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Donnerstag, 19. Februar 2009

Eis. Pt.1

Ein Manöver, das die Füße um vereiste Stellen führt, zeigt Müdigkeit. (Ein Bein knickt ein, die Hüfte fällt, schlägt auf, rutscht auf der Glätte die Schräge hinab). Nur der Schnee, der knackend gibt, was die Spuren zuvor versprachen, möchte lebendig sein. Hart und kalt, ohne Schwachstellen.

Er spricht nicht, er lacht nicht,
seine Blicke sind traurig.

Die Lippen fangen weiße Wolken,
sie gehen ein ins Oben,
und grauen im Schweben.
Und die Augen, die vor Kälte klein sind,
wimpernd, blinzelnd,
die Lider zerschmelzend,
sie sehen weiße Wände, die nicht weichen.

Aber: Weiche Wände!
In sie will er fallen.
Eintauchen. Einstoßen. Einbrechen.
Gehen übers hauchdünne Packeis
bis das Wasser zischend Wellen über ihm zerschlägt
wie der Löffel, der in Milchschaum taucht,
blutarm, leblos,
untergehen wie Steine.

Das Polareis taut mit den Worten.
Denkt er.
Aber sein nacktes Leben wird blau,
an den Rändern schon schwarz,
und nichts wärmt ihm die Glieder.

Er spricht nicht, er lacht nicht,
er gibt mir die Steine.




Allein das. Ein Augenblick in der S-Bahn rupft mir Haare aus. Denke ich noch? Entscheide ich noch? Der Mund lächelt der verschleierten Frau zu, die Augen lächeln nicht. Wie kommt die Frequenz des Herzens nur so durcheinander?
Morgens im Spiegel streichen sich die Fingerkuppen wund an so viel Räudigkeit. Perlen schmücken die Frauen und die Männer zieren sich; Gold und Silber steht ihnen zugegebenermaßen auch schlecht, aber ein bisschen, nur ein wenig, -- Nichts. Nur Muskulatur. Bewundert im Spiegel, mit Händen vorsichtig befühlt wie gußeiserne Schmiedekunst. Die Männer, die um mich herum Sport treiben, schwitzen ihre Menschlichkeit aus, (denk ich?), dabei reißen sie mit Blicken hunderte Kilo ohne mit den Augen zu flattern. Niemand sieht die Ironie. Wie sie sich bemühen, wie sie sich anstrengen, um ihre Körper zu stählen, um hart zu sein, witterungsfest, resistent gegen die Welt hinter den Spiegeln, und alles, was sie machen, ist in Käfigen rennen. Sie schnallen sich Gewichte um die Knöchel, stemmen schwarzes Eisen, sind rhythmisch im Takt der Technomusik, die aus den Boxen schräg in den Ecken kommt, bewegen Hüften, Oberarme, eilen mit ihren Handtüchern über Brust und Hals, und wenn ihre Lippen endlich strichdünn sind, blutleer, weil alles Blut in den Adern unterhalb steckt, dann lösen sie glücklich das Gestern vom Heute und reden über ihre Göttlichkeit, die auf den angeschraubten Fahrrädern hockt, die fixiert ist auf Laufbändern, die ewig rennt und ewig schwitzt und ewig keucht und ewig ewig sterblich ist.

Anders. Wie anders?
Mein Körper geht aus dem Haus, reibt sich an nasskalter Februarluft als sei es Stahlwolle, und mit jedem weiteren Tag Schnee: Fall!, alles nur ein Glitschen und Rutschen, und wütend malmen die Zähne. Ja. Ich muss mich immer noch entscheiden, bis Sonntag. (Zählen wir rückwärts bis wir bei Jerusalem angekommen sind). Ja. Ich muss immer noch planen, immer noch das bisschen Chance auf Romantik in den Alltag integrieren, ein bisschen flirten, vielleicht, und lesen. (So viel zu lesen, so wenig Zeit). Es wartet viel Welt auf das kleine Bisschen Haut und Knochen, das sich Ich nennt, und das in Wirklichkeit nur der Kerker eines Gespenstes ist. Ich bin Eis. In mir legt sich der Schnee. (Ansatz!)




Aktueller und weniger kryptisch wird es am Sonntag.

daikyu (Gast) - 20. Februar, 17:23

schnee

mir wird jedes mal angst & bang wenn du vom blau erzählst; oder hab ich das auch nur beim sterben im eis geträumt. ich freu mich sehr auf den "einen" sonn tag & danke.

:D dort unten muss ich G U T E R reinschreiben. what the heck?