24/7
Gegen den Wind gehen als berührten fremde Finger Lippen & Kinn. Der Blick geht dabei ins Handinnere: im Liniennetz taucht ein Punkt auf, ein kleiner, stechend schwarzer, ein unscheinbarer, wie ein Splitter unter der Haut, - beim Entfernen wird er eine Narbe hinterlassen, - & möglicherweise ist es tatsächlich Schicksal. So, wie der Tod Salz aufs Essen streut, wie er Gin Tonic in all die Gläser schüttet; wie er im Handgemenge verschwindet.
Ich verschiebe Nagelbetthaut mit Nagelkanten, zerfasere Haut dabei als sei es nicht mein Körper, als seien es nicht meine Moleküle, & nirgends ein Blick für die blutigen Ränder unter den Nägeln.
Reue, das Wort wird laut ausgesprochen, aber leise gefühlt. (Ich).
Reue. Wegen einer Tür, die ins Schloss fällt. (Er).
Einer Telephonnummer wegen.
Eines ungelebten Lebens wegen.
Nervös atme ich mehr Wind aus als da ist. In meinen Träumen zergliedert sich alles in schielende Augen, in Worthülsen, in Fragmente, - schaff dir eine Welt, in der du existieren kannst, - gib mir Süße ein, - nichts als die Müdigkeit eines weiteren Tages.
Lächerlich. Das heißt nicht, dass jemand lacht. Es heißt, dass etwas schrecklich traurig ist. Aufstehen ist lächerlich. Am Tisch über die eigene Unfähigkeit zur Liebe zu sprechen ist lächerlich. In Träumen vor zerbrochenen Gehirnen zu stehen ist lächerlich. & doch geschieht es, ohne Konservenapplaus & -lachen. Nirgends ist dieser Gott, der mir Seligkeit einhaucht. Nirgends ist das Fernsehen, das mir die Augen verspiegelt. Nirgends sind die Ideale, weder die falschen, noch die fälscheren. Nirgends Ziele. Nirgends Wege. Nirgends die Unerträglichkeit.
Ich bin eine Gardine, ein Vorhang.
Ich zerwehe bei der leichtesten Brise.
& was ist mit dem, was in den Zeilen geschieht?
Situation eins. Ich stehe im Aufzug, den ein Stockwerk später Guillaume betritt. Man redet. Auch ich tue das, aber es geschieht ohne Bewusstsein. Ich lache sogar. Man tut das. Ich hab's bei den andren gesehn. Ich lache mit Guillaume über das Leben. Kurz nur. Zwei Stockwerke lang. Beim Schließen der Türen ist er vergessen.
Situation zwei. Im Handy blinkt die Nummer von dem Mädchen der Frau, die mich am Freitag auf dieser Party angequatscht hat. (Sie, die ich stundenlang beobachten musste; beim Tanz). Sie zu ficken ist eine Option; sie zu lieben?, - nicht. & dann also mehr Körper sein, mehr & restlos, Fleisch sein, einfach nur Materie, die endlich, - endlich!, - entseelt ist von allem Menschsein, die eindringt in diesen fremden, schwitzenden Körper, die sich ergießt in Salzgehalten & Proteinen, totes Leben. Die Nummer blinkt. Blinkende Nummern, vibrierende Handys, das ist das Jetzt.
ich verliere den kontakt zur welt.
die welt bin ich.
Durch die Türe vom D*** gehe ich, & für einen Moment, wirklich, da erwarte ich dich zu sehen. Eine Haarsträhne, ein Pullover, ein Blick über die Schulter, - etwas, das mir lange im Auge bleibt, - aber das geschieht natürlich nicht. Diese romantischen Momente passieren nicht. Männern erst recht nicht, uns nicht. Also gehe ich weiter, raus in Wind & Vogelgeschrei. Meine Lider sind zu schwer für die Menschen draußen.
Gott!, wie ätzend. Wie deprimierend!, widerlich. Ich seh's dem Blau eines Auges an, beim andern ist's ein Braun, alle Farben sagen das gleiche. Also reiße ich mich zusammen, straffe Schultern & strecke den Rücken durch, die Phrasen ergeben ein Bild: Der rechte Mundwinkel lächelt schief, die Haut ist unrein, - zumindest im S-Bahnlicht, - die Nase ist zu groß, die Haare fallen ständig falsch, aber das ist mir scheißegal. Wenn ich könnte, würde ich die Welt verschlingen. Was kümmern mich also meine beschissenen Haare?
Wenn ich könnte, ginge ich zum D*** zurück, würde deine Nummer wählen & wir hätten zwei Stunden später Sex. Bei dir, vermutlich, weil ich kein Schloss an der Türe habe. Oder vielleicht gerade deswegen auch bei mir. Ich weiß es nicht. Am Sex würde das nichts ändern. Aber was brächte das? Jeff Buckley spielt für jeden ein Lied.
Das ist die gottverdammte Situation drei.
Mir ist, als entgleite alles.
Darum trinke ich auf der Party so viel Whiskey & Rum, daher die Fünfminutenbiere, das bisschen Hunger nach dem Aufstehen, deswegen der wenige Schlaf & die Erinnerungen, zusammenhanglos ins Weiße gehustet. Ich wische mit den Handflächen Hautschuppen beiseite, Staub, Schamhaare, irgendein Blatt Papier mit Notizen drauf, & dann, kurz vor dem Abwischen der Finger am Hosenbein: Der Blick auf den schwarzen Punkt im Liniennetzwerk. Was heißt das? In zwölf Tagen mein 24ter Geburtstag. Zeit für Salz & Gin Tonic. (Halt die Schnauze, & gib mir Süße ein!)


Ich will nicht, dass du gehst..
was ich will:
nur für's protokoll: hat dich kind&krebs jetzt so verzweifelt gemacht, dass dir so ein kommentar zu ausgerechnet diesem text so notwendig erschien?
wer ich bin?, & wo?
warum ich dir nicht aus dem kopf gehe?
warum du nicht (nicht), ergo: also doch, in mir lesen kannst?
gute fragen. wirklich, ausgezeichnete.
ich solle dich wahrnehmen? (eins null für dich, ist geschehen).
soll ich jetzt zusätzlich auch noch ehrlich sein? ich meine, ganz nebenbei & recht uneigentlich? ich weiß nicht recht, - ich trau mich nicht, - aber verdammt, ich muss. wirklich. notwendigerweise: warum ist das eigentlich so, dass es so viele menschen gibt, die etwas abstraktes lesen, & es dann auf etwas reales, sinnlich erfassbares reduzieren? anders gesagt: warum schicken mir menschen, - nette menschen, meinetwegen, - ihre e.mail-adressen & warum versuchen sie so krampfhaft in mein leben einzudringen? warum gibt es kiloweise papier & so wenig augen, die es konsumieren?
vielleicht muss ich auch mehr ausholen: sag mir, warum ich dich wahrnehmen sollte. sag mir, weshalb ich überhaupt jemand anderen außer mir selbst wahrnehmen sollte, - in dieser welt, mein ich? hier, in diesem kommentarfeld, zu diesem text, dessen herzblut gerade mit einer ungeduldigen handbewegung weggewischt wird? sag mir, warum ich kryptische kommentare bekomme, - von irgendwelchen spinnern? die gleichen spinner, mein ich, die mich auch auf der straße zutexten? warum sollte ich eigentlich weiterhin freundlich sein, mein ich? wozu diese ganzen scheinheiligen kompromisse, - selbst hier, in meinem blog? wozu dieses ganze geheuchelte interesse, ganz im sinne des web-traffics?
mal ehrlich. was geht's dich an, wer ich bin. & wo ich bin? was geht's dich an, was in diesem, meinem kopf passiert? weil ich eine art unpopuläre person der öffentlichkeit bin, ist etwas persönliches plötzlich von belang? wenn ja: warum?
im übrigen: was soll das alles ganz im allgemeinen? alles, was ich schreibe, denke, fühle, - scheißeja!, fühle!, - ist subjektiv. ich alleine mache, was wahrgenommen wird. hier, in dieser sphäre. falls es noch niemand begriffen hat: dieses blog ist semireell. dazu noch experimentell! ich übe hier. ich trainiere. (das ist so, als quatsche man die männer beim sport auch voll & erzähle ihnen von den großen emotionen im leben, & der seelenverwandtschaft).
du willst, dass ich dich wahrnehme? zu welchem preis? bist du denn bereit, von mir wahrgenommen zu werden? weißt du, was das heißt? wozu willst du die aufmerksamkeit eines wahnsinnigen? wozu, - interessehalber? der neugier wegen? liebeschancen? mal ehrlich, jetzt & für alle weiteren: das muss aufhörn. ich hab keine lust auf solche kommentare, tut mir leid, wenn ich irgendwelche gefühle verletze, - aber, - ehrlich gesagt, - scheiß auf gefühle. scheiß auf die gefühle von fremden, die denken, sie seien weniger fremd, weil sie anteil nehmen. sie tun es nicht. sie sind gefangen in diesem weiß, & das ist alles.
das gilt eben auch für dich.
ich bitte also darum im guten: lass es bleiben.
ich will mir nicht die mühe machen, die kommentare zu sperren. (da aber ohnehin wenig traffic besteht, kommt es darauf auch nicht an; ich schreibe nur für mich). auch aufs löschen hab ich keine lust. also spar mir die mühe & dir die illusionen (oder das amusement, oder den irrsinn).