Montag, 10. Dezember 2007

Notizen.

14.23. Ich spüre keine Konfrontation mit der Welt.


16.12. Man ist immer ein geschlossenes System, eine Oberfläche, ein Körper; das Innerste, - dieses Gefühl des Daseins, Angst (?), Freude, Wut (!), Liebe, Traurigkeit, etc., - das ist nur organisch. (Ich bin meine Eingeweide). Es bleibt immer etwas Unvermischtes zurück, es setzt sich immer etwas ab, - auf der Haut, auf der Zunge, auf den Augen; und doch wird alles zerkaut, geschluckt, verdaut. (Ist das Bewusstsein denn nichts anderes als eine Art psychische Verdauung?). Da ist dieser Tisch, der Tisch ist, - ganz und gar Tisch: Holz, ein geschlagenes Stück Baum. Ich berühre ihn mit meinen Händen; ich fühle seine Kerben mit den Nervenfasern meines Körpers, fühle die Glätte und Härte, die Kühle; ich sehe ihn mit meinen Augen, ich ertaste die Maserung mit meinen Blicken, - der Tisch ist nichts als eine visuelle Erfahrung, eine sensorische Datei. Der Tisch geht nicht in mich ein, - er wird nicht zu mir. Er ist nichts als eine Erscheinung.

[Wir sind abgeschlossen in uns selbst; warum zerfallen wir nicht einfach zu Atomen, warum lösen wir uns nicht auf?]


23.50. MAY I CAPTURE YOUR S/LIGHT?
Gibt es eine Terminologie des (Ich-)Seins? Gibt es einen Wendepunkt des Primaten? [you will fuck the ghost in the shell, but now it's about to die:] Kafka (am Strand!) starb (offiziell) an Herzversagen, dabei war es doch die Tuberkulose. Hesse litt an Leukämie, und starb im Schlaf durch sein Gehirn. Virginia Woolf ertrank mit Steinen beschwert in der Ouse. (it's her autumn effect). Wie Frida starb weiß man nicht, aber es geschah sicher unter Schmerzen. Jimmy und Albert fanden den Tod auf der Straße. (car crashs connect people). Es ist zynisch, dass Jeanne in ihren [göttlichen] Flammen starb, während man der Marie den Kopf abschlug (sowohl Antoinette, als auch Stuart, - Marie/Maria); die Meinhof hing genauso wie der Saddam später dann am Galgen, und Sokrates trank aus dem Becher seinen süßen Schierling, während die Cäsaren einer nach dem anderen nur durch Morde starben.

Leo Trotzki: erschlagen.
Martin Luther King: erschossen.
Ernesto Rafael Guevara de la Serna: erschossen.
John F. und Bobby Kennedy.: erschossen.
Mohandas Karamchand (Mahatma) Gandhi: erschossen.

(Wie die Moderne den Tod erniedrigt; da war man früher noch viel phantasievoller).

> Jedem Leben ist eines besonderes Sterben vergönnt.
> Geborenwerden und Sterben fallen (?)
auf beliebige Punkte auf einer kreisrunden Gerade einem Kreis.


01.12. un grand pédagogue français contemporain: Philippe Mérieu.
Und wo sind die Deutschen???

Jeder Mensch hat ein Recht auf Vollendung? Ha.Ha!
Und weil wir uns mit der Verpflichtung schwertun, die mit dieser Vollendung einhergeht, belassen wir es beim gewöhnlichen Nichts; da schreiben 18jährige Gymnasiasten, die für ihr Abitur lernen, dämlich mit h, - aber nämlich wenigstens ohne; da ist Sex nicht Triebkultur, sondern Existenzialismuspop, und die Seele nichts als sublimierter Trieb. Menschlichkeit? Das ist das, was am Fernsehbildschirm kleben bleibt, wenn man nach Myanmar schaut, nach Bali, nach Simbabwe. Menschlichkeit ist der Haufen Scheiße, den man zu Weihnachten mit Spendenmarathons vergoldet. Wen kümmert New Orleans? Wer ist schon Sarkozy/Putin/Bush/Merkel? Gesichter, reflektiert auf Wasser; nichts als Sekunden in der totalitären Zeit. Wir sind Vergeschlichtes, Fragmente der Vergangenheit. Kinder werden in Geschichtsbüchern von diesem Heute lesen, von dieser Epoche des Öls, und wir als einzelne werden Masse sein. Herdentrieb. (don't mess me up, baby).

Wir sind alle ein bisschen wie Amélie; wir leben in unseren eigenen kleinen Welten, in denen Schallplatten wie Crêpes hergestellt werden, und Gartenzwerge auf Reisen gehen können. Es gibt nur die Autonomie unserer Phantasie. (Aber wir sind selten so kreativ, leben selten so leicht).


3.47. noi non amiamo le persone, per che sono perfette ma perche sono cosí.
Aber reicht dieses Dasein auch wirklich aus?

Ich verliere meine Immunität.
(Menschliches, Allzumenschliches).

Analysiere, mein Herz: Warum kannst Du nicht glücklich sein?
Warum sabotierst Du Dich selbst?


xx.xx. Personne n'est aussi parfait que nos héros.

lethe - 11. Dezember, 10:41

Vielleicht eine stark vereinfachte Antwort: Unser Körper, unser Dasein ist nicht für diese Kategorie ausgelegt. Bedürfnisbefriedigung war alles was unsere Sehnsucht ausgemacht hat. Glück ist ein abstrakte Kategorie, die durch ein Bewußtsein konstruiert wurde. Ich denke, etwas annähernd ähnliches hat der Urmensch empfunden, wenn er einen vollen Magen hatte, sich paarte oder sich erleichterte;)

cranberry (anonym) - 11. Dezember, 22:18

Wir bestehen aus Atomen und können zerfallen

Du solltest der Gruppe "Menschen, die nur aus Protonen, Elektronen und Neutronen bestehen" beitreten, definitiv.
AiHua - 13. Dezember, 01:42

Nicht Kafka am Strand aber aus der wilden Schafsjagd:
"Aber ich schlafe doch schon so lange mit dir! Ich kenne jeden Winkel deines Körpers [...]. Warum bist du denn jettz auf einmal so schamhaft?"
"Körperzellen erneuern sich monatlich. Und deshalb [...] ist fast alles, was du von mir zu wissen glaubst, nichts als Erinnerung."
morbus - 13. Dezember, 18:13

@lethe: das sich erleichtern fällt (bei mir) unter den großen komplex von sich paaren & satt sein. (manchmal ist das eine besser als das andere, manchmal nicht). aber wie auch immer. das klingt irgendwie so einfach: alles streben nach liebe, jede sehnsucht (jedes verdammte fernweh) als sublimierter trieb? was ist dieser urzeitmensch? der kerl mit der keule in der höhle oder der kerl mit der playstation im sanierten altbau? (ich kann dir im grunde auch nur zustimmen).

@cranberry: ich bin zu cool für gruppen. :D
(außerdem haben die mir nur wieder die ideen gestohlen).

@aihua: ich wage mich erst nächstes jahr an murakami, aber ich danke trotzdem für weitere empfehlungen. (kafka ist gekauft, & wartet verpackt in einem karton). der auszug passt wie arsch auf eimer sehr gut. :D

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