à mon accordeur de piano
Spiel mir ein Lied.
Das Klavier, - es beginnt wie Kolibriflattern, wie ein Wolkenbruch aus Schmetterlingen, und wird dann plötzlich langsam, beinah still. Es ist so schrecklich schön, wie ein Sturm aus der Ferne, und traurig wie der Regen. Alles zerfällt zu den Tasten, zu Halbtönen, die zu Schall zerstäuben, zu Frequenzen, die flüchtig sind, und zu deinen schwebenden Alabasterhänden, fließenden Porzellanfingern. Du neigst dich ein Stückchen vor, und weiter, langsam, tiefer, - dein Kopf fliegt über weißem Elfenbein, und dichter. Fast berührt dein rechtes Ohr die Tastatur. So dicht, so nah. Bist du?
Glimmend liegt die Nachmittagssonne, fliegt funkelnd in Staub durch Raum, - und Zeit, - und stirbt schließlich auf dem abgenutzten Parkett, stirbt zwischen den weißen Vorhängen, die die Welt verhüllen, zwischen dir und mir. Barfuß wie wir sind. Und jung.
Dann wird die Melodie leiser, verwirbelt sanft mit dem Straßenlärm, der zu der zerschlagenen Fensterscheibe hineinweht, verwirbelt mit dem Poltern der Umzugskisten der Nachbarn, verwirbelt in deinem schwarzen Haar, und verklingt wundervoll, in diesem einen Augenblick, in diesem einen einzigartigen, in diesem unwiederbringlichen Moment. Über die Dächer eilen weiße Wolken; sie werden von kleinen, schwarzen Vögeln zerschnitten, und dahinter? Da ist der Himmel so unendlich blau.
Das ist die Ewigkeit, sagt das Herz, Das ist die Summe allen Lebens.
Bleibe ich denn zu lange an deinem Gesicht hängen, an deinen Händen? Ich blinzle nicht mehr, atme nicht mehr. Die Welt entgleitet mir. Alles rutscht fort, ist bedeutungslos geworden, - in diesem Bemühen, in diesem Streben, in diesem immergleichen Wollen. Und Träume zerplatzen leuchtend zu Zigarettenrauch, spiegeln müde im Vorübergehen, aber das ist es nicht. Das trifft es nicht. Es gibt nur diese Menschen, in diesem Raum, und keine abstrakten Möglichkeiten mehr; es gibt nur noch die Erinnerungen, die Stunden zwischen den Jahren, - Stunden, die zeigen, wie viel Glück wir hatten, welch reines Glück! Und kostbar wie Gold nun das Licht dieses einzelnen Moments, in dem das Klavier spielt, - an einem Frühlingsnachmittag in einem zahlenlosen Jahr, - das Licht, das auf meinen nackten Armen tanzt, und auf deiner Brust, das sich im Raum verteilt, flüssig und klar, und Teil ist, Verbindungsstück zwischen uns beiden.
Da sind die Bewegungen, - in diesem Lied, das nach Salz und Mandeln schmeckt, nach Ferne und Kindheit, nach einer Liebe, die ungeliebt blieb und sich trotzdem erfüllte, und nach einem Freund, der verloren ging und doch nie verschwand; alles ist Bewegung, wie das Herz, das unermüdlich schlägt, bis es eines Tages stillsteht, und immer wieder: deine Finger, dein stiller Mund, der dicht über den Tasten schwebt, und du spielst, ewig spielst du dein Lied. Morgen, einen weiteren Tag lang. Morgen, ein weiteres Leben.
Irgendwann finde ich diese Notiz. Irgendwann finde ich mich darin wieder.
In diesem.
Ewigen Traum.
Comptine d'un autre été printemps l'aprés midi.




















