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Twilight

Montag, 23. Juni 2008

In dubio pro reo

Ein Zustand war's,
eines Traumes ähnlich,
des Fallens gleich,
Scham um des Schämens willen.

nobody knows the exact order of my mind.

Man kennt sich als Ich, aber das Ich relativiert s-ich, und was bleibt dann? Undeutliches. Schemenhaftes. Aus den Augen aus dem Sinn: Ein zahnbewehrter Schlund, der den Herzschlag in die Höhe treibt, und Mägen im Handumdrehen um des Drehens willen um sich selber dreht. Treib-gut! Kaskaden schlafloser Willensanstrengung. Steckt ein Mensch in diesem Menschenkörper, und weiß er, wozu er fähig ist? (Nein).

Ich lege eine Schnitzeljagd in der ganzen Stadt aus, und jeder darf mitmachen. (Glaub kein Wort). Unbeteiligt sehe ich dann zu, wie alle rund herum Entsetzen zeigen, weil sie nichts Ganzes finden, - nur Bruchstücke eines geraubten Dings, eines unnützen kleinen Dings, das für sich allein nichts bedeutet. Als Dieb stehe ich daneben, als Räuber, der in Wohnungen einbricht und Wertgegenstände in große [$]Säcke steckt. Und die Unschuld, die Unschuld am unteren Ende des Irrtums, wie kann man mir nur trauen?

Weil alles Leben von diesem Gefühl überlagert wird. Alles dreht sich um einen bestimmten Moment; alles spielt sich in einem Raum des Wenn und Aber, Hätte, Wäre ab, - ein Raum, den man nicht betreten kann, und der trotzdem gegenwärtig vor Augen steht. Eine Ferne unpersönlichen Geschocktseins. Beweislos in die Schuld gerutscht, heißt es, und jetzt ein Schuldenberg, - Schulden bergen, wie ein Tiefseetaucher geht es jetzt in meine eigene Erinnerung, in den Abgrund, ins Dunkel.

Was gewesen ist? Ich weiß es nicht, - es ist wie eine Naturgewalt über mich gekommen; ein Fremder, der in mein Zimmer tritt, und mir nimmt, was mir gehört, und mich beschuldigt, mich anklagt, mir die Waffe auf die Brust setzt und ein Ultimatum stellt, und ich als kleines unpersönliches Etwas nicke apart, und telephoniere, und schon ist Gestern und nichts stimmt. Alles ist verworren, und unsicher geworden, es ist entglitten. Freundschaften sind unterwegs zerbrochen, und Vertrauen wurde missbraucht, - dabei war ich missbrauchsweise unbrauchbar. Wie kann also etwas in meinen Besitz kommen, für das ich bezahlt habe, obwohl dieses Etwas jemandem gestohlen wurde? Ein Zufall? Niemals mehr Zufall, die Chancen sind viel zu gering, und die Beweise sind in einem Anfall entsorgt worden, und haben jetzt ein Grab in den Wolken. Ich stehe da, ohne Quittung, ohne Kontonachweise, ohne Interneterklärungen, weil alles Rauch geworden ist. Und ich weiß nicht, und ich will nicht wissen, weil es belastend ist, und so kaufe ich mich frei von einer Schuld, die nicht meine ist. Anklage! Nein. Von Schuld kann man sich nicht freikaufen, - gerade ein Unschuldiger kann es nicht. (Super Einstieg ins neue Jahr).

Niemand kennt mich,
und doch bin ich gebranntmarkt.

Montag, 7. April 2008

Interlude: worüber ich lachen muss

Nach drei Tagen Recherche der erste hysterische Anfall:

ii

Das ist es, worüber ich schrecklich lange, furchtbar laut, & kindisch lachen muss. [Man achte nicht auf den inhaltlichen Rest, der ist noch lange nicht fertig, und auch gar nicht weiter von Belang. Ist nur ne Auftragsarbeit].

Vielleicht liegt es an dem vielen, vielen, vielen Kaffee. Und dem Schlafmangel. Und dem ansonsten auch recht verkorksten kindischen Verstand.

[Das meinte ich übrigens nicht mit neu].

Samstag, 17. November 2007

Berlin(er)leben. Part 1.

Windmühlenräder wälzen die Wolken um, große graue Rotorenblätter, die kreisen und kreisen, die um sich selbst fliegen, und doch nicht abheben, - Konstruktionen der Bewegung, unbeweglich im Boden verwurzelt; sie kreisen an uns vorbei, groß und immer kleiner, Punkte, die sich im Wogen verlieren, im Umwälzen, in Gestrüpp, das man am Straßenrand vergessen hat. Erst passiert es in der hellsten aller Erdumrundungen, dann später in grau und grau, mit einem Sturm auf den rauchgetränkten Lippen, mit pfeifendem Wind, der den Schnee zum schmalen Spalt im Fenster hereinzerrt, Fahrerseite, - links verglüht die Zigarette, rollt im Aschenbecher; so zerstäubt der Rauch.

Irgendwann zerfließt unter uns der Asphalt zu Eis.

Ich habe Herzflattern bei hundertdreißig K M H: dann bei hundertvierzig, -fünfzig, und bei hundertsechzig schaltet das Adrenalin die Kontrolle aus. Hirn? Anhangdrüse!, - nichts als eine Funktion, gekoppelt an andere. Ich reiße mir Wimpern aus, während ich mir die Augen reibe. Unterwegs, immer unterwegs, - der ewige Himmel spannt sich über die Straßen, über mich und mein kleines konzentriertes Gesicht, und Gänsehautvergessen saugt sich an den W-Orten fest. (Rachel Vinrace ist tot, und was bist du?)

Später sticht mir Berlin ein Reibeisen in den Hals, und lässt mich in ungewaschener Bettwäsche schlafen, - die Zudecke ist immer viel zu kurz, und entweder ragen meine Füße unten raus, oder meine Schultern oben; egal wie ich an dem Bisschen Stoff auch ziehe, es bleibt immer was auf der Strecke. Auch hier: Wind. Mühlen, die sich in meine Träume stehlen, in diese kurzen, fieberhaften Träume, die mir von der Nacht nichts weiter lassen als, -- Mein Gott, wie spät haben wir?.
Es ist immer viel zu früh; zu früh ist der Morgen, an dem sich der Schmutz in den Ecken aufdrängt, zu früh ist der Koka-Tee, den man mir mit ein bisschen Honig reicht, und an dem ich mich gierig verschlucke, - einmal, zweimal, dreimal, viermal vielleicht, - zu früh sind die Diskussionen über potentielle Bedenken, über den Ostblock des Verstandes, und zu früh ist natürlich auch die Wohnungssuche. Also redet man darüber, und erwägt, - Erstschlag! Man entzwängt sich, befreit sich von den Hütchen, unter denen bisher das Leben versteckt war, und man geht los, - die ganze verdammte Karl-Marx-Allee lang, um dann in Friedrichshain zu stehen, in diesem wunderschönen Viertel, wo nur das zu besichtigende Haus ein Totalausfall ist, und man steigt die drei, vier Stufen hoch, und es bleibt das Gefühl, in die Tiefe zu steigen.



Die Wohnung, die wir uns ansehen, weil wir verzweifelt sind, und einfach nicht wissen, was wir mit der ganzen freien Zeit anfangen sollen, ist ein klaustrophobischer Alptraum. Alles rückt viel zu dicht an einen heran, - als erstes die Mieterin, die uns, (d.h. das Chaosmädchen und mich > teutonisch große Wesen), an-- starrt (?). Sie trägt diesen Blaumann, und die obersten drei Knöpfe sind längst abgefallen, also zeigt sie fast schon Dekolleté, wäre sie nicht so klein und untersetzt; ihren Haaren geht die Farbe aus, und auch die Struktur, und im ersten Moment wirkt es so, als hätte sie ein Nest auf dem Kopf, und sie nickt und lächelt, und schnappt kurz nach Luft, als wir uns zu dritt gedrängt im Gang zerquetschen. (Wir sehen dabei die Küche, ein langer Flur, in dem sich Kühlschrank und Herd gegenseitig in die Fersen treten; es riecht nach Urin). Als zweites ist da die Hitze, die sich wie ein Giftgas in die Lungen drängt, durch die Stoffschichten hindurch, durch den Schal, die Mütze und die verdammten Handschuhe, und ich lockere alles ein Stück und fühle mich trotzdem schlecht. (Sie fragt uns, ob uns denn nicht viel zu warm wäre). Die Wände sind hoch, die Decke vier Meter von uns entfernt, aber alles lang und schmal.
Sie führt uns zum Wohnzimmer, wo ein geschecktes Kaninchen Männchen macht, (das nehme ich recht stoisch hin), - sie weist uns extra darauf hin, als wir das Zimmer betreten wollen, denn ein Holzbrett hindert das Tier am Fliehen, und uns gleich mit, also steigen wir darüber hinweg, - und sie zeigt uns den Balkon, einen halben Quadratmeter Leere, vollgestellt mit Schmutz. Meine hektischen Blicke verhaken sich an den glitzernden Puzzlebildern, die sie an die Wand genagelt hat, - auf verschiedenen Höhen, sodass es egal aus welchem Blickwinkel furchtbar ist, - und mein Mund stößt ruckartig Mmmh-ja und Aha aus. Das Chaosmädchen stimmt mir hierbei zu. Wir drängeln uns über das Holzbrett, stolpern durch den Gang ins Badezimmer, - wenigstens ein Fenster für die Zelle aus weißen Kacheln; selbst für eine Person ist das zu klein, - und dann weiter in das Kinderzimmer. (Sie hebt einen orangefarbenen Taftvorhang zur Seite, hinter der noch mehr Hitze wallt). Da wollen mehr Puzzlebilder meine Aufmerksamkeit erregen, - doch dann fliegt der Hobbitfrau ein Kanarienvogel auf den Kopf, und bleibt zwitschern sitzend. Während das Chaosmädchen formvollendet die Contenance bewahrt, spüre ich dieses hysterische Lachen in meiner Kehle aufsteigen, und trete durch den halbseidenen Schleier zurück, in den Flur. Die Zimmerdecke ist sieben Meter entfernt; sieben, zehn, zwanzig Meter. Alles rutscht nur hoch, nicht in die Ferne; eine verdammte Müllpresse. (Im Korridor stehen unzählige halb abmontierte Schränke aus Preßspan). Die Hobbitfrau redet ihr gackerndes Berlinerisch zwischen schweren Augenaufschlägen, lässt das Chaosmädchen ihren Kopf in eine Abstellkammer strecken, die nicht mehr dieser Dimension angehört, und schiebt uns zum Herzstück, wie sie sagt, - zu ihrem Schlafzimmer.

Ich betrete den Raum, und versuche mich wirklich nicht auf die Puzzlebilder zu konzentrieren, oder den hässlichen Teppichboden, der angeblich das schöne Parkett verdeckt; ich versuche nichts von der Einrichtung zu sehen, von seinen Bewohnern, ich versuche nur die Wohnung zu sehen, die nackten Wände, klaustrophisch und erstickend, - doch in Wirklichkeit sehe ich nichts davon, nur eines: den Deckenventilator, auf dessen Rotoren ein Kakadu sitzt, und springt, und hüpft, von einem Blatt zum nächsten, und so den Ventilator antreibt, zum Laufen bringt. Ich starre hoch, starre zu der zehn Kilometer entfernten Zimmerdecke, zu dem Vogel, gottverdammt, zu diesem Vogel, und trete Mmh-ja sagend hinaus, nach draußen, - das Chaosmädchen stottert Floskeln hinter her, und ich nicke apathisch mit jedem Wort zackig mit. Schnell raus, Fassadenfall.

Twilight Deluxe, liegt mir auf der Zunge, und meine zwei Minuten später mich selbst, denn ich vergesse meinen Rucksack in dem Kaninchenbau. Also klingle ich wieder, und hole die Tasche. (Dabei fließen mir erschreckende Worte von den Lippen, mit denen ich versuche, meine Vergesslichkeit zu kaschieren; ich sage: Achja, schon so gut gefallen, dass ich das gleich da lasse, haha ... haha!, und möchte mich selbst dafür ohrfreigen).

Weiter.

Dienstag, 28. August 2007

the pursuit of perfection; doll face

Montag, 9. Juli 2007

Oh Horatio, indeed: Hamlet is dead

Mein recyceltes Herz schlägt im Takt zu Tiger Lou, - zu Oh Horatio. Ich stehe im Supermarkt, grell von rechts bestrahlt, und mit meinem Blick fliegt das Obst und Gemüse, die Leute fliehen mit den Schritten in die blinden Flecken zurück. Ich stehe vor dem Honig. Liebe mich, sagt dieses Lied, sagt mir das Leben, - und zuckersüß: sogar der Honig, - und ich wische flüchtig über mein entzündetes Auge. Liebe mich.

Hinter mir drängelt sich eine alte Frau vorbei, - gekrümmt, mit einem Bisschen Gesicht zwischen den Falten, - und greift sich einen Apfel aus dem gefetteten Sortiment heraus. [Ein Biss in den Apfel, Schneewittchen, und ich komme, um dich zu küssen]. Leben, denke ich, als ich sie in meinen Gedanken sterben sehe, und wiedergeboren zu Asche und Staub, es geht letztlich alles nur darum. Ich nehme den Billighonig aus den unteren Reihen. Dann eilt die Welt weiter, unter jedem meiner Schritte, oh Horatio, und ich denke, denke viel zu viel, zwischen diesen bunten Regalen, zwischen Katzenfutter und Toilettenpapier, und möchte laut lachen, bitterlich weinen, irgendwas! aber ich gehe nur weiter zur Milch.

Da sind zu viele Worte. Zu viel, hinter dieser Stirn, niemals Ruhe, niemals Rast, - ständige Bewegung, auch im Stillen. Deshalb brauche ich die Musik, Liebste, deshalb schlafe ich seit Monaten nur noch bei laufendem Fernseher, bei Bauarbeiten neben an. Und, verdammt, dieses Lied, - es scheint für mich geschrieben zu sein. [he was 22 unemployed with a perfect smile // on his way to Paris no I never asked why]. Kein schreiendes JA, eher ein geflüstertes Nein, und die Welt fließt, Fließbandschritte, zur Kasse, zu der brünetten Kassiererin mit dem roten Fleck auf der Nase, der ich ein klebriges Schönen Tag noch ins Gesicht hauche, pfefferminzig, voller Bitterschokolade, und sie lächelt, ehrlich, lächelt und wünscht mir, ich solle gut auf mich aufpassen. Bei der Bäckerei stehe ich vor dem jungen Verkäufer, der immer so authentisch wirkt, wenn er meine Brötchen in die Tüte packt, mit dem Pflaster am Handgelenk, mit der kleinen Narbe an der Stirn, und er grinst und fragt, ob ich dasselbe wie immer will. Nein, sag ich, überrasch mich mit was anderem, und für einen Moment, nur ganz kurz, für eine Sekunde vielleicht, da bin ich zu Hause. [Aber es ist ein melancholisches Gefühl, denn ich weiß, ich werde gehen, und dann ein neues Zuhause finden].

Das Lied sagt: please don't go, es sagt es mir immer und immer wieder, aber ich muss. [Und Horatio geht auch, geht immer wieder, - vielleicht bin ich doch nicht Hamlet, sondern, sondern eher: von München nach Rom, verdammt, warum passt es nur, w-a-r-u-m?].

Selten hat mich ein Lied so aus dem Takt gebracht, wie dieses.

*

Meine (Musik)Empfehlung: Tiger Lou.

Oh Horatio

I met Horatio five years ago
outside of Munich on the way to Rome
it was 45 degrees and I could barely breathe
He waved and said hey come sit by me
I was scared at first cos when he spoke it wasn't very soft
he told me about the life long love of his heart
had a T-Shirt on that said we're all gonna die alone
I still believe that's true oh I truly do

I want you to notice
I want you to care
oh Horatio
oh Horatio

I want you to notice
I want you to care
oh Horatio
please don't go
please don't go

He was 22 unemployed with a perfect smile
on his way to Paris no I never asked why
his English was as bad as mine but I will
remember those hours for the rest of my days

I want you to notice
I want you to care
oh Horatio
oh Horatio

I want you to notice
I want you to care
oh Horatio
please don't go
please don't go

oh Horatio

Dienstag, 20. Februar 2007

Restflimmern: Testbild02

Im Supermarkt.
Ich stehe vor den Milchpackungen und wundere mich ein bisschen über das Wort ULTRAHOCHERHITZT [& frage mich dabei gleich, was aus dem guten, alten pasteurisiert geworden ist], da schieben sich von links drei junge Kerle in mein Blickfeld und bleiben ebenfalls stehen. Könnten Türken sein. Hip-Hop-Türken. Sie gibt es hier reichlich.
Ich für meinen Teil überlege, ob ich eine oder zwei Tüten Milch kaufen soll, - bin mir zwar wohl der Lächerlichkeit all dessen bewusst, entscheide mich dann aber doch nur für eine. Dann höre ich von nebenan:

»Alter, homogenisiert!«
»Schwule Milch.«
Der dritte lacht.
»Total widerlich, Alter, wer will'n so was kaufen?«
»Haha, Schwulenwichse.«

Ich stehe da, halte die Milch schon in den Händen und spüre plötzlich die Blicke im Nacken. Ähm ... ja. Es liegt mir deutlich auf der Zunge. Sich umdrehen, ihnen in die Augen sehen und mit klarer Stimme sagen: Leute, ihr seid dumm. Aber nein, in diesem Moment völlige Überforderung, das Zögern, Innehalten, vielleicht sogar Mitgrinsen, keine Ahnung. Ich gehe weiter, nehme mir aber sicherheitshalber doch noch eine Milch mehr mit und ernte den Spott der Kerle.

An der Kasse sieht man sich wieder.

Sie haben sich die Bravo gekauft, und lästern über das Titelbild.

Mehr muss ich nicht sagen.

Dienstag, 6. Februar 2007

just why

Heute ist einer dieser Warum-Tage, die ganz harmlos anfangen und die dann im Laufe der Zeit diesen unwiderstehlichen Sog bekommen, diesen Chaos-Sog. [Genau das ist es, was mich eigentlich in den Wahnsinn treibt].

Warum ist ausgerechnet heute die Aufzugsinspektion, wenn ich ungefähr zehn Extrakilo mit mir herumtrage, - und zwar in Form von neun Flaschen Wasser und zwei Tüten Milch? Warum muss ich im neunzehnten Stock wohnen? Warum kaufe ich in der Bäckerei nicht das Brot, das ich kaufen wollte, sondern fünf Berlin? [Nur weil sie im Sonderangebot sind???] Desweiteren frage ich mich, wie die Berliner außerhalb von Baden-Württemberg heißen, ... Naja, weiter: Warum tut mir die Verkäuferin dann nicht fünf, sondern nur vier von diesen Dingern in die Tüte und weshalb expoldiert mir dann zu Hause eines davon zu einer tarantinoesken Marmeladenfontäne? Warum kann ich nicht wollen, was ich kann, und warum bekomme ich Kopfschmerzen es nicht zu müssen?

Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

Vielleicht ist das Karma wieder an all dem Schuld.

Dafür zwei Bücher gekauft: Alice im Wunderland [haha] und ein Buch über die moralische Kritik des Selbstmordes oder wie: Essays, philosophische Auszüge, Abschiedsbriefe, usw. Das ist toll, [also nicht das Thema, aber das Buch an sich], denn so kann ich meinen Essay vielleicht etwas aufrüsten. Mit Zitaten. Super.

Montag, 5. Februar 2007

the number you have called is at the moment not available

Manchmal frage ich mich, was mit mir oder wahlweise auch meiner Familie nicht stimmt. Da ruft mich meine Mutter an, die Stepford-Wife, und redet und redet und redet. Sie hat wie üblich viel zu erzählen, - von irgendwelchen Frauen, die jetzt im Gefängnis sind, von irgendeiner vorübergehenden Unpässlichkeit, von Kreuzworträtseln und Fernsehserien. Ich höre mir das alles recht geduldig an. Obwohl ich immer noch in der Jacke dastehe, den Rucksack schief im Nacken, und schon leicht apathisch im Kreis gehe: ich bin die Geduld selbst.

Dann, nach knapp einer halben Stunde, aber gefühlten neuneinhalb Tagen, macht sie eine Pause, atmet kurz ein und sagt dann in einem Rutsch: Daswirdjetztzuteuer. Sie meint damit, dass sie eigentlich gar keine Lust mehr hat, und auch keine Zeit, und dass ihr das Gespräch viel zu lang geht.

Dabei hat doch sie mich angerufen, ...
und ich habe vielleicht insgesamt drei Sätze gesagt, - die sie wiederum mit einem Atemzug quittierte. [Sie will sich einfach nicht mit dem auseinandersetzen, über was ich nachdenke. Die Zukunft und all das]. Das wirkt irgendwie irritierend, - so ein One-Way-Telephonat. Ich bekomme da manchmal das Gefühl, sie bestehe nur aus einem riesigen Mund und ich aus einem winzigen Ohr, das die Flut an Informationen überhaupt nicht filtern kann und daher explodiert. [Das ist ein kleines bisschen kafkaesk].

Ich brauche dringend einen Anrufbeantworter.

Dienstag, 23. Januar 2007

vanity fair

Zugegeben: manchmal vergesse ich ungezwungen zu sein. Da stehe ich dann zwischen den dichtgedrängten Menschen und schnappe nach Luft, - alles, was meine Nase zu fassen bekommt, ist eine Ahnung, ist ein bisschen Parfum und Schweiß. Je nach dem. Das kann angenehm sein, muss es aber nicht.

Gestern bemerkte ich kurz, wie schön es sein kann.

Auch, als ich in die Herrentoilette stolperte und gerade einen Kommilitonen, oder wie auch immer, vor den Spiegeln posieren sah. Ein großer blonder Kerl mit stilisierten Zügen und stilisierter Kleidung, ganz Student, - so wie man sich in der Schule Studenten vorstellt, wie man sie später an der Uni sieht, wie man sie in der Erinnerung behält, wie die Clichés, die man hat. [Natürlich sind die Clichés nie vollständig wahr, aber sie enthalten Teilwahrheiten. So malt jedes Kind die Sonne gelb]. Jedenfalls: der Herr stand gerade vor dem Spiegel, zupfte sich seinen Hemdkragen zurecht, strich sich Haarsträhnen aus dem Gesicht, betupfte seine Wangen mit Wasser, und als er mich dann bemerkte, als er mich im Spiegel sah, oder an einer Bewegung in den Augenwinkeln, da zuckte er unwillkürlich zusammen, warf energisch etwas in den Mülleimer und griff nach seiner Tasche.
Mir wurde bewusst, dass es für einen Mann oft nichts schlimmeres gibt, als wenn man ihn bei seinen Eitelkeiten erwischt. [Dabei ertappt Mann sich nämlich schon oft selbst genug, - und lassen wir da mal diesen narzisstischen Faktor außenvor, der besagt, dass jeder Mensch Eitelkeit in sich trägt].

Als mir der Kerl später noch mal begegnete warf er demütig seine Blicke zu Boden und eilte an mir vorüber. So schlimm ist das doch gar nicht, sagte ich mir im Nachhinein. Er hat sich ja vorm Spiegel keinen runtergeholt.

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Restflimmern: Testbild01

Erkennen, dass das eigene Handy ein aufgeklärter Deutscher Nazi ist.

Klein und blinkend erkennt es mühelos: Mohr, Endziel, Endlösung, Neger, Judenfrage, Nigger, Arier, Hitlerjugend und Konzentrationslager, hat dafür aber Schwierigkeiten mit Schulbildung, Loyalität, Herzensgüte, Mildtätigkeit, Redefreiheit und Resozialisierung, ...