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Samstag, 13. Januar 2007

breathe me

Wann hört es auf, dass man sich einsam fühlt? [Das Tosen der ganzen Welt erstickt im eigenen Luftholen]. Wann hört es auf, - dieses plötzliche Ziehen im Herzen, wie ein amputiertes Bein, mit dem man wieder gehen will; wie eine Blutung, die man nicht mehr stoppen kann, kein Blutgerinnsel, kein Selbstschutz, - nur offene Wunden, wann hört das auf?

Man reicht mir die Bilder eines neugeborenen Kindes. [Es ist nur virtuell]. Die Mutter? Sie ist mit mir zur Schule gegangen [vor eineinhalb Jahren], sie war in meiner Stufe, und jetzt? Jetzt hält sie da auf dem Bild ihre Tochter in den Armen. Ein kleines rotes Monster. Und sie ist Mutter. [Die Bilder lösen eine Art Schock aus, denke ich]. Immer wieder wiederhole ich dasselbe Wort: Mutter, es klingt aus meinem Mund wie eine Offenbarung, wie ein Hilferuf, wie irgendetwas, das man in schlechten Filmen zur Genüge gesehen hat. Man will nicht verzweifelt sein, man will weiter stark sein, man will wollen können. Dann passiert sowas.

[Ich mag keine Kinder. Ich will niemals Vater werden, - vielleicht aus Angst, dieselben Fehler wie mein Vater zu begehen; ich weiß es nicht].

Man tut sich immer weh. Unbewusst kommt die nächste Kante, das nächste Stückchen Wand, eine Ecke, und zack, Schmerz, ein bisschen Schmerz am Ellbogen, oder am Knie und man geht weiter. [Nur die Narren bleiben stehen]. Warum, warum dreht sich alles nur immer im Kreis? Die Photografien der verlorenen Freunde, Aufnahmen der verlorenen Verwandten, - andauernd und ewig: die Andeutungen eines verlorenen Lebens. Bitter, salzig, - eine ganze Flut der Lichtlosigkeit.

Dann drücke ich das Lied wieder zurück, und höre es mir zum zehnten Mal an. [Breathe me]. Manchmal erscheint es mir nicht schlimm, da knistert die Luft und alles, alles! bebt und schlägt neue, bunte Funken. Aber wenn die Stille kommt, und die Musik wirklich einmal schweigt, dann bricht das Kartenhaus zusammen. Es ist ermüdend.

[Ich träume von Virigina Woolf].

testsiegerin - 13. Januar, 18:03

wenn ich ein bisschen barsch sein darf:

für mich stellt sich die frage, welchen gewinn ziehst du aus deinem selbstmitleid? ist es bequemlichkeit, weil es anstrengend ist, das leben zu ändern? ist es die sucht nacht trost und mitgefühl?

etwas zu ändern (zum arzt gehen, das leben in die hand zu nehmen, sichtweisen und perspektiven zu ändern) ist immer unbequem. macht angst. aber es ist auch die einzige chance, nicht zu sterben. innerlich und äußerlich. und es bedeutet loslassen. den schmerz, manchmal auch teile der vergangenheit, die lust am leiden.

die küchentherapeutin
testsiegerin ;-)

morbus (Gast) - 13. Januar, 18:20

du darfst barsch sein. [jeder darf sich eine fischart aussuchen].

ich ziehe keinen gewinn aus dem selbstmitleid. selbstmitleid wäre, wenn ich nicht so leben würde, wie ich lebe. [ich mag mein leben]. es sind nur kleine momente der traurigkeit, die sich hier häufen und sammeln, - an anderen stellen gibt es glück, zufriedenheit und reihenhäuser, an anderen gibt es wut. [ich komme nur nicht dazu, es zu bündeln].

desweiteren: empfinde ich die melancholie als das glück, traurig zu sein. das ist nur der schadstoffaustoss, der mit der zeit abnehmen wird. [und ja, man bindet sich gerne an das eigene leid, - es ist manchmal das einzige, auf das man vertrauen kann].
die_launische - 13. Januar, 18:50

du könntest es auch so sehen: du kannst all die guten dinge tun, die dein vater unterlassen hat.

La vida es sueño (Gast) - 13. August, 23:23

Leere

wenn ... wenn die leere die materie hervorgebracht hat - dann hat die materie wiederum den menschen hervorgebracht...kein wunder wenn die lebenshaltung dann eine leere zu leben fordert...!!! doch diese leere ist ein hinweis auf etwas - das voller raum ist -wie ein schwarzes loch - *lach* ja ...das schwarze loch - ist doch der am meisten gefüllte ort ....leere ist der urgrund!