Montag, 5. November 2007

Isolation

Abgebrochen. Der Kontakt zur Außenwelt, - die erschöpfende Möglichkeit, in sich selbst zu versinken, denn, -- erklärende Relationen zwischen zwei Tassen Tee verschüttet: erst reißt die Festplatte, dann versagt das Internet und schließlich auch der Händyakku, und verdammt, verdammt, jetzt ist das Chaosmädchen zu Besuch und wirbelt Staub auf, - oder bringt Staub mit, so genau ist das nie ganz zu sagen.

Und so sitzen wir schon am ersten Abend bis spät in die Nacht, lesen uns gegenseitig aus Büchern vor [aus dem einen!], und reden über die Tendenz, auszubrechen, - gemeinsam, aus den jeweiligen Kerkern unseres Verstandes, - und hey, vielleicht sind wir intellektuelle Kotzbrocken, die in ihrem Wissenshochwasser ertrinken, um sich dann in dem zu suhlen, was von gestern übrig blieb. [Jeder Tag ist der Rest deines Lebens]. Aber das ist wunderbar, so, wie es ist, verstanden zu werden und selbst zu verstehen, das ist kostbar. Zur Abwechslung mal keine Monologe, die zufällig den ein oder anderen Berührungspunkt finden. Austausch.

Ich fahre neben der Spur, - auf dem kleinen Stück Rasen, das den Asphalt von den Seitenbegrenzungen trennt, - und bin auf Höchstgeschwindigkeit. Schlaflos, traumlos, aber gierig; hungernd ohne hungrig zu sein: gedankenverloren verschüttet man eine weitere Tasse zwischen Balkon und Couch, und es ist, -- was? Leben, Du Idiot.


Nichtsdestotrotz wird es scheinbar dauern, bis das Internet wieder funktioniert. [Und ey, ich beschwere mich, meinen eigenen Erwartungen zum Trotz, nicht über die Tatsache, hundertachtzig Euro für eine neue Festplatte ausgegeben zu haben; Geld, das ich vorsorglich für Paris gespart hatte, und das jetzt also in einer einzigen Überhitzung, in einem angeblich verstopften Lüfter und ein bisschen Mangelware aus Taiwan zum Fenster rausfliegt, ... Ich beschwere mich nicht mal darüber, dass jetzt all meine Daten, meine Bilder, meine ganzen verfluchten Links, die mir den Alltag so oft gerettet haben, nun am Arsch sind, einfach ausgelöscht, und unwiederbringlich verloren. Stattdessen erwähne ich beiläufig, vorgestern zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Kurzgeschichte angefangen zu haben, - richtig Oldskool, mit Papier und Bleistift, - und dass es auch wirklich gut läuft. (Gut ist steigerbar). Ist okay, ist okay, ich bin der Lotusblumeneffekt, - an mir gleitet alles ab; sogar die dummen Blicke der Menschen, die mein völlig zer-, verstörtes und verwahrlostes Äußeres mit Erschrecken betrachten und in Kategorien wie ENTSETZLICH stecken. F*ck, noch nie war etwas so okay wie heute, seit den letzten drei Tagen, seit der letzten Woche]. Also: an alle, die Lebenszeichen von mir erwarten: Dent: sorry, ich werde Dir so schnell wie möglich eine Geschichte zukommen lassen; es ist wieder das böse Karma, das mir versagt hat, pünktlich etwas zu schicken; ich hoffe, Du grollst nicht allzu sehr; ich versuch das wieder gutzumachen. Makko: ich bin nicht ausgewandert, ich bin noch hier, und an alle anderen: Ich hole das alles nach, was ich bisher verpasst habe.

Dieser Totalschaden hat den Vorteil, dass ich mich jetzt völlig geläutert fühle. Befreit von allem Datenmüll, und so schwer es mir fällt, die Vorstellung zu akzeptieren, dass ich gerade (und auch auf Dauer) viele Vorteile einbüße: es ist egal. Scheiß auf dieses SecondLife-Imponiergehabe, wenn es ein Leben Einspunktnull gibt.

Ich arbeite an Details beim nächsten Mal.


weiter.

makko (anonym) - 5. November, 14:38

Gut, dass Du noch da bist ... genieße ruhig den Lotusblumeneffekt und die nächsten Tage - schließlich hast Du es verdient :D

Viele Grüße

Deka Dent - 8. November, 18:48

Tja wer zu spät kommt, der kommt danach.....HP ist jetzt soweit upgedatet.Grollen, nööööö. Falls die Geschichte irgendwann tatsächlich in meinen virtuellen Fingern ist, was ich hoffe und mich freuen würde, würde ich sie als Text des Monats Dezember nehmen.


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