Laurent liebt Eva

Mittwoch, 20. Januar 2010

Die Linien.

Es sind drei Zimmer, in keinem brennt Licht. Sein Bett ist ein Gestell aus Eisen, er schläft ohne Decke & Kissen; er isst kaum & trinkt schon am Morgen, - darum steht nur ein Stuhl noch in einem der Räume & eine kleine Holzkiste, zusammengenagelt in hastigen Schlägen, schief von Händen verhämmert zum Tisch; darauf stehen benutzte Gläser mit Lippenstifträndern, im Gegenlicht sieht es so aus, als hätte Rauch sie gefüllt, - so undurchsichtig sind sie geworden vom Fassen der schmierigen Finger. Auf dem Boden neben der Kiste liegt ein Buch, tausendmal hat er's gelesen, - es ist Der Doppelgänger von Dostojewksij, - & nach Tausendmalgelesen sieht es auch aus: Die Seiten sind zerknickt & gewellt, er rannte durch den Regen damit, er war ins Wasser gefallen, hatte sich damit über Wasser gehalten, war schier drin ertrunken. Jetzt lag es da, aufs trockene Land geworfen, ruhig zappelnd.

An den weißen Wänden werfen sich bunte Linien wild durcheinander, sie ergeben Kreise & Kringel, sie ergeben Gesichter, & Augen. Vor allem Augen. Keiner erkennt etwas im Wirbel der Farben, - außer Laurent. Seine Hände haben die Tapete blind gemacht fürs Erkennen der Anderen. So steht er mit dem Pinsel in der Hand im Viereck, genagelt ins Parkett steht er, auf die Fischgräten gesetzt wie eine Statue, - alles, was nicht Laurent war, hat ein andrer von ihm abgeschlagen, - ein Blinder hat ihm aus dem Stein geholfen, denn Laurent ist nicht schön. Seine Schultern sind nach vorne gebeugt, sie sind immer verwinkelt, verschoben, im Weg, & sein Rücken ist krumm, - wenn där weider so schtod, kriecht där en Buggel, sagte sein Vater. Seine Arme hängen wie Seile. Wenn er nicht malt. Wenn er nicht in Bewegung ist.
Die Feinheit fehlt seinem Gesicht, das Intellektuelle, das Intelligente im Blick, das sieht niemand ihm an, denn seine Augenbrauen sind wie zwei dicke Striche, vom struppigsten Pinsel gemalt. An den Rändern buschig & ungleich geben sie seinen Augen etwas Hinterlistiges, Verschlagenes, - ein geschlagenes Kind, ein gebranntes, eines, das stiehlt & sich diebisch freut, eines, das erwischt wird & lügt. Wie ein Lügner sieht Laurent aus. Seine Nase ist krumm an der Wurzel, - isch halt a Boxerwisasche, sagte sein Vater, - & passt zum Mund, der dünn ist, geschwungen wie ein Schlagholz. Wenn er lächelt rutschen die Lippen über die Zähne, die klein sind, & an den Schneidezähnen ganz grau, als hätte er sie sich mit Deckweiß gefärbt. Sein Lächeln macht ihn zum Fuchs. Wenn Laurent sich im Spiegel ansieht wird sein Blick stumpf. Er mag sich nicht ansehen, - isch au kei Wunder.

Sein Vater ist tot.

Sein Vater steckt ihm im Gesicht.

Mit dem Pinsel verwirbelt er die Striche zu Kreisen, die Kreise verdreht er zu Pupillen, zum Lid, das sich nicht schließt, - Augen & immer mehr Augen, - & mit den Händen macht er den Rest; grün & gelb sind die Finger, blau die Nägel am Rand. Rote Farbspritzer decken den Boden, seine weiße Hose ist schwarz, sein schwarzes Hemd weiß. Selbst sein Haar ist von Farben verklebt. Seit Stunden steht er da. Woher kommst du Laurent, was tust du nur hier?

Als hätte ein Windzug eine Tür ins Schloss gehauen, so dreht er sich um, & tatsächlich: die Türe öffnet sich leise, & hervor schaut ihr Kopf. Sie kam für die Nacht & blieb über den Tag, - eine Muse, die den Mund zum Kuss zusammenschiebt, um nach Kaffee zu fragen, eine, die sich über ihn beugt, um ihre Hand auf seine Brust zu legen, um den Herzschlag zu fühlen, um nach dem Haar zu greifen, das ihm in den Kuhlen wuchs, zwischen Sehnen & Haut, auf der Brust, das gleiche struppige Haar, das ihm auf dem Kopf wuchs, im Gesicht als Striche über den Augen, Haar, auf das sie ihr Gesicht gebettet hatte als könne sie damit das fehlende Kissen ersetzen. Sie fragte: Willst du Kaffee? Er sagte: Ich will Sex. So fing es an.

Montag, 18. Januar 2010

Von Pferden & Spatzen.

Eva war in Wahrheit ganz anders. Ihr Haar roch nicht nach Vanille, es roch nach Kupfer & Salz, wie Wollfäden waren die Strähnen, wie Garn flocht sie ihr Haar. Eva, wohin bist du gegangen?, niemand hört dich mehr gehn: Eva, keiner deiner Schuhe erzählt einen Namen.

Mit sieben war sie Ballerina gewesen,
mit siebeneinhalb brach ihr ein Knöchel,
wie ein Pferd lag sie am Boden, zu Schanden geritten, zu Schanden, auf dem Boden lag sie & rieb sich den Fuß. Sie weinte um Eindruck zu schinden, sie weinte aus Angst; sie fürchtete die Spritze, die ihr die Mutter geben würde, das Fleischerbeil, das ihr den Kopf vom Rumpf trennen musste. Sie hasste Pferde, sie hasste das Ballett, also brach ihr ein Knöchel. Aber es kam keine Spritze, es kam auch kein Beil. Die Mutter tätschelte ihr den Kopf, gab das Kostümchen fort, einen Traum aus Tüll schenkte sie weg, & sagte: Pass auf dich auf, auf den Füßen steht man sein Leben lang. Das Ballett ist nichts für dich.

Mit neun wurde ihr das Klavier zum Spielen gegeben,
mit zehn fiel sie vom Baum,
sie stürzte mit den Händen voran, & auf der weichen Erde, dort zwischen den Zweigen & Blättern, dort auf der Ameisenstraße, deren Blockade sie wurde, lag sie als Pferd mit gebrochenen Läufen, - jetzt blieb ihr nur noch ein Fuß. Gott, wie sie Pferde bloß hasste, das Ticken des Metronoms, das Weiß dieser Tasten. In der Vergeblichkeit saß sie, auf Erde, die warm zwischen ihren zerschmetterten Händen zerfiel zu Ameisen & Stein, - Ameisen, die sich selbst gehörten, - nur sich, - & diese Vergeblichkeit liebend, ohne den Blick auf die Uhr, ohne das hastige Nippen am halbvollen Glas, dachte sie: Ein Spatz muss man sein. Die Mutter tätschelte ihr den Kopf, stellte das Klavier unter weiße Decken, die Tasten versteckte sie dort, & sagte: Pass auf dich auf, du machst dich kaputt. Die Hände braucht man zum Halten, das Klavier ist nichts für dich.

Mit elf wurde die Schule bedeutend, die Mutter verwies auf die Noten, & Eva strengte sich an. Die Tante sagte, die Schulzeit sei die schönste Zeit ihres Leben; der Onkel mahnte, sie solle fleißig sein, denn Fleiß mache sich durchaus bezahlt. Die Kinder in der Klasse lachten & tobten, vom Fleiß verstanden sie nichts. Nur Eva, die verstand was davon, die saß mit gradem Rücken am Tischchen & schrieb, jedes Wort nahm sie mit, & in der Pause, in die andere lärmten, saß sie sommers auf der Bank mit Lektüre, winters bei der Klassenlehrerin, die sie sehr mochte, & hörte & schrieb, - nur denken tat sie nicht. So vergingen die Jahre.

Mit dreizehn verliebte sie sich,
es war ein Junge aus ihrer Klasse,
mit sechzehn liebte sie ihn noch.
Er aber liebte sie nicht, - der Junge war ein Jahr jünger, er verstand nichts von Liebe; er entdeckte sich selbst & war damit zufrieden. Also bekam sie weitere Noten, unzählige Ziffern, - ein Strich mit einem Haken bekam sie in rot aufs Papier, ganz oben hin, neben einem grinsenden Gesicht strahlte die Eins. Dabei blieb es, viele Monate lang: Sommers saß sie auf der Bank, & las die Lektüre, winters lachte sie mit den Lehrern hinter vorgehaltener Hand über das Lärmen der Kinder.

Irgendwann, es war nach dem Betrachten des Jungen, an einem Nachmittag, sie war gerade siebzehn geworden, kam die Mutter in den Garten, & tätschelte sie. Sie sagte: Pass weiter gut auf, das ist sehr wichtig, du machst was aus dir. Da erkannte Eva die Lüge. Sie war siebzehn geworden, & ein Pferd noch dazu.

Sie warf das Buch auf den Rasen, frischgemäht war es vom Onkel, & da lag Goethe, sah hoch zur Sonne & nannte sie Gretchen. Die Seiten raschelten leise. Das falsche Lachen warf sie ihm nach. Man wird nur belogen, dachte sie zornig, belogen ein ganzes Leben lang schon, & kein Spatz bin ich geworden. Mit dem Blick in den Spiegel sah sie ein Pferd, ein Ackergaul stand da vor ihr, & während sie sich die Augen mit Wasser rötete, wollte sie an etwas anderes glauben. An ein besseres, schöneres Leben, ein zwangloses & eines ganz ohne Kummer & Tränen. Wie es anfangen?, wie es angehn, diese ganzen Probleme, die nicht ihre eigenen waren, sondern die eines Kindes? Erwachsenwerden, sagte sie sich. Entwachsensein.

So wurde sie schlechter. Sommers rauchte sie Zigaretten hinter der Schule, ganz versteckt zwischen Bäumen & Lärm, winters rauchte sie weiter, & genoß den Geschmack auf der Haut eines Jungen, den sie nicht liebte. Er war zwei Jahre älter, & raus aus der Schule, ein Lehrlingsjunge, der sich längst kannte. Alles, was er gefunden hatte, war nichts als Begehren, & als er nackt vor Eva stand, verspürte sie kurz die Enttäuschung darüber, dass kein Geheimnis hinter der Liebe steckte als ein Schwanz & zwei Brüste, - denn Eva wusste nicht, was sie fühlte, - aber sie gab sich damit zufrieden. Sie war die einzige, die sich zufrieden gab. Niemand lachte mehr mit. Die Mutter tätschelte nur noch ihre Hände, ihren eigenen Kopf tätschelte sie mit der Bürste. Das Haar wurde ihr streng & hart. Der Ton in der Stimme erkaltete auch. Alle glaubten, es komme vom Rauchen, es komme vom Jungen im Bett, die schiefe Bahn zeichneten sie ihr, & als Spatz flog sie darüber hinweg. Allen flog sie davon.

Mit neunzehn warf sie die Schule dem Buch & Lachen nach,
sie warf es der Mutter an den getätschelten Kopf.
Sie zog in die Stadt.
Mit zwanzig traf sie Laurent.

Sonntag, 17. Januar 2010

Der Hunger & der Satte.

Langsam geht der Wind über Laurent hinweg, & weg geht auch Laurent; er geht durch den Schnee, der zerrieben ist wie Sand, er geht als würde er ins Meer zurückgeschüttet. Seine Augen sind traurig dabei.
Er richtet sich den Schal, es ist ein dünner Stoff, durch den man sehen kann, deswegen hat er ihn doppelt gefaltet, & auch seine Finger sind traurig; sie gehn ihm müde durch den Bart, sie gehn ihm müde zur Hand, & über die Haut hinein zwischen den Mantel & den Mantelkragen, wo er gerne ihr Gesicht liegen hätte, auf der Kuhle, dicht beim Schlüsselbein. Ein Medaillon aus ihrem Haar, ein Medaillon aus Mund & Lippenschwung... Sie liegt nicht dort, er ist nicht mehr im Bett, nicht mehr zwischen den Kissen & der Decke, er ist nicht mehr der Mann, der bei einer Frau liegt, aber er denkt an sie. Eine, die gerne liegend liest, auf den Bauch gelegt bis der Bauch mit Stoff & Boden verwächst, bis die Schultern den Kopf nicht mehr tragen & der Kopf darum in die Tiefe fällt, auf weiches Papier & auf harte Schrift, lesend bis zur Erschöpfung. (Sie las gern Gedichte von Emmy Ball-Hennings, sie mochte Neruda sehr gern). Eine mit wirren braunen Strähnen, mit einem Leberfleck auf dem Kinn, & einem Leberfleck auf der Brust. Eine, die ihr Brot mit dem Buttermesser schnitt & das Brot mit dem Löffel bestrich. Eine, die Apfelkerne, Melonenkerne schluckte, statt sie zu spucken.

& Laurent, wohin gehst du eigentlich? Laurent, hörst du mir zu?

Er hört nichts.
Er geht durch die Stadt wie ein Träumer.
Unter seinen Arm sind ein paar Skizzen geklemmt, denn Laurent ist ein Künstler. Einer, der dich ansieht, & malt, aus dem Nichts heraus schwingt er den Stift & kratzt die Farbe tief ins Papier, in ein paar Sekunden existierst du doppelt. Ein Spiegelmacher ist er, einer, der alle Spiegel einander gegenüberstellt & hineinsieht, in den Korridor der Spiegel, der dabei entsteht, - ohne Fluchtlinien, ohne erkennbares Ende, dort, wo immer nur Türen durch weitere Türen führen, bis irgendwann alles schwarz ist & undurchdringlich, - so saß er gerne bei ihr. So klingelt er an der Tür, denn er hat Hunger.

Der Hunger führt ihn zu mir.

Der Hunger tritt ins Haus,
er schleicht zum Hunger hin wie die Katze zur Milch.
Den sandigen Schnee bringt er herein in mein Haus,
in mein Reich tritt er die Kälte & das schlammige Eis,
er findet kein Schlaraffenland,
Schlaraffenland ist abgebrannt,
daher sind alle Teller blitzblank
& an den Rändern geschliffen wie Messer.

Was tust du gerade?, fragt er mich, während ich ihm das Brot schneide, mit der schärfsten Klinge schneide ich es ihm zu dicken Scheiben.
Willst du Tee?, frage ich, & reiche die Tasse, schütte das Heiß ins Kalte hinein wie ein Herrscher es tut, - gebieterisch & bestimmt; ich bin ein Heiliger unter jenen, die den Durst stillen, & ein Sünder unter jenen, die ihn bringen, - & er nimmt die Tasse entgegen wie nur ein Hungriger es kann: Er stellt den Tee zur Seite, & schielt nach dem Teller, auf dem ich die Tomaten zerteile, den Käse, - den einzigen, den ich habe, - & er lächelt sein diebisches Lächeln, von dem ich glaube, es könne Mädchen schwängern & schwangere Frauen verlassen.
Was du tust, will ich wissen, sagt er.
Ich lebe, siehste doch, ich lebe so vor mich hin.
Das ist keine Antwort, das ist ein Spiel mit der Frage, aber eine Antwort ist es nicht. Gib mir Antworten.
Meine Hände geben den Teller an seine Hände weiter, & jetzt lächelt mein Mund, - dieses Lächeln soll ihm eine Serviette sein & ein Trinkspruch auf bessere Zeiten.
Ich erkranke am Gleichen; ruhelos bin ich, schlafe seit sieben Tagen nicht mehr, oder seit sechs, - ich habe die Anzahl der Tage vergessen; ich lese, gerade ist's Die Blechtrommel, sie ist übrigens besser als ihr Autor, bisher, aber ich zerfließe in Worten, in Listen, im Aufstehen, Begehren, im süßeren Später, im bitteren Jetzt, - ein Rücksichtsloser bin ich, siehst du, hier in der Küche, dort fehlt der Tisch, da fehlt der Schlüssel zum Schloss & die Scharniere der Fenster, - eigentlich schreibe ich nichts, nur immer Kreisläufe, in die schreibe ich mich bis ich im Kreisen erschwindle, im Schwindel zerkreise bis zum unkenntlichen Strich. Das ist's, was ich tue, das ist's, womit mein Morgen beginnt. Keins der vielen Worte tut mir gut; nachts schrecke ich auf, weil ich glaube, dass jemand im Zimmer ist, dass jemand Fremdes da in meinem Bett liegt; manchmal verlier ich schier den Verstand beim Blick in die Nacht. Aber das geht vorbei, es ist nur eine Phase von vielen, das red ich mir ein. So lese ich, schreie in den Wind die Namen der Freunde, die fort sind, & höre den Hall ihrer Stimmen aus der Ferne herwehn. Ich esse wenig, ich klopfe auf meine Mandeln wie auf Holz, ich greife mir manchmal an den Schwanz, weil ich Lust dazu habe, & selten passiert was Neues dabei. Jeden Tag sehe ich Bilder, jeden Tag höre ich Musik, & es befreit mich manchmal mit lautem Geknall. Ansonsten bin ich zu Hause, ansonsten geh ich draußen durch die Stadt & besehe die Menschen. & du?, was tust du?

Er isst im Stehen.
Er hat sich die Ärmel bis zur Armbeuge hochgeschoben.
Sein Mund kaut nicht während er spricht:

Eisblumen male ich, jeden Tag aufs Neue an meine schneeigen Fenster mal ich sie, damit wenigstens etwas Schönes da ist. Sie hat alle meine Bilder mitgenommen, die Pinsel, die Farben; alle Wände hat sie mir weiß gestrichen, & bei den Zimmern, die sie nicht weiß bekam, hat sie schwarze Farbe genommen. In jedem Raum wohnt die Stille, & auf jedem Papier sieht sie mich an. Ich suche nach Arbeit, ich suche & suche, & jeder Gedanken sucht nicht mit mir mit. Jedergedanke, das ist wie ein Name, der sucht mich beim Schlafengehen heim als wär es ein Fluch, aber beim Jobsuchen verschränkt er die Hände.
Ich schlafe sehr viel. Im Grunde schlafe ich den ganzen Tag, malend mit meinen Fingern, den ganzen Staub zermale ich auf dem Parkett, die Falten ins Bett male ich mir, aber eigentlich ist es gar nicht so schlimm. Meine Träume sind schön, damit bin ich zufrieden.


Er reicht mir den Teller zurück,
nickt & bedankt sich mit buttrigen Lippen.

Wir stehn uns gegenüber wie Fremde, wie Onkel & Neffe, wie zwei Fischer auf einem Boot. Laurent, Laurent, sagt mein Mund als müsste er's tun, Laurent geht fort wie die anderen auch, aber stattdessen poltert über uns nur die Decke vom Laufen & Trampeln der Füße. Ein Boden über den Köpfen, man fühlt sich begraben. Er reicht mir die warme Hand, & die Haut zündet nicht, ich fühle nur Eis. Danke, sagt er. Ich lass dir die Skizzen da, als Bezahlung, für später, du verstehst, & noch bevor ein weiteres Wort ihn dazu bringen könnte stehen zu bleiben, verlässt er das Haus.

Der Satte verlässt den Hunger,
wie die Katze die ausgetrunkene Schale,
so verlässt er mein Haus.

Laurent geht die Treppen runter, raus in den Wind, der neuen Schnee auf die Gehwege pfeift, & während ich den Teller auf die Seite stelle, zum Topf ins Spülbecken, zu Messer & Gabel, verspüre ich kurz wieder den Kummer, kurz das Gefühl zerbrechen zu müssen, & als Einzelteil, als fehlendes Stück ins Vergessen zu fallen, ins Fremde, ins Körperlose. Das Gefühl geht vorbei. Ich lege die Skizzen zu den anderen, nehme das Buch, nehme den Stift & denke an sie.


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Zuletzt aktualisiert: 28. Januar, 01:34

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