;, - und der Trotz hätte mir die Lippen zerbissen. Ja, selig sind die Wütenden. Aber ich bin nicht wütend, wirklich, glaub mir bitte. Die Wut ist nur ein Kind, das mit den Füßen stampft, sie ändert nichts. Sei glücklich, bitte, sei glücklich. Einer muss es sein. Bereue nichts. Ertrag es wie ein Mann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Telephon sprechen wir nicht mehr von Rückkehr, wir halten es beide für unwahrscheinlich: Niemand kehrt in den gleichen Schuhen zurück ins Gestrige. Das Gestrige ist verloren, ist im obersten Regal in der gläsernen Vitrine, wir bewundern es andächtig. Fort, fort, verloren, der Moment ist vorbei. Jetzt heißen die Straßen anders, sie werden anders benannt, denn wieder verlässt jemand die Party früher als gedacht, bist du nicht gerade erst gekommen?, und ich schmecke eine Erdbeere im Sekt, und die salzigen Schnecken, und die Kürbissuppe, und das Fleisch, und den Rotwein, ich schmecke so viel, die Luft ist voller Gerüche; immer werde ich diese Zimmer sehen, im Sommer, im Winter, im ersten Licht des Tages und auch im letzten Schimmer; immer und immer; immer und immer und immer, mit der Hand das erste Buch berühren, den Stift ansetzen und den ersten Titel notieren, den ersten Blick, ein Schrank, der sich aus der Ecke eines Raumes in eine andere schiebt, und das Lachen, das alle Sprachen überwindet Stell es zurück, bitte, nimm es fort, lass es zurück. Es gehört nicht länger mir. Aber da sind Geräusche, sie kommen aus dem anderen Zimmer, ich höre Musik, und ich rieche den Rauch, und immer das Brennen der Lampen, nimm es fort, nimm es ab, lass es gehen. Natürlich halten wir den Kontakt, natürlich, wir verlieren uns nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Wohnung ist es still geworden und immer stiller. Wie ein Schatten gehe ich mit dem Licht mit, das durch die Fenster fällt, morgens, mit den nackten Füßen in der Küche, und abends, wenn die Laternen vor dem Haus die Vorhänge in milchiges Weiß tauchen; mit meinem Rücken schabe ich über die Wände und ich hinterlasse keine Spuren, alles wird gespült und gewischt und der Staubsauger erledigt den Rest. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Mutter sagt am Telephon, sie bilde sich in letzter Zeit häufig ein, der Fernseher sei ein Fenster, und sie erschrecke über die Leute, die sie auf der Couch liegen sehen. Jeder Schlag hinterlässt Narben, warum sollte das im Gehirn anders sein? Sie sagt, sie wolle nicht mehr alleine sein, und dann ruft sie bis zu drei Mal hintereinander an. Manchmal wiederholt sie sich, manchmal merkt sie es selbst. Das, was als Schreckgespenst durch die Jugend ging, hat jetzt den Namen &lt;i&gt;Alter&lt;/i&gt; und alles, was Krankheit sein will, Toddsche Parese und fokaler Anfall, ist nichts als die Symptomatik einer Versehrten. Die Frau, die mit mir spricht, ist eine andere. (&lt;i&gt;But the woman I&apos;ve known as my mother is gone somehow. There&apos;s another woman now&lt;/i&gt;, das schreibe ich A., und A. reagiert nicht darauf). Lucia ist die Beschützerin des Augenlichts, ich befürchte, sie hat mich verlassen. Alles in dieser Welt wird plötzlich unscharf. (An einem Morgen wie diesem, als der Regen die Scheiben hinab rann als ginge es um einen Wettkampf, als die Nachbarn den Kaffee aufsetzten und die Kinder vereinzelt durch den Hinterhof rannten, mit den viel zu großen Rucksäcken auf den viel zu kleinen Rücken). Was soll&apos;s? Wir suchen uns das Wechselgeld nicht aus, wir nehmen, was wir bekommen. So nehme ich die Zeitung aus dem Briefkastenschlitz in der Türe, die Hände tun es, die Hände tun ständig irgendetwas; ich sehe ihnen zu, wie sie schreiben, wie sie mir das Haar aus dem Gras streichen, sie zupfen die Kleidung zurecht und schieben die Haut auf die Muskeln, wer hat sie berührt?, wann ist das gewesen?, und die Hände sind so weit weg von den Augen. Ich kriege keine Luft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farbenblind denke ich daran, dass ich glücklich war, in Gold gebadet. An jedes Gespräch, an jedes Lachen denke ich. Innerhalb eines Jahres ist so viel geschehen, so vieles hat sich geändert, und jetzt, während der Regen das Heulen der Wölfe unterbricht,  ändert sich noch so vieles mehr. (Einsam, ein Nervengift in sechs Buchstaben, allein). Mir geht&apos;s gut, danke, ja, wirklich, ausgezeichnet, bitte frag nicht weiter, frag mich nach nichts mehr, bitte, ich ertrage deine Fragen nicht. Das Leben ist wie es ist, und es geht auch überhaupt nicht um mich, &lt;i&gt;that&apos;s the deal&lt;/i&gt;. Die Gründe der Traurigkeit sind ungezählt, sie sind nicht weiter von Belang. Warum warst du überhaupt hier? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schließe, &lt;br /&gt;
und schließe, &lt;br /&gt;
der Schlüssel zerleiert das Schloss.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was geschehen wird, weiß ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus habe ich nichts mehr zu sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin der, der sich umdreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin es, der zu Salz erstarrt.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>la tristesse</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-23T16:20:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6052549/">
    <title>Und so schwer im Wahn.</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Er betritt das Zimmer durch die einzige Tür. Alles ist hell, und golden, die Sonne verwebt ihr Licht mit den weißen Vorhängen, es sind immer die gleichen. Im Hintergrund läuft &lt;i&gt;Fink&lt;/i&gt;s &lt;i&gt;Pretty little thing&lt;/i&gt;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;We could go out&lt;br /&gt;
We could go anywhere that you want&lt;br /&gt;
We could stay in&lt;br /&gt;
We could do anything that you want&lt;br /&gt;
We could do lunch in Soho&lt;br /&gt;
Or something&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Musik definiert den Raum, der Raum definiert mich. An der rechten Wand hängen seit kurzem CDs an Eisennägeln, darunter ein Zeitungsausschnitt, - es geht darin um den Kronos-Zug, die Entschleunigungsbahn, wenige werden verstehen, warum ich ausgerechnet diesen kleinen Artikel aufgehängt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papier klebt ihm am nackten Fuß, er zieht es lachend von seiner Haut. &lt;i&gt;Nicht auszudenken&lt;/I&gt;, das sage ich begriffsstutzig: &lt;i&gt;Nicht auszudenken, was gewesen wäre&lt;/i&gt;, aber der Satz will nicht vollständig sein, er will unvollendet bleiben, also belasse ich&apos;s dabei und staple die Bücher von der Couch. &lt;i&gt;Wahnsinn&lt;/i&gt;, sagt er und setzt sich, &lt;i&gt;Du hast so viele Bücher, - wie viele sind das bloß?&lt;/I&gt;, er nimmt das wertvollste Buch, das ich besitze, das von Nietzsche, und in seinen Händen wirkt es klein. &lt;i&gt;Das ist von 1901&lt;/i&gt;, sag ich, und höre die Seiten wie Zwiebelschalen rascheln, &lt;i&gt;sei bitte vorsichtig&lt;/i&gt;. Ein Spießer, eingehüllt in einen schicken Retro-Pullover, das bin ich. &lt;i&gt;Na klar&lt;/I&gt;, sagt er und liest etwas vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich will dich kennen, Unbekannter,&lt;br /&gt;
du tief in meine Seele Greifender,&lt;br /&gt;
mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender, &lt;br /&gt;
du Unfassbarer, mir Verwandter&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den letzten Vers lässt er weg, &lt;i&gt;Ich will dich kennen, selbst dir dienen&lt;/i&gt;, es wäre merkwürdig gewesen. Das Gedicht heißt &lt;i&gt;Dem unbekannten Gott&lt;/i&gt;. Keiner der Götter lebt noch, keinem lässt sich dienen. In der Dunkelheit von Menzels Kircheninnerem verlieren wir uns, die Blicke gebeugt, die Schatten, - dieses ganze Barocke macht mich verlegen, der Pathos ist selbst mir zu viel. Er merkt es, und legt das Buch auf den Tisch zurück. Auch Nietzsche ist tot. &lt;br /&gt;
Ich setze mich auf den roten Teppich, mein Zimmer ist nie derart bequem, dass man sich darin lange &lt;i&gt;aufhalten&lt;/i&gt; könnte, aber ich versuche es immer, und überlasse ihm alle anderen Sitzmöglichkeiten. Ich trinke das Bier, das man mir gekauft hat, reiche die Erdnußflips weiter, mir tut der Hals weh. Tief im Rachen, an unerreichbaren Stellen. Meine Mutter wird von Keimen sprechen, vielleicht ist&apos;s zu viel Staub, und während er nach der Flasche greift, erinnere ich mich gelesen zu haben, dass Staubflocken nichts als tote Könige seien, als Kinderasche, als das, was vom Gestern übrig blieb. Ein dutzend falscher Reihenfolgen, ich gehöre in ein anderes Zeitalter. Der junge Kurt Wolff verschränkt seine Arme, abwehrend, ungeduldig, er sagt: &lt;i&gt;du gehörst auch nicht hier her, denn hier lauert der Tod&lt;/i&gt;, und Else ruft wie aus der Ferne: &lt;i&gt;Es pocht eine Sehnsucht an die Welt&lt;/i&gt;, - ich muss mich wirklich konzentrieren, um zu verstehen, was tatsächlich gesagt wird, im Hier, im einundzwanzigsten Jahrhundert, wo knapp eine Milliarde Menschen hungert, im Jetzt. Die &lt;i&gt;Dandy Warhols&lt;/I&gt; spielen &lt;i&gt;We used to be friends&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagt: &lt;i&gt;Wann gehn wir?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
Und ich erwidere: &lt;i&gt;Wann du willst.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stille kehrt nie ein, es spielt ja die Musik. &lt;br /&gt;
Minutenweise. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagt: &lt;i&gt;Und wie viele Bücher sind das jetzt?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Und ich erwidere: &lt;i&gt;662.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Er wundert sich nicht, warum ich das so exakt weiß. Ich habe geraten, aber es könnte stimmen. Die Hälfte davon hab ich gelesen, der Rest wartet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Lust auf Eis, es würde meinem Hals guttun. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meinen Blicken rausche ich durch die 360 Grad, die sich meinen Augen bieten; dort ein Stück Haut, da ein bisschen Stoff, Haarschopf, Vorhänge, ein Streifen Licht, der aufs Parkett fällt, Bücher, Bücher, Bücher, und so viel Papier, das ist manchmal so profan, &lt;i&gt;und so schwer im Wahn&lt;/i&gt;, ich suche das Bett auf, das vom Aufstehen noch ganz Zerwühlte,  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Laken ist schweißnass, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vom Fieber, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alles zergliedert in seine Bestandteile, in seine Momente, das rutscht mir aus den Fingern. Selbst der Mund kann nur noch nach Luft schnappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Dann lass uns jetzt gehn&lt;/I&gt;, sagt er.  &lt;br /&gt;
Und ich denke an Adrienne.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-20T13:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6044882/">
    <title>Der Tag - Collage.</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6044882/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wir laufen und laufen, Berlin bewegt sich mit. Galerien ziehen an uns vorbei, Bilder, Skulpturen, Menschen, alle Farben fliegen vorbei. Das nasse Laub rutscht unter unsren Füßen. &lt;i&gt;Erzähl mir mehr&lt;/i&gt;, sagt N. und sein Rücken ist gerade, und seine Augen sind braun, und er geht und geht, und ich hinterher. Ich sage: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp; als er hier war, das letzte mal... &lt;br /&gt;
als er mir gegenübersaß...  &lt;br /&gt;
der blick der sonne... &lt;br /&gt;
- verbrannt, verbrannt -&lt;br /&gt;
&amp; von der haut blieb nichts weiter als asche... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber N. meint, ich sei nicht konkret, er verstehe die Metaphern nicht. Natürlich nicht. Metaphern schützen mich; sie machen den Raum zum echten Erlebnis, zum Schmerz überwindbarer, kleiner. Unbedeutend. Metaphern und Chiffren schützen vor der Wahrheit. Deswegen benutze ich sie. Und doch ist es bloß Augenwischerei. Ich stimme also zu, und sage: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als er hier war, das letzte mal... &lt;br /&gt;
als er mir damals in dem café gegenübersaß, - die stoffhosenbeine angewinkelt &amp; die schuhe fest verschnürt, - das gesicht teils in die goldene sonne getunkt, teils versenkt in den schatten der jalousien, - da dachte ich, da hatte ich geglaubt, da schoss der impuls im dumpfen rhythmus von verlangen &amp; schmerz durch jeden nerv, &amp; meine lippen, - meine, - sagten: &lt;i&gt;geh, geh, nimm dein lachen, nimm deinen blick &amp;&lt;/i&gt; -- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber warum, fragt N. als wir vor dem Glas stehen; wir sehen Muschelskulpturen auf weißen Podesten, drinnen, dort wo alles ruhig ist und strukturiert, wo Ventilatoren in Wirklichkeit nichts als Installationen sind, und ich denke: Warum? Weil nicht alles gleich viel wert ist. &lt;i&gt;Because I protect the things I love.&lt;/I&gt; (Als Arizona das sagte, hat es mich tatsächlich berührt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind immer Menschen unterwegs, sie gehen und gehen, und bringen manchmal den Geruch von Essen mit. Und Worte, tausende. Was sie sagen ist um so vieles wichtiger, echter, plausibler als alles, was ich erlebt habe; es klingt so kosmopolitisch, ihr Gezwitscher und Geträller, das Klackern ihrer Stöckelschuhe bringt meine Zähne zum Zerspringen, aber es ist modisch, so perfekt. Klatschen wir Applaus?, wann machen sie nur endlich eine Pause? Ich lache darüber. Nie war ich unbeschwerter, nie war es mir gleichgültiger, was die Menschen von dem hören, was ich durch die Straßen rufe. &lt;br /&gt;
Und ich wische mir die Haare über die Stirn. Und meine Schuhe sind nass. Und mein Herz setzt nicht aus, nicht mehr. Die Liebe? Sie gehört einer Frau aus einem anderen Land. Die Liebe? Schreib mir ein Lied, und ich gebe ihm mindestens eine Zeile Dylans: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Though lovers be lost love shall not;&lt;br /&gt;
And death shall have no dominion&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts, nur der Abendhauch, der die braunen Blätter von den Bäumen streift, der leisteste, man spürt ihn nicht auf der Haut, nur das Laub tanzt, gängelt zwischen Bordstein und Kante, und so gehen wir weiter, gehen und gehen, und Berlin bewegt sich mit. Das Tacheles schwebt vorüber, - Ruinenwelt, Sandstätte, - die Elektrische rattert in der Ferne, das alles bleibt nicht stehn. Ich höre noch immer die Kinder vom Spielplatz lachen, spüre noch die Sonne in meinem Gesicht, das Prickeln meiner Hände, eine letzte Tonspur vom Karaoke, schmeckst du noch den Hot Dog? Halt an. Bleib stehen. Da ist er, kurz, da ist der Augenblick, - atme ein, atme alles ein, was die Welt an Luft zu bieten hat, nimm alles mit. Und jedes Geräusch explodiert jetzt zu Farben: Blaue Leuchtreklametafeln, rotblinkend, die Scheinwerferlichter zerstäuben zu Wind, und die ganze Straße, die ganze Stadt, die Welt, - könnte es denn die Welt sein?, - wirbelt herum, um hundertachzig Grad, und wirft ab, was sich nicht halten kann. Glück. Bitte? &lt;b&gt;Glück&lt;/b&gt;. Es raunt im Innern, es steigt auf in den Adern, es wirft Blasen. Goldstaub zerfasert die Lungen, und du hustest, und die Augen tränen, - es könnte nichts als der Tod sein. Glück!* Und weitere Glasfassaden rennen vorbei, Häuserzahlen von eins bis zweiundzwanzig, bis hundertneun, geh weiter, geh über alles hinaus, geh weiter, und mehr Licht, und immer mehr, und nichts als der Tanz und nichts als der Genuss, und nichts und niemals die Angst, und niemals der Schmerz, und selbst wenn: Die Räder der Züge kriegen mich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich dann schließlich erzähle, und zwar ihm, diesem N., dem Hedonisten, ist wahr, ist konkret, und es tut nicht mehr weh. Nichts davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spürbar geworden rasen die jahre&lt;br /&gt;
die zeit teilt sie ein ins bessere, ins taube, &lt;br /&gt;
in licht &amp; immer mehr licht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Straßenbahn dann ruckle ich nach Hause, die Schienen bringen die Zeilen zum Zittern. Es ist mittlerweile dunkel geworden, es ist ja schon Winter. Beim Aufschließen der Türe, beim Grüßen des Jungen mit der Gitarre, beim Treppenaufstieg klopft das Herz. Es gibt etwas, an das ich glaube. Ich hatte es ganz vergessen. Dasein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Das heißt nicht, dass alles okay ist. Es bedeutet nicht, dass es das Unglück nicht gibt, die großen Katastrophen, die Abschiede, die Melancholie, die wie Schierling schmeckt. Nichts ist gerade schwerer als diese Versuchsweisenormalität. Dieses Auflehnen gegen die bestehenden Tatsachen, gegen das Übergeordnete. Im Gegenteil. Ich bin so wenig von mir selbst, und die Angst, der Zombie-Affe, sitzt mir des Nachts auf der Schulter und reißt mir alle Haare einzeln aus. Aber. Ich bin nicht allein. Nicht mehr. In die Einsamkeit, die mit der eigenen Haut endet, ist etwas Anderes getreten, eine geteilte Zelle, zwei Moleküle, die dem Niemals entkommen. Eine Erinnerung, ein Traum. Ein lauteres Heute, ein bestimmteres. Eine Weigerung. Ein Nein, das sich nicht mehr beherrschen lässt.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-15T19:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6038857/">
    <title>Transgresión</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6038857/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich mache Listen, damit ich den Alltag besser ertrage, diesen von fremden Händen geschüttelten Birnbaum, dieses fortwährende Merken neuer Namen, deren Finger sich manchmal ungefragt in meine Ärmel schieben, deren Zähne mir die trockene Haut von den Lippen reißen, und dazwischen eine Frage, nur eine: Wer ist der Geist, und wer ist die rasselnde Kette? &lt;i&gt;Ich schlage das Buch auf Seite 13 auf, und lese Dir den neunten Satz von unten vor:&lt;/I&gt; Darauf riss es sich das Gesicht herunter und fraß es auf. (Leonora Carrington, Die Debütantin).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es auffressen, dieses bleiche Gesicht, von dem man sagt, es erinnere an Philip Roth, an Oscar Wilde, an Adolf Loos, und irgendwer, eine Frau in mittleren Jahren meint, ich sehe aus wie ihr verstorbener Sohn, und eine Frau in jungen Jahren sagt, ich erinnere sie an niemanden, sei aber sonst ganz attraktiv, - irgendwie, - und dazwischen, zwischen all dem, was das Spiegelbild nicht erwidern kann, weil es ja doch nur alles nachplappert, weiß der Verstand nichts zu ergreifen, nichts zu halten. Dieses Lächeln ist wie das Kreischen der Gabel auf dem schönsten aller Teller; das Blau dieser Augen, dieses von Adern umwobene Blau, vermag eine tanzende Frau aus der Menge zu ziehen, und zerschlägt den Takt eines Männerherzens, und ist schließlich aufgewühlt vom vielen Sehen. Aber blau? Grau ist es geworden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Finger, - vom stählernen Haltegriff rauh geworden, vom Gewicht der Hanteln, vom Spülen der Gläser, vom Schleppen der Kisten und Schränke, vom Verwischen der Tränen, - greifen nach dem Terminkalender, in den ich meine Dates und Termine eintrage. Morgen, 9.30 Uhr, ein wichtiger Termin, in der zweiten Etage, du weißt doch, da bei mir um die Ecke, in diesem Backsteinbau. &lt;br /&gt;
Einen Bescheid, soll ich bringen, noch mal vorsprechen, muss ich, und immer und überall die Angst mich auf die ein oder andre Art zu verraten. Irgendwie Schon jetzt etwas falsch sagen, etwas erwähnen, was mich zerfetzt, ein ganz kleines, ein unschuldiges Wort, das meinen Lippen entschlüpft wie ein Küken dem Ei, und schließlich das Stammeln und Herausreden und das Sich-Winden im Angesicht von Menschen, die alles ganz schnell durchschauen, die nur nicken und sagen: &lt;i&gt;Sie lügen. Sie haben schon immer gelogen.&lt;/i&gt; Und dieses Gesicht lässt sich nicht lösen. Ich habe immer die Wahrheit gesagt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Gefängnistrakt ist dieses Haus aus roten Backsteinen, wie ein Verbrecher wird man im Kreis geführt, wird durch Türen in Gänge geschleust, die in Räumen ohne Wände enden, wo Frauen mit auftoupierten Haaren hinter hüfthohen Schaltern sitzen, schmalmündig lächelnd, mit kalten Augen, die einen von Kopf bis Fuß mustern, und drum herum: Mehr Menschen, in abgewetzten Jacken, Frauen mit Kopftücher und Männer mit Schnauzbärten, junge Leute, schon mit dem Bier in der Hand, - sie stellen es draußen ab, auf einen Sicherungskasten. Ist ja kalt draußen, dann wird&apos;s nicht warm. So werden sie hereingeführt, in den Schlachthof der Arbeitslosigkeit, und die, die dort arbeiten, wetzen ihre Messer, in dem sie den Computer befragen. Auskunft, bitte, - ich bräuchte da nur einen Ratschlag, - keine Zeit, sind Sie hier gemeldet?, wo sind die Unterlagen?, - aber ich weiß nicht, - dann kommen Sie wieder, - und wieder, - zurück und hinaus in den Dampf des Novembermorgens, raus in die Unsicherheit und auch hinaus in eine neue Angst. Schieb das beiseite, schieb den Gedanken fort, vom Falschen und Tobsüchtigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 14.30 Uhr hast du ja gleich den nächsten Termin, nicht? In einer anderen Welt, wo du deine Bewerbungsunterlagen zu kleinen Haufen schichtest, wo du dich mit deinem Passphoto vergleichen lässt, - und sie sehen wie du gealtert bist, sie sehen nicht mehr das junge, straffe Gewebe, wie sollten sie auch?, denn es ist abgenutzt worden, es ist das ein oder andre Mal herabgefallen, natürlich aus Versehen, und du hast notdürftig den Dreck abgeschüttelt, hast es das ein oder andre Mal mit einem feuchten Lappen abgewischt, hast es unter den fließenden Wasserhahn gehalten, aber so ein Gesicht verliert nie seine Flecken. So sitzt du da, in deinem schwarzen Pullover, in den schon vollständig dein Geruch eingedrungen ist, dieses salzige, dieses meerige Irgendwas, das du dir selbst nicht erklären kannst, woher es eigentlich kommt, und du redest selbstbewusst, obwohl du das nicht bist, und zupfst dir ein Haar von der Lippe, obwohl es die Lüge ist, die dir da so stachelig auf der Zunge liegt, aber du machst das schon, es geht da um E T W A S, sie nennen es Zukunft, sie nennen es Sicherheit, - sie geben dir und deinen Möglichkeiten genügend Namen. So viele, dass du zu fragen vergisst, wie viel du eigentlich und möglicherweise dort überhaupt verdienen wirst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sei&apos;s drum, dude, du machst das schon. Du stehst weitere Hände schüttelnd auf und verlässt den Raum zeitig. Den Raum, die Straße, das Kiez, und während dir im Vorfeld mulmig zumute war, ist es dir jetzt völlig egal, nicht? Von den letzten Cents, die du mit dir herumträgst wie eine Designer-Jacke, die du ausführst zum Gala-Augenblick, zum Fünf-Sterne-Premium-Leben, von denen kaufst du dir Trockenbrot, das du dir abends in die tütengesuppte Brühe wirfst. Du willst was zu kauen haben. Die Bücher, die du um dich herum aufgebaut hast, lassen sich nicht kochen; sie haben ihm dennoch geschmeckt, nicht? Er isst sie ja schließlich roh. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich schlage Seite 106 auf, und lese dir jetzt den siebten Satz von oben vor:&lt;/i&gt; He disappeared down a side street and made his way rapidly along the darker passages of the city, pausing only once or twice at the end of an alley to dart a glance in each direction before he ran on. (Flannery O&apos;Conner, Wise Blood). Ich hauche gegen das Glas und Staub fliegt auf und auf, und legt sich mir auf die Haut wie der Bart, den er trägt. Sieh an, sieh an, dieser Körper wird immer schmaler, wird immer dünner, und die Knochen stehen ihm unter der Haut hervor als sei es chic so, als wäre es sexy die Adern so eng um die Knochen zu schlingen, und dann sitzt er des Abends am Fenster zum Hof, seine Kiwi schälend, von denen er nicht einmal weiß, ob sie tatsächlich irgendwann die letzten Tage den langen Weg von Neuseeland bis nach Berlin geflogen sind, und er schält sie mit dem Blick zu den Nachbarn in der zweiten Etage, die sich streiten und immerfort streiten, dabei tragen sie einander die Teller und drehen manchmal, am Wochenende, die Musik ein bisschen lauter auf, und tanzen dazu. In der Küche. Dort, wo sie von jedem gesehen werden. Mitten im Licht. Das Licht, das Immer. Wir wachsen an den Menschen. Wir schützen die Dinge, die wir leben. Wir nehmen so viel mehr in Kauf als nur die Kälte des Winters und die Glasglocke, die sich über uns senkt; wir nehmen die Gewissheit in Kauf, dass eines Tages das andere Ende der Telephonleitung stummbleiben könnte, dass die Frauen hinter den Schaltern vielleicht nie die richtige Nummer weitergeben, dass der Zug entgleist...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schiebe mein Gesicht wieder in die Fugen zurück. &lt;br /&gt;
Ich schiebe und schiebe, und lache dann, mein Gesicht faltet sich zusammen, fällt wie die Serviette zu Boden, zerknautscht dort unter dem Tisch. Ich lache laut, weil der Alltag so gierig an mir nagt, weil er mir Angst einflößt, Natterngift, Tobsucht, und gierig zerdrücke ich den Alltag mit jedem weiteren Aufstehen, mit jedem Aus-dem-Bett-Quälen... Gegen die Wand fahre ich, mit so viel Geschwindigkeit, dass am Ende, an diesem immer im lautesten Geschrei ins Feld geführte, an den Zügeln locker gelassene Ende, nichts mehr übrig bleibt. Kein Ich, keine Wand, keine Geschwindigkeit, denn alles löst sich, zerschmettert, versagt, - nur die Hoffnung nicht, nur die Angst nicht, nur die Freunde nicht, die einem in die Arme fallen und deren Parfum man riecht, und deren Haare sich ins fremde Gesicht drücken, das das eigene ist, und das man doch nicht erkennt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicke ich zurück?, ja, wenn ich die Wohnung verlasse, den Schlüssel in der Hand haltend drehe ich mich noch ein letztes Mal zum Inneren hin, um ja nicht den Schlüssel zu vergessen. Ich erkenne mich nicht wieder. In keinem dieser Worte. Nie.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>la tristesse</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-11T22:10:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6030853/">
    <title>in memoriam amicae, adrienne mesurat</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6030853/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;ich bin aufgeschreckt&lt;br /&gt;
des nachts&lt;br /&gt;
&amp; habe im schrecken glatt alle träume vergessen. &lt;br /&gt;
so saß ich auf der kante, &lt;br /&gt;
das gesicht in der hand &amp; die hand an die wände gedrückt,  &lt;br /&gt;
&amp; sah den mond draußen, - &lt;br /&gt;
der mond sprach mir von adrienne.  &lt;br /&gt;
ich hörte sie die treppen hinaufgehn, &lt;br /&gt;
in ihrem schwarzen trauerkleid, &lt;br /&gt;
so ging sie die stufen hinauf, sie sang das lied ihres vaters,&lt;br /&gt;
selige, geliebte; &lt;br /&gt;
aber es half nichts. ich musste aufstehn, &lt;br /&gt;
ich nahm die decke &amp; wickelte sie mir um die nackten beine, &lt;br /&gt;
um die nacktheit, die absolute, bataille hat davon geschrieben, &lt;br /&gt;
so nackt bin ich gewesen in dieser nacht, &lt;br /&gt;
in jeder nacht, &lt;br /&gt;
nackt bis auf die haut, völlig bloß, nur die narbe an der hüfte, &lt;br /&gt;
nur die narbe im nacken, am oberschenkel, unterm arm, &lt;br /&gt;
in allen nächten, &lt;br /&gt;
nur das weiße licht des mondes trennte mich vom fall, &lt;br /&gt;
die decke wog schwer, so ging ich durchs zimmer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglicherweise bin ich nicht angekommen, dachte ich im halbschlaf als die wolken das mondlicht zerstreuten. möglicherweise habe ich &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt; ein krokodil im badezimmer liegen, das nach menschenfleisch schnappt; eine venusfliegenfalle, die wein trinkt; eine geliebte, deren lachen die ratten lockt. möglicherweise zähle ich jeden schritt, den ich nehme, &amp; multipliziere ihn mal drei. (zwölftausendsiebenhundertdrei&amp;siebzig). möglicherweise gehn die möglicherweise aus, mit jedem wort ein kleines bisschen mehr. wen hatte ich geliebt als ich berlin verließ? welches herz hatte geschlagen bei ihren worten, - sie, deren name ist wie ein fluch, - das erste, was pandoras büchse entkam, - als rauchwolke fliehen die silben, zerstäuben auf meiner zunge zu bittermandeln, zu dem geschmack von schnee. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich höre die nachbarn laut streiten. &lt;br /&gt;
sie streiten möglicherweise auch deinetwegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immer &amp; immer &amp; immer, &lt;br /&gt;
adrienne, &lt;br /&gt;
ich habe dir auf der treppe etwas zugeflüstert, &lt;br /&gt;
kleine, süße, mein herz, - &lt;br /&gt;
als dein vater deinen namen sagte, &lt;br /&gt;
da war es mein kuss, der dich rasend machte.  &lt;br /&gt;
ich war es, der bei dir saß, &lt;br /&gt;
adrienne, &lt;br /&gt;
ich, der mit dir die nacht durchwachte... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp; so lege ich das buch zur seite, des nachts, während draußen andere hunde den gleichen mond anheulen; getriebene, wilde tiere. ich höre manchmal ihre krallen auf dem asphalt aufschlagen, dann, wenn sie rennen. mir ist so, als jagten sie etwas. (es könnten die ratten sein). eine nacht ist es, in der das glas der fenster im rahmen zittert. eine kalte, eine ewige nacht. ich, der ich die decke um mich gewickelt habe, stehe da, sehe mond &amp; hunde, ich sehe das glas dort eingerahmt von holz, &amp; denke: &lt;i&gt;adrienne, wie war dein name?&lt;/I&gt;, &amp; merke dabei nicht, wie absurd diese frage ist. ich habe immer gewusst, wie du heißt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
adrienne mesurat.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>out of mind | b-sides</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-07T00:15:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6022386/">
    <title>Der Hauch</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich wache auf von dem Geklapper des Postkastens, eines kleinen Metallschlitzes in der Haustür; eine unbekannte Hand, - ich hab sie nie gesehen, - steckt mir die Zeitung ins Haus. (Sie wird an eine Zukunft geliefert, die noch nicht anlaufen will, aber okay). Ich wache auf, es ist 3 Uhr 44. Jeden Tag ist 3 Uhr 44. Schon weit länger als die Zeitung überhaupt geliefert wird. Ich bin wach wie ich wach bin, und schäle mich aus dem Dickicht von Kissen und Decke hinaus in die Kälte der Gruft; ich entzünde Kerzen, sie stehen auf dem Tisch, und dann, im Dämmer der Nacht und des Morgens, da schlüpfe ich in dicke Wollsocken, hüpfe trunken vom Schlaf durchs Zimmer, und die Welt? Die Welt ist ganz still. Niemand bewegt sich. Mir hat ein Geist die Schlagzeilen von Morgen gebracht, ich höre ihn nicht mal verschwinden. &lt;br /&gt;
Meine Hände nehmen das Kufiya vom Haken, draußen im Flur, und wickeln es mir um Hals und Schultern; sie setzen Wasser auf, sie schütten Mate-Blätter in den Kürbis, sie zupfen die Zeitung aus dem Schlitz in der Tür, und wieder: das Geklapper. Jeden Tag, jeden Tag, jeden Tag. Der Krach weckt das ganze Haus, denke ich, aber niemand hört mich durch die Zimmer gehn. Niemand ist jetzt schon wach, oder immer noch, ich habe den Unterschied vergessen. Das Müsli kommt in die Mikrowelle, ich ertrage nichts anderes mehr seit ich davon gelesen habe; ich erhitze die Milch so, dass sie kochend Blasen wirft. Geschmack brauche ich nicht, es zählt allein die Wärme... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Schreibtisch trinke ich meinen Tee, er kühlt recht schnell ab. Die Zeitung sagt mir nichts Neues, die Zeilen langweilen mich. Sie töten mich. Ich weiß wirklich nicht, wem das Gängeviertel gehört. Ich empfinde keine Wut mehr über Westerwelles Aussagen, die Plattitüden der Politik sind vorhersagbar geworden, die Menschen bleiben ignorant, sie bleiben dumm, sie fressen sich selbst, ich habe aufgehört, an die Demokratie zu glauben, - ja, die Welt könnte in Flammen stehen, es würde mich nicht weniger kümmern. Wann habe ich eigentlich zu resignieren begonnen? Wann ist das passiert? &lt;br /&gt;
Der Dampf der Milch beschlägt mir die Brille, die ich nachts trage, um die Wirklichkeit näher zu holen. An mich. Jeden Tag. Näher, näher! Ich zerblättere die Seiten, ich raffe Papier, ich zerknülle es und werfe es fort, Papier, Papier, die Druckerschwärze verstopft mir die Poren. Die Welt ist so alt geworden, denke ich, sie ist so schrecklich alt trotz all der neuen Dinge. Ich mache den Computer an; manchmal erwische ich A., zwischen zwei Schritten, zwischen Bett und Kommode, ein Hund, der ihm über die Füße hüpft, &lt;i&gt;pero&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;pero&lt;/i&gt;, die Tablettenschachtel liegt immer in seiner Nähe, denke ich, und dann sage ich irgendetwas mit meiner Stimme, ein Englisch mit deutschem Akzent, laut, klar, über tausende Kilometer hinweg, und ich denke: Wie ist das?, wie fühlt sich das wohl an?, und die Augen, wenn sie A. losgelassen haben, ihn und die Welt, in der er lebt, lesen: &lt;i&gt;Diese schweigende, regungslose Nacktheit versetzte uns in eine Art Ekstase: der leiseste Hauch hätte uns in Lichter verwandelt&lt;/I&gt;*, und der Verstand zernickt das Buch zur Seite legend. Der leiseste Hauch, der &lt;i&gt;leiseste&lt;/i&gt;. Die Synapsen verbinden sich knisternd, und Berlins Straßen sind weniger leer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nur alles einfacher wäre, eindeutiger. Wenn ich morgens nicht diesen Augenblick hätte, nicht diese eineinhalb Stunden Rastlosigkeit, wenn nicht die Leere wäre, die Kälte des Winters und die Glasglocke, die sich über mich senkt, über mich und jeden Tag, wenn es dieses &lt;i&gt;Näher&lt;/i&gt; nur gäbe, und immer: &lt;i&gt;Näher!&lt;/i&gt;, doch stattdessen erzähle ich bei jeder Gelegenheit dieselben Anekdoten. Die Leute lachen meistens. Selbst dann, wenn sie das alles schon kennen. Ich weiß nie, ob sie das ehrlich meinen, ich hab es nie begriffen, - ich weiß nicht, warum niemand die Wahrheit sagt, weshalb alle immer nur Ausreden benutzen. Sie wollen sich den Schmerz sparen, nicht?, sie wollen einander nicht verletzen. Also lügen sie sich an... Wir sind alle Kinder unserer Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann die Zeitung gelesen ist, und der Mate-Tee getrunken, wenn das Müsli gegessen ist und die ersten Autos wieder auf der Straße vor dem Haus fahren, unermüdlich wie sie&apos;s immer tun... Was dann? &lt;br /&gt;
Ich habe alle Briefe beantwortet, obwohl ich mir keine Mühe mehr mache; ich habe alle e.Mails geschrieben und nie das Richtige gesagt; die Zeilen einer Geschichte schälen sich von meinem Hirn ab wie tote Haut, und es ist irgendwie recht trivial; ich höre immer wieder die gleichen Lieder. Nein, denke ich: &lt;b&gt;nein&lt;/b&gt;. Ich brauche die Tabletten nicht, ich brauche sie nicht, diese Alternativen, diese Protestlieder und der zur Missbilligung verzogene Mund, niemand hat &lt;i&gt;Depression&lt;/i&gt; gesagt. Ich bin nur müde. Es ist 3 Uhr 44, an jedem Tag. Andere Menschen schlafen um diese Uhrzeit. Ich schlafe nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später am Tag, es sind mittlerweile fast 13 Stunden vergangen, stehe ich in einer Wohnung, die schön ist, weil Leben in ihr ist; weil die Möbel durcheinander sind, und benutzt; weil es nach frischen Kräutern riecht und Obst; weil die Farben im goldenen Licht des Tages aufglühen und alles berauschen. &lt;i&gt;Der leiseste Hauch&lt;/i&gt;, das geht mir durch den Kopf, während ich den Menschen zusehe, wie sie am Tisch sitzen, wie sie ihrem Leben nachgehn, lachend, aufgrund der Zwiebeln heulend, von Sehnsucht zerfressen und auch von Kummer; sie, die am Topf steht und den Deckel hebt, und er, der nach dem Dosenöffner sucht, wie sie lebendig sind, wie sie eingebettet sind in dieses Alles, in diese Unmöglichkeiten, in dieses Nahezu und Überall, - nicht am Wahnsinn, nicht am Tod, weit über alle Definitionen und Grenzen hinaus, ins Licht, ins Licht und in die Wärme, ins Gold eines Tages. Und auch wenn der künftige Winter schon die Blätter braun nagt und zu Boden wirft, - &lt;i&gt;der leiseste Hauch hätte uns in Lichter verwandelt&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wache auf, wieder wache ich auf, es ist ein anderes Leben, es ist ein neuer Tag. (Ist es nicht, es sind nur ein paar Stunden vergangen). Ich habe von Norma Desmond geträumt. Und es stimmt, was sie sagte: Es sind die Filme, die zu klein geworden sind; es sind die Vorstellungen, die uns begrenzen. Also raffe ich mich auf zum Neuen, zum Besseren. Ich werfe die Kleidung von mir ab als würde dies allein schon Veränderung bedeuten; das Wasser unter der Dusche ist so heiß, dass meine Haut dampft und die Spiegel beschlagen. Es fehlen Pflanzen im Badezimmer, es fehlen Pflanzen in der Küche. &lt;br /&gt;
Sag: &lt;I&gt;Ich lebe&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
Sag: &lt;i&gt;Ich sterbe&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
Sag: &lt;i&gt;Erinnere dich an alles und vergiss es für immer&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
Superlative helfen. Jeden Tag, jeden Tag. Auch heute nehme ich die Zeitung, heute lese ich sie von Wut zerfurcht, mir glüht das Blut in den Ohren. &lt;br /&gt;
Ich schreibe weiter, schreibe, schreibe, stundenlang, bis ich mit Don Toupo am Tisch sitze, er trinkt sein Bier, ich trinke nicht mehr, nur Heißes, nur immer und immer Heißes, weil ich nicht auskühlen darf, weil das Eis nicht geschmolzen ist, weil es nie schmilzt, aber so sei es. Ich lese weiter, lese, lese, die Erzählungen von Stevenson berauschen mich, ich brauche Pausen, bis ich mit Fremden, die nicht so fremd sind, in ihrem Bus sitze, einem ausgebauten Fossil, in das ich passe, und wieder nicht passe, und die beiden sind so sehr hier, so sehr verwurzelt, dass ich mich kurz darüber wundere, weshalb es mir nicht einfacher fällt mit ihnen zu reden, über Schauspielerei, - das läge ja doch sehr nahe, und wirklich: Ich bin von Neugier zerfressen, während ich da diese Gitarre halte, während Berlins Straßen abrollen wie Wollefäden, das da sind Schauspieler, Künstler, - und deren Anwesenheit mich doch zufrieden macht. Irgendwie. Wer versteht das eigentlich? Das Leben als Licht. Und das Gras tanzt. Überall das Laub, überall: Papier. Wenn jetzt der Wind käme, wenn jetzt die Kinderfüße tanzten, wenn alles aufgehoben wäre und von allem gesäubert, von allem geläutert... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich stehe am Fenster, es senkt sich die Sonne. &lt;br /&gt;
Und der Hauch kommt. &lt;br /&gt;
Und der Verkehr und die Zeitung und die Menschen, &lt;br /&gt;
schlicht und einfach alles, &lt;br /&gt;
an jedem Tag, &lt;br /&gt;
wird... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Georges Bataille - Die Geschichte des Auges&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-01T22:15:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6014339/">
    <title>Salze, Ilsebill, salze so viel du kannst!</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6014339/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Er sagt, ich wisse nicht, was Hunger sei, und ich?, ich salze die Salami auf meiner Pizza nach. Draußen gehen Menschen vorbei, sie gehen im Takt von &lt;i&gt;Simian Mobile Disco&lt;/i&gt;, das ist Musik, die ich erst seit kurzem kenne, das ist eine Einstellung, deren Knöpfe nicht Teil des Zierrats, des Stucks sind: Man kann tatsächlich daran drehen, die Frequenz ändert alles... &lt;i&gt;Bitte?&lt;/i&gt;, ich schmecke immer noch nicht genug, ich salze und salze. &lt;i&gt;Nein, ich meine, um was geht&apos;s hier eigentlich?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um meinen Idealismus, von dem ich genau weiß, dass ich ihn mittlerweile nur noch der Dekoration wegen erwähne. Fühle ich das, was ich sage?, &lt;i&gt;spür&lt;/I&gt; ich es? Dann sagt er, ich wisse nicht, was Hunger sei, und alles, was mir dazu einfällt ist: &lt;i&gt;Ich weiß es&lt;/i&gt;, und diesen Satz wiederhole ich, und wiederhole ich, als bedeute ein Wechsel der Wörter einen Verlust meiner Integrität. Blödsinn, das alles, also nicht &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt;. Eigentlich nur ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich will ich nicht bei Axel Springer arbeiten. (Das kategorische &lt;i&gt;Warum?&lt;/i&gt;, das mich an Donner erinnert, bringt mich zum Achselzucken; steckt hinter irgendeinem meiner idealisierten Argumente denn überhaupt irgendeine Logik?)&lt;br /&gt;
Draußen gehen die Menschen, - es sieht so aus, als hätten sie einen Plan, als wüssten sie ganz genau, was sie da tun. Die Mütter schieben ihre Kinder über S-Bahngleise als gäbe es keinen Lust mehr, als hätten sie die Kinder aus den Wolken geschöpft. Dabei ist ihr Makeup verschmiert, jetzt sehen sie aus wie billige Nutten. Alle Männer sind schön hier, abstrakt schön, ich würde weinen, wenn ich nicht so gut gelaunt wäre, wenn ich nicht wirklich und verdammtnochmal so verdammt gut &lt;i&gt;drauf&lt;/I&gt; wäre, denn ich sitze hier, salze meine Salami, und bin &lt;i&gt;connected&lt;/I&gt;. Trotz Exodus, der die Stadt vom Laub befreit. Von Menschen, die meine Familie sind... Sei&apos;s drum, sagt die Tapferkeit und sagt der Stolz. Eine halbe Stunde später schüttle ich jemandem die Hand, - er ist vermutlich auch wieder älter als ich, denn das sind sie alle, irgendwie, - dessen Leben so völlig anders ist als meines, der lebt, als gäbe es diese Notwendigkeit, der seinen Alltag hat, seinen Humor, seine Erfahrung, sein Leben. Einfach nur das, sein Leben. &lt;br /&gt;
Und ich, der ich meine Salami salze, und der zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, dass er den Film, den er unbedingt sehen will, doch nicht sehen wird, der da noch nicht weiß, dass er stattdessen wieder bei N. zu Hause sitzen wird, wo man ihm Schokolade und Eistee anbietet (das er dankend, - höflich, aber bestimmt, - ablehnt, weil er den Zucker darin fürchtet), ich, der nichts begriffen hat und nie begreift, der sein Leben oft verfolgt wie ein Zuschauer beim Tennis, ich salze nur nach und widerspreche vehement mit dem Satz: &lt;i&gt;Ich weiß es&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Ich weiß es&lt;/i&gt;, was Hunger ist, ja, das weiß ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Wohnung ist eine Gruft; seit die Geister fort sind, deren Namen draußen am Klingelschild standen, hallt es in manchen Zimmern. Dafür brennen jetzt überall Energiesparlampen. Das ist die Entwicklung. (Keiner spricht von den Zurückgelassenen, denn jeder, der zurücksieht, erstarrt zu Stein. Die, die zurück bleiben, die versuchen weiter zu machen. Sodom und Gomorrha gingen im geschäftigsten Gewühl des Tages unter). Also schreibe ich meine Bewerbungen, ich bin arrogant dabei und dreist, aber man sagte mir, ich solle das sein, also setze ich mein bestes Grinsen auf. Ich bringe die Sachen zur Post, versiegelt und frankiert, und nachts sind meine Träume unruhig. So ist das. Ein Preis, den ich zahle. Der Preis der Freiheit. Es ist wie ein Fiebertraum. Ich erwache nicht als Käfer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen werde ich nach mehr und immer mehr Details gefragt. Wer ist N. und wer ist A. (es ist mittlerweile schon ein drittes A. aufgetaucht, wieder mit denselben Initialien, AP, - manche haben deswegen Lieder komponiert, andere sind wahnsinnig geworden), und warum ist dein Leben nur so unklar? Gute Frage. Das neigt zur Wiederholung. Vergiss das. Ich hab selbst nicht die geringste Ahnung. Tatsache ist doch die, dass ich mir immer wieder einrede, ich würde alles verstehen. Ich sitze da, salze damit ich etwas anderes als das Öl schmecke, und sehe N. an, von dem ich nichts weiß, eigentlich, gar nichts weiß, nur kleine Details, und diese sammle ich, weil ich zu begreifen versuche, weil ich die kausale Kette gerne betasten würde bevor sie mir als Schmuck gereicht wird, und so hat es angefangen und so geht es weiter, diese Veränderungen*... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Salze, salze: &lt;br /&gt;
* * *  ** ** * * * &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was die stadt war, im traum eingehauchtes, war im wachen nichts als rauschen. die dinge gingen auseinander, die menschen, die möglichkeiten. das, was sich liebstes nannte, im schlaf bis auf den kern geschältes, nackt &amp; auf die zunge gelegt, damit es dort zerginge, wurde wieder schale, ein altes bild, gelbstichig &amp; abgegriffen, - der verstand schickte rettungsboote aus, um das verbliebene an sichere gestade zu bringen, doch was vermag man zu retten? ich meine: ernsthaft? hier brennt dein haus, &amp; hier hast du alles, was dein leben definiert. dein verstand ist dein haus. was dein leben definiert sind erinnerungen. niemand überlässt dem feuer etwas freiwillig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dennoch. antworten aufs band gesprochen, endlos aufgespultes: hello love, hello darling, hello, hello, but love&apos;s a killer. gegenantwort, im hintergrund ins wetter gehustet: do doves cry sometimes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann schiebt sich das lid über das auge, &amp; der abbruch beginnt im entwickeln des kissens aus dem gesicht. wecker, spuck mir zahlen aus, - wie viele tage sind in ohnmacht ertränkt worden?, wer hat mir nur immer so viel gin ins glas getan?, &amp; welcher der vielen wege war eigentlich der richtige? es bleiben nichts als schulwege. wendeltreppen. eine hand, die etwas verstohlen in den mund schiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben wir je darüber gesprochen?, haben wir je einander gesehn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich habe begonnen über das alles nachzudenken. neues zu schaffen ist schmerzvoll. die geburtswehen des neuen existieren, - ihnen ausgesetzt zu sein heißt, destruktive gewalt zu erleben. etwas zu verändern heißt, etwas zurückzulassen. es bedeutet risiko. in der erwartungen, erneuerung könne von selbst geschehen, verharrt man. (du hast verharrt, zu lange). die alten zöpfe, von denen man sagt, man müsse sie abschneiden, an ihnen webt der einzelne selbst, - die idee etwas zu kappen, - ein seil, eine brücke, rapunzels haar, - heißt, die möglichkeit in betracht zu ziehen, bisher unrecht gehabt zu haben. es heißt, eine rückkehr auszuschließen. wer verändert, brennt das land hinter sich nicht unbedingt nieder, aber er übergibt den flammen ein ich, das es nicht bis ins rettungsboot schafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tatsache ist: das vielleicht, das möglicherweise, das irgendwann &amp; später sind keine optionen. es wird nie ein leben geben, zu dem alles besser passt als jetzt. ein vielleicht ist keine zusage, ein möglicherweise keine perspektive.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier ist dein boot. jetzt rette, wer zu retten ist.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-27T22:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6004265/">
    <title>Exodus</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6004265/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1.&lt;br /&gt;
Manche Träume machen mich hungrig. &lt;i&gt;Wirklich&lt;/i&gt; hungrig. Ich stehe dann mit dem Gefühl auf, ich hätte seit Wochen nichts gegessen. Zwischen den Zähnen zerrieben heißt es &lt;i&gt;Eitelkeit&lt;/i&gt;, im Wachen in den Kühlschrank gestarrt bedeutet es &lt;I&gt;Armut&lt;/I&gt;; kein Wunder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So geht das Leben ins Tausendste über. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe die Namenschilder wechseln lassen. Ich habe die Küche und das Badezimmer geputzt. Ich habe vom Vergangenen geträumt, und gewusst, dass es vergangen ist. Nichts ist geblieben. &lt;i&gt;Und wenn schon&lt;/i&gt;, I went away for love, heißt es. Und genau &lt;i&gt;so&lt;/I&gt; sitze ich im Kino auf dem falschen Platz. Der Kuchen, der beste der Stadt, wird über der Alufolie zerbissen, zerkaut und dann mit Rotwein geschluckt. Es stimmt, was sie sagen: Das Leben geht weiter, es ändert nur die Frequenzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht in alles mischt sich Traurigkeit; die Menschen sind in der Regel zu lange traurig, denke ich. Bewusst wird ihnen alles erst im Nachhinein. Also suche ich ein verlorenes Buch. Ich umarme einen Fremden als würden wir uns schon ewig kennen, und bemerke viel später, dass die Fremdheit abzuschälen ist wie die Häute der Zwiebel, und dass darunter nichts als Menschen stecken; Menschen, die lachen, die fühlen, die mir in verschiedenen Sprachen Einhalt gebieten, - staunend, - und die mich doch nur um Verständnis bitten, das ich ihnen gebe als gehörte es ihnen längst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Zuhause&lt;/i&gt;. Denke ich. &lt;i&gt;Angekommen&lt;/i&gt;. Sage ich. Die Finger schließen das Telephon an, die Hände richten die Schränke, die Augen verschlingen die Zeilen. Es gibt nichts als den beständigen Rhythmus von Alltäglichkeiten; die großen Abenteuer liegen im Kleinen: Nicht heizen und dabei nicht unmäßig frieren, sich nicht am Gin Tonic verschlucken, und auch nicht am goldenen Abend, der einer der letzten ist, die man miteinander teilt, nicht zu wehleidig sein und schon gar nicht verbittert. Es geht ein Geist um, der sagt: &lt;i&gt;Die Jugend?, man hat sie mir auf die Haut gelegt wie einen schweren Mantel, ein Leinesack ist mir die Jugend, und in ihm schreien die Katzen um ihr Leben, versenkt, versenkt&lt;/i&gt;, aber so wie er die Türen ins Schloss haut, wie er die Teekannen auf dem Steinboden zerschlägt, so sagt er: &lt;i&gt;Die Hände aneinander reiben erzeugt noch lange keinen Funken.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &lt;br /&gt;
Etwas tanzt als Staub zwischen Wimpern und Lid. &lt;br /&gt;
Ist denn tatsächlich wieder Winter? &lt;br /&gt;
Es senkt sich das Glas, &lt;br /&gt;
es senken sich Wolken und Grau, &lt;br /&gt;
und Berlins Straßen werden leer. &lt;br /&gt;
Das ist kein Grund, &lt;br /&gt;
das ist kein schlüssiges Argument: &lt;br /&gt;
Spaniens Himmel sind blauer als diese, denkt man, aber wer will sie sehen? Wer kann sie mit dieser Stimme beschreiben, mit diesen Worten, wenn alles, was gesprochen wird, nichts ist als Flügelschlag und Flugzeugdröhnen? Es liegen eintausendachthundertzweiundsiebzig Kilometer zwischen den Tagen. (Und was Mainz ist, ich bitte um Anstand, das wissen wir auch). Aber gut, gut gut gut!, es geht der Geist durch die Zimmer und verwirbelt Staub und Asche. &lt;br /&gt;
Es ist niemandes Kind, das dort im Hellen sitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.&lt;br /&gt;
Ich lerne neue Menschen kennen, die noch keine Namen haben, obschon sie &lt;i&gt;Namen&lt;/I&gt; haben, - sie bleiben unerwähnt im Gewühl der Minuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann nicht recht begreifen, was passiert ist. Ich kann nicht begreifen, wie schnell sich alles fügt und wie schnell alles wieder auseinander bricht. Es ist mir fremd, ich selbst bin es mir; &lt;i&gt;ich&lt;/i&gt;, schon das klingt falsch: &lt;i&gt;ich&lt;/i&gt;, der sich im Spiegel ansieht als könne er, der Fremde, der Buchstabe, sich selbst erkennen, - wie er lacht, wie er spricht, wie er die Traurigkeit in sich einschließt wie eine Kostbarkeit, um sie dann hoffentlich irgendwann völlig zu vergessen. Doch die Reliquien des Abschieds sind nicht aus Gold gemacht, sie sind aus Blei. Man erinnert sich immer der Dinge aus Blei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. &lt;br /&gt;
Reminiszenz, schreibe ich, Reminiszenz. Dabei bleibt jede Überraschung aus. Ich habe alles kommen sehen. (Auch wenn Kassandras Träume das Meer und die Wolken zerwerfen, mich werden sie nicht bekommen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.&lt;br /&gt;
Alles geht ein ins Unbekannte, alles wird fremd und zerfällt in Fragmente, alles ist im Begriff, sich aufzulösen, ohne zu verschwinden. Die Menschen verschwinden nicht. Nicht im herkömmlichen Sinne. Sie ändern nur die Position, sie verlassen den Raum, sie verlassen die Zeit, aber sie verschwinden nicht. Es als solches zu begreifen... Es anfassen und von allen Seiten besehen... Den endlosen Kampf des Lachens nie verlieren... Das, was sie Exodus nennen, hat begonnen. Das, was sie Veränderungen nennen, nimmt mir die Freunde. Wisch dir das Gesicht, wisch dir die Augen, und streich dir das Haar aus der Stirn. Schwimme, schwimme, die Flut hat die Spuren gelöscht und löscht sie weiter, aber du bist nicht dort, am Strand, du beginnst zu schwimmen, während du ertrinkst, das ist es, das ist der Kern, das ist die Wahrheit, aber was bedeutet es? Wir waren so nahtlos glücklich, wir alle, so sehr, dass wir erblindet sind. Wir waren so glücklich, dass alles, was wir berührten, zu singen anfing, alles war ein einziges Lied, - einer von diesen Songs, du weißt schon, du hörst sie und denkst: &lt;i&gt;Genau das, das ist es, das wurde für mich geschrieben&lt;/i&gt;, und selbst nach tausend Jahren, du bist tot, und das Lied ist vergessen, aber dieser Moment... Auch er ist nicht verschwunden. &lt;br /&gt;
Sie haben nämlich gelogen. Es gibt Dinge, die ewig bleiben. Seien sie aus Gold oder aus Blei, - sie bleiben. Sie zeigen dir den Wert, sie zeigen: Sieh her, dieses hier, das darfst du nicht vergessen. Also sortiere ich Papier, schreibe meine kleinen unbedeutenden Notizen, an denen schon jetzt der Tod nagt, und schütte Wasser in den Topf; ich lese während es kocht, lese &lt;i&gt;Jane Eyre&lt;/I&gt;, lese &lt;i&gt;Maurice&lt;/i&gt;, lese Gedichte von Anne Sexton und Sylvia Plath, und lese und lese, und irgendwann gebe ich die Tütensuppe ins Wasser und sehe, wie es Blasen wirft. Drüben, auf der andren Seite, dort, im Hinterhof, da sind neue Leute eingezogen, ein junges Paar (vielleicht); er steht am Fenster der Küche und zupft am Basilikum, sie richtet die Vorhänge im Wohnzimmer. Ich sehe sie ganz genau, während ich dort stehe, mit Anne Sextons letzten Worten auf der Zunge: &lt;i&gt;live now, live now&lt;/i&gt;, und es ist ein Schleier, den man mir vom Gesicht zieht, es ist ein Tag im April 2009, es ist alles, alles Glück, es &lt;i&gt;war&lt;/i&gt; Glück, das reinste, was wir bekommen konnten, und nichts, was sich später Unglück schimpfte, und Umzug, und Wut, und Kapitulation kann es je berühren.  &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-22T11:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5998490/">
    <title>In der Zwischenzeit.</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5998490/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Asche. Wir zerreiben sie zwischen unsren Fingern. &lt;i&gt;Heizt die Hochöfen!&lt;/I&gt;, und als Ruß steigen die Träume auf, die wir im Dunst erdachten, nach denen wir uns sehnten. Asche, Asche. Sie senkt sich wie Blei auf uns, wir nehmen sie ein mit der Luft, und Luft ist es, was wir sein sollten. Federleicht sollten wir sein, in diesen Tagen. &lt;i&gt;Zwischenkrise&lt;/i&gt;, nennt man unsre Epoche. Es ist eine neue Zeitrechnung, Zwischenkrise. Wir haben uns das Unglück zur Hure gemacht, wir haben die Hoffnung in Plastik geschweißt, wir haben Kostenbilanzen aufgestellt, die niemandes Rechnungen ausgleichen. Und doch: Wir sind glücklich. Asche, Asche, Asche. Ein sanfter Regen aus grauen Eiskristallen. Der fruchtbarste Boden, ein Segen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue ist. &lt;br /&gt;
Das Alte ist aufgestiegen wie brennendes Papier. &lt;br /&gt;
Die Stadt hat sich gehäutet, und das, was übrig bleibt, ist nackt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-18T09:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5935949/">
    <title>Ecce homo</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5935949/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich habe Lust auf etwas Neues. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-- .. -&lt;br /&gt;
... .--. .-. .- -.-. .... .? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein. Ich behalte all meine Vokale &amp; Konsonanten, - es ist das Andere, Wände &amp; Haut. Die Gedanken. Berlin ist nicht weit weg, es existiert nicht mehr (im Exil existiert nix als dieses X-beliebige); Berlin wartet mit seinen Räuberleitern: Das leere Zimmer der Frau wird zum bewohnten Zimmer des Mannes, - this Room of Ones Own is still unisex, - &amp; was möglicherweise Zukunft sein will, auch sexuell, auch beruflich, auch künstlerisch, auch politisch, &amp; auch &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt;, das man an alle gestellten Fragen hängt, diese Zukunft ist alles; schlicht ein Wollen, das größer ist, groß &amp; unermesslich, mehr als jedes X &amp; &lt;i&gt;i grec&lt;/i&gt;, mehr als neue Möbel &amp; neue Ideen, denn nein: Berlin wartet nicht, es hat nie gewartet, auf Niemanden, Berlin hat mich nie gewollt, uns alle nicht, darum sind sie alle dort, diese Menschen, darum wälzen wir uns durch diese Straßen, darum suchen wir &amp; suchen, &amp; finden keine Antwort auf die wichtigste aller Fragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qui?, &lt;br /&gt;
quiquiqui?, &lt;br /&gt;
qui je suis?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Striche, gezogen aufs weißeste Papier, folge dem Stift, folge der Quadratur des Kreises, &amp; du siehst, siehst du?, ich meine mich?, siehst du jenen, der auszog, um der Welt das Fürchten zu lehren, &amp; der stattdessen selbst zum Ängstlichen wurde?, - das ist alles längst Geschichte, es ist alles längst gewesen, wir haben uns gejagt, &amp; wir jagten die Liebe, aber das Neue, - schön wie schrecklich, - wartet nicht auf unsre Beute. So gehn die Tage, genauso geht unser ganzes Leben, wir warten &amp; sehn zurück, ständig sehn wir zurück oder wir sehn zu weit vor, denn ja, wir planen, wir setzen uns Ziele, wir setzen unser Leben aufs Spiel, jeden Tag, aber darüber sprechen?, es sagen!, dieses &lt;i&gt;Danke, dass du da bist&lt;/i&gt;, dieses &lt;i&gt;Ich liebe dich&lt;/i&gt;, dieses &lt;i&gt;Du hast mein Leben verändert&lt;/i&gt;, wir sagen es nicht, stattdessen lassen wir die Zeit vorübergehn, unpathetisch &amp; logisch, wie diese Welt nun mal ist, wie sie nun mal im Chaos versinkt, in Krieg &amp; Hunger, die uns an den fremdesten Gestaden stehn lassen, bei den stillsten Kranken, den Schlaganfallopfern &amp; plötzlichen Herztoten, bei den Anachronisten, die uns vom Wetter erzählen, vom vereinzelten Regen, der ja doch nie so kommt, wie er vorhergesagt wird, &amp; was?, &amp; wie? Das Neue überrollt uns mit seiner Unachtsamkeit. &amp; nichts ist mehr, wie es war. Niemand bleibt unberührt. Alle andren erstarren zu einer Säule aus Salz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sag mir nicht, was logisch ist. Nichts an dieser Welt war je logisch. Nichts an unserem Tun, nichts an unseren Worten, in denen sich der Tod ins Freie nagt, ist es, denn Logik ist nur ein Prinzip von vielen, also setz dein Kreuz dahinter, du hast es gehabt, du hast es gelebt, du hast es verloren, so sind wir alle Teil deines Verlusts, aber Abersagen, aber das Trotzdem fordern, nie diese Ruhe, nie dieses Fallengelassene!, hier, das gesuchte Gold im dunkelsten aller Minenschächte!, eine Ader reinen Golds, das ist es, was wir Hoffnung nennen, nicht?, &amp; so reißen wir uns die Kleider vom Leib, so haben wir Sex, so zeugen wir Kinder, so geben wir unseren Kinder die Namen von Heiligen, auch wenn sie nie heilig werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sitze im Exil &amp; betaste die geschwollene Mandel, ich sitze im Exil &amp; denke an Berlin, wie es ist &amp; war, vor allem, wie es sein wird, denn neue Menschen stehn vor der Tür &amp; verlangen Einlass, - manche haben auch ein Anrecht darauf, - noch Namenlose, &lt;i&gt;i grec&lt;/I&gt;s, sí, - &amp; ich, der ich nicht länger ich bin, nicht länger der, der ich war, nicht?, einer, der müde ist vom Vielen, müde von sich, ja, &amp; zum Teil auch müde von allem, was kommen wird, - dem Umzugschaos, der Arbeitssuche, - ich, der Jimmy versprach, nicht mehr zu jammern, ich, der ich A. bin &amp; A. liebte, &amp; I. liebte, ich, der ich mit all den M.s schlief, den ungezählten Marien, ich, der sich immer nur um sich selbst dreht, hier, im Weiß, ich, der lauter wird mit jedem vergangenen Tag im Nichts&amp;niemalstun, einer der sieben Herrscher des Universums der Angst, manischer Chaot, Narziss (sic!), ich, der müde ist &amp; niemals müde, ein Hund, der seinem Schwanz nachjagt, Phantom, Antipode, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
moi&lt;br /&gt;
moimoimoi&lt;br /&gt;
je dis: au revoir. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue kommt.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-13T12:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5934465/">
    <title>Quand le vin est tiré, il faut le boire.</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5934465/</link>
    <description>&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/kmqpHpX9se0&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/kmqpHpX9se0&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.&lt;/font&gt;

&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Mein Kopfinhalt. Heute Morgen. Verfilmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mich allerdings wirklich berührt hat (&amp; zwar nicht des Videos, sondern des Lieds, des Inhalts wegen) von der Mademoiselle, ist folgendes:&lt;/p&gt;

&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/gnrfLODXzg4&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/gnrfLODXzg4&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Opium2Go</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-12T09:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5927246/">
    <title>&#1504;&#1490;&#1489;</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5927246/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1.&lt;br /&gt;
Alle Frauen tragen die gleichen Frisuren. Blondbraunes Haar: toupiert zu Stahlwolle; sie tragen es wie Helme, - Soldatinnen, die sie sind, hochgewachsene, schlanke Frauen, - die bunten Sommerblusen flatternd im Wind &amp; die Stretchhosen straff auf der Haut, die cremefarben ist, - so marschieren sie mit den kleinen Kindern, so exerzieren sie mit Kinderwägen, links, links, die sehnigen Hälse gereckt, die Blicke kühl alles Fremde zerblickend, so zerstoßen sie das Eis mit den adrigen Händen, so geben sie es in die Limonade &amp; reichen die Gläser an die Söhne weiter, die morgens draußen auf dem trocknen Rasen liegen, - braungebrannte Kibbuzsöhne, die Haare von tausend Jahren Sonnenlicht zu Stroh gemacht, knisternd im Südwind, - oder die abends am Fenster stehn, die Haut vom Wasser rein gewaschen, nackt, mit dem Blick ins Zimmer gegenüber, wo Monsieur Mort, wo A. am Fenster hockt, das Buch der &lt;i&gt;Wilden Detektive&lt;/i&gt; auf dem Schoß, &amp; blätternd, weiß geblieben, struppig vor Wut &amp; Müdigkeit, der nicht merkt, wie man ihm winkt, wie man seinen Namen über die Straße ruft, durch Negev, durch Sand- &amp; Steingebrochnes, im Südwind tanzend, &amp; der erst dann aufschreckt von Rippenbogen &amp; brauner Haut, wenn der erste Kieselstein ans Fenster fliegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. &lt;br /&gt;
Saint Gregory stand jeden zweiten Abend wie ein griechischer Held vor meinem Fenster und rief meinen Namen ins Samtene dieser ersten Septemberwochen, ins Betäubte, Schlaflose dieser golddurchwirkten Herbstspielereien. War Troja gefallen?, war Odysseus je nach Hause zurückgekehrt?, und ich?, was hatte ich je getan?, - es blieb nichts als das Buch zur Seite zu legen und Saint Gregory zu begrüßen, den Unversehrten, den Heiligen aller Schlaflosen, und um mit ihm durch die Straßen des Ghettos zu gehn, das am Rande des Orts aller Orte stand, dort, wo Angst und Schrecken einander Zwillinge sind und an den Geschlechtern miteinander verwachsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen durch die Wüste Negev &lt;br /&gt;
und die Wüste Negev ging mit uns. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &lt;br /&gt;
Sie reden über die kommende Trockenheit, über Sexualität und Religion; am nächsten Tag gehen sie zusammen in ein Geschäft, in dem ein Mann Kleidung verkauft, - die Zimmer sind zur Hälfte ausgeräumt, Kisten und Kartons stehen unter leeren Regalen, nur noch wenig Stoff lässt sich finden, - dort führen sie sich gegenseitig Hemden und Hosen vor, sie lachen viel dabei. In Unterhosen verfolgen sie einander durch Spiegelkorridore, sie kneifen einander in die Brustwarzen, sie sammeln die silbernen Haken der zerbrochenen Kleiderbügel und werfen sie um die Wette wieder fort. Sie sind wie Kinder. Sie kennen keine Unterschiede zwischen Gut und Böse. Sie wissen nichts von der Sehnsucht. Sie haben die Ferne vergessen. Sand und Dornengestrüpp zergehn zwischen ihren nackten Zehen zu Asphalt und Flaschenscherben. Nachts sitzen sie am vertrockneten Wasserlauf und trinken, - diesmal nicht um die Wette. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. &lt;br /&gt;
Er sagt, erzähl mir von deiner Mutter. Der andre macht&apos;s. &lt;br /&gt;
Er sagt, erzähl mir von deiner letzten Freundin. Der andre macht&apos;s.&lt;br /&gt;
Er sagt, erzähl mir und erzähl mir und erzähl mir vom Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der andre?&lt;br /&gt;
Er sagt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. &lt;br /&gt;
Ich ertappe mich dabei, wie ich lose werde, wie mir die Geduld abhanden kommt; an manchen Tagen ist alles, an was ich denken kann, die Liebe, wie sie war, &amp; dann lege ich mich zerwühlt von fremder Haut &amp; blauen Augen ins Bett, zwischen weiße Laken, unter weiße Decken, ein schwarzer Punkt im Blauen, &amp; frage: &lt;i&gt;Wie weiter?&lt;/I&gt;, aber nur die Hand weiß eine Lösung zu finden, nur die Finger, nur die zitternden Netzhäute, die vom Vielen phantasieren, den geöffneten Lippen, dem ersten Kuss, &amp; cetera, aber die Mutter kommt ins Zimmer &amp; fragt ihre Fragen, &amp; die Schwester am Telephon stellt ihre ultimativen Ultimaten, &amp; die Gier frisst sich tief in jeden Nerv, - nur ich, der hilflos in der Wüste ist, findet keine Worte mehr; ich streiche mir die Augenbrauen struppig, verheddere mich in meinen spitzen Wimpern, während der Bruder sagt: &lt;i&gt;Tu dies &amp; tu es sofort&lt;/I&gt;, so wie es die Mutter sagt, &amp; die Räuber zwischen den Ruinen, wie es der immerneue Morgen sagt &amp; das Herz aus Porzellan. Ich stehe am Wegesrand, - die Hosen staubig, das Hemd verschwitzt, - &amp; sehe den marschierenden Müttern bei ihren Manövern zu, sehe die Kibbuzsöhne in ihren perfekten Kostümen, &amp; nie, &amp; kein Tag, es ist, als gebe es hier keine Zukunft, als stünde alles still. Alle Uhren zeigen die gleiche Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was hätte Jammern je geholfen?, so sind die Tage, so sind die Wochen &amp; Jahre, - solange die Lippen noch lächeln können, bleibt man am Leben. Das ist alles, was ich dir erzählen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. &lt;br /&gt;
Doch als wir uns trennten, als jeder wieder in seine eigene Behausung ging, da kam der Sand in Spiralen und der Himmel tobte im Sturm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte es vergessen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war die Wüste Negev&lt;br /&gt;
und die Wüste Negev verschlang Bäume und Ernten, &lt;br /&gt;
sie verschlang die Städte und Dörfer, die Menschen,&lt;br /&gt;
sie verschlang selbst das Meer. &lt;br /&gt;
Und nichts, und niemand konnte ihren Hunger stillen. &lt;br /&gt;
Bis sie die ganze Welt verschlungen hatte.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-08T11:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5918890/">
    <title>Hand in Hand</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5918890/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Es geht ein Mann durch alle Räume. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Übergang)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich liege unter horizontlosen Himmeln, von Sternen übersät; im hohen Gras um mich knistern Insektenbeine an Insektenhaut; es riecht nach Regen. Wann ist später? Ich schüttle mir die abrasierten Barthaare vom T-Shirt, ich schüttle mir die Haut vom Körper, ich schüttle und schüttle und niemand streicht die Falten glatt. So gehn die Tage. Es könnten Jahre sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Jemand geht silbenlos, er verlässt den Raum, - den großen, den zeitdurchsetzten, - mit einem Zwinkern, das besagt: &lt;i&gt;Sucht mich&lt;/i&gt;, aber wer wird ihn suchen?, wie soll dieser augenlose Raum nur in mich passen?]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen, &lt;br /&gt;
so vieles war zu vergessen,&lt;br /&gt;
ist es noch, an keinem Ort, dem Nirgends, &lt;br /&gt;
am Ende aller Punkte, &lt;br /&gt;
nur: Was war dem Merken wert? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tag, als wir am andren Ufer standen, von Wellen gestreichelt die Arme, vom Wind benetztes Haar, ein rotes Tuch, das übers Wasser flog, denk daran, daran!, nicht, wie die Nähte falsch sind und die Hände schmerzend, des Nervenleidens wegen, - denke: &lt;i&gt;und der Kopf auf deiner Schulter, dein Haar verwoben mit meinem, deine Hände mit meinen verschmolzen, Brust an Brust&lt;/i&gt;, und schon geht das Herz im Körper zehndreiviertel Takte schneller, und Blut pulst im Schnellfeuer der Hormone, und Und-Sätze reihen Momente aneinander, die nicht zu ver-und-en sind. Jetzt. Jetzt. Ja. Jetzt. &lt;br /&gt;
Mir ist ein Name in die Haut gebrannt, in die rechte Hand, in Fleisch und Nervenzellen, und nichts in diesem Ort vermag ihn zu tilgen. (sic!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was?, woher der Wind, &amp; Augen auf!, im Geschrei von Möwen &amp; Seemännern, die an den Piers stehen, tausendmal mich lockend auf Schiffe, die nirgendwo ankommen, &amp; ich wische mir das Straßenköterhaar aus Stirn &amp; Augen, &amp; alle Worte verlieren ihren Klang, alle Buchstaben fallen aus ihren Gerüsten, &amp; Ratten &amp; Rauch rauschen riesig, rrrrrrrrrr-ran!, &amp; dann klatschen die Wellen einen neuen Takt in mein Gesicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was?, was sagt die Mutter, was sagt der Bruder, &amp; die Schwester am Ende der Welt? Woher die Wolken, woher das viele Blau?, was schreien die Spatzen bloß heute von den Dächern?, &amp; welcher Leib wurde je begehrt? Öffne mir die Hose, öffne mir den Mund; ich habe mir beim Ablecken des Joghurtdeckels die Zunge zerschnitten, sei also vorsichtig. Beim Masturbieren hab ich an dich gedacht. Beim Duschen dachte ich, deine Haut könne die meine sein. Wir sind zu viel Körper, wir sind zu wenig, - ich bin narbig, meine Haut ist die des Feuerläufers, du wirst meinen Spuren nicht folgen können. Ein Geist, ich bin ein Geist, ein Geist. Es gibt keine Beweise für meine Existenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich an diesen letzten Augusttag, der lange nicht der letzte war, ich erinnere mich an Glück, an Herzschlag, an Möglichkeiten; es ist das einzige, das bleibt. (Ist es?)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es stimmt, &lt;br /&gt;
wir sind der Traum eines sterbenden Astronauten.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Der Junge &amp; das Herz</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-03T11:50:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5914233/">
    <title>quemar</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5914233/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich bin am Ort aller Orte, dort, wo Glück und Unglück einander Zwillinge sind, und an den Köpfen miteinander verwachsen.* Ich bin dort, wo die Wasser bitter sind und die Pflanzen vertrocknet, dort, wo die Himmel endlos sind und der Horizont nirgends in Sicht; ich bin zurück, in Keinemortnirgends, einer längst verlassenen, längst baufällig gewordenen Ruinenstadt, in der die Wege rundheraus und sackgassig sind, Menschenhaut auf Menschenhaut getan, ergibt noch lange keinen Menschen, so sind die Geister, so ist das Gestern. (Und heute lernen wir das spanische Wort &lt;i&gt;quemar&lt;/i&gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich reiße Kalenderblätter ab, &lt;br /&gt;
seit tausend Jahren war niemand mehr hier. &lt;br /&gt;
Ich zupfe aschene Blätter von toten Pflanzen. &lt;br /&gt;
Ich spüle Geschirr, von dem niemand aß, &lt;br /&gt;
sammle Tassen und Gläser ein, aus denen niemand trank,&lt;br /&gt;
und schüttle die Betten auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst seit drei Tagen bin ich hier, die Stunden sind zerrannt zwischen lautem Gerede. Seit drei Tagen schon ist Berlin, das ich verliebt verließ, nicht um mich, - mein Verfall begann mit der ersten Sekunde. Mit dem Einsteigen in den Zug, das ich in der Umarmung eines Freundes, - des besten, - fast vergaß, und das dann mit jedem Schritt durch die Gänge und Flure immer wieder aufs Neue durchlebt werden wollte. Mit den Gleissträngen von Leipzig und Würzburg, mit den Seiten der &lt;i&gt;Wilden Detektive&lt;/i&gt;, mit der Musik von Amanda Palmer, mit dem Wind, der die Wolken übers Land trieb, und tiefer, und südlicher, aufragend in den Weinbergen, in den Fachwerkhäusern, im Seitenblick, hinaus und zurück, wie konnte das alles nur passieren?, Unbekanntes, wieder und wieder, ... Drei Tage Telephongespräche, die nichts als Herzschlag waren, drei Tage Geflüster in aller Heimlichkeit, drei Tage Morgengrauen, im Licht den Körper besehn, drei Tage lang, sollte ich nicht auferstehen?, sollten nicht alle Tempel in der zwölften Stunde einstürzen?, niemand als der Nachbarssohn begrüßt mich am nächsten Tag, ich hatte schon wieder seinen Namen vergessen, war es je wichtig? Was ich will, ist in Angst gebadet. Das Wiedersehn mit der Mutter, die Fahrt nach Mainz, die mir das Chaos nimmt und alles auf Messers Schneide stellt, - tanz!, tanz!, - und dann der Junge, natürlich, der Junge, der von Norden kam, was ist mit ihm?, wie wird alles gehn?, ich liege im Bett und zähle Wolken in aller Stille, was passiert denn weiterhin?, das Schreiben ist in Glas getaucht, erstarrt in tausendundeinem Später und Morgen, vielleicht, und der Hunger bringt die Sehnsucht mit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin an diesem Ort, diesem Ort aller Orte, ich bin am nördlichsten aller südlichsten Punkte, und damit weder südlich noch nördlich genug. Unentschlossen treiben mir die bilderlose Träume Gefühle durchs Herz, die sich nicht erklären lassen; ich höre das Gebälk ächzen und die Bedenken sind wieder da. Bedenken?, weswegen? Wegen allem. Der Zukunft wegen?, ach, was verstehst du schon davon?, es ist ein Spiel mit den Schlangen. Warum das Herzklopfen, woher das Risiko, du hattest etwas andres geschworen!, tja, es geht eben zu schnell. Jeder Tag steht in seiner Hektik alleine da. An diesem Ort, diesem verfluchten, heimgesuchten, denk dir, erst drei Tage lang, drei Tage im Haus, das monatelang nichts als die Gruft der toten Pflanzen war, der toten Spinnen, der toten Fliegen, der stillgestandenen Luft und der abgedunkelten Räume, - hier, sieh, das ist die zerbrochene Vase aus deinen schlimmsten Vorstellungen, ich tu sie behutsam in den Müllsack, - sag, wie viele Minuten sind es noch?, - ich habe Gift getrunken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht. &lt;br /&gt;
Verstehst du?, ich weiß &lt;i&gt;es&lt;/I&gt; nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je länger ich hier bleibe, desto kantiger werden die Bruchstellen. &lt;br /&gt;
Je länger ich bleibe, desto weniger bin ich. &lt;br /&gt;
Je länger, je kürzer, je schlimmer, je besser, &lt;br /&gt;
desto weniger. &lt;br /&gt;
Ich weiß am Ende der Tage nicht, was von uns bleibt. &lt;br /&gt;
Wir sind es, die auf der Schneide tanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;a href=&quot;http://chaosmaedchen.twoday.net/stories/5808900/&quot;&gt;siehe&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>fort-laufend</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-01T08:05:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5909670/">
    <title>Er. Pt.3</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5909670/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Er ist ein Mann unter vielen. Ein namenloser Körper, einer mit Eiskristallen in den Venen, einer, der dich bis aufs Blut beißt, sobald du ihm zu nahe kommst, - er häutet dich mit Blicken, er leckt dir die Lippen mit Worten, &amp; egal wie gut er riecht, - er und sein Bett, - du kannst ihm nicht trauen; er ist ein Monster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So geht er durch die Wohnung &amp; kehrt den Staub unter die Teppiche; ein Mann unter vielen, er kehrt die Liebe unter die Haut, &amp; schiebst du den Arm auf der Couch zu nahe an seinen, dann zuckt er zusammen, - er kommt nicht näher, er schafft es nicht, du verbrennst ihn; er ist aus Wachs gebaut, eine Voodoo-Puppe, verflucht um seiner selbst willen, im Bitteren ertrunken, das Sonntagskind, der kleine Sonnenschein, der Mann, der neben dir sitzt, ist nicht zu haben, er kann nicht begehrt werden, er kriegt es nicht mehr hin; das verbrannte Kind scheut das Feuer nicht, es ist vernarbt, es kann nichts mehr fühlen. So sitzt er auf dem Parkett &amp; faltet Papier. Er hat vergessen, was er geschrieben hat. Er weiß nicht mehr wozu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fragt: &lt;i&gt;Woher?, wohin?&lt;/i&gt;, - die ganze Welt könnte in Stein gehauen sein &amp; für die Ewigkeit, er wäre der Wind, der durch die leeren Städte heult, er wäre der, der die Wolken bringt, den Sturm, denn nichts ist wirklich sein. Alles ist nur geliehen, von der Zeit, vom Zufall &amp; den Pheromonen, darum hat er dir nichts vom Unglück erzählt, das ihn umgibt, vom Mitleid, in dem er sich suhlt, - nachts, wenn die Astronauten samt ihren Raumschiffen in der Atmosphäre verglühen, wenn sie wie Sternschnuppen den Himmel erleuchten, aschen, zwischen den Wolken, in der Weite, ganz &amp; gar Mensch Gewordene, - &amp; er, der am Fenster sitzt, die Füße auf dem Sims &amp; das Herz ganz in Blei gegossen, wohin?, woher?, er begreift nicht die kleinste Kleinigkeit. Seine Vergangenheit hat nie existiert, obwohl er sich an sie erinnert. Seine Gegenwart flieht in die Zukunft, sie flieht &amp; flieht, &amp; er flieht auch, sein ganzes Leben lang schon flieht er, - vor den Wahrheiten, vor den Lügen, vor dem, was sich die Menschen erzählen, wenn sie über sich selbst sprechen, wenn sie über andere richten, &amp; das Ende ist nicht absehbar, das Ende verzögert nur das Atmen, fort von der Verpflichtung, von der Freiheit, von dem Mitleid der andren, &amp; niemals Bewusstsein, &amp; niemals Augenblick, immer nur die Flucht nach vorn, immer weiter hinaus, bis der schwarze Spiegel auf der Haut nichts als weitere Narben hinterlässt. Wir sind wie Kinder, die Kinder der fremdesten Menschen. Spuren im Sand, wir hinterlassen sie in der kommenden Flut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;O Gott&lt;/i&gt;, sagt er in den Ascheregen, der sich senkt wie ein Fallbeil, &lt;i&gt;O Gott&lt;/I&gt;, ganz so als brächte es Erlösung, &lt;i&gt;O Gott&lt;/i&gt;, &amp; keine Beschwörung, kein Aberglauben bringt ihn weiter zu sich selbst, zu dir, der du da bist. Er hat die Dunkelheit am helllichten Tag gesehn. Er hat die Stille im lautesten Geschrei gehört. Er ist niemand, er ist einer unter vielen, ein von der Zeit Versehrter, einer, der sich seines Namens nicht mehr erinnern kann. Ein König über ein unbesehnes Reich, weit hinter dem Horizont.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Der Junge &amp; das Herz</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-29T10:35:00Z</dc:date>
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