egotrip

Donnerstag, 22. Mai 2008

der gläserne mensch

du fragst mich, wie es mir geht, & ich denke: wie kann ich nicht lügen? also zucke ich mit den achseln, & bleibe sprachlos im zimmer sitzen. die welt ist blau, weil der rollo blau ist. meine augen sind blau, weil ihnen der farbstoff fehlt. wenn ich wieder so blond wäre, wie ich es als kind war, dann würde das auch für meine haare gelten. fehlende farbstoffe. nein, ich bin einfach nicht so bunt, wie ich gerne wäre.

[ ]

mir tun nur ein bisschen die beine weh, aber ich brauche wirklich kein aspirin, danke. durch mein rückrat windet sich der stracheldraht, aber ich will wirklich keine tabletten mehr. ich wache jeden morgen auf, & fühle mich noch ein paar augenblicke geborgen. schmerzlos. eingelullt in träume, die mich berührt haben. aber ich fühle mich nur solange gut bis ich aufstehe. dann fühle ich mich vom morgengrauen betrogen.
aber ich bin nicht so. ich bin kein melancholischer mensch. ich bin kein pessimistischer mensch. ich bin manchmal ein soziopath, aber in anbetracht meiner mitmenschen halte ich das für verzeihlich. notwendig sogar. in gedanken schreie ich sehr viel; stehe schreiend an klippen, stehe schreiend in zügen, stehe schreiend in kirchenschiffen. (& auch in krankenhäusern). es ist mehr als nur ein gefühl, mehr als nur eine laune. windsein heißt farblos sein. aber toben-dürfen. ich tobe gern. der rest von mir ist zerbrechlich.

[ ]

aber es gibt etwas, das mich berührt. betroffen macht. das ist die sache mit dem krebs, den mir ein telephongespräch in hauchdünnen scheibchen in die wirklichkeit reicht. meine tante hat es, diesen krebs. & es stellt sich immer wieder heraus, dass sie weiter kämpfen muss.
ich hingegen stehe nur daneben, neben meiner mutter, & meinem bruder, & auch neben mir, & ich weiß nicht, wie ich damit umgehen muss. in gedanken rekapituliere ich die letzten augenblicke, - das mache ich schon seit jahren, archiviere momente in einmachgläsern, die ich bei bedarf freilasse, für eine szene oder zwei, aber das erleichtert nicht den umgang. ich versuche andere zu analysieren, versuche meine umgebung zu analysieren, aber es ist nur ein dumpfes schweigen, ein darüberreden, dem die worte nicht gerecht werden, ein heimlicher schrecken, ein betäubtsein, eine hand, die zaghaft durch die haare streicht. es ist eine geschichte, die tausendfach gelebt wird, es ist ein leben, das tausendfach in krankenhäusern stirbt, es ist die vielzahl, krebse an stränden, dicht bei der gischt. das hört man, das sieht man, das hat man in der eigenen familie, das kennt man von bekannten, von freunden, aus dem fernsehen, von liedern, - im schlimmsten fall hat man es sogar selbst. dieses haben, dieses nicht-haben.
ich werde zum man, objektiviere mich, weil ich nichts spüre, keine echte empfindung, - nichts, was sich beschreiben lässt. es ist dumpf & taub, als tauche man in den marianengraben hinab, glitzernde luftperlen unter der glasglocke, & die brodelnde schwärze, tausend bar druck, kälte, hitze, unfähigkeit, sich zu bewegen, zu schreien, zu denken; ein gefängnis, dem man nur dann entkommt, in dem man sich auf etwas anderes konzentriert. (seit jahren konzentriert man sich schon auf etwas anderes). beileid, mitleid, das blut in den venen, das dicker sein will als wasser, & das doch nur flüssigkeit ist, transportmittel.

alles ist zerbrechlich.

[ ]

aber es gibt die lebenslust in bauchigen rotweingläsern, in weißen betten. wie riecht es eigentlich in sacré-cœur? ich versuche es zu schmecken. mozarella auf roten tomaten. melonen vor dem ventilator. ich sitze in der s-bahn, & fange unermüdlich an zu grinsen. eigentlich hatte ich doch noch glück, mit allem. eine currywurst, dazu pommes. ich weiß, wie es nach dem ersten sommerregen riecht. ich weiß, wie das erste eis des jahres schmeckt. ich weiß, wie es ist, wie es nicht ist, bin ein liebesblöder vollidiot. das heißt: kein leben nur aus zweiter hand. daher lache ich auch gern.

ich kann alles vergessen, jeden splitter unter der haut, jedes gefühl der sterblichkeit, ich sauge mich an einem körper fest, den ich begehre, & es ist mir ganz egal, was man von mir denkt. (es ist alles nicht genug). ich raufe mir die haare, & verschütte mein bier. ich bin einer der gläsernen menschen. (ein falscher schritt, & meine welt & ich sind kaputt). das ist okay. was kann man denn sonst auch tun? wie lebt man richtiger besser vollständiger? es gibt zu sich selbst keine alternativen.

Montag, 7. April 2008

Interlude: hail of [mind] bullets, Pt.1

Und dann ist es ganz plötzlich schrecklich laut. Eintausendfünfhundertvierzehn Tage Geschrei, - verwirklicht in einem einzelnen Moment.

Es folgt: Manisches Auflachen meinerseits, weinerliches Nachsalzen seitens der Welt, und ich zähle an meinen zehn Fingern die Möglichkeiten ab. Die Jahre, die Stunden, die Herzschläge pro Minute, und was ist das da schon im Vergleich?

Erstens hungere ich wirklich, ohne hungrig zu sein.
Zweitens verfolgt keiner meine Schritte im Sand, weil die Welt das Meer ist, und ich nur der Wind. (Ich bin vielleicht frei, aber berührungslos; erst wenn ich tobe, entwickle ich einen Körper, ein Bewusstsein, erst dann reiße ich alles mit, stoße alles um, entwurzle, entweihe, bringe dein Haar durcheinander, - und flache dann irgendwann doch wieder als Brise ab, als Hauch, als flatternder Rockzipfel, als schwebendes Blatt).
Drittens denke ich nichts zu Ende.

In meinem Kopf geht etwas vor sich, das noch lange nicht neu ist, und es überschlägt sich mit Worten. Es ist zu viel für ein einziges Leben, es ist zu wenig, es ist, --

Weil ich es kenne.
Weil ich mich drehe, um die Notiz zu sehen, die mir auf dem Rücken klebt, und die ich doch nie sehen werde, - egal wie schnell ich mich drehe.
Weil ich so selten lächle.
Weil ich zwanghaft anecke, weil ich eckenlos rund bin, weil ich rundherum um Ecken schiele, weil ich gerne nach dem Apfel greife, der am höchsten hängt, weil ich stundenlang atmen kann, und doch nicht zum Luftholen komme, weil ich lese, ohne zu flüchten, weil ich liebe, ohne da zu sein, weil ich nicht weiß, welche Nummer eigentlich die richtige ist, die ich für den Telephonanruf meines Lebens wählen muss, weil ich nicht das passende Kleingeld finde, weil ich nicht weiß, welches das eine Lied für meine Beerdigung ist, und welches Buch mein Lieblingsbuch, weil ich verschachtelt bin, ohne dabei komplex zu sein, weil ich mir so vieles einbilde, weil ich so vieles erfinde, weil ich nichts zu Ende bringe, weil ich mich zu selten traue, weil ich nicht springe, weil mein Kopf da ist, wohin er gehört, und trotzdem an der falschen Stelle sitzt, weil alles, alles, alles ist, wie es ist, wie es ist, wie es nicht ist, weil ich.

Weil: Ich.

Macht mich das Glauben, es ginge voran?



[Sabotage! schreit jemand hinter dem Vorhang, und das bin ich. Inspiration! schreit jemand anderes, und ich ahme nur nach, kopiere nur, zähle die Kacheln im Badezimmer, und sonst nichts].



Ich ziehe die falschen Schlüsse.

Sonntag, 6. April 2008

Interlude: Undercover

Im Grunde gibt es mehr als genug, was sich über heute sagen ließe, aber ich denke, ich beschränke es vorläufig auf diese Sache, das heißt: auf den Abend im ORi. (Notizbuch-Poser on demand). Das übliche Gestammel.

[gelesen haben: Ally Klein, Don Dahlmann, Modeste, Maike, Björn Grau, Axel Wegner, Susanne Englmayer, und ras].

Eins vorweg: Die Dame, die sich links neben mich setzte, fragte mich vor Beginn, warum ich denn schreibe. Ich sah von meinem Notizbuch auf; sie hatte sich ein wenig vorgebeugt, um mir über die Schulter sehen zu können, und lächelte. Ich erwiderte: »Warum schreibt man überhaupt?«
Sie war damit nicht zufrieden; ich wäre es auch nicht gewesen, zumindest unter anderen Umständen nicht. Also sagte sie weiter: »Aber Sie müssen doch nicht mitschreiben, die Texte finden sich sicherlich im Internet.«
»Ich schreibe ja auch nicht mit, das wäre ja ziemlich lächerlich.«
»Ja, aber über was schreiben sie dann?«
»Über das hier«, ich machte ausladende Handbewegungen, »und was mir dabei durch den Kopf geht.«
Sie nickte, lächelte wieder, - vielleicht ein bisschen verhaltener, - und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.

Dabei wird es auch bleiben. Ich bin der Kerl im Trenchcoat [Tren(n)-Chaot?], der um sich selbst kreist. Zumindest für heute noch, ein letztes Mal.

Okee:


1. [17.52 Uhr].
Als erstes denke ich, dass ich den Kellner von irgendwoher kenne. [Am ORi selbst bin ich dreimal vorbei gelaufen. Das spricht hauptsächlich für mich. Überhaupt: Zwischen der Karl-Marx-Straße und der Sonnenallee habe ich mehrfach die Orientierung verloren, und als ich dann vor der Volksbank an der Ecke stand, auch schließlich die Geduld. Wie einfach wäre es gewesen, sich im Vorfeld die Straße aufzuschreiben; stattdessen musste ich mich durchfragen, - während die einen nach links zeigten, zeigten die anderen nach rechts. Herzlichen Glückwunsch, Neukölln].
Die Wände des ORi sind grau gestrichen. Das Licht ist gelb, warm, unauffällig. An den Wänden hängen Bilder von Istanbul. Ich frage nicht weiter nach, bestelle stattdessen einen halben Liter Fanta, und mache bei Oliver Twist da weiter, wo ich aufgehört habe.

Irgendein Lied vom Mixtape reißt mich aus England wieder raus in die Gegenwart. Dieses Lied, - es klingt wie eine Erinnerung aus der Kindheit, nur ungleich näher, wie im Hier und Jetzt, wie gestern Vormittag. Es lässt mich die momentanen Sorgen vergessen, lässt mich die lähmende Angst vergessen, ach was für ein schönes Leben, und das Herz rasselt weiter, das Herz unter der Brust, auf der Zunge, - nur für einen einzelnen Blick über den Dächern Istanbuls. Nein, das ist es noch nicht.


2. [Zehn Minuten später].
Wenn ich mich nur entsinnen (!) könnte, woher ich dieses Gesicht kenne. Dunkel, und wie aus einem Traum, den man vor Jahren einmal geträumt hat, steigen Bilder auf, berühren sich sachte im Vorübergehen, jagen sich durch Kindheitswirren. Was das bloß bedeutet, fragt man sich, und dann klingelt der Wecker, bereit für den nächsten Morgen, für den nächsten Tag, für das nächste Leben.
Ich sitze alleine an diesem Tisch, mir gegenüber: der leere Stuhl, auf den sich ein Fremder setzen wird, den ein Fremder gewaltsam mitnehmen wird, - ein Fremder, der mich mit flüchtigen Blicken, eiligen Blicken, körperlosen Blicken an einem leeren Tisch zurücklassen wird, - wie auf einer Insel; einer Insel ohne Strand. In einem Meer werde ich schwimmen, Menschen, überall; sie werden lachen und mit leuchtenden Augen blinzeln, und sehen, blinzelnd sehen, während ich davontreibe. Aufs Meer hinaus, aufs Meer. (Das lässt mich selbst nicht mehr los).
Nein, so kann man nicht denken.

Sag doch stattdessen lieber: Woher?
(Aus der Kälte des Winters). Woher?
Sommers Tiefen.
Aufs Meer hinaus, aufs Meer.
Wie Wellen gegen Küsten brechen.

Ich kann nicht aufhören, mich zu wiederholen. Dabei will ich in Wahrheit nur davon berauscht werden; nein, mehr noch: bezaubert werden.


3. [18.20 Uhr].
Wenn etwas vom Menschen übrig bliebe, ...
Wenn es ein Gedanke sein könnte, ...
Oder ein Wort, ein einzelnes, ...
Was würde man der Nachwelt hinterlassen?
Was wäre so wertvoll zu überdauern?
Was bliebe?


4. [19.39 Uhr].
Irgendwie Teil von etwas sein,
und trotzdem kein Ganzes werden.

Die Tür ist mein Nacken, im Nacken, die Zugluft drückt das Kerzenlicht. Menschen kommen. Was vorher nur gelb war, ist jetzt golden. Mein Gegenüber, der Stuhl, ist weg. Ally Klein hat ihn genommen. Das ist okay, - das Chaosmädchen wird ohnehin nicht kommen. Ich versuche mich ein bisschen auf die Gespräche der Menschen zu konzentrieren, aber es fällt mir schwer. Ich begegne hier Gesichtern, oder eigentlich: Namen; die eigentlichen Leser sind mir völlig unbekannt, nur den Kellner kenne ich irgendwoher, und BastiH, in der Ecke, nur das ist irgendwie nicht richtig, das gilt nicht, denn der kennt mich nicht. (Da könnte man sehr viele Anekdoten draus machen). Ich vermeide manchmal sogar den Augenkontakt, - dabei kriege ich ausgerechnet davon sehr viel heute. Immerhin ist der Laden jetzt auch voll. Das goldgelbe Licht macht das viele Grau vergessen. Unzusammenhängend.

Irgendwie Teil von etwas sein,
und trotzdem kein Ganzes werden.
Das schwirrt mir durch den Kopf. Das wartet in den Augen, - Blicken!, - in den vom Goldlicht bestrahlten Goldaugen. Die anderen stehen sitzend, reden schweigend, alles ist erleuchtet. Ich verschwinde manchmal, für ein paar Sekunden nur, aber dafür vollständig; manchmal werde ich transparent, und bin glücklich dabei. [Ich bin wichtig!, schreit das Staubkorn]. Die Bedeutung bleibt sich selbst überlassen.

Ich sitze weiter in der Zugluft. Gibt es etwas wirklicheres als das? (Und mein Gegenüber, der Stuhl, reicht sich weiter an Susanne Englmayer).

Ich bin zum Sprechen und Winken und Andeutungenmachen zu feige. Es regnet. [Welches Wort bliebe übrig?]


4. [20.01 Uhr].
Die Menschen sind immer anders,
anders als ihre Namen,
anders als ihr Äußeres.
Nur ihre Blicke verraten sie manchmal.
Aber: Reicht das?

Ich fange im Minutentakt Blicke auf, und bin reichlich überfordert. Vom vielen Blinzeln tun mir schon die Augen weh, aber ich denke nicht weiter, nicht bis zum Ende. Aufs Meer hinaus, aufs Meer.


5.
Von den Autoren werde ich zum Teil sehr berührt. Von Ally Klein beispielsweise, die mich zweimal sehr böse anschaut, by the way, aber warum auch nicht? Und auch von Modeste. (Berührt, nicht böse angeschaut; im Gegenteil. Wenn Modeste lächelt, spürt man so etwas Unbestimmtes, etwas, das sagt: Das Leben kann eine Hure sein, aber vielleicht die schönste von allen, -- auf einem Boot sitzend, und die Wellen reflektieren das Sonnenlicht, und man möchte hinaus, aufs Meer hinaus, aber dann peitschen einem die Wellen die Gischt ins Gesicht. Ich werde mich ab morgen durch ihre Texte lesen, von Anfang an, bis heute).
Ich werde von jedem Einzelnen erfasst, - von ihren Güterzugworten, ihren Kosmonautenstimmen; weil der Raum so klein ist, gibt es keine Abgetrenntheit vom Einzelnen. Es ist, -- was genau, kann ich eigentlich gar nicht sagen, daher schweige ich still, mit großen Augen, und teilweise sogar mit offenem Mund. Es ist eine Art Erinnern, oder Vergessen, wie ein Gefühl von Größe, - von etwas, das einen so dermaßen überragt, das man sich daneben verschwindend klein fühlt, unbedeutend, trivial, aber immerhin völlig geborgen darin. Ein Blick hoch ins All könnte nicht furchteinflößender sein, und schöner. (Es gibt kein Entkommen aus dem Sog der Worte). Ich fühle mich wie ein Amateur, der es verzweifelt versucht, und doch nicht schafft, und gleichzeitig glücklich damit. Immerhin: Was braucht es mehr?

Teil von Etwas, aber kein Ganzes.


Wie ich so da sitze, wie ich so lebe, wie ich die Fanta gegen den Cappuccino tausche, wie ich schüchtern bin, (oder feige), wie ich lächle. Der Keks zerbröselt noch in meinen Fingern, und die Zeit, --
Ich kann nichts dagegen tun, ich will nichts dagegen tun, ich bekomme ein Lächeln geschenkt, - sogar ein schönes, - und zwar ganz umsonst, und meine Lippen verschieben sich zu etwas, das man getrost vergessen kann, aber was genau passiert, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Es ist, als löse sich etwas auf, - zurück zum Brausetablettenkörper, der keine Materie braucht, zurück zum Leerzeichenleben, das genug Platz zum Atmen hat. Und genau das tue ich: Atmen, mit Tunnelblick und ein bisschen Gänsehaut im Nacken, weil etwas da ist, etwas Verbindendes.
Es ist da, wie ein roter Faden windet es sich von einem zum anderen, und manchmal verschwimmt es im Lachen, und im beschlagenen Fenster, und im goldenen Licht. Ein Gefühl, völlig irrational.

Der Wind und der Regen tragen es schließlich davon.
Es bleibt nicht.
Es sind Einzelmomente, die gerne ein Film wären.

(And life's like an hourglass, glued to the table).



Nach all dem denke ich, dass es endlich Zeit für etwas Neues wird.

Donnerstag, 3. April 2008

Interlude: !!!

Letzten Endes kriegt dich Woody Allen doch.
Am aschenen Fenstersims ergreift mich plötzlich die Verzweiflung. Darf ich hier überhaupt glücklich sein, wo doch eigentlich nichts geschieht? Bin ich in den tiefsten Tiefen meines Herzens doch einsam und erbärmlich, vielleicht depressiv und zwangsgestört, oder ergänzungsweise auch vieles, vieles mehr, was man auf der Couch mit energischen Handbewegungen erzählen sollte? Ich weiß es nicht, aber der Taxifahrer unten auf der Straße schreit mir irgendetwas entgegen, was ich nur mit gebleckten Zähnen und Mittelfinger erwidern kann. Deine Mutter, Alter, deine Mutter.

Das ist irgendwie ein Ja auf alle meine Fragen.

Es ist irgendwie ganz egal, dass ich allmählich von den Gitterstäben meines eigenen kleinen perfekten Lebens müde werde, denn die Müdigkeit geht zweifelslos von dem Teil meines Charakters aus, der nicht rechnen kann, und der auch nicht logisch denkt. Da kann der Rest noch so oft beteuern, wie gut es ihm geht, wie viel er noch vorhat, und was er alles noch tun muss, wie glücklich er ist, - verdammt!, setz doch endlich ein Ausrufezeichen hinter diesen gottverdammten Satz, - denn nachts hat er scheinbar völlig den Verstand verloren. Wie sonst erklärt sich dieser Totalausfall in dem Mail, meine Kurznachrichten, und meine flüchtigen Chatfensterdialoge? Kann alles andere als gut sein.
Ich führe zu viele Monologe, und rede zu laut, zu schrill, zu arrogant. (Daher auch die Idee mit dem Trenchcoat: mit Männern im Trenchcoat spricht keiner gern). Ich sollte wirklich mal zum Friseur, denke ich, und gewöhne mich an diesen Gedanken jeden Tag ein bisschen mehr. Ich sollte so vieles, und verliebe mich dann in das Gefühl des Tun-Müssens-Aber-Trotzdem-Sein-Lassens. Das ist wie Morphium.

Ich höre
Robert Randolph mit Ain't Nothing Wrong With That
Lizz Wright mit My Heart
Lightspeed Champion mit Dry Lips
alles ein bisschen zu laut, aber ich fühle mich frei dabei.


Ist ein Mensch überhaupt dazu gedacht, auf lange Sicht glücklich zu sein? Ich meine, wie viel Glück erträgt ein Mensch überhaupt, bevor er wahnsinnig wird? Oder ab wann beginnt er sich wieder selbst zu sabotieren?

Ich denke, ich brauche darauf wirklich ein paar gute Antworten.

Dienstag, 18. März 2008

Interlude: maybe

Sehnsucht, mit jemandem zu sprechen, der mich versteht. (Eins zu eins). Sehnsucht, mit jemandem zu schlafen, der mich liebt. (Zwei zu eins). Sehnsucht, mit jemandem die Welt neu zu erfinden. (Drei zu eins).

Einem Traum hinter her.

Einsinken in ein Lied, das die Vergangenheit in zwei ungleiche Hälften teilt: 1. Unwiderrufliches. 2. Triviales. Das ist die Illusion des einmal erlebten Wunders. Was du hattest, kriegst du nicht wieder. Dabei: Völlig unbefriedigende Scheinwahrheit. Das Jetzt ist generell besser.

Phantome.
Gespenster.
(ich krieg dich nicht).

Ohne Anlauf kein Hürdensprung.
Meine Arme strecken sich hinter meinen Rücken, - ich wärme mich nur auf, und frage mich: Kann ich zufriedener sein? Muss ich glücklicher werden? Bin ich aus Feigheit steppenwölfisch? (ertappt). Die Heinzelmännchen machen den Abwasch, und ich starre stundenlang auf Namen. Das kann doch eigentlich gar nicht sein, aber eigentlich ist dehnbar, und mein Herz ist es nicht. Also: Was ist, falls? Falls, was?

Ich kann mich von dieser Sprache einfach nicht befreien. (wahrheit). Aber? Sonst. Von allem anderen, vielleicht. (lüge). Nein, diese Reisebusse aus Italien machen mich schlicht fertig. Und dann bringt der Wind auch noch das Meer. Aber darum geht's überhaupt nicht. Der Ort ist genau der richtige. Ich muss nirgendwo anders hin.

ich bin ja da.












nur du fehlst.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Interlude: Ichheit vs. Wir-Sein.

Ich tu mich schwer mit neuen Bekanntschaften; in fact: I am not into humans.


Teil 2.
Im Ernst. Es kann innerhalb einer Sekunde passieren, dass ich mich für jemanden interessiere, ich kann mich sofort verlieben, kann innerhalb eines Atemzugs von jemandem besessen sein, - aber es dauert Jahre bis ich mich dieser Person gegenüber auch wirklich öffne. (Anders öffne, als ich das hier mache).
Es geht dabei nicht so sehr um das Innere, - das Innere ist für mich ein ewiges Nichts, oder ein endliches Alles, eine Art radioaktiver Abfall mit einer unbekannten Halbwertszeit; ich kann mein ganzes Leben vor einem anderen Menschen ausbreiten, kann in so bunten Sätzen wie diesen von meinen Erlebnissen, von meinen Gedanken erzählen: das Ich springt dabei trotzdem nicht aus der Torte. Es bleibt hinter den Worten zurück, verliert sich in den Berührungen, - es findet keine Alltäglichkeit, keine Gewöhnung an das eigene Leben; dazu braucht es meiner Meinung nach Zeit.

Ich öffne mich gegenüber einem Menschen in Bezug auf mein Vertrauen, und vielleicht: in Bezug auf den Prozess des Ich-Seins. [Eine Annäherung an den Menschen, der mehr Ich ist, - mehr Ich als derjenige, der gerade diese Zeilen schreibt, mehr Ich als der, der in der Bahn sein Gesicht gegen die Fensterscheibe drückt, als der, der im Hörsaal am Rand sitzt und seine wilden Kritzeleien in ein Notizbuch schmiert]. Es dauert lange bis ich mich in der Gegenwart des Anderen nicht mehr eigenartig verzerrt fühle, - wie im Spiegelkabinett als Schattenwurf, etc. Es dauert lange bis ich mir mein Lachen nicht mehr verkneife, weil es aus mir herausbricht und sich nicht mehr aufhalten lässt. Es dauert lange bis ich meine Ängste dechiffriert ausspreche, lange, bis ich körperlich werde, den Anderen berühre, umarme vielleicht, lange, bis ich mich nicht mehr über mich selbst wundern muss, weil ich bemerke, dass der Andere genauso verschroben ist, wie ich selbst, etc. Es passiert nicht von einem Tag auf den anderen, dass ich vertraue.
Sympathien? Ja, meinetwegen. Aber selbst die verteile ich nicht fahrlässig an jeden x-beliebigen Menschen, der mir mal etwas Gutes tut. Ich bin ein komplizierter Mensch, exzentrisch, manisch, rastlos, widersprüchlich. Das ist nichts besonderes. Jeder ist auf die ein oder andere Art und Weise kompliziert, - darauf kann man sich, besonders heutzutage, nichts mehr einbilden. Das Ich ist eine Masse an Widersprüchen, an Extremen, an Austauschbarkeit. Darum geht's nicht. Selbst, dass ich Ewigkeiten dazu brauche, um gegenüber einem Menschen wirklich liebevoll zu sein, ist nicht von Bedeutung. (Ich habe ein Warnschild über meinem Herzen; das reicht). Was ich sagen will ist: mir fällt es schwer.

Um so mehr freut es mich deshalb, wenn ich mal einem Menschen begegne, bei dem das nicht zum Problem wird. (Es gibt tatsächlich diese Menschen, die einem die Freiräume lassen, die für mich so existenziell sind). Chaos und Unverstand beispielsweise, (und Makko natürlich auch; und einige weitere, von denen vielleicht noch die Rede sein wird). Natürlich hat es bei ihnen auch gedauert, aber es war immer eine Art gegenseitiger Prozess: Man ist nicht, wie man ist, - man ist, wie man wird. Das ist wichtig, entscheidend für das Gefühl des absoluten Vertrauens, des Rückhalts, vielleicht ein familiäres Gefühl. Etwas, das den Blutsbanden ebenbürtig ist. Sein wie man ist, - Ich-Sein. Das bedeutet sowohl Alleine-Sein als auch Beisammen-Sein. [Das Individuum ist nur eine Relation zu anderen]. Was auch immer ich also reflektiere, - sowohl über sie, meine Freunde, als auch über mich selbst: es ist immer Teil des eigenen Seins. (Und jetzt der Knall und der Sprung aus der Torte).

Freitag, 23. November 2007

R.E.M.

Monate lang bin ich im Bett,
rede Jahre lang im Schlaf,
träume Jahrhunderte von Möglichkeiten,
vergesse in Jahrtausenden das Leben.

E T C.

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22. Juni 2006
Ich habe mich für kreativ gehalten, - viele Menschenleben lang, - habe meine Ideen in unzähligen Gesprächen ausgetobt, - in diesen sich selbst überdrehenden, fressenden, spaltenden Gesprächen, die sich letztlich so freudlos knisternd in die Luft erbrochen haben, --
Ich will: Kunst! Ausdruck! Raffinierte Formen, Farben, Perspektiven! Also schreibe ich hunderte Notizbücher voll, im Jahr, und beerdige sie in Schachteln, die verstauben. Also kritzle ich meine Figuren auf Papier, kreiere meine Welt in schiefen Strichen, und zerschneide die Leinwände dann mit Teppichmesserklingen. Ständig warte ich, warte jahrelang auf den .E I N E N. Augenblick, auf diese pleasures for creativity, und dann geht der Tag vorbei, dann gerinnt die Nacht zu feuchten Träumen, dann knallt die Sonne auf die Sterblichkeit, - und nichts geschieht. An keinem Tag geschieht etwas, - geschieht etwas? Reihenhäuser, die um Reihen hausen, - sie ziehen dieses gespenstergleiche Leben mit sich. Ein Schafott des Verstandes. Ich sterbe in diesen vertrockneten Pinseln, sterbe in diesen leeren Hülsen, in dem Stillstand.

Heute sind es einundzwanzig Jahre.
Einundzwanzig Jahre Ewigkeit.


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Fast forward to a few months later. Heute: 22. November 2007.
Ich stolpere über weiteres, unsortiertes, - wieder geschieht es ganz unvermittelt. (Ich kann es mittlerweile nicht mehr kontrollieren; ein Augenblick führt zu einer anderen Welt, jede Fremdheit prickelt mir auf der Zunge). Ich sehe, -- Papier, das zerrissen, geklebt, zerknüllt, entfaltet, zerrissen, und neu geklebt wird. (Es dauert sieben Minuten lang, und im Hintergrund spielt klassische Musik). Ich sehe, -- einen Athleten, einen Tänzer vielleicht; er überschlägt sich drei Minuten lang, immer neu, immer anders, und er fliegt nicht nur einmal auf die Fresse, - und trotzdem macht er weiter. Spazio:quadrato. Ich sehe Photos, die mich berühren, höre Musik, die mich aus dem Alltagstakt bringt, führe Gespräche, die mich aufwecken, - und es erhebt keinerlei Anspruch; es geschieht einfach. Trivialität der Farben, Worte, Töne, blabla. Du bist nicht das einzigartige Wesen, das du vielleicht gerne wärst; du bist nichts als ein austauschbarer Prozess, interzellulärer Sklaverei unterworfen. [Lektionen in Demut]. Aber es bleibt nichts spurenlos, - selbst die flüchtigste Begegnung hat Sprengkraft: Raimund Gregorius, Meursault, Clarissa Dalloway, Emil Sinclair, - sie alle sind mit den Spuren im Sand verbunden, denen sie einer nach dem anderen folgen, und sei es bis ins Meer.

Ich bin völlig infiziert (worden), fühle mich wie ein Peilsender, wie ein Echolot, - da geschieht eine audiovisualisierte Sexualisierung. Ausbruchsgeilheit, sozusagen. Und Berlin und Paris verpassen mir jeweils einen harten Schlag in den Nacken, unter dem ich taumle. Nein. Anders. Es ist alles ganz anders, - was folgt ist die Erkenntnis als Flutlicht.

Mein Notizbuch ist zum Tagebuch verkommen. Mein Blog ist nur noch eine Sammlung unsortierten Pathos'. Ich male nicht mehr, obwohl ich es könnte; schreibe nichts mehr von Belang, obwohl ich es müsste (ich mache ja noch nicht mal die Schreibübungen, die ich mir vorgenommen hatte); meine Ideen bleiben zum größten Teil unverwirklicht, unangetastet. Ich bin seit zwei Jahren nicht mehr als ein Konsument, verschlinge Bücher, und Texte von anderen Menschen, verschlinge CDs, verschlinge Filme. (Und alles ist irgendwo archiviert). Es ist nichts wert, alles nur die Ansammlung von Alternativen, aber nicht: Potential. Ich lese zu langsam, bin zu unaufmerksam, bemühe mich nicht. Ab heute sind es fünf Jahre Stillstand. F Ü N F ! Und was war zum Aufwachen nötig? Ein leeres Blatt Papier, das zwei Hände zerreißen, zusammenkleben, zerknüllen, entfalten, wieder zerreißen und zusammenkleben, und dann zwei Minuten an das Objektiv drücken. (Ich bin dieses Blatt Papier).

Reihen, folgen.

allora?
.L I B E R I. .T U T T I.

Alles auf Anfang? Scheiß drauf. Kunst ist Kampf!
Fast forward to a few years later.

Mittwoch, 7. November 2007

Heftklammer

Desweiteren. Es gibt diese Ergänzung, diese eine kleine silberne Heftklammer, die zwei, drei, - zehntausend, - Dinge miteinander verbindet, nur, n-n-nur. Stotterst Du, oder was? Ja, mehrfach. Tausend Mal am Tag. Das Problem ist nämlich: Ich vergesse zu viel. Ich habe mittlerweile (tatsächlich) das Gefühl, - und immerhin: wenigstens das lässt sich nicht sofort vergessen, eher: verdrängen, - dass sich in meinem Gehirn eine Art Negativzone aufbaut, Antimaterie, schwarze Löcher kreiselnd in dem walnussschalengroßen Nervensystem, - ist zufällig Stephen Hawking anwesend? Es passiert ständig irgendwas, und wenn ich versuche, mich darauf zu konzentrieren, entsteht nur theoretisches Bla. Viel Bla.

Ich habe Zahnschmerzen, oder genauer gesagt: mein ganzer Mund ist ein Epizentrum; da sind aufgebissene Lippen, mit fasrig weißen Löchern, Zahnfleischbluten, - ich tippe auf Vitaminmangel, - und Phantomschmerzen bezüglich Zähnen, von denen ich mich schon längst verabschiedet habe, oder von denen ich mich sicher in den nächsten drei Jahren noch verabschieden werde (manchmal habe ich das Gefühl, meine Zähne wären genauso brüchig wie Basaltgestein); meine Zunge ist wund, und aufgerissen, weil ich schätzungsweise des nachts meinen Kaureflex nicht unter Kontrolle bekomme, oder, weiß der Teufel, ich einfach nicht genug esse, und mein Gehirn daher im Traummodus auf Auto-Reboot schaltet. [Iss mehr, oder du verschlingst dich selbst. Das ist optionaler Kannibalismus. Aber wie auch immer]. Überhaupt: Ich frage mich zu oft, ob sich ein Gehirn so verhalten sollte, wie es meines tut; ständig rutschen mir pietätslose Sätze raus, die Bilder, die visuell hochauflösend und mit Dolby-Digital durch die Augen fegen, hinterlassen in meinem Hals oft dieses unerklärliche Kichern, und dann später sogar dröhnende Lachen, das ich einfach nicht unter Kontrolle bekomme, und dann wäre dann auch noch ... ähh, ja, die ... Vergesslichkeit?

Ich bin glücklich, auch wenn ich die Randbedingungen nicht im Griff habe. Die Wohnung in rottencom ist gekündigt, - hab ich das schon mal geschrieben?, - und das Chaosmädchen und ich sind nun auf Wohnungssuche. Offiziell eigentlich noch nicht, d.h. die meisten Freunde und Freundesfreunde wissen noch nichts, die Familie ist zwar informiert, aber mehr oder weniger noch im Unklaren bezüglich der Ausführung der in den letzten Monaten so pathetisch geschwungenen Sätze, und aufgelisteten Pläne. Haha, hyperventiliere ich da gerade?

Unileben? Reduziert sich. Natürlich könnte man einwerfen, dass ich die letzten zwei Jahre in Tubinga vergeudet habe, wenn ich jetzt alles wegschmeiße, - für eine Stadt, die mir nichts gibt außer sich selbst; ihre Gleichgültigkeit, ihre Grausamkeit und ihr kolossaler Veränderungsdrang, - und ja, tatsächlich: ich werde von Februar bis Oktober in Erwartungshaltungen zerfließen, und jobben, j-j-jobben, und darauf hoffen, dass ich mit meinem Schnitt, die NCs dieser Welt knacke, denn, man höre und staune: es gibt an der FU tatsächlich einen Studiengang, der mir zwar mehr abverlangt als ich habe, der mir aber vielversprechender erscheint als alles, was ich hier habe, - und das trotz der Tatsache, dass ich einen Erfahrungsschatz eines Abiturienten mitbringe, der naiv an das Bessere glaubt; und vielleicht freut sich schon der masochistische Teil in mir, diese Illusionen endgültig an der Wirklichkeit aufzurauhen. Ich drücke RESET, und sehe den Countdown rattern. Noch wenige, - wenige was? Tage. Ja, auch, hauptsächlich aber Sorgen. Ich verfüge über keine Sorgen mehr, - ich setze meinen Willen durch, behaupte mich groß und immer größer werdend gegenüber all denen, die mich mit Zweifeln bewerfen. [Da steht ein großes FUCK YOU auf meiner Stirn, - nachts sogar fluoreszierend].

Wenn ich daran denke, wie leicht und einfach plötzlich alles geworden ist, dann möchte ich über mich selbst lachen. Das Kreisen um sich selbst erscheint mir heute wie ein Fiebertraum. ey, schau mal, da draußen gibt es echt noch ne Welt. Klar, ich weiß, es wird nicht bei dieser einfachen Lebenseinstellung bleiben, und ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass die Zeit zurückkommen wird, in der wieder alles schief läuft, aber ... was soll's. So ist das eben. Besonders wenn man Ich ist.
Ich arrangiere mich. [Sogar mit dem Licht, das das Chaosmädchen ständig vergisst auszumachen, wenn sie ein Zimmer verlässt]. Ich befreie mich. [Ich glaube, das hab ich allerdings schon mal geschrieben]. Also versuche ich jetzt richtig zu sein. Jetzt, wo die Details auch überhaupt nicht mehr von Belang sind, weil die Sichtung längst abgeschlossen ist; ich kenne den Weg, ich kenne die Umstände, also weshalb noch Worte darüber verlieren?


Die Frage ist noch immer: Was verändert das Wesen eines Menschen?

Mittlerweile, ja, da erscheint mir die Antwort fast greifbar, - allerdings nicht eindeutig. Ich denke, es geht um Entscheidungen, es geht um den eigenen Willen, und den Entwurf. (Wir sind die, die wir sein wollen, pah, immer in den eigenen Rahmenhandlungen. Aber immerhin!) Selbst Passivität ist eine Entscheidung; ich für meinen Teil, hab es satt, passiv zu sein.


Ähh, was wollte ich ... doch gleich noch mal?


weiter.

Samstag, 27. Oktober 2007

Slide In

Schalt mich an.

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Flutlichtlachen. Abrissbirnenaugen. Der Fänger im Roggen.


Wenn man sagt, es hätte sich alles verändert, dann klingt das grundsätzlich völlig überzogen. Das wirkt unglaubhaft. Es ändert sich nichts von einem Tag auf den anderen, heißt es, weder der Mensch, noch seine Probleme ändern sich. Ja, weiter. Alles geht immer weiter, nur die Fragmente verschieben sich ein bisschen, - man atmet einmal freier und mal gezwungener; der Hormonhaushalt ändert sich, Tage ändern ihren Namen, man entsteht und man stirbt, - doch wacht man nicht als dieser andere auf, als dieses schönere, intelligentere alter Ego, das uns mit Gewalt aus alten Strukturen sprengt, - wir werden nicht zu Tyler Durden, wir sind nicht Jacks alles versengende Wut, wir erreichen Nirvana nicht. Selbst wenn wir uns negieren, nichten wir uns nicht. Wir verschwinden allenfalls, aber das ist keine Kunst. Wir reiten auf Patronenkugeln, das ist alles.


Und doch: Es hat sich alles geändert. Es ist ganz plötzlich passiert, diese grundlegende Änderung, und ich stehe vor, -- Alltagsgegenständen. Ja, denn da war noch dieser Alltag, der sich am unteren Ende der Nahrungskette durch die zufälligen Begegnungen fraß, durch das Spiegelbild, durch den Schmerz, [Kopf-], und die Verspannungen. Da war dieser Morgen, der sich kriecherisch in mir erbrochen hat, - langsam, und in ganzen Brocken: bittersüße Träume, unerfüllbar und viel zu klebrig, sexuell bis anzüglich pervers, romantisch verkitscht und furchtbar brutal, - und dann das Ausstrecken der Finger nach dem Wecker. [Im Badezimmer: einmal das pulsierende Auge, das sich entzündet hat; zweimal die aufgerissenen Lippen, die nicht heilen wollten, weil ich sie doch immer wieder zerkaut habe; dreimal die Haare, die sich im Nacken zu locken beginnen, und die mir trotzig in der Quere hängen; viermal: Was verändert das Wesen eines Menschen?] Da war dieser Mittag, der mich aus der Bahn geworfen hat, mit seinen Gesprächen, seinen Berührungen, seinen Wahrheiten, und ich saß auf der Kante, am Straßenrand, und musste wartend die Fußgänger fressen. Da war dieser Abend, der mich vor Überdruss die Wände hochgehen ließ; dann folgte die Austauschbarkeit, die Wunderlosigkeit, - kurzum: die erstickende Wut, die in einem [relativen] Nebensatz aus [Deinen!] Poren brach. Und was blieb war die stammelnde Nacht. Ich, wie ich die Kontrolle verliere. Ein abgenutzter Mensch, eine Reduzierung seitens anderer, ein Instrument, - wie oft habe ich Worte auf Ketten gereiht, habe mich bemüht, bin verstummt? Wie oft ist alles im Kreis gegangen?

Und jetzt ist nichts mehr wie es war. Das ist weiterhin pathetisch, das ist unglaublich reduzierbar. Aber ehrlich gesagt: ich hab die Schnauze voll, reduziert zu werden. Denn genau das geschieht hier wie überall. An der Uni bin ich Sarkast, bin Soziopath, bin der Menschenfeind, - dann bin ich plötzlich ein Schwätzer, bin ein Nerd; der Raum, der mir zusteht, wird immer kleiner, der Radius immer enger, und die Worte treten sich gegenseitig in die Fersen, - interpretiert mich!,- und ich habe keine Lust mehr. [Ich bin kein Konto, Vater, bin keine Bilanz, die man aufstellt, die man kalkulieren kann; ich bin nicht faul, Bruder, ich arbeite hart für das, an was ich glaube, für das ich lebe, für das ich sterben werde; ich bin ein Mensch, Mutter, ich habe ein Recht auf das Leben in Freiheit, habe ein Recht auf die Risiken der Welt, auf die Vergänglichkeit]. Ich leiste mir, -- Fehler! Leiste mir Totalausfälle. Leiste mir meinen Sturz nach oben, und auch nach unten, denn jeder Schritt ist nichts als ein kontrollierter Fall. Ich vergehe nicht vor Kummer, weil der Kummer nicht mein Herz berührt. Ich denke an das große Scheitern, an das absolute Scheitern, und ich kichere dabei. [Ein durchaus kindisches Kichern]. Die Freunde umschwirren mich, fressen mich von Innen und von Außen, aber ich kann nur ständig lachen.



U M B R U C H
abbruch. ausbruch. rette sich wer kann.



F*ck. Ich geh auf Konzerte im November, bin bei The National und Marilyn Manson, ich besuche Cocktailpartys und werde arrogant bis spöttisch sein, ich werde Gäste beherbergen, noch ein letztes Mal in der Sturmhöhe, und schreibe Briefe in die große böse Welt, um meine Geschichten zu erzählen. Ich genieße alles, reize alles, ficke alles, - es ist nicht mehr egal. Noch zwei Monate bis Ende, dann noch weitere drei. Noch fünf Monate, dann, --
Ich opfere alles, mich, diese Wohnung, dieses ganze Leben, - ich gebe den Entwurf auf, jemand sein zu wollen, der ich nicht sein kann, weil ich nicht bin, was man nicht sieht. Exzess! Wahnsinn! Und unersättlich. Ich bin des Kreisens müde, das Fliegen über sich selbst. Ich bin, --
Kamikaze! Steilflug. Konfrontation.

Sie will nach Berlin, und das, gottverdammt! das! ist das Zeichen, auf das ich gewartet habe. Das ist die Verkettung der Ereignisse, ist das Reh auf der Straße, - Freiheit in einem Stoß nach draußen. Atme schnell, oh Horatio.


Tubinga, mia disgrazia?
Vorbei, vorbei, - es ist alles vorbei, - es brennt alles nieder, geht in Flammen auf, - Umzug, [s], -pack-er! Kartons und Kisten, die im Keller lagern, Abbruch, Ausbruch, Umbruch, - ein Bruch, der heilt, ohne dass man etwas tut. Wir gehen aneinander vorbei ohne uns zu grüßen; wir werden uns vergessen, Tubinga, wir werden uns verlieren.


Details folgen.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Halbwertsherz

Alles ändert sich. Nichts ändert sich.

Man grüßt sich, und schräg von oben fällt das Neonröhrenlicht. Draußen: Zigarettenrauch und Asche, die sich auf die Treppe streut; Flugzeugvögel zwischen Wolken; buntes Laub, - in den Gastrollen ROT, GELB, ORANGE und BRAUN, - das fegt, und wirbelt, selten fault; und natürlich die lächelnden Gesichter: offen, mit funkelnden Augen, angefeuchteten Lippen, und dem Haar im perfekten Winkel, - zu 45, 90 und zu 180 Grad. Alle schrammen sie am Blickfeld vorbei, ohne Funken zu hinterlassen. Also nicke ich redend schweigend, und verfange mich in der Argumentation eines Fremden, der mir aus der Seele Erfahrung spricht. [Es geht um Camus, und Sartre und die lebensnahe Praxis, die ich seit fünf Semestern hier suche, und dann ganz nebenbei in einer Denkpause finde]. Alles ändert sich. Nichts ändert sich.

Etwas früher. Ich sitze verwinkelt im Bus und falle senkrecht durch die Stadt. Es ist Morgen. Ich komme von der Darwin-Vorlesung und habe trotzdem noch den Geschmack von Kaffee auf den Lippen; ich sitze da, rauschend zwischen Wind und Menschen, und bin gedankenlos alltäglich, von der eigenen Existenz befreit in Worten, in neuen Begegnungen, in all you can eat für 2,9o. Es ist unerwartend schön, denke ich und frage mich noch im selben Augenblick, ob ich den Moment oder das ganze Leben damit meine.



Dabei bin ich weit weg von glücklich und zufrieden, weit hinter happily [n]ever after. Es gibt keine Loslösung von der Obsession. Es gibt [noch immer] keinen Schritt in Richtung Berlin. Es gibt keinen Paukenschlag, der mich von mir und dem alten Denken befreit. Es gibt keine Katharsis. Nicht heute. Nicht morgen. Nicht in drei Tagen. Etwas steht schief, in mir, ein Nervenstrang vielleicht, der mich am Denken hindert; ein Gedanke, der nicht rund ist, sondern Kanten hat, und bei jedem Nicken mit dem Kopf schlägt er ein paar mehr Gehirnzellen tot. [Ich weiß, was ich will, und ich weiß, was ich brauche, - das Wollen ist nicht das Problem; es ist die Radikalität der Tat, die mich noch immer viel zu stumm, zu apathisch, zu ängstlich sein lässt; also frage ich mich, ob ich nicht nur nach Ersatzbefriedigungen greife, weil ich für die eigentlichen Ziele viel mehr opfern müsste, als ein paar Kartons, und ein begonnenes Leben]. Ich träume wirre, sehnsuchtsvolle Träume, die mich morgens traurig in den Tag stoßen, weil ich das Gefühl vermisse, berührt zu werden. [Nicht körperlich. Seelisch]. Ich sitze vor der Webcam, und sehe diesem Fremden zu, wie er mein Leben systematisch auf den Kopf stellt, obwohl er nichts weiter macht, als auf meine naiven Fragen zu antworten, und dann geht die Warteschlange in eine neue Runde, und es ist 23 Uhr, es ist halb eins, es hat schon längst ein neuer Tag begonnen, und ich warte sitzend auf Befreiung.


Es gibt Stunden, da ist alles perfekt. Da läuft alles, und ich glaube, es ist richtig, wie es läuft. Dann trinke ich einen großen Schluck Milch, und schaue zu meinem Fenster hinaus, werfe trotzige Blicke gegen die Fassaden dieser Stadt, und sage: Ich bin besser als ihr. Ich gehöre hier nicht her; ich muss das momentan nur ertragen. Aber diese Stunden versiegen. Ich höre Oh Horatio, und dann kommt der Kinnhaken von links, und wirft mich zu Boden. Nein, es sollte wirklich nicht so sein, und ich werde wütend, - auf mich selbst, und diese verfahrene Situation, auf mich und die Unsicherheiten, auf mich und die unzähligen Konstellationen. Natürlich sagen sie mir hier, ich dürfe nicht gehen; sie tippen mir an die Schulter und fragen mich, warum eigentlich? aber ich finde keine vernünftigen Antworten, weil es dafür keine rationalen Gründe gibt. Mich treibt das Fernweh so sehr, dass ich abends nur noch in den Telephonhörer stammle, dass ich vor der weißen Wand des Computers sitze, und mir sage, - laut sage, - dass ich mein Leben vergeude. Ich habe dann die Stepford im Ohr, die mir erklärt, wie fatal sie meinen [möglichen] Abbruch findet, und ich möchte nicht an meinen Vater denken, oder an meinen Bruder Kain, - und mir ist schon halb und halb schlecht, wenn ich an die ganzen Zwischenschritte denke, die ich ohne Frage nur stolpernd gehen werde. Da sind Makko und Micha, die mich ihrerseits bedrängen, ohne dass sie mich bedrängen wollen; denn sie haben Recht damit: man muss etwas tun, und man muss es im Grunde schnell und effizient tun, und ich bin mir noch immer sicher, dass ich für diese Stadt geboren bin, - nur geht es nicht so einfach, wie sie sich das [alle] vorstellen. [Oder wie ich glaube, dass sie es sich vorstellen].

Ich habe das Gefühl, ein Katastrophenleben zu führen, das im Alltag zwar funktioniert, auf Dauer aber kaputt geht. Ich denke gefühlschaotisch an die Möglichkeiten, an die unzähligen Möglichkeiten, und Sartre und Camus schreiben mir endgültige Wahrheiten in mein Herz, das weiß ich. Aber. Aber! verdammt. Nichts hält mich. Niemand schenkt mir Ruhe und sagt: Atme ein, ich helfe Dir. Es geht von einem Tag zum nächsten, jetzt von einem Seminar zum andren, von einem Gespräch stürze ich in weitere, und ich absorbiere, verschlinge, inhaliere, werde ganz und gar eins und nichts mit dem ewigen Wunsch des Herzens, Erfüllung in der Ferne zu finden. In dem Moment, in dem kleinen bewussten Augen-Blick, aber dann, --


Ich fühle mich verloren, ehrlich gesagt; ich fühle mich an [End]Punkten stehen, die keine Verknüpfung mehr zu gestern finden. Zu mir. Dieses Ich nähert sich dem permanenten Zerfall mit Höchstgeschwindigkeit, und ich habe gelernt, dass nur Instabilität wahre Freiheit verspricht.
Und dann sehe ich zur Seite, und sehe das Geld liegen, das mich hier rausbringen, das mich einfach so ausbrechen lassen könnte. Morgen schon, da könnte ich. Spätestens nächste Woche wäre ich. Aber: wie?

Es geht alles nur um die Freiheit, um den Ausbruch, um Dänemark. [Indeed, Hamlet is hauntin himself]. Es geht um dieses Halbwertsleben. Die Halbwertswünsche. Das Halbwertsherz. Um-sonst geht es nicht[s].


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