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Salze, Ilsebill, salze so viel du kannst!

Er sagt, ich wisse nicht, was Hunger sei, und ich?, ich salze die Salami auf meiner Pizza nach. Draußen gehen Menschen vorbei, sie gehen im Takt von Simian Mobile Disco, das ist Musik, die ich erst seit kurzem kenne, das ist eine Einstellung, deren Knöpfe nicht Teil des Zierrats, des Stucks sind: Man kann tatsächlich daran drehen, die Frequenz ändert alles... Bitte?, ich schmecke immer noch nicht genug, ich salze und salze. Nein, ich meine, um was geht's hier eigentlich?

Es geht um meinen Idealismus, von dem ich genau weiß, dass ich ihn mittlerweile nur noch der Dekoration wegen erwähne. Fühle ich das, was ich sage?, spür ich es? Dann sagt er, ich wisse nicht, was Hunger sei, und alles, was mir dazu einfällt ist: Ich weiß es, und diesen Satz wiederhole ich, und wiederhole ich, als bedeute ein Wechsel der Wörter einen Verlust meiner Integrität. Blödsinn, das alles, also nicht alles. Eigentlich nur ich.

Natürlich will ich nicht bei Axel Springer arbeiten. (Das kategorische Warum?, das mich an Donner erinnert, bringt mich zum Achselzucken; steckt hinter irgendeinem meiner idealisierten Argumente denn überhaupt irgendeine Logik?)
Draußen gehen die Menschen, - es sieht so aus, als hätten sie einen Plan, als wüssten sie ganz genau, was sie da tun. Die Mütter schieben ihre Kinder über S-Bahngleise als gäbe es keinen Lust mehr, als hätten sie die Kinder aus den Wolken geschöpft. Dabei ist ihr Makeup verschmiert, jetzt sehen sie aus wie billige Nutten. Alle Männer sind schön hier, abstrakt schön, ich würde weinen, wenn ich nicht so gut gelaunt wäre, wenn ich nicht wirklich und verdammtnochmal so verdammt gut drauf wäre, denn ich sitze hier, salze meine Salami, und bin connected. Trotz Exodus, der die Stadt vom Laub befreit. Von Menschen, die meine Familie sind... Sei's drum, sagt die Tapferkeit und sagt der Stolz. Eine halbe Stunde später schüttle ich jemandem die Hand, - er ist vermutlich auch wieder älter als ich, denn das sind sie alle, irgendwie, - dessen Leben so völlig anders ist als meines, der lebt, als gäbe es diese Notwendigkeit, der seinen Alltag hat, seinen Humor, seine Erfahrung, sein Leben. Einfach nur das, sein Leben.
Und ich, der ich meine Salami salze, und der zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, dass er den Film, den er unbedingt sehen will, doch nicht sehen wird, der da noch nicht weiß, dass er stattdessen wieder bei N. zu Hause sitzen wird, wo man ihm Schokolade und Eistee anbietet (das er dankend, - höflich, aber bestimmt, - ablehnt, weil er den Zucker darin fürchtet), ich, der nichts begriffen hat und nie begreift, der sein Leben oft verfolgt wie ein Zuschauer beim Tennis, ich salze nur nach und widerspreche vehement mit dem Satz: Ich weiß es, Ich weiß es, was Hunger ist, ja, das weiß ich.

Meine Wohnung ist eine Gruft; seit die Geister fort sind, deren Namen draußen am Klingelschild standen, hallt es in manchen Zimmern. Dafür brennen jetzt überall Energiesparlampen. Das ist die Entwicklung. (Keiner spricht von den Zurückgelassenen, denn jeder, der zurücksieht, erstarrt zu Stein. Die, die zurück bleiben, die versuchen weiter zu machen. Sodom und Gomorrha gingen im geschäftigsten Gewühl des Tages unter). Also schreibe ich meine Bewerbungen, ich bin arrogant dabei und dreist, aber man sagte mir, ich solle das sein, also setze ich mein bestes Grinsen auf. Ich bringe die Sachen zur Post, versiegelt und frankiert, und nachts sind meine Träume unruhig. So ist das. Ein Preis, den ich zahle. Der Preis der Freiheit. Es ist wie ein Fiebertraum. Ich erwache nicht als Käfer.

Stattdessen werde ich nach mehr und immer mehr Details gefragt. Wer ist N. und wer ist A. (es ist mittlerweile schon ein drittes A. aufgetaucht, wieder mit denselben Initialien, AP, - manche haben deswegen Lieder komponiert, andere sind wahnsinnig geworden), und warum ist dein Leben nur so unklar? Gute Frage. Das neigt zur Wiederholung. Vergiss das. Ich hab selbst nicht die geringste Ahnung. Tatsache ist doch die, dass ich mir immer wieder einrede, ich würde alles verstehen. Ich sitze da, salze damit ich etwas anderes als das Öl schmecke, und sehe N. an, von dem ich nichts weiß, eigentlich, gar nichts weiß, nur kleine Details, und diese sammle ich, weil ich zu begreifen versuche, weil ich die kausale Kette gerne betasten würde bevor sie mir als Schmuck gereicht wird, und so hat es angefangen und so geht es weiter, diese Veränderungen*...


* Salze, salze:
* * * ** ** * * *

was die stadt war, im traum eingehauchtes, war im wachen nichts als rauschen. die dinge gingen auseinander, die menschen, die möglichkeiten. das, was sich liebstes nannte, im schlaf bis auf den kern geschältes, nackt & auf die zunge gelegt, damit es dort zerginge, wurde wieder schale, ein altes bild, gelbstichig & abgegriffen, - der verstand schickte rettungsboote aus, um das verbliebene an sichere gestade zu bringen, doch was vermag man zu retten? ich meine: ernsthaft? hier brennt dein haus, & hier hast du alles, was dein leben definiert. dein verstand ist dein haus. was dein leben definiert sind erinnerungen. niemand überlässt dem feuer etwas freiwillig.

dennoch. antworten aufs band gesprochen, endlos aufgespultes: hello love, hello darling, hello, hello, but love's a killer. gegenantwort, im hintergrund ins wetter gehustet: do doves cry sometimes?

dann schiebt sich das lid über das auge, & der abbruch beginnt im entwickeln des kissens aus dem gesicht. wecker, spuck mir zahlen aus, - wie viele tage sind in ohnmacht ertränkt worden?, wer hat mir nur immer so viel gin ins glas getan?, & welcher der vielen wege war eigentlich der richtige? es bleiben nichts als schulwege. wendeltreppen. eine hand, die etwas verstohlen in den mund schiebt.

haben wir je darüber gesprochen?, haben wir je einander gesehn?

ich habe begonnen über das alles nachzudenken. neues zu schaffen ist schmerzvoll. die geburtswehen des neuen existieren, - ihnen ausgesetzt zu sein heißt, destruktive gewalt zu erleben. etwas zu verändern heißt, etwas zurückzulassen. es bedeutet risiko. in der erwartungen, erneuerung könne von selbst geschehen, verharrt man. (du hast verharrt, zu lange). die alten zöpfe, von denen man sagt, man müsse sie abschneiden, an ihnen webt der einzelne selbst, - die idee etwas zu kappen, - ein seil, eine brücke, rapunzels haar, - heißt, die möglichkeit in betracht zu ziehen, bisher unrecht gehabt zu haben. es heißt, eine rückkehr auszuschließen. wer verändert, brennt das land hinter sich nicht unbedingt nieder, aber er übergibt den flammen ein ich, das es nicht bis ins rettungsboot schafft.

tatsache ist: das vielleicht, das möglicherweise, das irgendwann & später sind keine optionen. es wird nie ein leben geben, zu dem alles besser passt als jetzt. ein vielleicht ist keine zusage, ein möglicherweise keine perspektive.

hier ist dein boot. jetzt rette, wer zu retten ist.

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