Donnerstag, 23. August 2007

Opfer, Pt.1

Ich bin wütend auf die Welt, die klebrig an meinen Lippen hängt.

Geht weg, knurre ich, und scheuche mit den Fingerspitzen Staub und Asche in den Himmel. Nichts geht, - alles bleibt. Da sind. Diese Notizen, die man mir auf Pinnwände schmiert, und das Stimmstottern, das sich auf dem Anrufbeantworter im Kreise dreht. Da sind wieder Sehnsuchtsbekundungen von Frauen, die mich nicht verstehen, und die mir etwas von ihrem Leben erzählen, das mich nicht interessiert. [Im Austausch schweigen sie beharrlich zu meinem Leben an den passenden Stellen]. Da kommen Liebesschwüre, die mich zum Würgen bringen. Dann ein schnelles Husten und Bücken und weiter geht's und nie zurück. Wieder rutscht mir ein Buch aus den Händen und fällt ohrenbetäubend laut auf das Parkett. So eine.

Scheiße.

Nichts klappt wie es sollte. Tübingen verhält sich wie ein kleines stures Kind und Berlin ist die grande dame, die mich in ihren alten Tagen nicht mehr will. Danke. Unileben? Fuck. Ganz groß, und noch mal für das Publikum: F U C K. Ich kann also nicht, soll warten, soll in Tübingen still und geduldig weiter studieren, und dann ... ja, dann den Master machen, den ich gar nicht brauche. Ich soll, -- was? Noch ein Jahr und mehr im Sodbrennen baden, und nur weiter, in neue Gefängnisse hinein? Ich bin wütend, maßlos und unerklärlich, - ich stammle nur noch bezugslose Fetzen, die mir auf der Zunge liegen. [Häute dich]. Also bricht mir der Studiengang einfach die Beine und fragt zynisch, ob ich nicht noch ein Jahr Zeit hätte. Nein, hab ich nicht.

Also wische ich mir mit rußgeschwärzten Händen über Augen und Stirn, und hoffe, die schwarzen Spuren mögen die Erinnerung an die Möglichkeiten auslöschen, die auf dem Weg nach vorn am Rand liegen bleiben. Das ist alles falsch. FALSCH. Sage ich, und frage kotzend nach Vergebung. Nirgends Sicherheit. Nirgends Stille. Stattdessen ohrenbetäubendes Nichts, das in alle Ecken brandet. War es das? Musste das so sein?

Dann der Gedanke: Das Leben existiert nicht ohne Opfer.
Denke weiter.


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