der ewige Kampf

Samstag, 19. Juli 2008

...

So. Der Bildschirm ist jetzt schwarz, und bleibt schwarz. (In meinem Kopf poppen ständig die Worte: The Happening auf). Man könnte vorläufig von Grafikkartenversagen sprechen. Zumindest theoretisch. In Wirklichkeit hab ich keine Ahnung.

Ich weiß nur eines: Dank meines extremen Konsumverhaltens in diesem Monat kann ich mir eine Reperatur nicht leisten; in keinem Fall kann ich mir irgendetwas leisten. Auch nicht in Zukunft. Ich steh ja sogar schon zweistellig im Minus. (selbstschuld selbstschuld selbstschuld).
Ich sitze also in meinen sexy Schlafanzug im Entropie-Raum aka Chaosmädchens Zimmer und gewöhne mich schon mal an die Tatsache, ihr Notebook eine ganze Weile für meine Zwecke zu missbrauchen. (Dabei verdränge ich geschickt die Tatsache, dass ich vergessen habe, die neuesten Daten und Dokumente von der internen auf die externe Festplatte zu ziehen). Ich grinse dabei, - die meiste Zeit eigentlich wie ein Unfallopfer, das noch nicht realisiert hat, das ihm beide Arme fehlen oder zumindest ein Auge, aber grinse immerhin, und frage mich, ob ich nicht vielleicht doch das Karma des Piloten habe, der die Bombe über Hiroshima abgeworfen hat ...

Freitag, 18. Juli 2008

...

Die Technik hasst mich, also im speziellen: Computertechnik (Mikrochips, Grafikkartentreiber, Lüftungssysteme, all so was). Heute Mittag um 12 Uhr fahre ich das Notebook runter. Um kurz vor 16 Uhr fahre ich es wieder hoch. Und? Nichts ist mehr wie es war.

Ein hysterisches graues Fenster will Aufmerksamkeit; ich soll irgendwas installieren, von dem ich keine Ahnung habe, was es eigentlich ist. Abgesehen davon ist meine Grafik plötzlich grobkörnig geworden, das Wallpaper ist völlig verzerrt, und wenn ich mich durchs Internet klicke, dann laden die Seiten wie damals zu Modemzeiten. Weil ich mir aber einrede, schlau zu sein, schau ich gleich nach, was mit meiner Grafikkarte los ist, - und Wunder oh Wunder, dem hysterischen grauen Fenster nach habe ich plötzlich gar keine Grafikkarte mehr.

Kacke, denk ich, ohne im Grunde zu begreifen: Kacke. Nicht mal wütend, nur irritiert. Ein verwirrtes Kacke, genau das ist es.

Dank Google finde ich nichts hilfreiches zum Thema VGA-Controller, - der soll nämlich fehlen, oder der Treiber dafür, - warum oder wieso ist mir völlig schleierhaft; ich finde nur heraus, dass ich diesen Treiber brauche. Dafür muss ich meine Grafikkarte kennen. Klingt einfach. Aber. Ach ja. Vergessen: Es gibt ja angeblich keine Grafikkarte mehr.

Okay.
Nachdenken.
Dann: wahllos Einstellung verändern.
Ein paar Mal die Auflösung ändern.
Logischerweise den Computer hoch-, runter- und wieder hochfahren.
Nichts.

Einfach nur: Kacke.

Samstag, 19. Januar 2008

Umzugsattacke. Pt.2

Die Sturmhöhe verliert ihren Wind.

Das sind die letzten Minuten bevor ich nach Stepford-Ville abhaue, zum Muttertron, und so hinterlasse ich die Sturmhöhe in organisiertem Chaos; schwarze aufgeblähte Plastikbeutel, pappige Kistentürme, jede Menge Tüten und Taschen, und so weiter und so weiter. Dieses Chaos ist einer der Gründe, weshalb ich hier nicht bis zum 28ten warten kann, - es macht mich (schlicht) verrückt. Also hau ich ab, das kann ich gut.

Ich werde in wenigen Minuten die Stecker ziehen, - der Laptop kommt schätzungsweise mit nach Stepford-Ville, (und Command & Conquer für das Bisschen Freizeit zwischendurch); der Fernseher, das Telephon, das Internet. Ich stelle den Strom ab. Das nächste Mal, wenn ich die Wohnung betrete, dann nur, um sie restlos zu leeren, um all den Krempel in ein Auto zu laden, - ich werde kommen, um zu verschwinden. Keine Nacht mehr, - der Futon lehnt an der Wand, - und kein Morgen; ich werde hier nie mehr irgendetwas machen, außer eben Kisten- und Möbelschleppen. Gott sei Dank.

Wie es weitergeht weiß ich selbst noch nicht.
Auf das Internet werde ich auf jeden Fall eine Weile verzichten müssen, - also nicht wundern, dass ich mich ein paar Tage oder Wochen nicht melde. Ich weiß überhaupt nichts, und dieses Nichtwissen wirkt wie ein sanftes Schlafmittel: es lullt mich ein, und macht jede meiner Handlungen traumwandlerisch.




Schluss damit.

Dienstag, 15. Januar 2008

zum Thema Telephonanrufe

Forsa-Umfrage. Es geht um irgendeine Sendung mit einem Schokohasen im OP, eine junge Ärztin, wahrscheinlich auf RTL, - lustig, lustig und so weiter, - die freundliche Frauenstimme fragt frenetisch. Ich antworte dagegen eher unbeteiligt, mit Schaum vom Spülen an den Händen. [Im Hintergrund tobt Subsonica, und bei dem Versuch, die Tür zu schließen, um somit Telephonatmosphäre zu schaffen, fliegt mir der Schlüssel um die Ohren].

Sie fragt, was ich mir unter dem Titel [Hier Namen der Sendung einfügen; theoretisch: Dr. Soundso, Schokohasen im OP] vorstellen würde. Ich sage trocken bis desinteressiert: etwas Komödiantisches. Daraufhin sie: Komödiantisches? Sie müssen Student sein. Ich bejahe zähneknirschend, sie lacht. Ha...ha, ja. Ich kann tatsächlich lesen, ich habe eine Schule nicht nur pro forma besucht, und ja, ich benutze alltägliche Worte, die allmählich in Vergessenheit geraten, ohne dabei gleich in Kichern auszubrechen.
Sie fragt mich nach meiner Religion, ich antworte: Katalanisch. (Es war zwar ein Versprecher, aber ich hab das recht selbstüberzeugt gesagt). Sie fragt mich, welche Partei ich am Sonntag wählen würde, wenn Bundestagswahl wäre, und ich sage: keine. Sie fragt mich, welche Zahl ich auf einer Skala wäre, - eine Skala, die das Gleichgewicht zwischen links und rechts respräsentiert, - wobei 10 extrem rechts und 1 extrem links ist, und ich sage: 4, und bereue es fast. Eigentlich bin ich mehr als ne 4. Oder ... äh. Dann weniger.

Nach fünf Minuten lege ich auf. Etwas irritiert vom ewigen Reden im Hintergrund des anderen Endes der Leitung. Das Spülwasser ist kalt. Ich lache über Schokohasen im OP, und denke daran, wie dumm die Welt ist, um wie viel dümmer sie pro Tag wird, pro Umfrage, pro Junge-Ärztin-Sendung, pro Klingeltonwerbung. (Würden sie mich doch nur immer nach den Büchern fragen, die ich zuletzt gelesen habe). Ich denke daran, wie relativ und nichtssagend diese fünf Minuten waren; zwei fremde Menschen, die per Zufall (?) zum Sprechen genötigt werden, - doch anstatt über etwas zu reden, das von wert ist, bleibt man auf diesem unter niederschwelligen Niveau. Hätte sie mich nach meiner letzten großen Liebe gefragt (M.), oder nach dem letzten Essen, das ich gekocht habe (Putenbrustpfanne caraïbe); hätte sie mich nach meiner Lieblingsfarbe gefragt (rot), oder nach meinen schönsten Erinnerungen (ich am Meer sitzend, bei Freunden; ich im Bett liegend und dabei ein bisschen verliebt sein; beim McDonald's Schneeflocken zählen; in Strasbourg als Weihnachtsmann verkleidet Kinderaugen zum Leuchten bringen, - tatsächlich, - und dann in einem Café fremde Menschen beobachten; in Paris sein, in Berlin sein; Kleinigkeiten, die in der Familie passiert sind, schöne Momente, Stunden, in denen man lachte und so miteinander sprach, als hätte es nie Kummer gegeben; auf einer Bank im Sonnenschein sitzend wissen, dass es die Freiheit nicht nur als abstrakten Begriff gibt), hätte sie mich nur gefragt, nach welchen Ländern und Orten mein Herz verlangt (Frankreich, Italien, Dänemark, Sansibar, Japan, Israel), - und was hätte ich sie nicht alles fragen können.

Stattdessen: Schokohasen im OP.
Woher haben die nur immer meine Nummer?

Samstag, 22. Dezember 2007

Umzugsattacke. Interlude.

Ich hab keine Ahnung, wie es sein wird, wie es werden soll. Ich habe keine Vorstellung von der Zukunft, von dem Morgen, und Übermorgen und der nächsten Woche, - ich bin viel zu oft wie eines dieser Insekten, das von einem Punkt zum anderen krabbelt, ohne zu wissen, dass diese Punkte manchmal ein- und derselbe sind. Die Zukunft ist auch nur eine Annahme. Was hilft es mir, darüber nachzudenken? Zukunftsangst ist mir fremd; ich schätze, sie wird erst im Alter kommen, - wahrscheinlich dann, wenn es für die sogenannte Vorsorge längst zu spät ist, und mir die Zähne aus dem Mund rutschen. (Wuah!) Damit kann ich jetzt sehr wohl leben; ich habe ohnehin nicht vor, alt zu werden. Zumindest nicht so alt.
Ich habe da eine gewisse Vorlage, wie es im Idealfall laufen könnte. In Berlin, mein ich. Das Chaosmädchen und ich wohnen in einer schönen Wohnung, Cliché-Altbau in irgendeinem schönen Viertel, - meinetwegen auch in Friedrichshain (obwohl ich Wedding bspw. immer noch mag, oder Charlottenburg), - mit zentraler Anbindung, und mit 1. anonymen, gleichgültigen Menschen nebenan, die nicht bemerken, wenn du seit Wochen tot in der Badewanne liegst oder 2. coolen Leuten, die Teil der Wohngemeinschaft, - des Lebens!, - werden. (Ich nehme zur Not auch beides).

Das Chaosmädchen studiert ab dem Sommersemester 2008 Biologie an der FU, wohingegen ich meine Wartezeit überbrücke, um ab Oktober (2008) Kommunikationswissenschaften und Publizistik als Hauptfach, und Italienisch als Nebenfach zu studieren, ebenfalls an der FU, versteht sich. (Es wäre zumindest sehr schön, wenn es mit dem Hauptfach klappen würde; falls nicht, suche ich mir ein anderes Hauptfach mit dem Schwerpunkt: Sprache). Egal wie es im Oktober wird, ich nehme mir am Anfang einen Monat lang eine luxeriöse Auszeit, - die hatte ich bisher noch nie, - und lerne die Stadt an manchen Stellen hassen, und an anderen abgöttisch lieben; schreibe endlich LRT fertig, und kümmere mich überhaupt intensiver ums Schreiben, Kreativ-Sein, - ich habe so viele Kunstprojekte in meinen Schubladen, die aus mangelnden Intentionen unberührt blieben, - bemühe mich mehr ums Photographieren (Memo: ich muss mich schlau machen, in welcher Ausgabe die zwei Photos erscheinen werden), und so weiter und so weiter; ich will auf jeden Fall weniger Gekünsteltes, und mehr Kunst.
[Außerdem bemühe ich mich um ein paar Praktika bei Zeitungen, oder versuche anderswo ein bisschen mehr Erfahrung zu sammeln, - ich spiele auch mit dem Gedanken einer Ausbildung als Photograph, - ich hab ja immer noch ein paar Angebote in der Tasche, die darauf warten, dass ich sie endlich annehme, usw.]

Das Schreiben ist meine einzige Option. Alles Kreative. Spontane. Gesellschaftsfeindliche. (Nicht, weil es das ist, sondern weil es den einzigen Fluchtweg aus diesem Irrsinn darstellt, - zumindest für mich). Geldsorgen habe ich genügend, aber ich kann verzichten. Ich kann reduzieren. Spartanisch sein. Und vielleicht brauche ich das auch, um endlich mehr Fokus zu bekommen. Ich weiß es nicht, und ich schätze, es ist auch ganz egal. (Ich übe mich auch in Pragmatismus).

Ich kann diese Zukunft nicht wie alles andere in etwas einplanen. Ich weiß nicht, wie es ist, in dieser Stadt auf Dauer zu leben, die mich seit Jahren wie ein Fiebertraum schüttelt, weiß nicht, auf welche Menschen ich treffen werde, die dieses ganze Konstrukt der Ichheit eventuell (wieder) in die Luft sprengen, weiß nichts von den Kleinigkeiten, den Katastrophen, den Stunden. Ich kann mir jetzt alles ausmalen, kann mir vieles vornehmen, aber letztlich ... ach, letztlich kommt doch ohnehin wieder alles anders als gedacht. (Erwartungshaltungen sind was für Idioten).
Das ist keine Flucht für mich, - es ist ein Ausbruch. Ein Ausbruch aus der alten, müden, bekannten Welt, aus diesem Kollektiv der Verschwiegenheit, der Begrenztheit, die mir diese Fachwerkhäuser bei jedem Schritt vor Augen führen, die Brückengeländer, die tausende Hände weichgerieben haben, die alten grauen Frauen, die auf den Straßen tuschelnd ihre alten grauen Augen aufreißen sobald etwas passiert, die Männer, die ihre Vergangenheit vergessen; ich bin der Paranoia des Provinziellen überdrüssig, den Illusionen Hobbingens: ein Volk, das in kleinen Hütten haust, und nichts kennt, keine Lebendigkeit, keine Perspektiven, - nur sich selbst und die Alltäglichkeit des Morgen, Übermorgen, und nächster Woche. Ich bin die Felder und Wiesen leid, die Wälder mit ihren immergrünen Spitzen, mit ihren blätterlosen Zweigen; ich kann die Weinberge nicht mehr sehen, kann den Dialekt nicht mehr ertragen. Ja, vielleicht ist das das Zuhause meiner Eltern, vielleicht ist das ihre Heimat, - aber nicht meine. Ich brauche eine Stadt, eine echte Stadt, und sei sie noch so grausam und teilnahmslos; ich brauche die Anonymität, brauche die Möglichkeiten, die Gefahr meinetwegen; ich nehme den Gestank des Sommers genauso in Kauf, wie das Grau der Fassaden im Winter, - es gibt einfach keinen größeren Schrecken, kein größeres Unglück als das, was in mir ist, was ich mir ausdenken, was ich befürchten könnte. (Die Angst ist immer nur in einem selbst). Mehr hat die Anderen nicht zu interessieren.


Es gibt dieses Recht auf Entscheidung, - es ist kein Privileg, oder zumindest sollte es keines sein. Es ist die einzige Möglichkeit zu leben. Also verdammt noch mal: hier bin ich.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Umzugsattacke. Pt.1

Mit Moloko (The time is now) packe ich Kisten.
Mit Daft Punk (Crescendolls) hänge ich Bilder ab.
Mit J.J. Jefferson (Johnny has got Coffein) verliere ich meinen Kopf.


Es fühlt sich komisch an, die Bücher in kleine gelbe Pappkisten zu legen, - sie mit braunem Klebeband zu versiegeln, sie in Ecken lieblos aufeinander gestapelt zu sehen, - und irgendwie will mir nichts leicht fallen. Ich brauche ewig bis ich die CDs eingepackt habe, ewig bis das Regal, das sie bisher getragen hat, von der Wand geschraubt ist, ewig bis ich die dazu passenden Schrauben auf den Boden streue und vergesse, - bis ich plötzlich auf sie trete.

Und so humple ich dann durch den Ausnahmezustand.

Links und rechts stehen kleine windschiefe Kartons, der Spiegel und die fünf, sechs Bilder lehnen an leere Regale, die Wände werden weiß. Mein Kleiderschrank hat seine Türen verloren. Ich spüre Panik aufsteigen, wenn ich das alles längere Zeit ansehe. Umzüge stressen mich, haben mich schon Zeit meines Lebens gestresst. (Und ich glaube mittlerweile, je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir). Die To-Do-Liste fordert viel zu viele Kleinigkeiten, - Strom ablesen, Hausmeister anrufen, Post ummelden, etc., - dabei ist das größte Problem immer noch rein logistisch. Erstens: ich habe keine Wohnung. Zweitens: ich habe (noch) keine Transportmöglichkeiten. Drittens: mir fehlen jede Menge Kartons, Helfer, Valiumtabletten. Die Liste der Dinge, über die ich nicht nachdenke, ist lang. Zu lang für meinen Geschmack. Aber gut, guuuhut, verdammt, was hilft's? Ich schlucke die Panik immer wieder runter, und rede mir ein, dass das alles überhaupt nicht viel ist. Nur Kleinigkeiten eben. Und das Gefühl, dass mir allmählich die Zeit ausgeht? Tja, äh. Das verliert sich hauptsächlich im Wein, denke ich.

Dabei. Naja. Es sollte eigentlich gar kein Zeitproblem geben. Bis zum 31. Januar ist es noch. Nein, eigentlich nicht lang. Aber der Plan bis dahin ist recht straff.
Am Freitag (21.12.) fahre ich zu meinem Vater ins Allgäu, um ein bisschen Vor-Weihnachten in nostalgische Geschenke zu verpacken, und um das Gröbste bezüglich des Umzugs zu klären, - dann verschwinde ich am 23.12. nach Stepford-Ville, um mit dem Muttertron und meinem Bruder Weihnachten zu feiern (!), fahre mit ihnen am ersten Weihnachtsfeiertag zu meiner Tante und meinem Onkel (samt Cousinen, juhu), und fahre dann am 26ten wieder zurück nach Stepford-Ville, wo es dann ein Wiedersehen mit Unverstand und einer Erbin Avalons (Mirjam) gibt, mittags, und dann wahrscheinlich abends mit Chaos und dem Requiem der Kreise. Am 28ten treffe ich mich mit der alten Clique. Was an Silvester passiert weiß ich nicht. Verschiedene Einladungen warten auf meine Annahme, aber ehrlich gesagt empfinde ich bei keiner echte Lust. (Frankreich, Belgien, München). Wahrscheinlich werde ich in Stepford-Ville bleiben.
Im Laufe der ersten Januarwoche geht es dann nach Berlin. Der Wohnung wegen. Ich hoffe, dass sowohl das Suchen als auch das Finden nicht länger als diese eine Woche dauert, denn spätestens am 15ten Januar will ich die Möbel aus der Sturmhöhe raus und in der neuen Wohnung drin haben, - was mit den Kisten, usw. passiert ist mir gerade noch egal. Das sind zwar viele, aber sie sind klein, und können zur Not auch in Pkws transportiert werden. Die Möbel dagegen nicht. Dann relaxtes Leben ab 1ten Februar. Ha...ha, ja ... genau. So ist der Plan.

Ächz. Lebendig sein ist anstrengend. Aber würde ich es anders wollen? Wahrscheinlich nicht. Ich hoffe nur, dass mir das Chaos nicht über den Kopf wächst, - Kopfchaos gibt es schon an anderer Stelle, und das ist besser als meines, - und ich spätestens in siebenunddreißig Stunden in einer Lache Wein aufwache. (Das wäre zwar prinzipiell mal ne Abwechslung, aber schrecklich destruktiv). Dabei weiß ich nicht, was mich so sehr in Panik versetzt. Die Tatsache, wirklich diesen Schritt zu gehen. (Eher nicht). Oder dass ich Stück für Stück Alltag an die Umzugskartons verliere. Mir fehlt der gewohnte Blick auf meine Bücher, - ich finde, Bücher haben etwas unglaublich beruhigendes an sich, - und meine Bilder, die mich von den weißen, schrecklich weißen Wänden abgelenkt haben. (Allmählich nähert sich die Wohnung wieder ihrem Urzustand an, und der ist nicht nur unpersönlich, sondern lebensfeindlich). Als letztes Bollwerk bleiben meine Filme, - sie hab ich noch nicht eingepackt, und ich sträube mich auch dagegen, das zu tun. Warum auch? Ist erstens schnell verpackt und zweitens ... ich könnte ja in der Zwischenzeit noch mal Lust bekommen, einen Film zu sehen. (Spätestens dann, wenn ich in Stunde 23 volltrunken über den Fernseher falle).

Na, ist auf jeden Fall alles Blödsinn. Umziehen und all das. Viel Gestresse wegen dem Bisschen Lebensramsch, der sich zwischen den Jahren angesammelt hat, und dann das Schleppen und Schieben und Aufbauen und dann stehen die gleichen Dinge an anderen Stellen und auch wenn man dann nicht mehr auf Schrauben tritt, eine Teppichfalte wird zum Stolpern schon reichen. Scheiße. Eigentlich sollte ich doch den ganzen Kram verbrennen. (Außer die Bücher).

Okay. Neuer Plan. Irgendwie reich werden. Dann Möbel entsorgen.

Montag, 5. November 2007

Isolation

Abgebrochen. Der Kontakt zur Außenwelt, - die erschöpfende Möglichkeit, in sich selbst zu versinken, denn, -- erklärende Relationen zwischen zwei Tassen Tee verschüttet: erst reißt die Festplatte, dann versagt das Internet und schließlich auch der Händyakku, und verdammt, verdammt, jetzt ist das Chaosmädchen zu Besuch und wirbelt Staub auf, - oder bringt Staub mit, so genau ist das nie ganz zu sagen.

Und so sitzen wir schon am ersten Abend bis spät in die Nacht, lesen uns gegenseitig aus Büchern vor [aus dem einen!], und reden über die Tendenz, auszubrechen, - gemeinsam, aus den jeweiligen Kerkern unseres Verstandes, - und hey, vielleicht sind wir intellektuelle Kotzbrocken, die in ihrem Wissenshochwasser ertrinken, um sich dann in dem zu suhlen, was von gestern übrig blieb. [Jeder Tag ist der Rest deines Lebens]. Aber das ist wunderbar, so, wie es ist, verstanden zu werden und selbst zu verstehen, das ist kostbar. Zur Abwechslung mal keine Monologe, die zufällig den ein oder anderen Berührungspunkt finden. Austausch.

Ich fahre neben der Spur, - auf dem kleinen Stück Rasen, das den Asphalt von den Seitenbegrenzungen trennt, - und bin auf Höchstgeschwindigkeit. Schlaflos, traumlos, aber gierig; hungernd ohne hungrig zu sein: gedankenverloren verschüttet man eine weitere Tasse zwischen Balkon und Couch, und es ist, -- was? Leben, Du Idiot.


Nichtsdestotrotz wird es scheinbar dauern, bis das Internet wieder funktioniert. [Und ey, ich beschwere mich, meinen eigenen Erwartungen zum Trotz, nicht über die Tatsache, hundertachtzig Euro für eine neue Festplatte ausgegeben zu haben; Geld, das ich vorsorglich für Paris gespart hatte, und das jetzt also in einer einzigen Überhitzung, in einem angeblich verstopften Lüfter und ein bisschen Mangelware aus Taiwan zum Fenster rausfliegt, ... Ich beschwere mich nicht mal darüber, dass jetzt all meine Daten, meine Bilder, meine ganzen verfluchten Links, die mir den Alltag so oft gerettet haben, nun am Arsch sind, einfach ausgelöscht, und unwiederbringlich verloren. Stattdessen erwähne ich beiläufig, vorgestern zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Kurzgeschichte angefangen zu haben, - richtig Oldskool, mit Papier und Bleistift, - und dass es auch wirklich gut läuft. (Gut ist steigerbar). Ist okay, ist okay, ich bin der Lotusblumeneffekt, - an mir gleitet alles ab; sogar die dummen Blicke der Menschen, die mein völlig zer-, verstörtes und verwahrlostes Äußeres mit Erschrecken betrachten und in Kategorien wie ENTSETZLICH stecken. F*ck, noch nie war etwas so okay wie heute, seit den letzten drei Tagen, seit der letzten Woche]. Also: an alle, die Lebenszeichen von mir erwarten: Dent: sorry, ich werde Dir so schnell wie möglich eine Geschichte zukommen lassen; es ist wieder das böse Karma, das mir versagt hat, pünktlich etwas zu schicken; ich hoffe, Du grollst nicht allzu sehr; ich versuch das wieder gutzumachen. Makko: ich bin nicht ausgewandert, ich bin noch hier, und an alle anderen: Ich hole das alles nach, was ich bisher verpasst habe.

Dieser Totalschaden hat den Vorteil, dass ich mich jetzt völlig geläutert fühle. Befreit von allem Datenmüll, und so schwer es mir fällt, die Vorstellung zu akzeptieren, dass ich gerade (und auch auf Dauer) viele Vorteile einbüße: es ist egal. Scheiß auf dieses SecondLife-Imponiergehabe, wenn es ein Leben Einspunktnull gibt.

Ich arbeite an Details beim nächsten Mal.


weiter.

Sonntag, 23. September 2007

Memorandum

Etwas aus sich machen. Etwas, das ist dieses Existenzielle, dieses Alles-Durchwirkende. [Lebens-, Geist]. Nein, körperlicher! Wie eine geöffnete Brust, - Rippenbögen zurückgeschlagen wie Zeitungspapier, und darunter die pumpende Muskulatur, Blut, Fleisch: Herz zeigt Rhythmus. Es könnte auch wie gestern sein: Gruppensex in der abgedunkelten Vier-Zimmer-Wohnung, Stadtmitte, viertes Obergeschoss. Viel zu viel Haut, die unter den Fingerspitzen leicht elektrostatisch blitzte, aber leicht wurde, fassbar war, warm und sanft und schmeichelnd. [Es ist egal, wer dich berührt. Liebe!] Das ist: kreativer Prozess; ist: Freiheit; ist: eventuell verwildernde und sittenlose Leidenschaft; auch: intelektuelle Angeberei! Sieh mich an, wie ich lebe und du leidest unter dem Vergleich. Alle. Leiden mach(t)-en mich müde. Ganz besonders meine eigenen. Das ist es nicht.

Etwas aus S-Ich machen. Das ist wie Ich-Sein, nur besser. Reiner. Klarer strukturiert. In der Biographie der Frida K. tritt etwas zutage, - Etwas, wieder! ähnlich dem Rausch, der mich das letzte Mal, - angefasst, unsittlich! berührt hat. Verzückend, und trotzdem schmerzhaft. Im Nachhinein zwickt es noch, und tut ein bisschen in der Magengrube weh, aber das vergeht. Alles vergeht. Übrig bleibt das tiefe, kehlige Lachen: haha-r-aha! und die Befriedigung, die absolute, und zugleich versehrte, die typisch menschliche Befriedigung, die sich morgens mit Wonne aus den Augen wischen lässt, die aber abends wie ein Splitter darin stecken bleibt, die sich eingräbt, tief in die Haut hinein, und dort Wurzeln schlägt. Aber genau das ist es ja: Du verwurzelst bei dem Versuch, Mensch zu sein. Du machst dabei aus dem Tod etwas Lebendiges; du vereinst die Begriffe, ohne darunter zu leiden: [Día de los Muertos, 2. November]. Das ist großartig. Schwer zu fassen. Aber groß-art-ig. Du benutzt die Kunst als Stilmittel zur Rettung des Verstandes, und, mitunter, des eigenen Lebens. [Frida reicht Virginia die Hand, - vielleicht unter stiller bis lauter werdendem Protest, aber mit Neugier; im Hintergrund unterhalten sich Franz und Ernesto über die Absolution].

Ich lebe in der falschen Zeitform.

Auf der Straße ist keine Einzigartigkeit mehr, alles wiederholt und wiederholt sich, und ist in dem Memorandum der patentierbaren Individualität zu bloßem Marktgeschrei verkommen. Du bist nicht, was du bist; du bist nur der Versuch, der kleinkarrierte, provinzielle Marketingversuch, ein Gag, eine Persiflage, mit priviligierten Problemen und priviligierten Patentlösungen. Du liest wie Zehntausende vor dir dieselben Bücher, erlebst dieselben Dinge wie die Menschen vor dir, nur mit mehr BangBoomBang, schreibst und denkst dieselben Gedanken, kleidest dich in Variationen wie alle anderen, die durch die gleichen Gassen gehen, in die gleichen Geschäfte schauen, die gleichen Sachen kaufen; du isst, was Tausende vor dir gegessen haben; siehst, was Tausende vor dir mit Blicken ausgezogen haben; du bist Teil einer gleichgültige Kette von austauschbaren Leben. Nichts, rein gar nichts, ist von Wert. Alles ist billiger Kitsch aus Plastik, oder erneuerbare Energie aus der Steckdose; draußen geschieht nichts, es ist alles schon kartographiert, erschlossen, nichts ist geheim, es ist alles da. Du bist Teil der Welt, die nackt ist, nackt bis auf die Knochen, bis in die Atome, bis in die Moleküle der Einsamkeit, und nichts und alles, ist egal.

Und trotzdem!

Etwas aus S i c h machen. Das wirkt wie der trotzige Versuch eines Kindes, wie pseudointelektuelles Gefasel, wie der verzweifelte Versuch der Selbstdarstellung in einem Meer der Selbstdarsteller. Dabei geht es nicht um das Besondere. Einzigartige. Man könnte sich dabei auf die Augen berufen, auf den Fingerabdruck, auf eine Frequenz im Erbgut. Das ist nicht wichtig; Einzigartigkeit macht dich nicht zu einem besseren, schöneren, intelligenteren Menschen; Einzigartigkeit verdammt dich zu einem Leben in Einsamkeit. [Daher bemühen wir uns alle so um Gruppendynamiken, um Akzeptanz in sonst so grausamen Gesellschaften; wir wollen wissen, ob jemand fühlt, was wir fühlen, denkt, was wir denken; dabei ist das doch ganz egal]. Natürlich ist Individualität nur ein toter Körper, wenn es keine anderen Menschen gibt, doch auch darum geht es nicht.
Es gibt eine Grenze, die mich von dir trennt. Ein objektives Gefühl der Unterscheidung, ein Bedürfnis nach Geschlossenheit, - abgeschlossen von dir, eingeschlossen in mir, ausgeschlossen von dem Rest. Ein Bedürfnis nach Privatsphäre, nach Un-Kollektivität. Ein Drang, gegen den Strom zu schwimmen, ohne dabei groß aufzufallen. Eine heimliche Abgrenzung, vielleicht. Eine Wut, die sich aus der Gleichschaltung speist. Aus dem Drang nach Konsequenz. Es braucht keinen Vergleich. Es braucht keine Schablone des Anders-Sein; das ist nur bloße Naivität.

Ich denke, - denke!, - man muss alleine-sein, um wahrhaft zu sein, aber man muss zusammen-sein, um zu werden. Prozess. Nicht Stillstand. Etwas aus sich machen heißt, sich darauf einzulassen.




Ich. Vergeude. Momentan. Vergeude alles, besonders meine Zeit, mein Talent und meinen Willen. Nach jedem Satz, wache ich auf. Für ein paar Sekunden. Und trotzdem denke ich nachts darüber nach, was hier so gründlich schief läuft. Ich beschäftige mich nicht intensiv genug mit LRT, und die Bilder, die mir vor Augen sind, wollen sich durch meine Faulheit nicht realisieren lassen. Ich überlege zu viel, und mache zu wenig; darin liegt eine berechnende Selbsteinschätzung. Ich kenne mich gut. Zu gut. Ich weiß genau, was ich tue und was ich lasse, aber tun sollte.

Aber wo wir dann schon dabei wären, ein paar Memos für unterwegs:

Briefe.
Ich sollte Javier schreiben; ihn bitten, mich für ein paar Wochen bei sich in Chile aufzunehmen. Ich muss dringend nach Südamerika. [Dringend wirkt jetzt sicher übertrieben]. Desweiteren muss ich Armelle schreiben, - ich glaube, die Korrespondenz via e.Mail hakt, - und auch Kevin; ich habe letzte Woche seine CD erhalten. [Ich plane mit Chaos und Unverstand über Silvester in Paris abzutauchen].
Ich muss die Lesung in Basel klären, - an erster Stelle mit DD und auch mit Sara. [Ach ja, und auch mit Marko, wg. dem Fahren]. Und ich muss Andrea schreiben, wg. meinem geplanten Aufenthalt in Italien. Ich weiß nicht, ob sein Angebot noch steht. Das ist alles n bisschen viel Papierkram.

Bücher.
Nach der Biographie der Frida K. folgen die Briefe der Frida K. und dann voraussichtlich [und endlich] die 28 Stories über Aids in Afrika; dann sollte ich mich endlich an The Voyage Out von V.W. wagen, und an Sartres Wahrheit und Existenz; ich habe desweiteren Dank der ZEIT[-Geschichte] ein paar neue Bücher über den Deutschen Herbst aufgetrieben, genauer gesagt fünf, - die sollte ich dann im Oktober bestellen. Außerdem trage ich den Gedanken mit mir herum, mit der Bibel anzufangen. Spaßeshalber. Ist im Grunde auch nicht komplexer als Ulysses. Außerdem bremst sie mich vielleicht ein bisschen ab, ... [Würde schätzungsweise so Mitte Oktober damit anfangen, mal sehen].

Ich brauche dringend zwei neue Notizbücher, eines für LRT und eines für mich, als Reisetagebuch, oder als Blogersatz; ich weiß noch nicht. [Ich habe gestern ein perfektes Notizbuch für mich gefunden: ledergebunden, 23 x 14,5 x 4-5, für 39,95 Euro; direkt mal verliebt]. Die Vorratsdatenspeicherung will überdacht sein; besonders wegen den nächsten Plänen. [T Punkt, B Ausrufezeichen, M, S und H]. Demos, nein. Protest ja! In Tübingen kann ich mich diesbezüglich zwar auf niemanden verlassen, aber ich versuche es mit Auslandskontakten.

Apropos: Ich muss dringend mit Vincent sprechen; Lars hat sich aus NYC gemeldet: er will jetzt nächstes Jahr [auch!] nach Berlin ziehen; er sucht nach einer guten Schrägstrich schönen WG. Ich hab ihm gesagt, ich würde Vincent fragen, - zur Not muss man sich eben eine Weile arrangieren; k.P.

Desweiteren muss ich Skizzen von den Tattoos anfertigen, die ich gerne im Laufe des Winters gestochen haben möchte; muss mit dem Fräulein von und zu Amok darüber reden. [Kreativer Austausch ist wichtig, für mich].




Ich habe manchmal das Gefühl, es würde sich nichts bewegen, aber das täuscht. Es täuscht mich jedes Mal. In Wirklichkeit bewegt sich alles, nur mein Kopf kommt nicht hinter her.

Montag, 3. September 2007

Bad Karma Days

Es ist das Motorregelungssystem, sagt sie und schaut von dem Handbuch auf, in meine Richtung. Sie sieht mich so an, als müsse ich wissen, was das sei oder warum es jetzt nicht mehr funktioniert, aber ich nicke nur, lehne mich gegen den Pfeiler des Toilettenhäuschens, und beobachte teils amüsiert, teils gleichgültig den Verkehr der Autobahn durch blätterflatternde Büsche. Es fühlt sich merkwürdig an, am Rande von so viel Bewegung zu stehen, so anteilnahmslos, unbeeindruckt, gelassen; es ist, als betrachte man die funktionierende Zahnräderwelt einmal für einen kurzen Augenblick von außen. Ich fühle. Ich. Bin. Die Gedanken bleiben im falschen Gang, rucken vor und zurück, und saufen dann schließlich ab. Nein, ich habe keine Ahnung, was dieses Motorregelungssystem ist, - es wird wohl den Motor regulieren, schätze ich, - und im Grunde ist das auch völlig egal, denn reparieren kann ich es so oder so nicht. Ich bin kein gelber Engel, oder sonst irgendeiner. Meine tatenlosen Hände würden sich gerne an einer Zigarette festhalten, denke ich, wäre ich nicht Nichtraucher. Also kaue ich ein bisschen auf meiner Unterlippe um, - in der Hoffnung, ich könnte damit inneren Stress abbauen. Stress? Das ist das Kitzeln in deinem Gaumen.

Das Dröhnen der Autos und Lkws wirkt betäubend, einschläfernd.

Dann reiße ich mich los, schaue wieder runter, ins Auto rein, wo sie sitzt und das Handy ans Ohr drückt, und ich schmecke kalten Asphalt auf meinen Lippen. Und das alles nur wegen diesem Scheißfilm. Bedeutet das Leben? Mach, los, egal was, - aber bitte auf eigene Gefahr. Wenn der Motor verreckt, geh eben zu Fuß.

Donnerstag, 23. August 2007

Opfer, Pt.2

Stilisierungen sind Opfergaben, die man in goldenen Schalen reicht, sagst du, und betupfst deinen weinroten Mund mit goldenem Puder. Dann siehst du mich mit diesem Augenaufschlag an, - so entstehen Auffahrunfälle, - und atmest Weihrauch und Myrrhe in Seligkeit. Warum du dich bewegst, weiß ich nicht, verstehe ich nicht, bleibt mir unklar stammelnd auf der Zungenspitze als Frage zurück, aber du tust es: deine Beine schweben aus dem roten Minirock heraus, fliegen überkreuzt und quer über den Asphalt, in Richtung Sonne, und dein Arsch schwingt zu dem Soundtrack meines Lebens mit. [Dabei fällt dir Feenstaub aus dem Haar]. Lächle, Liebes, lächle für mich, sagst du, und ich folge still der Aufforderung.

this could be ...

Berlin, Alexanderplatz und der Wind steht still.

Plötzlich ist wieder Sommer, - mit blauem Himmel, Sonnenschein und Vogelzwitschern, - und gläsern atmet die Lunge die Kondensstreifen der Ewigkeit. Du bist du, du bist ein Mann bist ein Mann bist ein Gott in verfaulender Haut bist Atome bist Schall und Rauch. Alles, was ich vorhin noch dachte, ist nichts mehr wert. Was folgt sind fehlende Bezugspunkte auf der Sternenkarte in meinem Kopf: Wohin, Nomade?
Ich wusste, der Wechsel von T Punkt nach B Ausrufezeichen würde nicht so einfach werden. Ich wusste es schon in dem Moment, als ich die erste Zeile an die FU per e.Mail schrieb. Alles, so scheint es: die Welt, das Karma und die kleinen Einzelschicksale, die sich mir in den Weg stellen, wollen sich mir selbst nach tränennassem Flehen nicht zu Füßen legen. Im Gegenteil. Mir ist, als trete man mich zu Boden. Da, das hast du von deinen Unverschämtheiten. [the wall is in your head]. Als sage jemand: Nein, noch ist es nicht an der Zeit ... Immer wieder fährt mir ein weiteres Problem vor den Bug, - erst die familiären Probleme, dann die finanziellen, jetzt die universitären. [Ich bin die Titanic, und die Welt ist mein Eisberg]. Warum kann ich mir selbst nicht erklären. Es ist nicht so, als würde ich alles unnötig kompliziert machen; dafür sorgt schon der Rest der Welt. Es geht nur nicht. Das ist alles. Da sind es die fehlenden Scheine, hier sind es die fehlenden Einstiegs- und Wechselmöglichkeiten. Überall lauert Dänemark.

Im Auto überlege ich noch, was mir das alles eigentlich wert ist. Ich überlege, was ich hier suche, was ich hier will; ich überlege, warum mir mein Verstand jeden Abend erneut von Gewissheiten spricht, die ich in diesem alltäglichen Bewusstseinsstrom verliere, warum ich spüre, was seit so langer Zeit in Drachenblut zu Stein erstarrte. Warum jetzt, warum hier? Die Lebendigkeit tritt mir in die Fersen und sagt: Keiner weiß, was es bedeutet, am Leben zu sein, und ich nicke apathisch mit zu den Wolken, die sich in einer der Ruinen verfangen. Es folgt: Zögern, Innehalten, Atmen. Es ist Gänsehaut, die mir in Kaskaden den Nacken benetzt, und ich denke an all den Verfall und Ekel, an die Arbeitslosigkeit und an die Hoffnung, die am Boden der Büchse zurückblieb. [Wünsch dir was]. Ich denke in diesen fünf Minuten, die mich von Marko und Linda trennen, an Andrea, der sein Leben so restlos, so gründlich lebt, als könne er gar nicht anders; ich denke an das Chaosmädchen, die in Gießen in ihrem eigenen Kerker sitzt; ich denke an die Möglichkeit eine Art Potential zu vergeuden, denke an mich und den Mann, der ich sein könnte. Es ist viel zu viel, in meinem Kopf, und es will nicht raus, also spiele ich Musik in Dolby-Digital. [I love it, I hate it, I feel like a whore / I give it, I take it, I come back for more / I build it, I break it, I even the score].

In der S-Bahn dann die Erkenntnis: Im Leben geschieht nichts ohne Opfer. Also bin ich zu Opfern bereit, - selbst dann, wenn die Opfer so groß sind, das sie alles Bisherige in Frage stellen. Also muss ich entweder das Studium in T Punkt abbrechen [und mal ehrlich: was soll's?], oder ich warte weiter, schiebe meine Ungeduld auf die lange Bank, auf der schon meine Träume auf Erfüllung warten, und bleibe, beende und gehe an dem Wahnsinn zugrunde, der mir in der Sturmhöhe auflauert. Es gibt nur die Freiheit, die beständig wie Aasgeier über mir ihre Kreise zieht, oder das Weitergleiten auf der dünnen Eisschicht, die mich vor dem Abgrund schützt. [O Gott, so viele Metaphern]. Ich fühle mich ungleich kindisch, während ich mich in großen Zügen am Bier verschlucke, während ich diese Gedanken denke, die nur auf der Stelle treten, aber ich fühle kein Bedauern dabei. Ich reiße ein bisschen an meinem Hemdkragen und öffne den obersten Knopf.

Denke weiter.


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