Die Schönheit der Chance
Nein, ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es mich berühren würde. Diese Bühne in der Kleinstadtkulisse, die Seifenblasen, die vom Atem der Menschen getragen, in die Höhe schwebten, - perlmuttglitzernd, in der Technicolorscheinwerferbeleuchtung, - und all die Menschen: die zwei Frauen auf der linken, die zwei Männer auf der rechten Seite, mit denen ich lachte, obwohl ich sie nicht kannte. [Dieses Lachen, das im Rachen kitzelt, sobald es auf der Zunge liegt]. Vielleicht war es ein bisschen zu schief, ich und meine Taschenuhr, aber ganz schick, mit schwarzem Jacket und rotem Pullover [das war mein autonomes Rostock-Outfit, ich, guter Junge], und ganz und gar glücklich, traurig, völlig Herz und Lungen: mit einem neuen Idol im Leben. [Thees Uhlmann*, unten auch auf dem windschiefen Handyphoto zu sehen].
![[new] idol](http://farm2.static.flickr.com/1076/686523089_cb39fe490c.jpg)
Ja! schreien die Hände, die im Takt von einem Punkt zum anderen wogen: warum kann das Leben kein Festival sein? Wenn wir doch alle beisammen sind, inmitten der Musik, wenn wir lachen und singen, und im Frieden sind, [auch mit uns selbst]: warum kann es nicht ewig sein, nicht ewig dauern? [Ja: was ist eigentlich so lustig an Liebe und Frieden?] Eingetaucht in die deutsche Sprache, in jedes Wort, in jede kleine Zelle, in die Hautpartikel, - und das Molekül der Einsamkeit im Herzen, das bei jedem Schlag ein Quäntchen weiter springt: das ist das Leben, gottverdammt. Annette, wie sie völlig betrunken in meine Ohren kreischte und ihre ratlose Freundin, die sie zu verstehen suchte; Josh und seine Drogenfreunde, die sich im Kreise drehten, während der Mond die Sterne fraß; und dazwischen ein paar fremde zärtliche Blicke, die sich streiften, aber nicht berührten.
[Eine Ewigkeit].
Im Bus lehnte ich zwischen Carla und einem Unbekannten eingekeilt an einer fremden Brust [und wünschte mir ein Herz zu spüren], und fühlte einen Körper neben meinen, der mich wärmte. [Der mich tief und von Innen heraus wärmte]. Es roch so sehr nach Alkohol, nach einem billigen Parfum, und auch nach Schweiß, aber da war noch der Sommer. Irgendwo. Dazwischen.
Mehr brauche ich nicht.
*
*Ein Springmesser ist keine Waffe, sondern eine Einstellung.
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01.Juli, 00.24 Uhr an das Chaosmädchen:
Mein Leben ist ein verdammter Road-Movie, aber die Hauptdarsteller sind alle besoffen, wahnsinnig, oder total verblödet. Das ist je nach Uhrzeit recht verschieden. Ich bin müde, mir tun die Füße weh, & mich umbraust der Wind von links. Ich sitze halb & halb in der Twilight-Zone, & denke mir, dass das Leben doch eigentlich gar nicht so schlecht ist, wenn man es lebt. Ganz & restlos, ohne Kompromisse.
Oder nicht?






















