Interlude: das Kreisen

Die Wahrheit ist eine ganz andere: Mein Gesicht wird diffus, sagt man, und das Chatfenster meines Kopfes schließt sich nicht, egal wie oft man auf das X auch klickt, ...

Nein, es geht nicht voran, ich stecke in einer Vorstellung fest, in einem Auflachen, in einem Gedanken. Ich bin hiermit unzufrieden, und ich entwickle mich nicht weiter. (Auch mit diesem Blog nicht). Das ist die Wahrheit. Deshalb suche ich nach einem neuen Namen, - nach etwas, das mich besser beschreibt, etwas, mit dem ich alles besser verwirklichen kann, aber ich verheddere mich nur in Übersetzungsprogrammen oder in Identitätskopien, Lord Byron 2.0. sozusagen. Das ist nicht das, was ich denke. Das alles trifft überhaupt nicht den Kern.
Ich lese manchmal meine Worte, und frage mich dann, wer der Kerl ist, der da schreibt. Alles pathetisches minderwertiges Zeugs, alles nicht weiter wichtig. Dann denke ich, dass ich nicht schreiben kann, dass ich keine Talente habe, dass ich keine Grundlage für dieses Leben besitze, und auch keinen Zweck.

Ich versuche mich an einer Geschichte, die ich nicht beende, die ich anfange, und abbreche, weil ich andere Bücher lese, die mir vorwurfslos Splitter in die Hirnwindungen rammen. Du schaffst es nicht, niemals, nie. (Sagen die Philosophen). Immer vergleiche ich, vergleiche vergleichsweise Vergleiche, und trage doch nur den Schaden davon. Ich würde so gerne etwas schaffen, bin aber zu unfähig, es zu verwirklichen. Das ist die Wahrheit. Ich erreiche in meiner absoluten Freiheit nichts anderes als die Kurznachrichten an das absolute Scheitern, als diese hastigen Notizen, die belanglos verschwinden, weil sie nichts besagen, - nichts als den geisten Verfall. Oh, was für eine Kunst!
Manisch hysterisch lache ich schließlich mit aufreibenden Händen an Stirn und Nacken, und mein Gesicht wird diffus, sagt man, und ich löse mich ganz plötzlich auf. I'm stuck in a rut, baby. Mitten in dieser großartigen Stadt lebe ich eine andere Art der Krise aus, die völlig unabhängig von meinem Leben funktioniert, denn mein Leben ist das, was außerhalb geschieht, in einer Welt der Atome, die man nicht sieht, - ich echolote mein eigenes Leben in der Erinnerung sterbenskranker Glühwürmchen, fresse Monde für die Abstraktion eines Kusses, denke zurück, wie es war, als alles wahr war, und nichts davon betrifft mich, denn ich bin der nette Mann an der Kasse, der sein Kleingeld raussortiert, und der es dann doch nicht passend hat, bin der, der DER sagt, und sich selbst meint, und trotzdem, und trotzdem, -- ein Anfall in einem Wispern, zwischen den Gleisen, frischt auf in der Nacht, um die Sterne zu jagen, und so kreist die Welt in einem einzelnen Atemzug zu Notizzetteln zersprengt, an Wänden kleben sie, und schreien mich an, und nichts geschieht. Das ist Wahnsinn.

Dabei. Bin ich glücklich? Ja, deshalb optimiert sich alles um seiner selbst willen, und die Unzucht treibt mit mir ein neues Spiel, - es nennt sich Selbstbefriedigung, und geschieht in jedem Spiegelbildblick. Sind das da meine Haare? Sag auf Wiedersehen, Herz, nein, ja, alles nur eine Wiederholung, ein Echo der Vergangenheit. (Bewältige mich!)

Wenn ich so bin, wie ich jetzt bin, dann fängt etwas in mir Feuer. Die, die mich nicht kennen, weder mein Gesicht, noch meine Anfälle, die wissen nicht, was mit mir geschieht. Die lächeln, und verdrehen die Köpfe, weil sie glauben, ich wolle nur herausragen, aus der Menge, wolle besonders sein, dabei ist es mir noch nie darum gegangen. Ich habe den Tod geschmeckt. Was bedeutet mir Ruhm, was Berühmtheit? Wenn sie meine Augen sehen könnten, würden sie erschrecken, denke ich. (Das habe ich zu oft in meinem Leben gehört). Ein Sonnenstrahl in meinem Gehirn entsendet neue Impulse für diese Erde unter meinen Fingernägeln. Das klingt platt, und ist es auch. Ein letztes Mal. So, wie es aus der Laune heraus geschieht, geschieht es nicht, - weil man etwas besseres sein will, - dafür bin ich zu arrogant, zu verrückt, um verrückt zu sein; die Erkenntnis meines Wahnsinns sabotiert mich, und wärmt mich zur selben Zeit. Denn das ist alles nur aus einer Laune heraus.


Während mein Gesicht diffus geworden ist, ...
Während ein neues Lied alles in Schwingungen versetzt, ...

something old, something new, something borrowed, something blue.


(Vielleicht ist das Panama).


Ich muss alles neu machen, zwanghaft neu machen, verändern, re-kapitulieren. [Eigentlich bin ich nicht da, das wissen die wenigsten, und nur die Erinnerungen erscheinen regelmäßig um 13 Uhr am Mittag]. Also warte ich weiter ab, bis endlich alles online ist, und ich von vorne anfangen kann. Vielleicht brauche ich nur eine Pause, wie ich immer eine Pause gebraucht habe. Eine Auszeit vom Hier-Sein. Ein Knopf, ein Schalter, und plötzlich schläft Trevor Reznik. Eine Brise und ein Hauch, und Kirillow bleibt am Leben. So einfach ist das, mit dem Wunderland meiner expandierenden Ohnmachtsanfälle.

Ich brauche Laudanum für meine trockenen Lippen.

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