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Das Schweigen der Männer

Fremder Männer Fäuste, die sich im Augenblick nicht kreuzen; sie gehen vorbei am Ampelrot, schmecken dem Salz nach, das ihnen die Frauen einst aufgetischt haben, schnalzen mit den Zungen und verziehen die Gesichter beim Regen.

Schirm an Schirm schiebt sich die ganze Menge nach drinnen, wo sie dann den Regen, - halb Wasser, halb Eiskristall, - aus dem Stoff schütteln, - halb Nylon, halb Polyamid, - und da sind sie dann: neunzehnjährige Männer, 23jährig, 32, 41, aber nicht älter, niemals nicht älter. Allenfalls zeitlos.
Sie krempeln sich die Ärmel hoch bis zu den Muskeln, die an Knochen schwingen, und schaben sich mit rauhen Fingerkuppeln über rauhe Stoppelhaut, blinzeln müde, während der Mythos von Fernsehen und Radio sich aus dem Zigarettenrauch schält, und denken ans Trinken.
In ihren Gläsern schäumen bernsteinfarbene Wasser, rubinrote, weizengelbe, und manchmal schäumen auch nur die schmalen Männerlippen, die sich gegenüber liegen, schweigend, ruhig, als könnten Worte ihre Haut und Venen zerreißen. Für immer: Die Stille.

Hände werden gereicht, Pupillen weiten sich, und in den Schlagadern rauscht das Blut, das dunkel ist und voller Erinnerungen.

AM SEE VOR SIEBENHUNDERTDREIUNDVIERZIG JAHREN, die Narben an den Fingerknöcheln, das Haar, das knistern möchte, sobald Finger es berühren, und die zarteste Brise verspricht keine Poesie. Sie nicken, und schreiben in kleinen schiefen Buchstaben: Die purpurnen Weiden trauern nicht an den Ufern des Bosporus', oder: Es ist kein Leben mehr im Kibbuz, oder: Die Sonne verbirgt sich im Regen, und dann läuten die Glocken der Garnisonskirche. Sie läuten und läuten, und nirgends gehen die Frauen, in deren Haar sich Muscheln verfangen, oder Korallen; sie sind im Glitzern verschwunden, im Duft von Zimt, von Lavendel, - es war ein Tag vor hunderttausend Jahren, als sie in weißen Betten lagen und sich am Staub berauschten, der im Licht der Fenstersonnen brannte wie Sternschnuppen. Wo sind die Schokoladenmünder heute? Wo ist die samtene Haut? Sie fragen nicht länger, schlank wie sie sind, groß gewachsen mit Schultern, die kaum Platz unter der Kleidung finden, - halb Mensch, halb Tier. Die Sehnsucht nach den Frauen vergeht im Drängeln der Männer, in ihrer Gewalt, in ihrer Gier und Mordlust, - denn morden wollen sie.

Da. Ihre Köpfe schlagen Funken beim Denken, und die Körper darunter, schwer und von Radialkräften in Bewegung gehalten, verlangen. Mord ist dabei nicht weniger als das. Als Verlangen. Sie morden mit ihren schweigenden Worten. Mit ihren gierigen Händen. Mit ihren blutigen Zähnen.

Ein Grinsen im Mundwinkel scheucht die Spatzen.

Lidhaut, die sich über den Augapfel legt, als gäbe es keine Welt mehr hinter den Träumen von Nacktheit, von Sand und Meeresküsten, von den muschelbedeckten Frauenleibern, ihrem Tanghaar, ihren Schuppenfüßen, und dem hellen Lachen, das wie Wasser seine Kreise in ihren Seelen zieht. Und die Mechanik: Sie treibt ihre Körper an. Ihr Herz, ihre Nerven, ihren Schwanz, ihre Fäuste, die sich nicht kreuzen, - nichts kreuzt sich in ihrem Leben, nichts außer die Klingen, als die Pistolen, als tausend Bomben, als Rasiermesser und Wut.

Über all dem bleibt die Eierschalenhaut des Schweigens, die dünn ist, fragil, unzerreißbar. Ewig.

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