absinthische Kreise
Wieder nichts gelernt; nichts relevantes für die Uni, nichts fürs Leben. Da ist nur der Hunger, - knurrend in den Venen, ins Herzen sich erbrechend: ein Hauch Lavendel, dann gemähtes Gras: die perfekte Idylle. Die Sonne schwebt schneidend durch die Wolken, fällt klirrend am Horizont zu Scherben, und lässt die Nacht zurück. Ewige Liebe, brennendes Verlangen: Erinnerungen, die bezaubern wollen und es doch nicht schaffen. Ich werde nicht müde.
Ich drehe mich wirbelnd um mich selbst, durch die Türen, den Gang entlang, immer mit dem selben Lied in den Ohren, und ich dufte nach Sommer, frischgeduscht: Wasser perlend an Hals und Wangen, als feiner Nebel aus dem kurzgeschorenen Haar. What to do for pleasure? Ich wippe, Takt, los! Keine Zeit für die Ansprüche der Revolution. Hier, ehrenamtlich: Liebe und Tod, Wahnsinn, gelb gespickt im Bilderbuch: ich als Kleinkind im wogenden Weizen; ich wartend auf Krankenhausfluren und die Zeit als kettenrauchende Krankenschwester, die sich im Rauch verliert; ich und immer wieder ich, - das Drehen ist ein Versuch, sich selbst auf den Hinterkopf zu sehen. Nur kommt dabei nichts raus. Nichts vernünftiges. Daher ziehe ich an Andreas Schultern und ziehe ihn mit auf den Boden der Tatsachen: du bist da, du bist ein Mensch, du hast keine Berechtigung und keinen Sinn, du bist sterblich, - stirbst in jeder Sekunde, - also? ALSO! Du schreist es mir ins Gesicht und ziehst mich wieder hoch, und sagst, es gehe nicht, es gehe nicht, zu leben, ohne sterben zu wollen, und man könne nicht sterben, ohne zu leben, also fuck you, head-fest: eine Windbrise schleudert mich über den Balkon, und darüber hinaus. Sterne. [Absinth pulsiert durch meine Adern, durch das heiße Herz, durch die Muskeln, Haut, Haare, - es sprüht durch jede Faser, ist in den Atomen, die miteinander kollidieren, - oxidiert atme ich es aus, und mit ihm die Funken].
Du sagst, ich wüsste nicht, was ich tun, was ich wollen könne, und immer nur die Versessenheit, die Manie. Immer sei ich fixiert, - wenn nicht auf mich, dann auf andere, und wenn nicht auf andere, dann auf eine kurzlebige Idee, ein Geisterschloß am Rande des Waldes, ein Wolkenschloß am Ende des Horizonts, und dann? Dann: Süßigkeiten, in denen ich ersticke. Tobsuchtsmutter und Phlegma-Vater: ein Gefühlsausbruch, der das ganze Innere auf den Kopf stellt, Steckbausteinregen, scheiß auf dich und deine ganze Familie, und ich nicke wahnsinnig, jokerhaft grinsend und drehe in absinthischen Kreisen eine neue Runde. Ein neues Glas, ein neues Stückchen Zucker, Wasser, zerbrich dich zu Ellipsen.
Dann wache ich auf, und bin klebrig. Meine Finger kleben aneinander, meine Augen sind verkrustet, ich huste, wirble Staub und Haare auf. Wo bin ich? Oder nein: wo sollte ich sein? Hier. Zuhause. Irgendwo, überall. Ich mache den Fernseher aus, und sehe dabei die zwei nackten Körper, links rechts und miteinander verschlungen, mitten im Bett. Männlich, weiblich, ganz egal. Ich kaue an den Nägeln. Vermutlich lag ich da auch gerade.
(That's the rockstar-attitude: I am p[h]unk'd).
Deshalb suche ich mir die Reste zusammen, und stelle sie ins Spülbecken; deshalb hole ich mir ein Buch aus dem Regal und überspringe die Zeilen; deshalb stehe ich so völlig neben mir. [Hallo!] Deshalb nichts, nichts und wieder nichts und kein Vorankommen. [Bastardo, io e il mio ego]. Wann verspricht mir das nächste Glas schon wirklich Besserung? Wann schlingert der nächste wache Moment in die Dunkelheit? Schlaf.Dich.Aus. Keine große Mühe. Ich suche meine Klamotten zusammen und ziehe mich an. Versprechen: nie wieder. Und nimmermehr. [Das ist ein bittersüßes Wort].
*
Vielleicht sollte ich wirklich Italienisch studieren. [Statt Französisch]. Vielleicht sollte ich im Laufe der Woche Peter anrufen, und mit ihm die Uni-Informationen angleichen. Vielleicht sollte ich morgen tatsächlich ausschlafen, und dann alles in die Wege leiten. Die Tattoowierung[en], das neue Kunstprojekt, meine [letzte?] Hausarbeit, die Essays, die sich nicht von selbst schreiben, mehr Strukturen, weniger Exzesse. Ich werde am Freitag 22 Jahre alt und ich fühle mich, als wäre es mein Todestag. [Das wäre künstlerisch-wertvoll Schrägstrich -erhaben]. Die Wahrheit ist: ich habe nichts geschafft, trotz meiner Möglichkeiten.
Verdammtverdammtverdammt.
Du wolltest den Alltag? Jetzt spucke ich ihn dir vor die Füße. Leck mich, Alltag, am Besten mit deiner Engelszunge. [Überdruss schafft das Verlangen nach Zerstörung. Ich werde diesem Verlangen nachgeben]. Bitte, danke, auf Wiedersehen, und zur Hölle damit.























