Briefkasten Interlude.
Sie steht vor den Briefkästen, die nette alte Dame aus dem ersten oder zweiten Stock, die mich jedes Mal so herzlich grüßt wenn sie mich sieht. Ich höre gerade The Fight Song von Marilyn Manson auf dem einen Ohr, bin ansonsten ein feiner Schweißfilm und ein bisschen außer Atem. [Denn: ich bin die letzten paar Meter zum Haus gejoggt]. Sie lächelt und ich lächle zurück, dann steckt sie ihren Briefkastenschlüssel in das Schloß, macht das schmale, weißverkleidete Metalltürchen auf und sieht hinein. Es ist leer. Sie sagt: Ach, niemand schreibt mir, und sie lächelt dabei.
Ich mache zeitgleich meinen Briefkasten auf, und denke insgeheim dasselbe. Auch mein Briefkasten wird leer sein, - selbst meine Amazonbestellung lässt auf sich warten. Aber zu meiner Überraschung fischen meine Hände einen grünen Flyer heraus, mit großen, weißen kyrillischen Buchstaben. [Warum denken die Russen eigentlich immer, ich sei einer von ihnen? Namen sind doch nur Schall und Rauch]. Daher sage ich stattdessen: Na, ich hab wenigstens noch Werbung, und lächle schief zurück.
Während ich im Aufzug nach oben fahre, überlege ich, ob ich der netten alten Dame nicht einen Brief schreiben soll, - oder eine Postkarte, oder etwas dergleichen. Vielleicht etwas Unverfängliches, aber eben Handschriftliches. Sie würde sich darüber freuen, da bin ich mir ziemlich sicher.
Die Frage ist nur: was?























