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Flutlichtlachen. Abrissbirnenaugen. Der Fänger im Roggen.
Wenn man sagt, es hätte sich alles verändert, dann klingt das grundsätzlich völlig überzogen. Das wirkt unglaubhaft. Es ändert sich nichts von einem Tag auf den anderen, heißt es, weder der Mensch, noch seine Probleme ändern sich. Ja, weiter. Alles geht immer weiter, nur die Fragmente verschieben sich ein bisschen, - man atmet einmal freier und mal gezwungener; der Hormonhaushalt ändert sich, Tage ändern ihren Namen, man entsteht und man stirbt, - doch wacht man nicht als dieser andere auf, als dieses schönere, intelligentere alter Ego, das uns mit Gewalt aus alten Strukturen sprengt, - wir werden nicht zu Tyler Durden, wir sind nicht Jacks alles versengende Wut, wir erreichen Nirvana nicht. Selbst wenn wir uns negieren, nichten wir uns nicht. Wir verschwinden allenfalls, aber das ist keine Kunst. Wir reiten auf Patronenkugeln, das ist alles.
Und doch: Es hat sich alles geändert. Es ist ganz plötzlich passiert, diese grundlegende Änderung, und ich stehe vor, -- Alltagsgegenständen. Ja, denn da war noch dieser Alltag, der sich am unteren Ende der Nahrungskette durch die zufälligen Begegnungen fraß, durch das Spiegelbild, durch den Schmerz, [Kopf-], und die Verspannungen. Da war dieser Morgen, der sich kriecherisch in mir erbrochen hat, - langsam, und in ganzen Brocken: bittersüße Träume, unerfüllbar und viel zu klebrig, sexuell bis anzüglich pervers, romantisch verkitscht und furchtbar brutal, - und dann das Ausstrecken der Finger nach dem Wecker. [Im Badezimmer: einmal das pulsierende Auge, das sich entzündet hat; zweimal die aufgerissenen Lippen, die nicht heilen wollten, weil ich sie doch immer wieder zerkaut habe; dreimal die Haare, die sich im Nacken zu locken beginnen, und die mir trotzig in der Quere hängen; viermal: Was verändert das Wesen eines Menschen?] Da war dieser Mittag, der mich aus der Bahn geworfen hat, mit seinen Gesprächen, seinen Berührungen, seinen Wahrheiten, und ich saß auf der Kante, am Straßenrand, und musste wartend die Fußgänger fressen. Da war dieser Abend, der mich vor Überdruss die Wände hochgehen ließ; dann folgte die Austauschbarkeit, die Wunderlosigkeit, - kurzum: die erstickende Wut, die in einem [relativen] Nebensatz aus [Deinen!] Poren brach. Und was blieb war die stammelnde Nacht. Ich, wie ich die Kontrolle verliere. Ein abgenutzter Mensch, eine Reduzierung seitens anderer, ein Instrument, - wie oft habe ich Worte auf Ketten gereiht, habe mich bemüht, bin verstummt? Wie oft ist alles im Kreis gegangen?
Und jetzt ist nichts mehr wie es war. Das ist weiterhin pathetisch, das ist unglaublich reduzierbar. Aber ehrlich gesagt: ich hab die Schnauze voll, reduziert zu werden. Denn genau das geschieht hier wie überall. An der Uni bin ich Sarkast, bin Soziopath, bin der Menschenfeind, - dann bin ich plötzlich ein Schwätzer, bin ein Nerd; der Raum, der mir zusteht, wird immer kleiner, der Radius immer enger, und die Worte treten sich gegenseitig in die Fersen, - interpretiert mich!,- und ich habe keine Lust mehr. [Ich bin kein Konto, Vater, bin keine Bilanz, die man aufstellt, die man kalkulieren kann; ich bin nicht faul, Bruder, ich arbeite hart für das, an was ich glaube, für das ich lebe, für das ich sterben werde; ich bin ein Mensch, Mutter, ich habe ein Recht auf das Leben in Freiheit, habe ein Recht auf die Risiken der Welt, auf die Vergänglichkeit]. Ich leiste mir, -- Fehler! Leiste mir Totalausfälle. Leiste mir meinen Sturz nach oben, und auch nach unten, denn jeder Schritt ist nichts als ein kontrollierter Fall. Ich vergehe nicht vor Kummer, weil der Kummer nicht mein Herz berührt. Ich denke an das große Scheitern, an das absolute Scheitern, und ich kichere dabei. [Ein durchaus kindisches Kichern]. Die Freunde umschwirren mich, fressen mich von Innen und von Außen, aber ich kann nur ständig lachen.
U M B R U C H
abbruch. ausbruch. rette sich wer kann.
F*ck. Ich geh auf Konzerte im November, bin bei The National und Marilyn Manson, ich besuche Cocktailpartys und werde arrogant bis spöttisch sein, ich werde Gäste beherbergen, noch ein letztes Mal in der Sturmhöhe, und schreibe Briefe in die große böse Welt, um meine Geschichten zu erzählen. Ich genieße alles, reize alles, ficke alles, - es ist nicht mehr egal. Noch zwei Monate bis Ende, dann noch weitere drei. Noch fünf Monate, dann, --
Ich opfere alles, mich, diese Wohnung, dieses ganze Leben, - ich gebe den Entwurf auf, jemand sein zu wollen, der ich nicht sein kann, weil ich nicht bin, was man nicht sieht. Exzess! Wahnsinn! Und unersättlich. Ich bin des Kreisens müde, das Fliegen über sich selbst. Ich bin, --
Kamikaze! Steilflug. Konfrontation.
Sie will nach Berlin, und das, gottverdammt! das! ist das Zeichen, auf das ich gewartet habe. Das ist die Verkettung der Ereignisse, ist das Reh auf der Straße, - Freiheit in einem Stoß nach draußen. Atme schnell, oh Horatio.
Tubinga, mia disgrazia?
Vorbei, vorbei, - es ist alles vorbei, - es brennt alles nieder, geht in Flammen auf, - Umzug, [s], -pack-er! Kartons und Kisten, die im Keller lagern, Abbruch, Ausbruch, Umbruch, - ein Bruch, der heilt, ohne dass man etwas tut. Wir gehen aneinander vorbei ohne uns zu grüßen; wir werden uns vergessen, Tubinga, wir werden uns verlieren.
Details folgen.






















