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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein : Rubrik:Monsieur Mort</title>
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    <description></description>
    <dc:publisher>morbus</dc:publisher>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:date>2009-11-23T16:38:01Z</dc:date>
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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein</title>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6052549/">
    <title>Und so schwer im Wahn.</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Er betritt das Zimmer durch die einzige Tür. Alles ist hell, und golden, die Sonne verwebt ihr Licht mit den weißen Vorhängen, es sind immer die gleichen. Im Hintergrund läuft &lt;i&gt;Fink&lt;/i&gt;s &lt;i&gt;Pretty little thing&lt;/i&gt;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;We could go out&lt;br /&gt;
We could go anywhere that you want&lt;br /&gt;
We could stay in&lt;br /&gt;
We could do anything that you want&lt;br /&gt;
We could do lunch in Soho&lt;br /&gt;
Or something&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Musik definiert den Raum, der Raum definiert mich. An der rechten Wand hängen seit kurzem CDs an Eisennägeln, darunter ein Zeitungsausschnitt, - es geht darin um den Kronos-Zug, die Entschleunigungsbahn, wenige werden verstehen, warum ich ausgerechnet diesen kleinen Artikel aufgehängt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papier klebt ihm am nackten Fuß, er zieht es lachend von seiner Haut. &lt;i&gt;Nicht auszudenken&lt;/I&gt;, das sage ich begriffsstutzig: &lt;i&gt;Nicht auszudenken, was gewesen wäre&lt;/i&gt;, aber der Satz will nicht vollständig sein, er will unvollendet bleiben, also belasse ich&apos;s dabei und staple die Bücher von der Couch. &lt;i&gt;Wahnsinn&lt;/i&gt;, sagt er und setzt sich, &lt;i&gt;Du hast so viele Bücher, - wie viele sind das bloß?&lt;/I&gt;, er nimmt das wertvollste Buch, das ich besitze, das von Nietzsche, und in seinen Händen wirkt es klein. &lt;i&gt;Das ist von 1901&lt;/i&gt;, sag ich, und höre die Seiten wie Zwiebelschalen rascheln, &lt;i&gt;sei bitte vorsichtig&lt;/i&gt;. Ein Spießer, eingehüllt in einen schicken Retro-Pullover, das bin ich. &lt;i&gt;Na klar&lt;/I&gt;, sagt er und liest etwas vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich will dich kennen, Unbekannter,&lt;br /&gt;
du tief in meine Seele Greifender,&lt;br /&gt;
mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender, &lt;br /&gt;
du Unfassbarer, mir Verwandter&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den letzten Vers lässt er weg, &lt;i&gt;Ich will dich kennen, selbst dir dienen&lt;/i&gt;, es wäre merkwürdig gewesen. Das Gedicht heißt &lt;i&gt;Dem unbekannten Gott&lt;/i&gt;. Keiner der Götter lebt noch, keinem lässt sich dienen. In der Dunkelheit von Menzels Kircheninnerem verlieren wir uns, die Blicke gebeugt, die Schatten, - dieses ganze Barocke macht mich verlegen, der Pathos ist selbst mir zu viel. Er merkt es, und legt das Buch auf den Tisch zurück. Auch Nietzsche ist tot. &lt;br /&gt;
Ich setze mich auf den roten Teppich, mein Zimmer ist nie derart bequem, dass man sich darin lange &lt;i&gt;aufhalten&lt;/i&gt; könnte, aber ich versuche es immer, und überlasse ihm alle anderen Sitzmöglichkeiten. Ich trinke das Bier, das man mir gekauft hat, reiche die Erdnußflips weiter, mir tut der Hals weh. Tief im Rachen, an unerreichbaren Stellen. Meine Mutter wird von Keimen sprechen, vielleicht ist&apos;s zu viel Staub, und während er nach der Flasche greift, erinnere ich mich gelesen zu haben, dass Staubflocken nichts als tote Könige seien, als Kinderasche, als das, was vom Gestern übrig blieb. Ein dutzend falscher Reihenfolgen, ich gehöre in ein anderes Zeitalter. Der junge Kurt Wolff verschränkt seine Arme, abwehrend, ungeduldig, er sagt: &lt;i&gt;du gehörst auch nicht hier her, denn hier lauert der Tod&lt;/i&gt;, und Else ruft wie aus der Ferne: &lt;i&gt;Es pocht eine Sehnsucht an die Welt&lt;/i&gt;, - ich muss mich wirklich konzentrieren, um zu verstehen, was tatsächlich gesagt wird, im Hier, im einundzwanzigsten Jahrhundert, wo knapp eine Milliarde Menschen hungert, im Jetzt. Die &lt;i&gt;Dandy Warhols&lt;/I&gt; spielen &lt;i&gt;We used to be friends&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagt: &lt;i&gt;Wann gehn wir?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
Und ich erwidere: &lt;i&gt;Wann du willst.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stille kehrt nie ein, es spielt ja die Musik. &lt;br /&gt;
Minutenweise. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagt: &lt;i&gt;Und wie viele Bücher sind das jetzt?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Und ich erwidere: &lt;i&gt;662.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Er wundert sich nicht, warum ich das so exakt weiß. Ich habe geraten, aber es könnte stimmen. Die Hälfte davon hab ich gelesen, der Rest wartet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Lust auf Eis, es würde meinem Hals guttun. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meinen Blicken rausche ich durch die 360 Grad, die sich meinen Augen bieten; dort ein Stück Haut, da ein bisschen Stoff, Haarschopf, Vorhänge, ein Streifen Licht, der aufs Parkett fällt, Bücher, Bücher, Bücher, und so viel Papier, das ist manchmal so profan, &lt;i&gt;und so schwer im Wahn&lt;/i&gt;, ich suche das Bett auf, das vom Aufstehen noch ganz Zerwühlte,  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Laken ist schweißnass, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vom Fieber, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alles zergliedert in seine Bestandteile, in seine Momente, das rutscht mir aus den Fingern. Selbst der Mund kann nur noch nach Luft schnappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Dann lass uns jetzt gehn&lt;/I&gt;, sagt er.  &lt;br /&gt;
Und ich denke an Adrienne.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-20T13:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5935949/">
    <title>Ecce homo</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5935949/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich habe Lust auf etwas Neues. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-- .. -&lt;br /&gt;
... .--. .-. .- -.-. .... .? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein. Ich behalte all meine Vokale &amp; Konsonanten, - es ist das Andere, Wände &amp; Haut. Die Gedanken. Berlin ist nicht weit weg, es existiert nicht mehr (im Exil existiert nix als dieses X-beliebige); Berlin wartet mit seinen Räuberleitern: Das leere Zimmer der Frau wird zum bewohnten Zimmer des Mannes, - this Room of Ones Own is still unisex, - &amp; was möglicherweise Zukunft sein will, auch sexuell, auch beruflich, auch künstlerisch, auch politisch, &amp; auch &lt;i&gt;auch&lt;/i&gt;, das man an alle gestellten Fragen hängt, diese Zukunft ist alles; schlicht ein Wollen, das größer ist, groß &amp; unermesslich, mehr als jedes X &amp; &lt;i&gt;i grec&lt;/i&gt;, mehr als neue Möbel &amp; neue Ideen, denn nein: Berlin wartet nicht, es hat nie gewartet, auf Niemanden, Berlin hat mich nie gewollt, uns alle nicht, darum sind sie alle dort, diese Menschen, darum wälzen wir uns durch diese Straßen, darum suchen wir &amp; suchen, &amp; finden keine Antwort auf die wichtigste aller Fragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qui?, &lt;br /&gt;
quiquiqui?, &lt;br /&gt;
qui je suis?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Striche, gezogen aufs weißeste Papier, folge dem Stift, folge der Quadratur des Kreises, &amp; du siehst, siehst du?, ich meine mich?, siehst du jenen, der auszog, um der Welt das Fürchten zu lehren, &amp; der stattdessen selbst zum Ängstlichen wurde?, - das ist alles längst Geschichte, es ist alles längst gewesen, wir haben uns gejagt, &amp; wir jagten die Liebe, aber das Neue, - schön wie schrecklich, - wartet nicht auf unsre Beute. So gehn die Tage, genauso geht unser ganzes Leben, wir warten &amp; sehn zurück, ständig sehn wir zurück oder wir sehn zu weit vor, denn ja, wir planen, wir setzen uns Ziele, wir setzen unser Leben aufs Spiel, jeden Tag, aber darüber sprechen?, es sagen!, dieses &lt;i&gt;Danke, dass du da bist&lt;/i&gt;, dieses &lt;i&gt;Ich liebe dich&lt;/i&gt;, dieses &lt;i&gt;Du hast mein Leben verändert&lt;/i&gt;, wir sagen es nicht, stattdessen lassen wir die Zeit vorübergehn, unpathetisch &amp; logisch, wie diese Welt nun mal ist, wie sie nun mal im Chaos versinkt, in Krieg &amp; Hunger, die uns an den fremdesten Gestaden stehn lassen, bei den stillsten Kranken, den Schlaganfallopfern &amp; plötzlichen Herztoten, bei den Anachronisten, die uns vom Wetter erzählen, vom vereinzelten Regen, der ja doch nie so kommt, wie er vorhergesagt wird, &amp; was?, &amp; wie? Das Neue überrollt uns mit seiner Unachtsamkeit. &amp; nichts ist mehr, wie es war. Niemand bleibt unberührt. Alle andren erstarren zu einer Säule aus Salz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sag mir nicht, was logisch ist. Nichts an dieser Welt war je logisch. Nichts an unserem Tun, nichts an unseren Worten, in denen sich der Tod ins Freie nagt, ist es, denn Logik ist nur ein Prinzip von vielen, also setz dein Kreuz dahinter, du hast es gehabt, du hast es gelebt, du hast es verloren, so sind wir alle Teil deines Verlusts, aber Abersagen, aber das Trotzdem fordern, nie diese Ruhe, nie dieses Fallengelassene!, hier, das gesuchte Gold im dunkelsten aller Minenschächte!, eine Ader reinen Golds, das ist es, was wir Hoffnung nennen, nicht?, &amp; so reißen wir uns die Kleider vom Leib, so haben wir Sex, so zeugen wir Kinder, so geben wir unseren Kinder die Namen von Heiligen, auch wenn sie nie heilig werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sitze im Exil &amp; betaste die geschwollene Mandel, ich sitze im Exil &amp; denke an Berlin, wie es ist &amp; war, vor allem, wie es sein wird, denn neue Menschen stehn vor der Tür &amp; verlangen Einlass, - manche haben auch ein Anrecht darauf, - noch Namenlose, &lt;i&gt;i grec&lt;/I&gt;s, sí, - &amp; ich, der ich nicht länger ich bin, nicht länger der, der ich war, nicht?, einer, der müde ist vom Vielen, müde von sich, ja, &amp; zum Teil auch müde von allem, was kommen wird, - dem Umzugschaos, der Arbeitssuche, - ich, der Jimmy versprach, nicht mehr zu jammern, ich, der ich A. bin &amp; A. liebte, &amp; I. liebte, ich, der ich mit all den M.s schlief, den ungezählten Marien, ich, der sich immer nur um sich selbst dreht, hier, im Weiß, ich, der lauter wird mit jedem vergangenen Tag im Nichts&amp;niemalstun, einer der sieben Herrscher des Universums der Angst, manischer Chaot, Narziss (sic!), ich, der müde ist &amp; niemals müde, ein Hund, der seinem Schwanz nachjagt, Phantom, Antipode, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
moi&lt;br /&gt;
moimoimoi&lt;br /&gt;
je dis: au revoir. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue kommt.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-13T12:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5927246/">
    <title>&#1504;&#1490;&#1489;</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5927246/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1.&lt;br /&gt;
Alle Frauen tragen die gleichen Frisuren. Blondbraunes Haar: toupiert zu Stahlwolle; sie tragen es wie Helme, - Soldatinnen, die sie sind, hochgewachsene, schlanke Frauen, - die bunten Sommerblusen flatternd im Wind &amp; die Stretchhosen straff auf der Haut, die cremefarben ist, - so marschieren sie mit den kleinen Kindern, so exerzieren sie mit Kinderwägen, links, links, die sehnigen Hälse gereckt, die Blicke kühl alles Fremde zerblickend, so zerstoßen sie das Eis mit den adrigen Händen, so geben sie es in die Limonade &amp; reichen die Gläser an die Söhne weiter, die morgens draußen auf dem trocknen Rasen liegen, - braungebrannte Kibbuzsöhne, die Haare von tausend Jahren Sonnenlicht zu Stroh gemacht, knisternd im Südwind, - oder die abends am Fenster stehn, die Haut vom Wasser rein gewaschen, nackt, mit dem Blick ins Zimmer gegenüber, wo Monsieur Mort, wo A. am Fenster hockt, das Buch der &lt;i&gt;Wilden Detektive&lt;/i&gt; auf dem Schoß, &amp; blätternd, weiß geblieben, struppig vor Wut &amp; Müdigkeit, der nicht merkt, wie man ihm winkt, wie man seinen Namen über die Straße ruft, durch Negev, durch Sand- &amp; Steingebrochnes, im Südwind tanzend, &amp; der erst dann aufschreckt von Rippenbogen &amp; brauner Haut, wenn der erste Kieselstein ans Fenster fliegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. &lt;br /&gt;
Saint Gregory stand jeden zweiten Abend wie ein griechischer Held vor meinem Fenster und rief meinen Namen ins Samtene dieser ersten Septemberwochen, ins Betäubte, Schlaflose dieser golddurchwirkten Herbstspielereien. War Troja gefallen?, war Odysseus je nach Hause zurückgekehrt?, und ich?, was hatte ich je getan?, - es blieb nichts als das Buch zur Seite zu legen und Saint Gregory zu begrüßen, den Unversehrten, den Heiligen aller Schlaflosen, und um mit ihm durch die Straßen des Ghettos zu gehn, das am Rande des Orts aller Orte stand, dort, wo Angst und Schrecken einander Zwillinge sind und an den Geschlechtern miteinander verwachsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen durch die Wüste Negev &lt;br /&gt;
und die Wüste Negev ging mit uns. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &lt;br /&gt;
Sie reden über die kommende Trockenheit, über Sexualität und Religion; am nächsten Tag gehen sie zusammen in ein Geschäft, in dem ein Mann Kleidung verkauft, - die Zimmer sind zur Hälfte ausgeräumt, Kisten und Kartons stehen unter leeren Regalen, nur noch wenig Stoff lässt sich finden, - dort führen sie sich gegenseitig Hemden und Hosen vor, sie lachen viel dabei. In Unterhosen verfolgen sie einander durch Spiegelkorridore, sie kneifen einander in die Brustwarzen, sie sammeln die silbernen Haken der zerbrochenen Kleiderbügel und werfen sie um die Wette wieder fort. Sie sind wie Kinder. Sie kennen keine Unterschiede zwischen Gut und Böse. Sie wissen nichts von der Sehnsucht. Sie haben die Ferne vergessen. Sand und Dornengestrüpp zergehn zwischen ihren nackten Zehen zu Asphalt und Flaschenscherben. Nachts sitzen sie am vertrockneten Wasserlauf und trinken, - diesmal nicht um die Wette. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. &lt;br /&gt;
Er sagt, erzähl mir von deiner Mutter. Der andre macht&apos;s. &lt;br /&gt;
Er sagt, erzähl mir von deiner letzten Freundin. Der andre macht&apos;s.&lt;br /&gt;
Er sagt, erzähl mir und erzähl mir und erzähl mir vom Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der andre?&lt;br /&gt;
Er sagt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. &lt;br /&gt;
Ich ertappe mich dabei, wie ich lose werde, wie mir die Geduld abhanden kommt; an manchen Tagen ist alles, an was ich denken kann, die Liebe, wie sie war, &amp; dann lege ich mich zerwühlt von fremder Haut &amp; blauen Augen ins Bett, zwischen weiße Laken, unter weiße Decken, ein schwarzer Punkt im Blauen, &amp; frage: &lt;i&gt;Wie weiter?&lt;/I&gt;, aber nur die Hand weiß eine Lösung zu finden, nur die Finger, nur die zitternden Netzhäute, die vom Vielen phantasieren, den geöffneten Lippen, dem ersten Kuss, &amp; cetera, aber die Mutter kommt ins Zimmer &amp; fragt ihre Fragen, &amp; die Schwester am Telephon stellt ihre ultimativen Ultimaten, &amp; die Gier frisst sich tief in jeden Nerv, - nur ich, der hilflos in der Wüste ist, findet keine Worte mehr; ich streiche mir die Augenbrauen struppig, verheddere mich in meinen spitzen Wimpern, während der Bruder sagt: &lt;i&gt;Tu dies &amp; tu es sofort&lt;/I&gt;, so wie es die Mutter sagt, &amp; die Räuber zwischen den Ruinen, wie es der immerneue Morgen sagt &amp; das Herz aus Porzellan. Ich stehe am Wegesrand, - die Hosen staubig, das Hemd verschwitzt, - &amp; sehe den marschierenden Müttern bei ihren Manövern zu, sehe die Kibbuzsöhne in ihren perfekten Kostümen, &amp; nie, &amp; kein Tag, es ist, als gebe es hier keine Zukunft, als stünde alles still. Alle Uhren zeigen die gleiche Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was hätte Jammern je geholfen?, so sind die Tage, so sind die Wochen &amp; Jahre, - solange die Lippen noch lächeln können, bleibt man am Leben. Das ist alles, was ich dir erzählen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. &lt;br /&gt;
Doch als wir uns trennten, als jeder wieder in seine eigene Behausung ging, da kam der Sand in Spiralen und der Himmel tobte im Sturm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte es vergessen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war die Wüste Negev&lt;br /&gt;
und die Wüste Negev verschlang Bäume und Ernten, &lt;br /&gt;
sie verschlang die Städte und Dörfer, die Menschen,&lt;br /&gt;
sie verschlang selbst das Meer. &lt;br /&gt;
Und nichts, und niemand konnte ihren Hunger stillen. &lt;br /&gt;
Bis sie die ganze Welt verschlungen hatte.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-08T11:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5862369/">
    <title>&#1052;&#1072;&#1090;&#1088;&#1105;&#1096;&#1082;&#1072;</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5862369/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1.&lt;br /&gt;
Ich schütte mir heiße Milch in ein Honigglas &amp; trinke es mit seligem Lächeln; nicht nur die Finger kleben danach, der ganze Körper tut es: Der Mund, die Schlüsselbeine, die Nippel, der Schwanz, die Beine, &amp; Arme, alles. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von Buchstaben geküsst, &lt;br /&gt;
glänzt der Leib --&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Honig wirft Blasen in meinen Adern, er staut den Sauerstoff in den Zellen, er bremst den Herzschlag, gegen Null geht die Kurve des eigenen Blutes, ... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. &lt;br /&gt;
Unter der Last der Sonne lösen sich die Atome auf, die Ich sind, &amp; alles geht ein in die Atmosphäre, die unsre Hände sind, tanzend im Haar, auf Kuppen gehend über Narben &amp; Falten; ein Tag über dem Geröll unserer Erinnerung, ein Tag als Klippenspringer, - denn ja, wir springen ins Tosen eines Meeres, das niemandem gehört außer jenen, die bereit sind es bis zum letzten Tropfen zu trinken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &lt;br /&gt;
Der Körper liegt nackt unter dem Fenster, wo die Lichtstreifen ihn berühren können, da, beim Weiß der wehenden Vorhänge. Die Stadt, dieses B., das niemandes Namen kennt, singt draußen sein Lied; ein ohrenbetäubendes, ein zeitraubendes, ein betörendes. Alle Sätze, die mit &lt;font size=&quot;1&quot;&gt;GEGEBENENFALLS&lt;/font&gt; beginnen &amp; die dann niemals enden: Sie sind dort draußen, sind hier drinnen, im Schwülen &amp; Lauen, im Abend der Abende, in der Matrjoschka eines Herzens, das nie zur Ruhe kommend, Liebe in die Nächte hämmert, in den andren, fremden Leib, der zwischen weißen Laken liegt: Die Haare wie ein Kranz auf dem Kissen, der Brustkorb einen kühleren Atem umschließend, die Hände auf Muskeln &amp; Haut, - geliebt, geliebt, geboren, versandet im Traum, eingesteckt in die nächste hölzerne Puppe, verloren, zu Asche verbrannt, gestreut, gesät, als Erinnerung gewachsen, geliebt, &amp; immer geliebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. &lt;br /&gt;
Das, was Wirklichkeit ist, fällt Tag für Tag in andre Bestandteile auseinander. Es gibt kein Oben in diesem Spiel, kein Unten, es ist alles nur Geträumtes, Wieder-Erinnertes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe mir die Zeit immer als rauchende Frau vorgestellt; jetzt sitzt sie auf dem Fenstersims, jetzt geht sie in den Hinterhof &amp; wirft den Müll in einen der Container, jetzt sitzt sie im Flur auf dem Boden &amp; trinkt dort ein Glas des chilenischen Weins: &amp; nie, &amp; niemals, &amp; immer von vorn geht der Kreis in einen andren über, gehen die Gedanken eines gestrigen Tages in einen morgigen ein, &amp; der Körper, der nackt bleibt &amp; ewig nackt, zerglüht im Fieber einer Möglichkeit.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-05T19:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5655777/">
    <title>Monsieur Mort est insomniaque</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5655777/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1.&lt;br /&gt;
ich ging bis zur straße. &lt;i&gt;siehst du?, nur irgendein schild, ein weiterer name, man vergisst so schnell, du wirst dich erinnern&lt;/i&gt;, &amp; schließlich spürte ich regen obwohl die sonne schien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.&lt;br /&gt;
in dem kleinen café schenkte ich ihm das buch; es fühlte sich nicht wie &lt;i&gt;abschied&lt;/i&gt; an, eigentlich nicht. nein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich legte es auf den tisch, - ich erinnere mich nicht mal mehr an die farbe des tisches, - &amp; unvermittelt, als risse mich jemand aus einem traum, da sagte ich: &lt;i&gt;für dich&lt;/I&gt;, - er sah es nicht kommen. wie hätte er sollen? ich habe nicht ein wort darüber verloren. &lt;br /&gt;
also streckten sich überrascht seine finger &amp; nahmen das buch, - rotes leinen band die seiten, in gold geprägt stand &lt;i&gt;babel&lt;/i&gt;, - sein &lt;i&gt;danke&lt;/i&gt; klang trocken &amp; warm, &amp; das braun der augen ging über ins dunkel. er lächelte schief, &amp; ich saß auf dem harten stuhl, dachte an das wort &lt;i&gt;somnambul&lt;/i&gt;, wie ich es in letzter zeit häufiger mache, &amp; strich mir strähne für strähne aus den störrischen augen. es fühlte sich nicht wie &lt;i&gt;abschied&lt;/i&gt; an, eigentlich nicht. nein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.&lt;br /&gt;
die stadt im sommer erzählt mir etwas über das verlassen-werden; wie eine alte frau sitzt sie am fluss &amp; redet von straßen, die fortführen, von anderen städten, &lt;i&gt;du erzählst mir von wien, &amp; ich denke ununterbrochen an paris, irgendwo steckt barcelona&lt;/i&gt;, aber ich nehme nur den wind auf, der mir erstes fernweh in die augen streut, -- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.&lt;br /&gt;
am fenster sitzend, lasse ich meinen atem frei. &lt;br /&gt;
ich hinterlasse meine spuren im herzen fremder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich gehe durch warmen staub, wische mit den fingern das schwarz weg, das mir die weißen möbel deckt, &amp; überlege, wie sehr mir die träume die welt entzünden. die weißen vorhänge, das parkett, ich habe mal davon geträumt, es ist schon länger her. ich habe von diesem leben geträumt. &lt;i&gt;wach auf&lt;/I&gt;, sagt daher der zeigefinger, der sich an kleinen dingen schneidet: an leisen worten, von schmalen mündern gesprochen; an der musik der gitarre, die mir der südwind ins duschwasser mischt; am glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kurz vor 23 uhr sticht mich der körper. es könnte die galle sein. oder die niere, ich sollte das untersuchen lassen. ich weiß. ich sollte jeden meiner leberflecke unter die lupe nehmen. ich sollte meine hoden von der medizin betasten lassen. ich sollte wie jedes jahr meine hirnströme messen. das leben ist so schmerzhaft, ist stromschnelle unter vielen. &lt;i&gt;war&lt;/i&gt; es. letztes jahr war es das. jetzt ist es anders. &lt;br /&gt;
ich habe von der müdigkeit getrunken. &lt;br /&gt;
ich habe meine wut verschüttet. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;das ist es nicht wert&lt;/i&gt;, sagt die synapse, die sich mit der andren bindet, &lt;i&gt;das ist es nie gewesen&lt;/I&gt;, aber da sitzt ein mensch vor mir, der etwas will, der mich mit brennenden augen ansieht, dessen speichel mir vor lauter wut die arme netzt, &amp; ich mache mir notizen, - ich schreibe jetzt mehr im stillen, - &amp; ich, ich, -- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vor meinem bücherregal sitze ich trunken. im schlaf hänge ich die photographien um, die mir die wände färben. ich weiß nicht weswegen. ich möchte manchmal weinen, so dünnhäutig bin ich selbst im wind, hemmungslos, endlos, aber das geschieht natürlich nicht. die traurigkeit entkommt mir nicht. sie ist in glück getränkt. in verzweiflung. in sorge. ich kann nichts mehr voneinander trennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um punkt sieben uhr bin ich wach. ein krankenwagen weckt mich nicht, auch nicht die müllmänner, nicht die leute vom bau; es ist das licht, das sich im schmierigen fenster aufhält, das leise daran klopft, &lt;i&gt;lass mich ein&lt;/i&gt;. der tod webt mir weißes haar ins braun. manchmal fällt es auf. manchmal nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.&lt;br /&gt;
ich habe mir das trinken verboten.&lt;br /&gt;
ich verhänge die fenster mit schwarzem tuch.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die besinnungslosigkeit war mir amme &amp; hure, &lt;br /&gt;
jetzt bedarf es den träumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;schlafe. geh bis zur straße. &amp; nenn mir den namen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-04-20T20:50:00Z</dc:date>
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    <title>Monsieur Mort se présente</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Er sagte: &lt;i&gt;Niemand hat niemals uns jemals das Glück verboten ... &lt;/I&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ich sagte, versprach ich zu vergessen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Monsieur Mort geht durch die Zimmer und Kammern und scheucht den Staub unter den Betten: Irgendwo im Unvollendeten mag etwas Ruhe versprechen, aber das Unvollendete furcht Wangen und Stirn. (Lachen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Rosmarin blicke ich, und der Jasmin blickt zurück, und spiegelfingernd nagle ich mir mein Gesicht an eine der Wände. Siehst du? (Nachsicht färbt mir die Lippen blutig). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geschieht Nacht für Nacht Unvorstellbares: Eine Schattenfrau weckt mir die Sterne, - nur sind nicht genug Sterne vorhanden, um mir die Augen zu öffnen; also streiche ich mir die Wimpern aus den zornigen Lidern und blinzle verständnislos zum Schatten, der die Buchseiten knickt, und sage: &lt;i&gt;Wohin ging nur die Liebe?&lt;/i&gt;, und falle danach tief zurück in dunkle Träume. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Somnambul&lt;/I&gt;. Dieses Wort geht fährt steht zwischen den U-Bahnstationen, es vergeht in den Ohren, zerfährt mir die Nerven, versteht die verlorenen Kinder der Stadt, die auf ihren Faun wartend, an den Ecken der Apotheken schlafen, - zugedeckt mit Zeitungspapier, die schmutzigen Finger um den Becher mit Kleingeld gekrampft, - geh hin, geh hinaus, dies ist das Irgendwo des Unvollendeten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hat da gelacht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich gehe und scheuche den Staub unter den Betten. Werfe Münzen, um deren Fall mich die Reichsten beneiden. Ich bin so verständnislos zum Schatten geworden, sodass mir die Bücherseiten die Hirnlappen knicken. Was ich sagte, vergaß ich zu sprechen; was das Glück zu geben bereit war, das vergaß das Leben zu nehmen; was das Vergessen vergaß, - nachts und tags und zwischen den Stunden, - erinnerte sich Monsieur Mort niemals, jemals, denn niemand hatte ihm vom Leben genug zu essen versprochen.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>Monsieur Mort</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-04-06T15:45:00Z</dc:date>
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