the liar (& the whore)
Nichts ist bloß Zustand. Oder Anamnese.
Es ist nicht genug, das Reden; es füllt die Schlaglöcher nicht.
(Es bewegt sich, und ich stehe still).
Innerhalb nur weniger Stunden analysiere ich mich [bis zur Unkenntlichkeit] und werde analysiert, und alles, was ich denke ist: Das ist es nicht.
..l e t....f l e s h....r e t i r e..
Und in meinen Träumen: ein Kuss, eine offene Handfläche, ein zerknitterter Zettel, und das Gebet an das Meer. Sehnsucht? Ja, eingeatmet als Staub und Wolken zwischen den Ampeln. Und die Wirklichkeit?
Ich sitze in Shorts am Fenster,
lege meine Beine auf den Sims,
und strecke die Füße hinaus.
Die Welt kennt keine Zeit.
Ich durchquere die stille Hitze der Welt in zu warmen Klamotten, und wundere mich über die Anderen, die mich nur im Vorübergehen mit Blicken erwischen, - niemals nicht mit Worten, nur mit vielsagenden Blicken, die mich manchmal treffen, und manchmal eben nicht. Es gibt keine Traurigkeit. Hier nicht, nein. Nicht hier. Niemals nie hier. In mir. (Sie gibt es überall sonst).
Wegen dem Kuss und der Berührung werde ich gefragt, was ich empfunden hätte, ob ich unsicher gewesen wäre, ob ich nicht in Wahrheit jetzt ganz anders darüber dächte, und ich sage: Woher nur die Liebe? Sie hängt nicht an Körpern, sie baumelt an seidenen Fäden. Und das ist der Gedanke. Das ist der Preis.
Nimmermehr Liebe, höre ich dann.
Nimmermehr?
Die Photos an der Wand erinnern mich an die Leichtigkeit meines Herzens, oder an diese bestimmte Zeit im letzten Jahr, als ich nackt zwischen zwei verschwitzten Körpern lag, eingehüllt in umbrafarbene Schatten und von weißen Sonnenflecken bedeckt, ganz und gar: Unglück, - Sumpf unter Menschen, - aber: Gedankenlosigkeit.
Und wo ist das heute hin, dieses Sich-keine-Sorgen-Machen? Die Photos bleiben zweidimensional an den Wänden hängen: Sie sieht ernst in die Kamera, eine ihrer schwarzen Locken zwischen Daumen und Zeigefinger zwirbelnd, und er? Er hält sich mit einer Hand an der Dachrinne fest, während sein Gesicht halb und halb in Licht und Schatten liegt; er ist schon zu diesem Zeitpunkt viel zu dünn, das kann man sehen. Ich will nicht mehr zurück, nein, ich bin glücklich, --
glücklich?
purest happiness?,
bin von der Stadt befriedigt, und ausgefüllt, bin ganz und gar selbst Häuser und Straßen, Großstadttosen, - Skylla und Charybdis in salzlosen Fluten, - und das Wehen der Flaggen an hohen schmutzigen Wänden, das Klatschen und Raunen und der Lärm als Detonationen, und kleine eilige Frauen in klackernden Schuhen, und bunte Früchte, die die Treppen runter zu den U-Bahn-Stationen rollen, und Kinderlachen, ewig kreiselnd um Ecken herum, und vorwärts vorwärts vorwärts, niemals: die Stille,
niemals das Schweigen,
-- glücklich! Und niemals nie zurück, nein: nimmermehr! Doch die Gedankenlosigkeit?, - sie jetzt um jeden Preis besitzen? Warum nicht? Stattdessen schabe ich mir mit dem Daumennagel den Dreck unter den Fingernägeln hervor und trinke mein Bier in zu eiligen Schlucken. Ich will nicht mehr denken müssen, denke ich.
Mit der Hand über das Gesicht,
das Gesicht in der Hand.
Hütchenspieler: Wo ist das Herz es hin?























