R.E.M.

Monate lang bin ich im Bett,
rede Jahre lang im Schlaf,
träume Jahrhunderte von Möglichkeiten,
vergesse in Jahrtausenden das Leben.

E T C.

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22. Juni 2006
Ich habe mich für kreativ gehalten, - viele Menschenleben lang, - habe meine Ideen in unzähligen Gesprächen ausgetobt, - in diesen sich selbst überdrehenden, fressenden, spaltenden Gesprächen, die sich letztlich so freudlos knisternd in die Luft erbrochen haben, --
Ich will: Kunst! Ausdruck! Raffinierte Formen, Farben, Perspektiven! Also schreibe ich hunderte Notizbücher voll, im Jahr, und beerdige sie in Schachteln, die verstauben. Also kritzle ich meine Figuren auf Papier, kreiere meine Welt in schiefen Strichen, und zerschneide die Leinwände dann mit Teppichmesserklingen. Ständig warte ich, warte jahrelang auf den .E I N E N. Augenblick, auf diese pleasures for creativity, und dann geht der Tag vorbei, dann gerinnt die Nacht zu feuchten Träumen, dann knallt die Sonne auf die Sterblichkeit, - und nichts geschieht. An keinem Tag geschieht etwas, - geschieht etwas? Reihenhäuser, die um Reihen hausen, - sie ziehen dieses gespenstergleiche Leben mit sich. Ein Schafott des Verstandes. Ich sterbe in diesen vertrockneten Pinseln, sterbe in diesen leeren Hülsen, in dem Stillstand.

Heute sind es einundzwanzig Jahre.
Einundzwanzig Jahre Ewigkeit.


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Fast forward to a few months later. Heute: 22. November 2007.
Ich stolpere über weiteres, unsortiertes, - wieder geschieht es ganz unvermittelt. (Ich kann es mittlerweile nicht mehr kontrollieren; ein Augenblick führt zu einer anderen Welt, jede Fremdheit prickelt mir auf der Zunge). Ich sehe, -- Papier, das zerrissen, geklebt, zerknüllt, entfaltet, zerrissen, und neu geklebt wird. (Es dauert sieben Minuten lang, und im Hintergrund spielt klassische Musik). Ich sehe, -- einen Athleten, einen Tänzer vielleicht; er überschlägt sich drei Minuten lang, immer neu, immer anders, und er fliegt nicht nur einmal auf die Fresse, - und trotzdem macht er weiter. Spazio:quadrato. Ich sehe Photos, die mich berühren, höre Musik, die mich aus dem Alltagstakt bringt, führe Gespräche, die mich aufwecken, - und es erhebt keinerlei Anspruch; es geschieht einfach. Trivialität der Farben, Worte, Töne, blabla. Du bist nicht das einzigartige Wesen, das du vielleicht gerne wärst; du bist nichts als ein austauschbarer Prozess, interzellulärer Sklaverei unterworfen. [Lektionen in Demut]. Aber es bleibt nichts spurenlos, - selbst die flüchtigste Begegnung hat Sprengkraft: Raimund Gregorius, Meursault, Clarissa Dalloway, Emil Sinclair, - sie alle sind mit den Spuren im Sand verbunden, denen sie einer nach dem anderen folgen, und sei es bis ins Meer.

Ich bin völlig infiziert (worden), fühle mich wie ein Peilsender, wie ein Echolot, - da geschieht eine audiovisualisierte Sexualisierung. Ausbruchsgeilheit, sozusagen. Und Berlin und Paris verpassen mir jeweils einen harten Schlag in den Nacken, unter dem ich taumle. Nein. Anders. Es ist alles ganz anders, - was folgt ist die Erkenntnis als Flutlicht.

Mein Notizbuch ist zum Tagebuch verkommen. Mein Blog ist nur noch eine Sammlung unsortierten Pathos'. Ich male nicht mehr, obwohl ich es könnte; schreibe nichts mehr von Belang, obwohl ich es müsste (ich mache ja noch nicht mal die Schreibübungen, die ich mir vorgenommen hatte); meine Ideen bleiben zum größten Teil unverwirklicht, unangetastet. Ich bin seit zwei Jahren nicht mehr als ein Konsument, verschlinge Bücher, und Texte von anderen Menschen, verschlinge CDs, verschlinge Filme. (Und alles ist irgendwo archiviert). Es ist nichts wert, alles nur die Ansammlung von Alternativen, aber nicht: Potential. Ich lese zu langsam, bin zu unaufmerksam, bemühe mich nicht. Ab heute sind es fünf Jahre Stillstand. F Ü N F ! Und was war zum Aufwachen nötig? Ein leeres Blatt Papier, das zwei Hände zerreißen, zusammenkleben, zerknüllen, entfalten, wieder zerreißen und zusammenkleben, und dann zwei Minuten an das Objektiv drücken. (Ich bin dieses Blatt Papier).

Reihen, folgen.

allora?
.L I B E R I. .T U T T I.

Alles auf Anfang? Scheiß drauf. Kunst ist Kampf!
Fast forward to a few years later.

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