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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein : Rubrik:der ewige Kampf</title>
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    <dc:publisher>morbus</dc:publisher>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
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    <title>Der manische Versuch Mensch zu sein</title>
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    <title>Der Tag - Collage.</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wir laufen und laufen, Berlin bewegt sich mit. Galerien ziehen an uns vorbei, Bilder, Skulpturen, Menschen, alle Farben fliegen vorbei. Das nasse Laub rutscht unter unsren Füßen. &lt;i&gt;Erzähl mir mehr&lt;/i&gt;, sagt N. und sein Rücken ist gerade, und seine Augen sind braun, und er geht und geht, und ich hinterher. Ich sage: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp; als er hier war, das letzte mal... &lt;br /&gt;
als er mir gegenübersaß...  &lt;br /&gt;
der blick der sonne... &lt;br /&gt;
- verbrannt, verbrannt -&lt;br /&gt;
&amp; von der haut blieb nichts weiter als asche... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber N. meint, ich sei nicht konkret, er verstehe die Metaphern nicht. Natürlich nicht. Metaphern schützen mich; sie machen den Raum zum echten Erlebnis, zum Schmerz überwindbarer, kleiner. Unbedeutend. Metaphern und Chiffren schützen vor der Wahrheit. Deswegen benutze ich sie. Und doch ist es bloß Augenwischerei. Ich stimme also zu, und sage: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als er hier war, das letzte mal... &lt;br /&gt;
als er mir damals in dem café gegenübersaß, - die stoffhosenbeine angewinkelt &amp; die schuhe fest verschnürt, - das gesicht teils in die goldene sonne getunkt, teils versenkt in den schatten der jalousien, - da dachte ich, da hatte ich geglaubt, da schoss der impuls im dumpfen rhythmus von verlangen &amp; schmerz durch jeden nerv, &amp; meine lippen, - meine, - sagten: &lt;i&gt;geh, geh, nimm dein lachen, nimm deinen blick &amp;&lt;/i&gt; -- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber warum, fragt N. als wir vor dem Glas stehen; wir sehen Muschelskulpturen auf weißen Podesten, drinnen, dort wo alles ruhig ist und strukturiert, wo Ventilatoren in Wirklichkeit nichts als Installationen sind, und ich denke: Warum? Weil nicht alles gleich viel wert ist. &lt;i&gt;Because I protect the things I love.&lt;/I&gt; (Als Arizona das sagte, hat es mich tatsächlich berührt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind immer Menschen unterwegs, sie gehen und gehen, und bringen manchmal den Geruch von Essen mit. Und Worte, tausende. Was sie sagen ist um so vieles wichtiger, echter, plausibler als alles, was ich erlebt habe; es klingt so kosmopolitisch, ihr Gezwitscher und Geträller, das Klackern ihrer Stöckelschuhe bringt meine Zähne zum Zerspringen, aber es ist modisch, so perfekt. Klatschen wir Applaus?, wann machen sie nur endlich eine Pause? Ich lache darüber. Nie war ich unbeschwerter, nie war es mir gleichgültiger, was die Menschen von dem hören, was ich durch die Straßen rufe. &lt;br /&gt;
Und ich wische mir die Haare über die Stirn. Und meine Schuhe sind nass. Und mein Herz setzt nicht aus, nicht mehr. Die Liebe? Sie gehört einer Frau aus einem anderen Land. Die Liebe? Schreib mir ein Lied, und ich gebe ihm mindestens eine Zeile Dylans: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Though lovers be lost love shall not;&lt;br /&gt;
And death shall have no dominion&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nichts, nur der Abendhauch, der die braunen Blätter von den Bäumen streift, der leisteste, man spürt ihn nicht auf der Haut, nur das Laub tanzt, gängelt zwischen Bordstein und Kante, und so gehen wir weiter, gehen und gehen, und Berlin bewegt sich mit. Das Tacheles schwebt vorüber, - Ruinenwelt, Sandstätte, - die Elektrische rattert in der Ferne, das alles bleibt nicht stehn. Ich höre noch immer die Kinder vom Spielplatz lachen, spüre noch die Sonne in meinem Gesicht, das Prickeln meiner Hände, eine letzte Tonspur vom Karaoke, schmeckst du noch den Hot Dog? Halt an. Bleib stehen. Da ist er, kurz, da ist der Augenblick, - atme ein, atme alles ein, was die Welt an Luft zu bieten hat, nimm alles mit. Und jedes Geräusch explodiert jetzt zu Farben: Blaue Leuchtreklametafeln, rotblinkend, die Scheinwerferlichter zerstäuben zu Wind, und die ganze Straße, die ganze Stadt, die Welt, - könnte es denn die Welt sein?, - wirbelt herum, um hundertachzig Grad, und wirft ab, was sich nicht halten kann. Glück. Bitte? &lt;b&gt;Glück&lt;/b&gt;. Es raunt im Innern, es steigt auf in den Adern, es wirft Blasen. Goldstaub zerfasert die Lungen, und du hustest, und die Augen tränen, - es könnte nichts als der Tod sein. Glück!* Und weitere Glasfassaden rennen vorbei, Häuserzahlen von eins bis zweiundzwanzig, bis hundertneun, geh weiter, geh über alles hinaus, geh weiter, und mehr Licht, und immer mehr, und nichts als der Tanz und nichts als der Genuss, und nichts und niemals die Angst, und niemals der Schmerz, und selbst wenn: Die Räder der Züge kriegen mich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich dann schließlich erzähle, und zwar ihm, diesem N., dem Hedonisten, ist wahr, ist konkret, und es tut nicht mehr weh. Nichts davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spürbar geworden rasen die jahre&lt;br /&gt;
die zeit teilt sie ein ins bessere, ins taube, &lt;br /&gt;
in licht &amp; immer mehr licht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Straßenbahn dann ruckle ich nach Hause, die Schienen bringen die Zeilen zum Zittern. Es ist mittlerweile dunkel geworden, es ist ja schon Winter. Beim Aufschließen der Türe, beim Grüßen des Jungen mit der Gitarre, beim Treppenaufstieg klopft das Herz. Es gibt etwas, an das ich glaube. Ich hatte es ganz vergessen. Dasein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Das heißt nicht, dass alles okay ist. Es bedeutet nicht, dass es das Unglück nicht gibt, die großen Katastrophen, die Abschiede, die Melancholie, die wie Schierling schmeckt. Nichts ist gerade schwerer als diese Versuchsweisenormalität. Dieses Auflehnen gegen die bestehenden Tatsachen, gegen das Übergeordnete. Im Gegenteil. Ich bin so wenig von mir selbst, und die Angst, der Zombie-Affe, sitzt mir des Nachts auf der Schulter und reißt mir alle Haare einzeln aus. Aber. Ich bin nicht allein. Nicht mehr. In die Einsamkeit, die mit der eigenen Haut endet, ist etwas Anderes getreten, eine geteilte Zelle, zwei Moleküle, die dem Niemals entkommen. Eine Erinnerung, ein Traum. Ein lauteres Heute, ein bestimmteres. Eine Weigerung. Ein Nein, das sich nicht mehr beherrschen lässt.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-15T19:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6022386/">
    <title>Der Hauch</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6022386/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich wache auf von dem Geklapper des Postkastens, eines kleinen Metallschlitzes in der Haustür; eine unbekannte Hand, - ich hab sie nie gesehen, - steckt mir die Zeitung ins Haus. (Sie wird an eine Zukunft geliefert, die noch nicht anlaufen will, aber okay). Ich wache auf, es ist 3 Uhr 44. Jeden Tag ist 3 Uhr 44. Schon weit länger als die Zeitung überhaupt geliefert wird. Ich bin wach wie ich wach bin, und schäle mich aus dem Dickicht von Kissen und Decke hinaus in die Kälte der Gruft; ich entzünde Kerzen, sie stehen auf dem Tisch, und dann, im Dämmer der Nacht und des Morgens, da schlüpfe ich in dicke Wollsocken, hüpfe trunken vom Schlaf durchs Zimmer, und die Welt? Die Welt ist ganz still. Niemand bewegt sich. Mir hat ein Geist die Schlagzeilen von Morgen gebracht, ich höre ihn nicht mal verschwinden. &lt;br /&gt;
Meine Hände nehmen das Kufiya vom Haken, draußen im Flur, und wickeln es mir um Hals und Schultern; sie setzen Wasser auf, sie schütten Mate-Blätter in den Kürbis, sie zupfen die Zeitung aus dem Schlitz in der Tür, und wieder: das Geklapper. Jeden Tag, jeden Tag, jeden Tag. Der Krach weckt das ganze Haus, denke ich, aber niemand hört mich durch die Zimmer gehn. Niemand ist jetzt schon wach, oder immer noch, ich habe den Unterschied vergessen. Das Müsli kommt in die Mikrowelle, ich ertrage nichts anderes mehr seit ich davon gelesen habe; ich erhitze die Milch so, dass sie kochend Blasen wirft. Geschmack brauche ich nicht, es zählt allein die Wärme... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Schreibtisch trinke ich meinen Tee, er kühlt recht schnell ab. Die Zeitung sagt mir nichts Neues, die Zeilen langweilen mich. Sie töten mich. Ich weiß wirklich nicht, wem das Gängeviertel gehört. Ich empfinde keine Wut mehr über Westerwelles Aussagen, die Plattitüden der Politik sind vorhersagbar geworden, die Menschen bleiben ignorant, sie bleiben dumm, sie fressen sich selbst, ich habe aufgehört, an die Demokratie zu glauben, - ja, die Welt könnte in Flammen stehen, es würde mich nicht weniger kümmern. Wann habe ich eigentlich zu resignieren begonnen? Wann ist das passiert? &lt;br /&gt;
Der Dampf der Milch beschlägt mir die Brille, die ich nachts trage, um die Wirklichkeit näher zu holen. An mich. Jeden Tag. Näher, näher! Ich zerblättere die Seiten, ich raffe Papier, ich zerknülle es und werfe es fort, Papier, Papier, die Druckerschwärze verstopft mir die Poren. Die Welt ist so alt geworden, denke ich, sie ist so schrecklich alt trotz all der neuen Dinge. Ich mache den Computer an; manchmal erwische ich A., zwischen zwei Schritten, zwischen Bett und Kommode, ein Hund, der ihm über die Füße hüpft, &lt;i&gt;pero&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;pero&lt;/i&gt;, die Tablettenschachtel liegt immer in seiner Nähe, denke ich, und dann sage ich irgendetwas mit meiner Stimme, ein Englisch mit deutschem Akzent, laut, klar, über tausende Kilometer hinweg, und ich denke: Wie ist das?, wie fühlt sich das wohl an?, und die Augen, wenn sie A. losgelassen haben, ihn und die Welt, in der er lebt, lesen: &lt;i&gt;Diese schweigende, regungslose Nacktheit versetzte uns in eine Art Ekstase: der leiseste Hauch hätte uns in Lichter verwandelt&lt;/I&gt;*, und der Verstand zernickt das Buch zur Seite legend. Der leiseste Hauch, der &lt;i&gt;leiseste&lt;/i&gt;. Die Synapsen verbinden sich knisternd, und Berlins Straßen sind weniger leer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nur alles einfacher wäre, eindeutiger. Wenn ich morgens nicht diesen Augenblick hätte, nicht diese eineinhalb Stunden Rastlosigkeit, wenn nicht die Leere wäre, die Kälte des Winters und die Glasglocke, die sich über mich senkt, über mich und jeden Tag, wenn es dieses &lt;i&gt;Näher&lt;/i&gt; nur gäbe, und immer: &lt;i&gt;Näher!&lt;/i&gt;, doch stattdessen erzähle ich bei jeder Gelegenheit dieselben Anekdoten. Die Leute lachen meistens. Selbst dann, wenn sie das alles schon kennen. Ich weiß nie, ob sie das ehrlich meinen, ich hab es nie begriffen, - ich weiß nicht, warum niemand die Wahrheit sagt, weshalb alle immer nur Ausreden benutzen. Sie wollen sich den Schmerz sparen, nicht?, sie wollen einander nicht verletzen. Also lügen sie sich an... Wir sind alle Kinder unserer Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann die Zeitung gelesen ist, und der Mate-Tee getrunken, wenn das Müsli gegessen ist und die ersten Autos wieder auf der Straße vor dem Haus fahren, unermüdlich wie sie&apos;s immer tun... Was dann? &lt;br /&gt;
Ich habe alle Briefe beantwortet, obwohl ich mir keine Mühe mehr mache; ich habe alle e.Mails geschrieben und nie das Richtige gesagt; die Zeilen einer Geschichte schälen sich von meinem Hirn ab wie tote Haut, und es ist irgendwie recht trivial; ich höre immer wieder die gleichen Lieder. Nein, denke ich: &lt;b&gt;nein&lt;/b&gt;. Ich brauche die Tabletten nicht, ich brauche sie nicht, diese Alternativen, diese Protestlieder und der zur Missbilligung verzogene Mund, niemand hat &lt;i&gt;Depression&lt;/i&gt; gesagt. Ich bin nur müde. Es ist 3 Uhr 44, an jedem Tag. Andere Menschen schlafen um diese Uhrzeit. Ich schlafe nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später am Tag, es sind mittlerweile fast 13 Stunden vergangen, stehe ich in einer Wohnung, die schön ist, weil Leben in ihr ist; weil die Möbel durcheinander sind, und benutzt; weil es nach frischen Kräutern riecht und Obst; weil die Farben im goldenen Licht des Tages aufglühen und alles berauschen. &lt;i&gt;Der leiseste Hauch&lt;/i&gt;, das geht mir durch den Kopf, während ich den Menschen zusehe, wie sie am Tisch sitzen, wie sie ihrem Leben nachgehn, lachend, aufgrund der Zwiebeln heulend, von Sehnsucht zerfressen und auch von Kummer; sie, die am Topf steht und den Deckel hebt, und er, der nach dem Dosenöffner sucht, wie sie lebendig sind, wie sie eingebettet sind in dieses Alles, in diese Unmöglichkeiten, in dieses Nahezu und Überall, - nicht am Wahnsinn, nicht am Tod, weit über alle Definitionen und Grenzen hinaus, ins Licht, ins Licht und in die Wärme, ins Gold eines Tages. Und auch wenn der künftige Winter schon die Blätter braun nagt und zu Boden wirft, - &lt;i&gt;der leiseste Hauch hätte uns in Lichter verwandelt&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wache auf, wieder wache ich auf, es ist ein anderes Leben, es ist ein neuer Tag. (Ist es nicht, es sind nur ein paar Stunden vergangen). Ich habe von Norma Desmond geträumt. Und es stimmt, was sie sagte: Es sind die Filme, die zu klein geworden sind; es sind die Vorstellungen, die uns begrenzen. Also raffe ich mich auf zum Neuen, zum Besseren. Ich werfe die Kleidung von mir ab als würde dies allein schon Veränderung bedeuten; das Wasser unter der Dusche ist so heiß, dass meine Haut dampft und die Spiegel beschlagen. Es fehlen Pflanzen im Badezimmer, es fehlen Pflanzen in der Küche. &lt;br /&gt;
Sag: &lt;I&gt;Ich lebe&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
Sag: &lt;i&gt;Ich sterbe&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
Sag: &lt;i&gt;Erinnere dich an alles und vergiss es für immer&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
Superlative helfen. Jeden Tag, jeden Tag. Auch heute nehme ich die Zeitung, heute lese ich sie von Wut zerfurcht, mir glüht das Blut in den Ohren. &lt;br /&gt;
Ich schreibe weiter, schreibe, schreibe, stundenlang, bis ich mit Don Toupo am Tisch sitze, er trinkt sein Bier, ich trinke nicht mehr, nur Heißes, nur immer und immer Heißes, weil ich nicht auskühlen darf, weil das Eis nicht geschmolzen ist, weil es nie schmilzt, aber so sei es. Ich lese weiter, lese, lese, die Erzählungen von Stevenson berauschen mich, ich brauche Pausen, bis ich mit Fremden, die nicht so fremd sind, in ihrem Bus sitze, einem ausgebauten Fossil, in das ich passe, und wieder nicht passe, und die beiden sind so sehr hier, so sehr verwurzelt, dass ich mich kurz darüber wundere, weshalb es mir nicht einfacher fällt mit ihnen zu reden, über Schauspielerei, - das läge ja doch sehr nahe, und wirklich: Ich bin von Neugier zerfressen, während ich da diese Gitarre halte, während Berlins Straßen abrollen wie Wollefäden, das da sind Schauspieler, Künstler, - und deren Anwesenheit mich doch zufrieden macht. Irgendwie. Wer versteht das eigentlich? Das Leben als Licht. Und das Gras tanzt. Überall das Laub, überall: Papier. Wenn jetzt der Wind käme, wenn jetzt die Kinderfüße tanzten, wenn alles aufgehoben wäre und von allem gesäubert, von allem geläutert... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich stehe am Fenster, es senkt sich die Sonne. &lt;br /&gt;
Und der Hauch kommt. &lt;br /&gt;
Und der Verkehr und die Zeitung und die Menschen, &lt;br /&gt;
schlicht und einfach alles, &lt;br /&gt;
an jedem Tag, &lt;br /&gt;
wird... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Georges Bataille - Die Geschichte des Auges&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-01T22:15:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6014339/">
    <title>Salze, Ilsebill, salze so viel du kannst!</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6014339/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Er sagt, ich wisse nicht, was Hunger sei, und ich?, ich salze die Salami auf meiner Pizza nach. Draußen gehen Menschen vorbei, sie gehen im Takt von &lt;i&gt;Simian Mobile Disco&lt;/i&gt;, das ist Musik, die ich erst seit kurzem kenne, das ist eine Einstellung, deren Knöpfe nicht Teil des Zierrats, des Stucks sind: Man kann tatsächlich daran drehen, die Frequenz ändert alles... &lt;i&gt;Bitte?&lt;/i&gt;, ich schmecke immer noch nicht genug, ich salze und salze. &lt;i&gt;Nein, ich meine, um was geht&apos;s hier eigentlich?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um meinen Idealismus, von dem ich genau weiß, dass ich ihn mittlerweile nur noch der Dekoration wegen erwähne. Fühle ich das, was ich sage?, &lt;i&gt;spür&lt;/I&gt; ich es? Dann sagt er, ich wisse nicht, was Hunger sei, und alles, was mir dazu einfällt ist: &lt;i&gt;Ich weiß es&lt;/i&gt;, und diesen Satz wiederhole ich, und wiederhole ich, als bedeute ein Wechsel der Wörter einen Verlust meiner Integrität. Blödsinn, das alles, also nicht &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt;. Eigentlich nur ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich will ich nicht bei Axel Springer arbeiten. (Das kategorische &lt;i&gt;Warum?&lt;/i&gt;, das mich an Donner erinnert, bringt mich zum Achselzucken; steckt hinter irgendeinem meiner idealisierten Argumente denn überhaupt irgendeine Logik?)&lt;br /&gt;
Draußen gehen die Menschen, - es sieht so aus, als hätten sie einen Plan, als wüssten sie ganz genau, was sie da tun. Die Mütter schieben ihre Kinder über S-Bahngleise als gäbe es keinen Lust mehr, als hätten sie die Kinder aus den Wolken geschöpft. Dabei ist ihr Makeup verschmiert, jetzt sehen sie aus wie billige Nutten. Alle Männer sind schön hier, abstrakt schön, ich würde weinen, wenn ich nicht so gut gelaunt wäre, wenn ich nicht wirklich und verdammtnochmal so verdammt gut &lt;i&gt;drauf&lt;/I&gt; wäre, denn ich sitze hier, salze meine Salami, und bin &lt;i&gt;connected&lt;/I&gt;. Trotz Exodus, der die Stadt vom Laub befreit. Von Menschen, die meine Familie sind... Sei&apos;s drum, sagt die Tapferkeit und sagt der Stolz. Eine halbe Stunde später schüttle ich jemandem die Hand, - er ist vermutlich auch wieder älter als ich, denn das sind sie alle, irgendwie, - dessen Leben so völlig anders ist als meines, der lebt, als gäbe es diese Notwendigkeit, der seinen Alltag hat, seinen Humor, seine Erfahrung, sein Leben. Einfach nur das, sein Leben. &lt;br /&gt;
Und ich, der ich meine Salami salze, und der zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, dass er den Film, den er unbedingt sehen will, doch nicht sehen wird, der da noch nicht weiß, dass er stattdessen wieder bei N. zu Hause sitzen wird, wo man ihm Schokolade und Eistee anbietet (das er dankend, - höflich, aber bestimmt, - ablehnt, weil er den Zucker darin fürchtet), ich, der nichts begriffen hat und nie begreift, der sein Leben oft verfolgt wie ein Zuschauer beim Tennis, ich salze nur nach und widerspreche vehement mit dem Satz: &lt;i&gt;Ich weiß es&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Ich weiß es&lt;/i&gt;, was Hunger ist, ja, das weiß ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Wohnung ist eine Gruft; seit die Geister fort sind, deren Namen draußen am Klingelschild standen, hallt es in manchen Zimmern. Dafür brennen jetzt überall Energiesparlampen. Das ist die Entwicklung. (Keiner spricht von den Zurückgelassenen, denn jeder, der zurücksieht, erstarrt zu Stein. Die, die zurück bleiben, die versuchen weiter zu machen. Sodom und Gomorrha gingen im geschäftigsten Gewühl des Tages unter). Also schreibe ich meine Bewerbungen, ich bin arrogant dabei und dreist, aber man sagte mir, ich solle das sein, also setze ich mein bestes Grinsen auf. Ich bringe die Sachen zur Post, versiegelt und frankiert, und nachts sind meine Träume unruhig. So ist das. Ein Preis, den ich zahle. Der Preis der Freiheit. Es ist wie ein Fiebertraum. Ich erwache nicht als Käfer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen werde ich nach mehr und immer mehr Details gefragt. Wer ist N. und wer ist A. (es ist mittlerweile schon ein drittes A. aufgetaucht, wieder mit denselben Initialien, AP, - manche haben deswegen Lieder komponiert, andere sind wahnsinnig geworden), und warum ist dein Leben nur so unklar? Gute Frage. Das neigt zur Wiederholung. Vergiss das. Ich hab selbst nicht die geringste Ahnung. Tatsache ist doch die, dass ich mir immer wieder einrede, ich würde alles verstehen. Ich sitze da, salze damit ich etwas anderes als das Öl schmecke, und sehe N. an, von dem ich nichts weiß, eigentlich, gar nichts weiß, nur kleine Details, und diese sammle ich, weil ich zu begreifen versuche, weil ich die kausale Kette gerne betasten würde bevor sie mir als Schmuck gereicht wird, und so hat es angefangen und so geht es weiter, diese Veränderungen*... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Salze, salze: &lt;br /&gt;
* * *  ** ** * * * &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was die stadt war, im traum eingehauchtes, war im wachen nichts als rauschen. die dinge gingen auseinander, die menschen, die möglichkeiten. das, was sich liebstes nannte, im schlaf bis auf den kern geschältes, nackt &amp; auf die zunge gelegt, damit es dort zerginge, wurde wieder schale, ein altes bild, gelbstichig &amp; abgegriffen, - der verstand schickte rettungsboote aus, um das verbliebene an sichere gestade zu bringen, doch was vermag man zu retten? ich meine: ernsthaft? hier brennt dein haus, &amp; hier hast du alles, was dein leben definiert. dein verstand ist dein haus. was dein leben definiert sind erinnerungen. niemand überlässt dem feuer etwas freiwillig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dennoch. antworten aufs band gesprochen, endlos aufgespultes: hello love, hello darling, hello, hello, but love&apos;s a killer. gegenantwort, im hintergrund ins wetter gehustet: do doves cry sometimes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann schiebt sich das lid über das auge, &amp; der abbruch beginnt im entwickeln des kissens aus dem gesicht. wecker, spuck mir zahlen aus, - wie viele tage sind in ohnmacht ertränkt worden?, wer hat mir nur immer so viel gin ins glas getan?, &amp; welcher der vielen wege war eigentlich der richtige? es bleiben nichts als schulwege. wendeltreppen. eine hand, die etwas verstohlen in den mund schiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben wir je darüber gesprochen?, haben wir je einander gesehn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich habe begonnen über das alles nachzudenken. neues zu schaffen ist schmerzvoll. die geburtswehen des neuen existieren, - ihnen ausgesetzt zu sein heißt, destruktive gewalt zu erleben. etwas zu verändern heißt, etwas zurückzulassen. es bedeutet risiko. in der erwartungen, erneuerung könne von selbst geschehen, verharrt man. (du hast verharrt, zu lange). die alten zöpfe, von denen man sagt, man müsse sie abschneiden, an ihnen webt der einzelne selbst, - die idee etwas zu kappen, - ein seil, eine brücke, rapunzels haar, - heißt, die möglichkeit in betracht zu ziehen, bisher unrecht gehabt zu haben. es heißt, eine rückkehr auszuschließen. wer verändert, brennt das land hinter sich nicht unbedingt nieder, aber er übergibt den flammen ein ich, das es nicht bis ins rettungsboot schafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tatsache ist: das vielleicht, das möglicherweise, das irgendwann &amp; später sind keine optionen. es wird nie ein leben geben, zu dem alles besser passt als jetzt. ein vielleicht ist keine zusage, ein möglicherweise keine perspektive.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier ist dein boot. jetzt rette, wer zu retten ist.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-27T22:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/6004265/">
    <title>Exodus</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/6004265/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;1.&lt;br /&gt;
Manche Träume machen mich hungrig. &lt;i&gt;Wirklich&lt;/i&gt; hungrig. Ich stehe dann mit dem Gefühl auf, ich hätte seit Wochen nichts gegessen. Zwischen den Zähnen zerrieben heißt es &lt;i&gt;Eitelkeit&lt;/i&gt;, im Wachen in den Kühlschrank gestarrt bedeutet es &lt;I&gt;Armut&lt;/I&gt;; kein Wunder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So geht das Leben ins Tausendste über. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe die Namenschilder wechseln lassen. Ich habe die Küche und das Badezimmer geputzt. Ich habe vom Vergangenen geträumt, und gewusst, dass es vergangen ist. Nichts ist geblieben. &lt;i&gt;Und wenn schon&lt;/i&gt;, I went away for love, heißt es. Und genau &lt;i&gt;so&lt;/I&gt; sitze ich im Kino auf dem falschen Platz. Der Kuchen, der beste der Stadt, wird über der Alufolie zerbissen, zerkaut und dann mit Rotwein geschluckt. Es stimmt, was sie sagen: Das Leben geht weiter, es ändert nur die Frequenzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht in alles mischt sich Traurigkeit; die Menschen sind in der Regel zu lange traurig, denke ich. Bewusst wird ihnen alles erst im Nachhinein. Also suche ich ein verlorenes Buch. Ich umarme einen Fremden als würden wir uns schon ewig kennen, und bemerke viel später, dass die Fremdheit abzuschälen ist wie die Häute der Zwiebel, und dass darunter nichts als Menschen stecken; Menschen, die lachen, die fühlen, die mir in verschiedenen Sprachen Einhalt gebieten, - staunend, - und die mich doch nur um Verständnis bitten, das ich ihnen gebe als gehörte es ihnen längst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Zuhause&lt;/i&gt;. Denke ich. &lt;i&gt;Angekommen&lt;/i&gt;. Sage ich. Die Finger schließen das Telephon an, die Hände richten die Schränke, die Augen verschlingen die Zeilen. Es gibt nichts als den beständigen Rhythmus von Alltäglichkeiten; die großen Abenteuer liegen im Kleinen: Nicht heizen und dabei nicht unmäßig frieren, sich nicht am Gin Tonic verschlucken, und auch nicht am goldenen Abend, der einer der letzten ist, die man miteinander teilt, nicht zu wehleidig sein und schon gar nicht verbittert. Es geht ein Geist um, der sagt: &lt;i&gt;Die Jugend?, man hat sie mir auf die Haut gelegt wie einen schweren Mantel, ein Leinesack ist mir die Jugend, und in ihm schreien die Katzen um ihr Leben, versenkt, versenkt&lt;/i&gt;, aber so wie er die Türen ins Schloss haut, wie er die Teekannen auf dem Steinboden zerschlägt, so sagt er: &lt;i&gt;Die Hände aneinander reiben erzeugt noch lange keinen Funken.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. &lt;br /&gt;
Etwas tanzt als Staub zwischen Wimpern und Lid. &lt;br /&gt;
Ist denn tatsächlich wieder Winter? &lt;br /&gt;
Es senkt sich das Glas, &lt;br /&gt;
es senken sich Wolken und Grau, &lt;br /&gt;
und Berlins Straßen werden leer. &lt;br /&gt;
Das ist kein Grund, &lt;br /&gt;
das ist kein schlüssiges Argument: &lt;br /&gt;
Spaniens Himmel sind blauer als diese, denkt man, aber wer will sie sehen? Wer kann sie mit dieser Stimme beschreiben, mit diesen Worten, wenn alles, was gesprochen wird, nichts ist als Flügelschlag und Flugzeugdröhnen? Es liegen eintausendachthundertzweiundsiebzig Kilometer zwischen den Tagen. (Und was Mainz ist, ich bitte um Anstand, das wissen wir auch). Aber gut, gut gut gut!, es geht der Geist durch die Zimmer und verwirbelt Staub und Asche. &lt;br /&gt;
Es ist niemandes Kind, das dort im Hellen sitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.&lt;br /&gt;
Ich lerne neue Menschen kennen, die noch keine Namen haben, obschon sie &lt;i&gt;Namen&lt;/I&gt; haben, - sie bleiben unerwähnt im Gewühl der Minuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann nicht recht begreifen, was passiert ist. Ich kann nicht begreifen, wie schnell sich alles fügt und wie schnell alles wieder auseinander bricht. Es ist mir fremd, ich selbst bin es mir; &lt;i&gt;ich&lt;/i&gt;, schon das klingt falsch: &lt;i&gt;ich&lt;/i&gt;, der sich im Spiegel ansieht als könne er, der Fremde, der Buchstabe, sich selbst erkennen, - wie er lacht, wie er spricht, wie er die Traurigkeit in sich einschließt wie eine Kostbarkeit, um sie dann hoffentlich irgendwann völlig zu vergessen. Doch die Reliquien des Abschieds sind nicht aus Gold gemacht, sie sind aus Blei. Man erinnert sich immer der Dinge aus Blei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. &lt;br /&gt;
Reminiszenz, schreibe ich, Reminiszenz. Dabei bleibt jede Überraschung aus. Ich habe alles kommen sehen. (Auch wenn Kassandras Träume das Meer und die Wolken zerwerfen, mich werden sie nicht bekommen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.&lt;br /&gt;
Alles geht ein ins Unbekannte, alles wird fremd und zerfällt in Fragmente, alles ist im Begriff, sich aufzulösen, ohne zu verschwinden. Die Menschen verschwinden nicht. Nicht im herkömmlichen Sinne. Sie ändern nur die Position, sie verlassen den Raum, sie verlassen die Zeit, aber sie verschwinden nicht. Es als solches zu begreifen... Es anfassen und von allen Seiten besehen... Den endlosen Kampf des Lachens nie verlieren... Das, was sie Exodus nennen, hat begonnen. Das, was sie Veränderungen nennen, nimmt mir die Freunde. Wisch dir das Gesicht, wisch dir die Augen, und streich dir das Haar aus der Stirn. Schwimme, schwimme, die Flut hat die Spuren gelöscht und löscht sie weiter, aber du bist nicht dort, am Strand, du beginnst zu schwimmen, während du ertrinkst, das ist es, das ist der Kern, das ist die Wahrheit, aber was bedeutet es? Wir waren so nahtlos glücklich, wir alle, so sehr, dass wir erblindet sind. Wir waren so glücklich, dass alles, was wir berührten, zu singen anfing, alles war ein einziges Lied, - einer von diesen Songs, du weißt schon, du hörst sie und denkst: &lt;i&gt;Genau das, das ist es, das wurde für mich geschrieben&lt;/i&gt;, und selbst nach tausend Jahren, du bist tot, und das Lied ist vergessen, aber dieser Moment... Auch er ist nicht verschwunden. &lt;br /&gt;
Sie haben nämlich gelogen. Es gibt Dinge, die ewig bleiben. Seien sie aus Gold oder aus Blei, - sie bleiben. Sie zeigen dir den Wert, sie zeigen: Sieh her, dieses hier, das darfst du nicht vergessen. Also sortiere ich Papier, schreibe meine kleinen unbedeutenden Notizen, an denen schon jetzt der Tod nagt, und schütte Wasser in den Topf; ich lese während es kocht, lese &lt;i&gt;Jane Eyre&lt;/I&gt;, lese &lt;i&gt;Maurice&lt;/i&gt;, lese Gedichte von Anne Sexton und Sylvia Plath, und lese und lese, und irgendwann gebe ich die Tütensuppe ins Wasser und sehe, wie es Blasen wirft. Drüben, auf der andren Seite, dort, im Hinterhof, da sind neue Leute eingezogen, ein junges Paar (vielleicht); er steht am Fenster der Küche und zupft am Basilikum, sie richtet die Vorhänge im Wohnzimmer. Ich sehe sie ganz genau, während ich dort stehe, mit Anne Sextons letzten Worten auf der Zunge: &lt;i&gt;live now, live now&lt;/i&gt;, und es ist ein Schleier, den man mir vom Gesicht zieht, es ist ein Tag im April 2009, es ist alles, alles Glück, es &lt;i&gt;war&lt;/i&gt; Glück, das reinste, was wir bekommen konnten, und nichts, was sich später Unglück schimpfte, und Umzug, und Wut, und Kapitulation kann es je berühren.  &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-22T11:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5998490/">
    <title>In der Zwischenzeit.</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5998490/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Asche. Wir zerreiben sie zwischen unsren Fingern. &lt;i&gt;Heizt die Hochöfen!&lt;/I&gt;, und als Ruß steigen die Träume auf, die wir im Dunst erdachten, nach denen wir uns sehnten. Asche, Asche. Sie senkt sich wie Blei auf uns, wir nehmen sie ein mit der Luft, und Luft ist es, was wir sein sollten. Federleicht sollten wir sein, in diesen Tagen. &lt;i&gt;Zwischenkrise&lt;/i&gt;, nennt man unsre Epoche. Es ist eine neue Zeitrechnung, Zwischenkrise. Wir haben uns das Unglück zur Hure gemacht, wir haben die Hoffnung in Plastik geschweißt, wir haben Kostenbilanzen aufgestellt, die niemandes Rechnungen ausgleichen. Und doch: Wir sind glücklich. Asche, Asche, Asche. Ein sanfter Regen aus grauen Eiskristallen. Der fruchtbarste Boden, ein Segen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Neue ist. &lt;br /&gt;
Das Alte ist aufgestiegen wie brennendes Papier. &lt;br /&gt;
Die Stadt hat sich gehäutet, und das, was übrig bleibt, ist nackt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-18T09:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5865681/">
    <title>Vom Hotel zum Motel</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5865681/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Kranksein stinkt, das wissen alle. Kranksein ist nicht nur kräfteraubend, nein, in manchen Fällen macht es auch das Gehirn weich. Oder. Weicher. Mehr so suppig. Was dabei rauskommt, - auch, wenn man nicht krank ist, - sind folgende zwei Links. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um zwei Hotels. Eines schrecklicher als das andere: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst: &lt;a href=&quot;http://hotel626.com/&quot;&gt;Das Hotel 626&lt;/a&gt;; das ist immer abends ab 18 Uhr geöffnet, &amp; sollte erst dann besucht werden, wenn es draußen dunkel ist. Glaubt mir. Wer gerne mal aus Leibeskräften schreien will, der schau sich&apos;s an. Es ist wirklich sehr gut gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als zweites: Das &lt;a href=&quot;http://www.bb-motel.de/module/foyer/index.php&quot;&gt;BB Motel&lt;/a&gt;; das ist ein Schrecken ganz anderer Art. Ich bitte nicht darum, sich dort einzuloggen, das würde mir nie einfallen. Ich will nur, dass man sich den Rundgang einmal ansieht. Nur ... den ... Rundgang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommentare diesbezüglich sind diesmal mehr als nur erwünscht. &lt;br /&gt;
Ich will bestätigt wissen, wie krank die Welt ist.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-07T17:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5854895/">
    <title>Affenkinder on repeat</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5854895/</link>
    <description>&lt;font color=&quot;white&quot;&gt;.&lt;br /&gt;
.
&lt;center&gt;
&lt;a href=&quot;http://farm3.static.flickr.com/2675/3776666009_c65c28dbd2_o.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://farm3.static.flickr.com/2675/3776666009_eb5c40a913_m.jpg&quot; width=&quot;240&quot; height=&quot;180&quot; alt=&quot;B&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/center&gt;
.&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
&lt;/font&gt;

&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich weiß, weshalb. Ich meine: Für den Augenblick weiß ich es. Draußen geht die Welt zu Grunde, auf die ein oder andre Weise wird sie das vermutlich immer tun; im eigenen Leben reihen sich die Katastrophen aneinander als wär&apos;s ne schlechte Soap-Opera, und nichts ist ungewisser als das Morgen, als das Später und Gleich. Was einst Zukunft war, ist jetzt ein Grab; wir werden wie Blumen darauf gelegt, ein Schmuck für die Toten. Und trotzdem: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Türe stehe ich, in der großen, hallenden Weite des Kafka-Baus, und gebe meine Abschiedsworte in ein Halbrund aus Gesichterreihen; es sind so viele Namen und Kürzel, das ich sie beim Schreiben durcheinander bringe, und das Gehirn vergisst sie später, irgendwann sowieso alle, - zumindest die, die nicht sagen: &lt;i&gt;Wir bleiben in Verbindung.&lt;/i&gt; Dabei sind es gerade diese Verbindungen, um die gekämpft wird:&lt;br /&gt;
Ich reiche L. das Blatt Papier mit e.Mail-Adresse und Handynummer weiter, ich würde wirklich gerne mal ein Bier trinken, oder einen Kaffee, vor, während, nach der Arbeit, wie&apos;s so schön heißt, würde gerne mal ein Wort außerhalb der Gehirnzangen mit dir sprechen, einfach so, verstehste?, aber ich habe dabei das Gefühl, dass das nicht geschehen wird. Mit der Mademoiselle Manie tausche ich mich da schon besser aus, oder mit Bellona, klar: natürlich mit Bellona, sie gehörte nie in diese Welt, sie war immer Teil des Draußenseins. Dennoch: Während ich im Aufzug nach unten meine Musik sortiere, denke ich: &lt;i&gt;Bei den andren hat sich&apos;s so ergeben, bei L. würde ich es wollen.&lt;/i&gt; Jaja, die Obsession hat längst begonnen, ich merke es nur nicht. (Die Augen waren&apos;s, - weil es zu wenig Menschen gibt, die mir nicht Resonanzkörper sind, weil es zu wenig Menschen gibt, die so eindeutig uneindeutige Signale blinzeln, weil weil weil). Das ist alles Trivia. Es ist nur ein unstetes Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen schält sich das Ich, und doch bin ich nicht befreit. Berlins Himmel lastet so endlos blau über meinem kleinen Kopf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später sitzen Bellona, der Don und das Chaosmädchen mit mir zusammen in der Pannierstraße, und wir lachen, reden laut. Die Frauen trinken Gin Tonic, die Männer bleiben beim Bier und nippen später doch noch am Gin, aber weil der Himmel so erschreckend weit ist, wissen wir nicht, wie es alles weitergehn wird. Soll. (Muss). Wir sind wie Kinder, die das Erwachsensein nur träumen. Wir sind wie die Toten, die sich des Lebens erinnern. Krankenwagensirenen rauschen an unsrem Tisch vorbei, und da, genau in diesem Augenblick, da versteh ich es. Für den Augenblick. Da weiß ich weshalb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &lt;i&gt;Trotzdem&lt;/i&gt; ist die einzige Möglichkeit, um auf Dauer zu überleben. Es ist die einzige Wahl in einer Fülle von Freiheiten, Verpflichtungen, Bürden. Die Katastrophen kommen. Sie bahnen sich schon seit Tagen an. Es ist nicht so, als hätte ich davor keine Angst. Ich bin starr vor Angst. Und trotzdem. Der Kampf ist die einzige Chance auf Menschlichkeit. Auf Leben.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-01T08:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5842139/">
    <title>Frankenzahn (Seelensteine Interlude)</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5842139/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Sie lächelt milde, als sie mich am Arm berührt. &lt;i&gt;Sie haben sehr schöne Zähne&lt;/i&gt;, sagt sie. &lt;i&gt;Und irgendwie, ihre Augen, wir kennen uns schon, nicht?&lt;/I&gt; Ich verneine. &lt;i&gt;Oh, aber schöne Augen haben sie auch&lt;/i&gt;. Ich grinse, vielleicht ein bisschen verlegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Minuten später sagt sie so Worte wie &lt;i&gt;Krone&lt;/i&gt; &amp; &lt;i&gt;Wurzelbehandlung&lt;/i&gt; &amp; ich wünschte, ich hätte nicht so dämlich gegrinst.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-07-24T16:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5839453/">
    <title>Seelensteine</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5839453/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Und wenn einem dann beim Biss in den Schoko-Nuss-Riegel plötzlich die Hälfte eines Backenzahns abbricht, - die offensichtliche, nach Außen gerichtete Seite, - dann weiß man mindestens genauso plötzlich, was man falsch gemacht hat. Generell. Im Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass meine Zähne schon immer wie Basaltgestein brechen, ist dabei überhaupt gar keine Überraschung. Immerhin ist der Vitaminmangel und das obsessive Zähneputzen weniger gut zu kombinieren als man allgemein erwarten könnte. (Die Tatsache, dass der Zahnschmelz überall als härtestes menschliches Material betrachtet wird, halte ich übrigens für einen Mythos). &lt;br /&gt;
Der Zahn ist hoffnungslos verloren, seit Jahren schon; er war einer von den bemitleidenswertesten Zähnen, ganz weit hinten, von tausendundeinem &lt;s&gt;Bohrunternehmer&lt;/s&gt; Zahnarzt zu mikroskopischer Größe zerstückelt, - im Gegensatz zu den andren, um ihn herum, die meist aus Kunststoff oder Beton (ja, Beton) oder Keramik oder Amalgam bestehen. Ich scherze meistens darüber, sage, ich hätte einen Recyclinghof im Mund, aber wirklich lustig ist es nie. Man redet nicht gern über schlechte Zähne. Dabei sind &lt;i&gt;meine&lt;/i&gt; Zähne gar nicht &lt;i&gt;so&lt;/i&gt; schlecht. Sie sind nur brüchig, instabil. Egal, wie viel Milch ich auch trinke, - und verdammt: Ich trinke literweise Milch, - oder ob ich nun die Zahnseide verwende oder nicht. Vielleicht sind die Zähne die ... äh, Steine ... der Seele. Oder was weiß ich, Verkörperungen, Symbole. Das wäre irgendwie ziemlich deprimierend.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt streiche ich permanent mit der Zunge über die abgebrochene Kante. Ich weiß, man soll das nicht tun, oder ich bilde es mir ein. Nein, ich bin schmerzfrei. Es fühlt sich nur so an, als fehle ein Teil. Irgendwelche Atome haben sich aus dem Netz gelöst. Ich spüle mit hohem C nach. Zu spät fällt mir die Fruchtsäure ein.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-07-23T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5772582/">
    <title>Raise a Vein</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5772582/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Regen &amp; Wind, - &lt;br /&gt;
sie sind mir wie Brüder.  &lt;br /&gt;
Sie stehn im &lt;i&gt;Verlorenen Treppenhaus&lt;/i&gt;, &lt;br /&gt;
rufen, &lt;br /&gt;
schütteln die Köpfe, gehn,&lt;br /&gt;
denn meinen Namen finden sie nicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens?&lt;br /&gt;
Die Nacht will mir Geliebte sein, - &lt;br /&gt;
sie flechtet das Haar im Dickicht der Träume, &lt;br /&gt;
bis Vater Krach den Morgen zerschlägt, &lt;br /&gt;
&amp; nirgends rührt mehr der silberne Löffel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* * * &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Affen gedenkend, der in der Schachtel begraben lag, saß A. am Fenster &amp; scheuchte die Vögel, die sich auf dem Sims niederlassen wollten. Weil seine fahrigen Handbewegungen nicht dazu ausreichten, pfiff er, - es war mehr ein Luftzischen denn ein Pfeifen, aber die Vögel interessierten sich für den Unterschied ohnehin nicht; sie wollten dort sitzen, wo er saß, sie wollten dort &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt;, wo er war. Er ging bevor sie es merkten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Stunden später stand A. auf einem Balkon in Kreuzberg &amp; sah auf Berlin; der Himmel dunkelte himbeerfarben. Der Blick: Hinter schwarzen Balken blinkte der Fernsehturm, Sterne, - drei Sterne, - im rechten Winkel. So etwas wie Glück. Die Lippen schmeckten dem Astra-Bier nach, das Herz aller verlorenen Geduld. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;There&apos;s a vein of pure gold in this stone&lt;/i&gt;, sang Gavin Clark &amp; A. gefror Luft &amp; Atem. In diesem seltsamen Gefühl eins zu sein, für ein paar Augenblicke, - die Finger am Geländer, der Wind im ewig störischen Haar, - ging die Stadt kreiselnd in eine andere Dimension über, in viele, in alle. Wien kam nicht in Frage. Das nur nebenbei bemerkt: Niemals kam Wien für &lt;i&gt;irgendwas&lt;/i&gt; in Frage. Aber darum ging es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* * * &lt;br /&gt;
Zwei Brüder stehn auf der Dachterasse, Fremde aus unterschiedlichen Kulturen, Ländern, Zeiten, - ein bisschen auch Zeiten, ja, - &amp; reden Glück &amp; Seligkeit herbei. Es sind Worte im Umlauf, die Abschied &amp; Versprechen sind, Aussicht &amp; Möglichkeit; es muss nicht &lt;i&gt;ahora es para siempre&lt;/i&gt; sein, nicht mehr, das ist nicht nötig. Rückblickend betrachtet, ist alles von Unglück durchsetzt, natürlich, von Tod &amp; Veränderung, von Arbeitslosigkeit &amp; Armut, von Reue &amp; Unfähigkeit, das ist der Preis, das ist das Opfer, aber rückblickend betrachtet, - was wiegt es auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin dem Unglück müde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will diese Ader reinen Golds; ich will sie nicht &lt;i&gt;sofort&lt;/i&gt; (will ich doch). Aber ich will sie betasten, mit meinen rauhen Fingern, will im Gestein wühlen, das mir Herz &amp; Seele ist, will in die braunen Augen des Bruders blicken, in die blauen der Schwester, - meine Wahlfamilie, meine Herzbrechermenschen, - &amp; darin das gleiche Funkeln wiederfinden, die gleiche Zeit, die drei Worte lang stillsteht, die gleiche Art der Ewigkeit, die mir das Bier im Mund verspricht, der Handschlag zur Begrüßung, - wenn man weiß: Die ganze Nacht liegt vor dir &amp; den Menschen, die du magst, - &amp; alles, - alles, - will gutgehn. &lt;i&gt;Muss&lt;/i&gt; gutgehn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* * * &lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen sitzt A. im Schneidersitz in seinem Zimmer. Seine Haare, - sie reichen ihm bis zu den Augen, mittlerweile, - sind ihm lästig, er wird sie abschneiden, denkt er, den ganzen Kopf wird er sich scheren lassen. (Sollen die Moiren Teppiche aus den Haaren flechten). Einfach, weil er Geburtstag hat. Deswegen wird er sich auch den Silberring aus dem linken Ohr nehmen, - einfach, weil er 24 wird. &lt;br /&gt;
Er streicht sich über die Beine, die schmerzen, vom Training schmerzen, &amp; aus Magnesiummangel, wie er vermutet, &amp; denkt daran, die Wohnung aufs Neue aufzuräumen. Es ist nicht mehr viel. Die Bücher im Flur, sie liegen gestapelt auf der weißen Kommode, müssen in ein Antiquariat, die Zeitungsausschnitte, - über den Tod &amp; das Mädchen, &amp; auch über Habermas, - die auf dem Fußboden verteilt liegen (er tritt jedes Mal mit nackten Füßen darauf) müssen endlich gelesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A. schlägt eine Fliege aus der Luft nach draußen. Es wartet so vieles, denkt er, so vieles muss getan &amp; gesagt werden, so vieles muss geschrieben werden, so vieles gelesen. Der Affe, der tote, der begraben in der Schachtel liegt, verschwindet allmählich aus der Erinnerung. Ja, so viel ist klar: Der alte Affe Angst sitzt ihm nicht mehr auf der Schulter.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-06-20T06:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5684750/">
    <title>Follow me, Alice</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5684750/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Jeden Tag wird es herausgewürgt. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Alltagswürgereien&lt;/i&gt; nennt man sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stechuhr gibt mir den Takt: Im Rhythmus von drei, 5:30, sechsuhrfünfunddreißig, sieben Uhr fünfundzwanzig gehen die Augen auf, - weiter!, - und wieder zu. Der Finger fasst nach Wimpern. Ach, es kann doch unmöglich schon so spät sein, doch ist es, verdammt, - und die Beine pendeln zwischen der Wärme des Bettes und der Kühle eines neuen Morgens im regnerischen Berlin, das endlos ist; endlos im Tunnelwind der U-Bahnschächte; endlos im Blick der U-Bahnmenschen; endlos im Aufstieg des Abstiegs des Geradelaufens, und wieder von vorn. So soll es gehen. Erst drei Monate, dann ein ganzes Leben lang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei habe ich den Alltag völlig aus den Augen verloren. Ich vermisse Don Toupos Gesicht, aufgrund der Tatsache, dass es jeden Tag da war. Fünf Monate lang. Ich vermisse meine U7 und die halbe Stunde, die sie mir zum Lesen gab. (Die U6 schenkt mir nicht mal einen Sitzplatz). Ich vermisse die kleine Angst, diese kontrollierbare, ausweichbare. Ich vermisse irgendwas, Sehnsucht nennst du mich, mit welchen Flüchen belegst du mich?, und das Vergessen saugt mir an den Augen, morgens, unter der Dusche, wenn das Flitterlicht mich kurz in Gold taucht, und unter Wasser, mit den vom Schaum schäumenden Händen. Ich vermisse das. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, auf dem Fahrrad, die schwitzenden Männerleiber vor Augen, da vermisse ich nichts, da bin ich Maschine unter vielen, denke: Wann wird mein Körper so aussehen?, und stopfe mir eine dreiviertel Stunde später fettiges Hähnchenfleisch in den Hals, dazu Pommes, natürlich. Ich könnte ein Yuppie sein, der nach der Arbeit sein Bisschen Sport treibt, aber ich strebe zu den Extremen, - ich will gut aussehen, tatsächlich, und den Blicken würde ich auch gerne standhalten, ich tu&apos;s aber nicht. Dazu bin irgendwie doch (noch) nicht geschaffen, - et voilà: Inkonsequenz, gib mir einen Kuss. Keine Zeit, keine Zeit. &lt;br /&gt;
Und es muss gelesen werden. Ständig: lesen! Es bleibt kaum Zeit zwischen den Einzelstationen, zwischen den Punkten, deren Linie ich bin, es bleibt keine Zeit zu begreifen. Geh ein, geh raus, nimm dir Jane Eyre, lies etwas von Robert Merle, das Pensum ist schier zu viel, selbst für mich, selbst für den gierigen Verstand, der andren an den Gedanken leckt, lies bitte das Buch von Feuchtwanger, ach und schreib einen Pressetext zu, ... &lt;i&gt;Mach ich&lt;/i&gt;. Bier wird dabei keins mehr getrunken. Ich verwaise. Nur wenn noch im Hinterhof die Sonne scheint, - ich im Gras, mit Bellona neben mir, lachend, - dann ist es für den Augenblick gut, da ist es ruhig, da ist es lebbar. Alles andere ist, ... Keine Zeit, keine Zeit!  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir schlägt der faulige Atem der Lügen ins Gesicht, nicht?, es geht alles im Kreis. Ich vermisse nichts, heißt es. Ich vermisse nichts, ich bin dabei gewesen. Heißt es. Nur wo? Nur wann? Wie ist das nur zu ertragen? Wie ist es bloß zu verstehen?&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-06T06:00:00Z</dc:date>
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    <title>Richtschnur</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Der erste neue Arbeitstag ist immer der letzte. Oder, äh, anders: Der erste neue Arbeitstag ist immer der Beginn einer langen Reihe von letzten. Möglicherweise aber auch: Der erste neue Arbeitstag ist die Chance auf Rehabilitation der eigenen &lt;s&gt;Selbstdarstellung&lt;/s&gt; Person. Wie auch immer. Heute ist in jedem Fall mein erster neuer Arbeitstag, ... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt: Ich bräuchte jetzt gerade mal dringend eine geistige Auszeit.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-04-27T05:55:00Z</dc:date>
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    <title>Der Splitter der Schneekönigin</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Der Raum wird kleiner mit der Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Büchertisch des Antiquariats bemerke ich zum ersten Mal den durchdringenden Geruch von Bier; es ist, als sei er darin getränkt. Seine Kleidung. Sein Atem. Das Haar. Ich schichte die Bücher von der Seghers aufeinander, staple Plivier daneben, denke: &lt;i&gt;Hast du schon was getrunken?&lt;/i&gt;, und verbeiße mir die Frage, die mir bitter, gallig auf der Zunge liegt. Es ist siebzehn Uhr. Ich habe kein Anrecht auf diese Frage. Und doch: Das Lachen wird mir schwer und immer schwerer, der Geruch bleibt an mir haften. Ich trinke mit, eine Stunde später. Und die Gedanken werden leiser. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuhause spült niemand das Geschirr. Die Kommoden im Flur sind vom aufprallenden Schlüsselbund zerfurcht, vom Johannisbeersaft klebt kreisrund der Staub darauf. Der rote Teppich knickt immer an derselben Stelle. &lt;br /&gt;
Im Taumel von Nacht und Morgen hüpfen meine Finger über das Badezimmerlicht, das flackert und knistert; meine Finger betasten die Scherben des Spiegels, der am Mittwoch so gekonnt zerbrach; meine Finger suchen im Gesicht nach der Mundfalte und finden die Haut nur angerauht: Das ist der Splitter der Schneekönigin, der mir die Welt zersah. Der mich vergiftet hat. Könnten meine Hände doch nur Ruhe finden, ... &lt;i&gt;Trink nur einen Schluck, sink ein, verschwinde für den Moment.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verschwinde nicht, die Welt tut es. &lt;br /&gt;
Und das Gift durchwirkt mir die Nächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Augen sind müde vom Salben. Meine Zunge ist müde vom Trinken. Sobald die Sonne verschwindet, - jetzt ist der Himmel bewölkt, - wird die Realität wieder wie sie ist. Nicht besser oder schlechter, nur weniger hell.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-04-18T07:35:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5600699/">
    <title>Countdown 2 pm</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;belastbar sein!, ein packesel unter menschen!, das wär&apos;s doch!, - am besten auch teamfähig, das sagen alle so gern: &lt;i&gt;teamfähig&lt;/i&gt;, klingt wie ein füllwort, aber sie meinen es ernst. jeder ist nur so gut wie die masse, zu der er wird. hä? nein. die summe ist mehr als ihre teile? äh. auch nicht, nein. ist ja auch egal. wichtig ist: nicht unsicher wirken, auf keinen fall zögern. alle sätze mit &lt;i&gt;ich will&lt;/i&gt; anfangen, - wirkt zwar egozentrisch, ist aber in wahrheit nur ein beweis des durchsetzungsvermögens: ich will diesen job! grund? aufstiegschancen!, persönliche weiterentwicklung!, - ich möchte (will!) hinter jedes wort drei ausrufezeichen setzen, damit sie verstehen, wie wichtig es mir ist. falls es mir wichtig ist. ich meine. wenn es gut läuft. heute um 14 uhr, ... ich meine, äh. jeder fragt, was man wollen kann, und ich sage: alles was der wille als möglichkeit aus dem zylinder zieht: ein bisschen eloquenz, denn eloquent bin ich nach der meinung der anderen, und selbstbewusstsein, zielsicherheit, charme, und vergiss nicht: &lt;i&gt;du hast nichts zu verlieren&lt;/i&gt;, - aber nein!, gelogen!, ständig hat man etwas zu verlieren, das ganze leben lang verliert man, aber red es dir ein, schreib es dir als notiz für unterwegs, für später, du weißt schon, lindenstraße 20-25, da gehst du hin. (aufhören, sich selbst mit du anzusprechen, - zu den eigenen entscheidungen stehen!) und so weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf der chefetage werden wie immer mehr menschen sein als notwendig sind: sie werden mich beurteilen, werden das papier zwischen ihren fingern zerreiben, auf denen meine qualifikationen stehen, - soso, lektorat auf französisch, und auch auf englisch, ahaha, philosophie haben sie studiert, und 15 punkte in deutsch, so sieht das also alles aus, aber dann kommen die fragen, und die fragen heißen gift für meine speiseröhre, denn da wälzen sich die lügen hoch, - nein, nicht die lügen, die euphemismen, ich muss reden, aber nicht um kopf und kragen, lächeln, aber nicht zu schief, und verstehen, was da gesagt wird. was da bloß gesagt wird, - warum also noch nervös sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
atmen. eine kurzgeschichte lesen. ein bisschen recherche nebenher. eingehen in die letzte minute von beethovens fünfter symphonie (allegro con brio), hochgeschraubt werden bis zur drei meter fünfzig entfernten decke. wieder in berlin, - die stadt verschlingt mich jetzt, verschlingt und zerkaut und zertrennt mich, und nichts ist nur herzschlag, nichts ist nur angstschweiß, - das alles steht in keiner relation mehr. ich will!, sagen sie, ich will. als stünde ich vor dem altar, und alles, was ich gelobe zu tun, ist nur ein aufschrei, ist nur ein zornesausbruch: freiheit!, in mir, unendlich, verdammt, verdammt, verdammt. aber dafür bin ich verficktnochmal teamfähig.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-23T10:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://morbus.twoday.net/stories/5455856/">
    <title>it&apos;s Karma, isn&apos;t it?</title>
    <link>http://morbus.twoday.net/stories/5455856/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Schon gewusst ... ? Ein Schluck Wasser reicht aus, um eine Notebook-Tastatur zu zerstören. (Nein!-Doch!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- man lasse den Worten genug Einwirkzeit -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also frage ich mich: War ich in meinem früheren Leben nicht doch eher Hitler?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font size=&quot;1&quot;&gt;Ergänzungshalber: Halsschmerzen und Heiserkeit sind keine guten Voraussetzungen, um vor Leuten, - fremden!, - zu lesen. Tatsache ist allerdings genau dieses: Morgen (22.01.) wird morbus, l&apos;enfant terrible de la maladie, in Basel seinen Text, der im übrigen furchtbar ist, ins Publikum krächzen. So viel zum Thema &lt;i&gt;Werbemaßnahmen&lt;/i&gt;. (Für alle Schweizer, vor allem: Bewohner von Basel, sei &lt;a href=&quot;http://wortlos.othervoices.ch/index.php?page=aktuell&quot;&gt;es&lt;/a&gt; übrigens sehr empfohlen). &lt;/font&gt; &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>morbus</dc:creator>
    <dc:subject>der ewige Kampf</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 morbus</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-21T09:40:00Z</dc:date>
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