My Fiddler's Green
Benutzt du kein Gel?, fragst du.
Ich liebe dich, sag ich.
Dann stehen wir uns schweigend gegenüber & sehen den Tauben beim Fliegen zu, - die fliegenden Ratten sitzen eigentlich die meiste Zeit zwischen D und B, und schauen uns aus schwarzen Augen beim Fallen zu, (wo wir doch eigentlich die meiste Zeit nur stehen), aber das ist ohnehin alles nicht ganz richtig. Die Tauben sind nicht grau genug, der Himmel ist zu blau, es liegt nirgends Schnee. Das ist nicht das Bild, das mir mein Gehirn während des MRTs vorgegaukelt hat, - es ist nur die Realität. [Du bist Mr. Einsatzwunder, und trotzdem sagst du kein Wort].
Don't hold me too tight, knistert aus dem linken Lautsprecher, hier in der Nähe des Cafés, wo zwei Frauen, - die eine blond und solariumbraun, die andere brünett und hellhäutig, - von einem plötzlichen Lachanfall erfasst & geschüttelt werden, - erst verhalten, dann immer lauter werdend und gackernd, mit hastigen Atemzügen, die in kehligem Schmatzen versumpfen, bis das Lachen so laut geworden ist, dass sogar der Kellner vor Schreck ein Glas auf dem Weg zur Theke verliert. (Es zerfällt zu Scherben noch bevor es den Boden berührt).
Dort ist alles in Bewegung: warmes goldenes Licht strömt durch die Fensterscheiben ins Freie & flutet das kleine Bisschen Bürgersteig, das die breite Straße den Menschen noch gelassen hat, & zaubert denen, die eng an dem Café vorübergehen, einen verführerisch lebendigen Ausdruck auf die sonst so leblosen Gesichter. Draußen stoßen Lungenflügel warmen Stickstoff in die kalte Atmosphäre. Draußen drängt sich Polyethylen aneinander. Draußen verglühen vielleicht ganze Universen, - das ist ganz egal. In dem Café gibt es kein Draußen.
Ich streiche mir also eine dieser Strähnen aus der, -- Welt, in der Hoffnung, ich bewege mich mit. In der Hoffnung, ich bin nicht nur eine Reflektion, nicht nur einer dieser Atomspins, nicht nur ein Klopfgeräusch. Ich fühle meinen Körper als schwere träge Masse, mein Gehirn ist ein sauberes weißes Etwas, meine Augen nichts als Glaskörper, wie Wassertropfen benetzen sie im Schrägschnitt mein Gesicht, & es ist wirklich ganz schön, gesund zu sein. [Es ist schön, ein Körper zu sein, der medizinisch funktioniert].
Du hast mir den Himmel versprochen, sagst du auf einmal, & das ist alles, was ich bekommen hab. Plötzlich versiegeln Tränen deine Augen, aber ich bin es müde, sie zu trinken. Unsere Zeit ist nur geliehen, denke ich, & schiebe meine Fäuste tiefer in die Hosentaschen. Es kommen immer mehr Menschen zwischen dich & mich, & selbst wenn ich meine Finger nach dir ausstrecken könnte, - du wärst nicht zu erreichen. Zwischen uns ist das Meer. (Nichts als kaltes Wasser, das wir mit unseren Augen füllen)*.
Was ist der Himmel im Vergleich zu mir?, frage ich, & wünsche mir nur einen Schal. Ich kaue ein bisschen auf der Unterlippe rum & hoffe, dieser Moment geht schnell vorbei; ich hoffe, ich kann bald in dieses Café & mir einen Cappuccino bestellen, oder eine heiße Schokoloade, es ist mir ganz egal. Ich brauche Wärme.
[Ist das der letzte Augenblick bevor die fette Dame singt?]
*Dabei habe ich dein Gesicht gesehen, als ich eingezwängt war, in dieser Röhre, die um mich rum die Welt zu polternden Interferenzen zerschlug, zu bebenden Stücken Irrealität, die mir zwischen den Händen zerglitten. (Händen, die ich nicht bewegen durfte). Ich habe dich 25 Minuten lang heraufbeschworen, habe dich zurück in dieses Bett gebracht, in dieses Zimmer, wo die weißen Vorhänge sachte im Wind wehen, & Staub goldglitzernd zum Weltall wird; ich habe dich gesehen, habe dich mit meinen erstarrten Handflächen berührt, ich habe deine Blicke auf meinem Salzsäulenkörper gespürt, - wir waren da, in diesem Zimmer, als es nur das Hämmern gab, nur die Faustschläge der Maschine, die nichts übrig ließen, - keine Erinnerung, kein Leben, keine Bedeutung. Nur das, nur das. Ein Niemals hinter dem Und wenn sie nicht gestorben sind. Es gab nur diesen Wind, nur die weiße Bettwäsche & die Sonnenflecken, die über das Parkett huschten, über deine Augen & deine Nase, es gab nur uns. Immer wieder, & wieder & wieder. Verdammtnochmal: Du warst mein Fiddler's Green inmitten dieses Alptraums, warst mein Schutzwall gegen diesen Wahnsinn, der hinter dem Rütteln lauerte, warst mein Patronus gegen die Dementoren, meine Wonderwall, mein Mojo, mein pumpendes Blut, das durch meine Venen rauschte, mein Gehirn, das in der Röhre durchleuchtet wurde, mein schwerer träger Körper, meine Kernschmelze, - mein Alles, in das ich Nichts eingehen, zu dem ich werden konnte.
Dann hast du mir das Kontrastmittel injiziert.
Und jetzt ist alles blau.























das ist...
auch ...