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In der Nähe des Herzens

Episoden.


Deine Fingerspitzen waren rauh als sie mich das erste Mal streiften, und deine Haut roch nach Regen. Mochte man uns doch nach Wolken benennen. (Cumulus humilis. Altostratus translucidus. Cirrus fibratus). Es hat nicht viel geändert, denke ich, außer dass wir uns noch mehr ineinander verloren haben.


Wie zufällig berührte deine Hand die meine, als der Wind verging. Kurz nur. Eine Sekunde lang, oder weniger sogar. (Wie lange dauert das Blinzeln, eigentlich?) Die Leute tropften Vergessen auf kalten Boden, und überquerten die Straße ohne auf die Autos zu achten; Laub raschelte trocken als es Füße zerstoben; ein Krankenwagen schrillte hinter zwei Ecken; Tauben sprangen in den Himmel und flogen tatsächlich davon.


Man hätte den Abstand nicht mehr messen können. Blut stieg mir ins Gesicht, sicher waren meine Ohren rot, ich fühlte meinen Herzschlag in meinen Venen wüten, und du hast mir in die Augen gesehen, ... in die Augen, ... ewig und ewig, ... in die Augen.


Später lagst du in der Badewanne und das Bisschen Schaum umtanzte in Wellen deinen Hals, deine Brust und die Schultern während ich vor dem Spiegel stand, dessen Kanten schartig waren vom tausendmaligen Anstoßen an Türen und Ecken, und mich mit dem Messer rasierte. Es roch nach Minzschokolade, wabernd im Dunst der Heizungsrohre, und auch nach dem Rasierschaum, den ich mir mit flatternden Fingern zu einem neuen weißen Bart auf Wangen und Kinn modelliert hatte. Das Geräusch der Klinge auf meiner Haut erinnerte mich an Schmiergelpapier, das über Holz streicht. Draußen prasselte der Regen gegen die Fenster, ...


Morgens: Das Gesicht dreht sich aus dem Kissen heraus dem anderen Gesicht entgegen, das in der Nähe des Herzens liegt, auf der Brust, schlafend, - die Augen geschlossen, die Wimpern sanft miteinander verzahnt. Man denkt: Leben, und fühlt nicht den Tod dabei, der in den Hohlräumen dieses Wortes haust. Stattdessen schmeckt man das Zink im Blut, und das Salz zwischen den Zähnen.


Du sitzt im Schneidersitz vor meiner Schreibmaschine und lässt die Tasten rattern. Die Worte fliegen hoch und immer höher, und dann, nach fünfzehn Minuten, die ich damit verbringe, abwesend meinen Brecht zu lesen, reichst du mir das Blatt Papier auf dem einunddreißig Gründe stehen, weshalb Brecht heutzutage nicht mehr lesbar ist. (Brecht ist tot ist der erste Punkt, und von den Toten darf man nichts annehmen; sie wissen nicht, wie das Leben sich entwickelt.) Als ich damit fertig bin, gibst du mir den Löffel zum Umrühren für meinen Kaffee, der längst kalt ist, und sagst: Und trotzdem!


etc.

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