Mittwoch, 21. November 2007

Fragmente der Liebe.

Deine Finger tanzen über mich, berühren sachte meine Lider, streichen eine Wimper von der Wange. Wünsch dir was. Ich sehe auf: Wir liegen unter diesem metallisch blauen Himmel, in den mein Atem steigt, - eine Dampfwolke, ein ganzes Leben, - und der Himmel ist in uns. Der ganze verdammte Himmel, - ein reineres Blau hat es nie zuvor gegeben. [Mein Herz].

Dein Gesicht ist von der Sonne ganz golden, und deine Augen leuchten auch.


Wünsch dir was.


Ich sehe dich dort sitzen, an der immergleichen Stelle, an diesem Baum gelehnt, der heute nicht mehr steht, und sie gehen weiter, all die Menschen gehen weiter, an diesem Nichts an Erinnerungen, an diesem Alles an Leben, und ich? Ich versuche nur zu stehen. Am Straßenrand, --
In der Nähe kracht ein Auto in ein anderes, und schimpfend steigen aus beiden Menschen aus; ihre Hände zerteilen stumm die Luft. Ich sehe nur die Ampel blinken, rot, und rot, und rot, immergleiches Licht, das sich in jede meiner Poren schiebt, wünsch dir was, und sie stehen beide da, und geben sich die Schuld an.

Meine Schuhe fallen auf den Boden, mein Gesicht fällt hinter her.
Seiten verbringe ich damit, über mich nachzudenken.
Tage verbringe ich damit, nicht Ich zu sein.

Und ganz plötzlich hab ich Angst.

[Mein Herz].


Ich schreibe meine Zeilen auf dünnes Papier, verpacke ein Buch in gelber Pappe, und versiegle alles mit dem Herzblut der Kerze. Schönheit liegt im Inneren, sagst du zu mir, und schaust auf, Schönheit ist ein Lächeln, Schönheit ist deine Persönlichkeit, und ich spüre, -- mein Gott, was spüre ich nicht, während du das sagst? Ist es nicht das, was ich hören will? NEIN. Ich sage, ich glaube an Worte, und du schweigst. Ich sage, ich glaube an die Liebe, und du brichst mir die Treue schlicht entzwei.


Alles ist flüchtig gesagt, und selten so gemeint;
alles ist hektisch und viel zu selten echt.


Wünsch dir was, mein Herz.



Heute ist immer noch, heute ist Vergangenheit, heute ist.


Was bedeutet mein Glück, frage ich dich lauter als ich müsste, und räume mit einer einzelnen Geste den Tisch leer. (Ich reiße mir die Fingerkuppen dabei auf, und es ist mir ganz egal). Ich brause auf, und tobe, und wen kümmert, was die Nachbarn denken?, Zur Hölle mit den anderen!, schreie ich, und draußen ist der Himmel blau, fürchterlich blau, fürchterlich ewig, und du und ich, - wir sind es nicht. Was ist mein Herz wert, frage ich dich, während du dir die Schuhe schnürst, und dann sagst du: Du erstickst mich, und gehst.

Dein Schlüssel dreht sich um, und bricht ungünstig auf der falschen Seite ab.


Eine halbe Stunde später kann ich darüber lachen, aber du lachst nicht.

Du bist zwei. Ich bin drei. Schere Stein Papier. Ungleich chaotischer. Sitzen uns an Tischen gegenüber, die uns viel zu kleingroß sind, die uns bis zum Hals raushängen, samt den Restaurants, die uns dabei umgeben. Wünsch dir was. Mein Herz sehnt sich nach dir, und ich krieg dich nicht.

Du bist mein Phantomschmerz.
Und das macht mich manchmal sogar ganz glücklich.

Ist doch total krank, oder nicht?

lethe - 22. November, 10:42

Nein garnicht. Suchen wir nicht Konstruktionen für unser Leben? Was hieße es denn sonst? Sonst wären wir nur Materie. (Mit diesem Gedanken lebt es sich nicht bunter)

morbus - 23. November, 00:10

ja. ich schätze, wir suchen nach konstruktionen, die uns halten. (die wir halten?). und was ist es, was uns mehr als bloße materie sein lässt? träume? hoffnung? liebe? (freundschaft). ja, lass uns bunter sein, - der gedanke gefällt mir.
meliterature - 22. November, 10:56

Weißt du, manchmal besuche ich meine Oma. Ich stehe dann vor ihr. Einbeinig ist sie, wegen dem Zucker und sie will immer auftreten, mit beiden Beinen, dann fällt sie, weil sie ja nur ein Bein hat und manchmal weint sie, weil ihr linkes Bein schmerzt - das Bein, das seit zwei Jahren tot ist....


Sehnen wir uns nicht alle nach Vollkommenheit?

[Nein, das ist nicht krank.]

morbus - 23. November, 00:10

haben wir ein recht auf vollkommenheit?

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