Hand in Hand
Es geht ein Mann durch alle Räume.
(Übergang)
Ich liege unter horizontlosen Himmeln, von Sternen übersät; im hohen Gras um mich knistern Insektenbeine an Insektenhaut; es riecht nach Regen. Wann ist später? Ich schüttle mir die abrasierten Barthaare vom T-Shirt, ich schüttle mir die Haut vom Körper, ich schüttle und schüttle und niemand streicht die Falten glatt. So gehn die Tage. Es könnten Jahre sein.
[Jemand geht silbenlos, er verlässt den Raum, - den großen, den zeitdurchsetzten, - mit einem Zwinkern, das besagt: Sucht mich, aber wer wird ihn suchen?, wie soll dieser augenlose Raum nur in mich passen?]
Vergessen,
so vieles war zu vergessen,
ist es noch, an keinem Ort, dem Nirgends,
am Ende aller Punkte,
nur: Was war dem Merken wert?
Ein Tag, als wir am andren Ufer standen, von Wellen gestreichelt die Arme, vom Wind benetztes Haar, ein rotes Tuch, das übers Wasser flog, denk daran, daran!, nicht, wie die Nähte falsch sind und die Hände schmerzend, des Nervenleidens wegen, - denke: und der Kopf auf deiner Schulter, dein Haar verwoben mit meinem, deine Hände mit meinen verschmolzen, Brust an Brust, und schon geht das Herz im Körper zehndreiviertel Takte schneller, und Blut pulst im Schnellfeuer der Hormone, und Und-Sätze reihen Momente aneinander, die nicht zu ver-und-en sind. Jetzt. Jetzt. Ja. Jetzt.
Mir ist ein Name in die Haut gebrannt, in die rechte Hand, in Fleisch und Nervenzellen, und nichts in diesem Ort vermag ihn zu tilgen. (sic!)
Was?, woher der Wind, & Augen auf!, im Geschrei von Möwen & Seemännern, die an den Piers stehen, tausendmal mich lockend auf Schiffe, die nirgendwo ankommen, & ich wische mir das Straßenköterhaar aus Stirn & Augen, & alle Worte verlieren ihren Klang, alle Buchstaben fallen aus ihren Gerüsten, & Ratten & Rauch rauschen riesig, rrrrrrrrrr-ran!, & dann klatschen die Wellen einen neuen Takt in mein Gesicht.
Was?, was sagt die Mutter, was sagt der Bruder, & die Schwester am Ende der Welt? Woher die Wolken, woher das viele Blau?, was schreien die Spatzen bloß heute von den Dächern?, & welcher Leib wurde je begehrt? Öffne mir die Hose, öffne mir den Mund; ich habe mir beim Ablecken des Joghurtdeckels die Zunge zerschnitten, sei also vorsichtig. Beim Masturbieren hab ich an dich gedacht. Beim Duschen dachte ich, deine Haut könne die meine sein. Wir sind zu viel Körper, wir sind zu wenig, - ich bin narbig, meine Haut ist die des Feuerläufers, du wirst meinen Spuren nicht folgen können. Ein Geist, ich bin ein Geist, ein Geist. Es gibt keine Beweise für meine Existenz.
Ich erinnere mich an diesen letzten Augusttag, der lange nicht der letzte war, ich erinnere mich an Glück, an Herzschlag, an Möglichkeiten; es ist das einzige, das bleibt. (Ist es?)
Es stimmt,
wir sind der Traum eines sterbenden Astronauten.

