on tour
[Jetzt bin ich mal richtig belanglos].
Yessurr, jetzt sitze ich also halbnackt im Erdschatten, Halbschatten, - mal in den Jalousienlichtstreifen, und mal dazwischen, - höre Pharrell und löffle mit einer Hand das Wan-Tan aus dem Asia-Shop. Es ist viel zu heiß, und klebt zu großen Teilen immer noch im Topf [und auf dem Herd ... und: an den Fliesen ... und seitwärts, am Rand des Spülbeckens. Gott, ich bin so ein Grobmotoriker]. Da hilft es auch nicht, dass mir die Verkäuferin, - eine untersetzte, fast schon krankhaft nickende Frau mit Dutt und Cliché-Akzent, - dazu riet, ein bisschen Butter beizufügen. [Selbst wenn ich welche besessen hätte: ich hätte sie nicht mit hinein gegeben]. Naja, ich werde nie ein Meisterkoch, - das Kochtalent in unserer Familie fiel zu meinen Ungunsten auf meinen Bruder, seinerseits wirklich Meisterkoch, und kulinarisch all den Mälzers, Olivers und Lafers weit überlegen, - allein schon weil: mangelnde Medienpräsenz. [Alles, was für Zuschauer gekocht wird, ist nicht mehr kulinarisch, - allenfalls schmackhaft; so, dass Tante Gerda von nebenan vielleicht den Braten mal früher aus der Röhre nimmt].
Na wie auch immer. Es sind noch zwei Tage und die Welt bleibt gleich: Vanille-Geschmack auf den Lippen und ein roter Fleck auf der Nase. Da mag nur noch Hendrik, - groß, schlank, mit Brille, Bart und grünen (!) Augen, fuck, - überraschen, der mich vor dem Clubhaus abfängt, als ich mir meine tägliche Dröhnung Landliebe kaufen will, und mir einen Job aufschwatzt. Oder eine Jobaussicht. [Jetzt also ein Casting am 2.Juli, um 16 Uhr]. Mal sehen, klang alles prinzipiell recht interessant, wenn auch ein bisschen verwaschen. [Würde ja dann eigentlich wieder zu mir passen]. Finanzspritzen sind wichtig, - sie erleichtern mein Leben. Desweiteren habe ich heute mein Französisch-Seminar geschwänzt, weil ich mich zu dünnhäutig dafür fühlte. Zu sehr Lass mich doch in Ruhe, - ich bin nicht in der richtigen Stimmung für Abfragerunden; war ich im Grunde noch nie. Das macht mir unnötigen Druck, und ich habe eigentlich schon genug davon. Besonders in Französisch. [Es wird immer wahrscheinlicher, dass ich in Berlin Italienisch studiere]. Dann: die Abmachung mit Tom, Franzi, Martini, und Annette, bezüglich des Grillens bei Josh, und das ist die wunderbare Lagerfeuermentalität, die mich vielleicht wieder ein bisschen mehr auf den Boden zurückholt. [Nicht den Boden der Tatsachen, eher ungleicher, vager, und daher so dicht am Leben wie nur möglich]. Auch hier: mal sehen. Alles ungewiss, aber reizvoll.
Drehmomente, Sehnenscheidentzündung, Liebeskummer und ein tanzendes Herz. Sei frei, sagt das geschwollene Auge. Sei frei, sagt die aufgebissene Lippe. Sei frei, sagt der erigierte Schwanz. Und nicht mehr als das.
Also fahre ich morgen ins One-Horse Town, [stepford ville], und versuche mehr zu sein, als nur die Hülle vergessener Momente. Ich werde mich während der ganzen Zugfahrt mit Nathalie unterhalten, - einer alten Schulfreundin, die mit mir die dreistündige Strecke teilt, - und ich werde lachen und fröhlich sein und hoffen, dass alles so bleibt wie es ist. [Das ist illusorisch]. Freitags nehme ich schließlich Geschenke entgegen, feiere auf Isabells Abiparty die schönen Seiten des Lebens [Geburtstage, bestandene Prüfungen, Freundschaften], und verliere mich samstags in der Familie. In der Vergangenheit. In dem Es wäre schön gewesen, wenn ... [Manchmal brauche ich solche Tage. Denke ich. Ein bisschen mehr von allem]. Wenn ich dann sonntags wieder daheim bin, werde ich satt und übersättigt ins Bett fallen, und mich für die kommenden Dinge wappnen. [Johannas Besuch am Donnerstag, Carlas Besuch am Freitag, und dazwischen und davor: noch mehr Frauen. (Ich bin ein echter Weiberheld). Dann: Prüfungen, Hausarbeiten, Nebenjobs, der Gang mit Julian zum Jugendamt, Freunde hier, Freunde in Berlin, und weiter und mehr und niemals ein Ende].
Niemals ein Ende. Fuck, ja. Niemals.
[Im übrigen langweilt mich das ungemein].






















