fort-laufend

Montag, 19. Mai 2008

kleinSTADTtheater

Ein Sommer
ein einzelner!
reicht, um die Ferne
um die Liebe zu schmecken,
und ein Kuss,
ein Blick
ein einzelner?
im Supermarkt um die Ecke reicht,
- und hakelige Tasten, die einrasten, ohne sich zu lösen,
reich[t], all das?
Finde die richtigen Steckverbindungen,
und dir ist die Außenwelt gegeben?

[please repeat].

Ist es das, was der Rücken trägt?
Kleinstadtpoesie
zur Weltkugel gerollt?

Anders:
Der iPod spielt längst andere Alben, und Lenin wird wohl für immer ein Sternchenthema bleiben, aber immerhin: Don Quixote im Wartezimmer.
Ich bin nicht in Berlin, momentan, auch wenn ich morgens oft aufwache und mich nach Berlin fühle sehne, - dann, wenn der Kissenabdruck nicht nach Lavendel riecht, sondern nach Augensalbe, - aber die Momente sind selten. Ich bin südlicher. Dort, wo es schwer ist, eine Internetverbindung zu kriegen. (Ha!, überlistet). Dort, wo alles der Muttertron richtet, und die Mittage unter brütendheißen Dachgiebeln ausgeschlafen werden, - es fehlt nur das Heu und die hochgekrempelten Ärmel, die Kühe auf den Weiden und meine wettergegerbte Haut. Stattdessen? Vergangenheit, die mir als Milchkaffee auf das neue Jacket tropft, und irgendeine Form der Zukunft, - fleischgeworden in Frauen, die mir auf den Arsch glotzen, der meistens ein stückweit höher als meine Hose sitzt.

Ich sehe mir Kirchen an, in klammen Kleidern, und mit schmerzendem Rücken, und denke mich frei. [Überhaupt, all das: Ich habe sehr viel Zeit zum Nachdenken. Über-Denken, manchmal]. Egal wie sehr mich die Sterblichkeit schüttelt: mein Wahn versiegt, und dann gibt es doch wieder einen Blick hinaus, und die Möglichkeit ist nichts im Vergleich zur Wirklichkeit.

[Ich habe endlich den ersten Satz gefunden].

Es gibt vieles, was sich ergibt. (Strasbourg). Es gibt vieles, was ungenutzt blieb. (Jena). Es gibt vieles, was mich durstig macht (Bier), und vieles, was mich sättigt. (Eis). Es gibt tausendundeinen Traum, und immer noch Jeff Buckley. Berlin ruft mich zurück, - erst leise, aber von Tag zu Tag lauter, - aber ich kann hier noch nicht fort. Es gibt noch so vieles auf meiner Liste. [Also doch, dirty south]. Die Großstadtpossen müssen warten, die Welt dreht sich gerade (nur) auf meinem Rücken. Nirgends sonst. Also: Geduld. Also: Atmen. Also: Sommer.

Montag, 21. April 2008

Interlude: Oh wie schön ist Panama

Ein Anflug von Hitler; Skype:

ich will, dass europa mir gehört,
& sei es nur für die hälfte meines lebens.



Was?
Naja. Der Kontext ist ein Gespräch (mit dem Chaosmädchen) über Panama. Oder genauer gesagt: über das Suchen & Finden des persönlichen Neverlands, über das Reisen schlechthin.

Fakt ist, dass ich kein Tourist sein will. Nicht für den halben Preis. (Das hat mir der Tsunami damals gründlich ausgeredet). Ich will kein Hotelleben führen, gründlich und von den Putzfrauen am Abend wieder hergerichtet.

ich will erkunden, mich in etwas einleben, es mir zu eigen machen, die bevölkerung beobachten, sie studieren, mit den "eingeborenen" reden, lachen, weinen, weiß der teufel, auch dreckigen sex haben, wenn's sein muss, aber ich will nicht von leben zu leben springen, & nirgendwo wurzeln, also: wurzeln nicht im sinne von stehenbleiben & verweilen, [...] ich möchte, wenn ich woanders bin, so viele erfahrungen wie möglich machen.

Erfahrungen. Kein Plastik, kein Photoalbum, kein I ♥ NYC-T-Shirt. Ich will keinen Abenteuerurlaub für 99 Euro, plus Rückerstattung, keine klimatisierten Bustouren. In Marokko will ich den Sand in meinen Poren, in Brasilien den unmittelbaren Schweiß der Gefahr. Es funktioniert nicht anders, - der Wunsch nach Authentizität ist nicht neu; ich will (wenn, dann!) Teil des Landes werden, der Menschen, der Kultur. Es geht nicht nur um ein paar Tage, oder Wochen zwischen zwei Lebensabschnitten, sondern um Lebensabschnitte selbst. (Refinanzier das, du Idiot!)

Aber: Bevor ich einen auf Entdecker mache, muss ich erst realisieren, nach was ich eigentlich strebe. Was ich will, oder was ich erwarte. (Wenn überhaupt). Nach was ich mich sehne. Fluchtpunkte setzt sich jeder selbst, klar, und man erreicht sie proportional zur eigenen Konsequenz, darum geht es auch gar nicht. Tatsache ist doch:

ich kenne nicht mal das land, in dem ich wohne, aus dem ich komme. ich habe nicht einmal die hälfte davon gesehen. ich will wieder nach hamburg, & nach leipzig, ich will bremen [wieder] sehen, & meinetwegen auch das schwuchtelige köln; [ich habe auch von europa kaum was mitbekommen]. ich will wieder nach strasbourg, & nach spanien; ich will italien bewandern. [ich will nach dänemark & schweden, & nach polen, & england].

Es erscheint mir einfach, in die Ferne zu schweifen, sich nach etwas zu sehnen, das weit weg ist, weil man sich an das Gefühl des Sehnens gewöhnt hat, weil man versüßten Schierling trinkt, sobald man bei einem fremden Namen plötzlich denkt: Ach, wäre ich doch nur dort!
Ich für meinen Teil habe mein ganzes Leben lang schon das Gefühl, dass ich etwas suche, was ich unmöglich finden kann, aber gerade, jetzt im Augenblick, ist es nicht so schlimm wie in der Vergangenheit, weil ich jetzt hier bin, in einer Stadt, nach der ich mich regelrecht verzehrt habe. Jahrelang. (Und vieles davon war nur projiziert, natürlich, aber darum leidet die Realität noch lange nicht darunter: Ich brauche den Schmutz, den Verfall & die Enttäuschung genauso zum Leben. Manchmal sogar noch notwendiger als alles andere). Vielleicht will ich zu viel, setze mir zu hohe Hürden für mein Leben, das anders viel einfacher sein könnte, vielleicht bin ich auch nur zu selbstgefällig, - ich weiß es nicht. Ich würde wollen, wenn ich müssen dürfte, aber es gibt überall Einschränkungen, und Prämissen, - das Geld, die Zukunft, die Liebe, - aber was sich nicht ändert lässt, erträgt man.

Ich denke, die Besonderheiten findet man nicht im Tui-Katalog, die Wunder geschehen nicht, weil man sie bucht. Ja, mehr noch: Man entkommt dem eigenen Leben nicht, indem man den Standort wechselt, - man riskiert nur einen neuen Blick darauf, verschiebt das Okular und sieht eine andere Perspektive. Und was ist dann Panama? Ich meine: Lehrt es dich Zufriedenheit? Oder Gelassenheit? (Falls ja, dann: Oh wie schön ist Panama). Oder kommt es darauf an, in Bewegung zu bleiben, um Bewegungen auszulösen, im Inneren wie im Äußeren? Fakt ist doch: das Streben nach einem anderen Leben in der Ferne vereitelt das eigentliche Leben in der Nähe. Wie soll ich richtig leben, wenn ich nur danach strebe, dem zu entkommen, und mich dann auf die wenigen Fluchtpunkte fixiere, die es mir bietet? Heißt das auf Dauer nicht: Unglücklichsein? Und weniger: Leben?

Freitag, 15. Februar 2008

Interlude: Berlin, ma destinée ...

Fernsehturm
Ich bin glücklich.
Einfach so.

Meine Haare locken sich im Nacken, meine Augen sind gerötet, und ansonsten bin ich furchtbar verwahrlost. (Bart). Ich esse unregelmäßig, - meistens viel zu spät und meistens auch viel zu wenig, aber dafür lese ich seit Tagen wie besessen. Insoweit also kein Unterschied zu vorher. Dass ich jetzt hier wohne, ändert allenfalls etwas an meinem Selbstbewusstsein. An meiner Lebenseinstellung, vielleicht. Ich weiß nicht. Ich fühle mich frei, - ganz ohne Superlativ. Und was braucht es mehr?
Mir macht es nicht mal mehr etwas aus, dass ich kein Geld mehr habe, - gar keins, nicht einen müden Cent, - dass mein Notebook wieder (!) zur Reparatur muss, und dass mein Handy nicht mehr richtig funktioniert; es macht mir nichts aus, dass Teile der Wohnung völlig dem Chaos verfallen sind, und dass vieles noch lange nicht so ist, wie ich es gerne hätte. Erwartungshaltungen? Die hab ich abgegeben, als ich diese Stadt betreten habe. Ich bin arm, und erfülle völlig das Cliché. (Vielleicht des Träumers, des Idealisten, des Schriftstellers oder des Idioten. Keine Ahnung). Ich brauche nicht mehr.


Ich stehe unter Generalamnestie.









Ich kam während des Umzugs (natürlich!) nicht ohne geistige Ausnahmezustände aus, - so meine cholerischen Versuche, ein Billy zusammenzuschrauben, - aber es hielt sich alles in allem in Grenzen.

Mittwoch, 9. Januar 2008

onde quadre

Berlin.
Ich höre Gogol Bordello auf voller Lautstärke, und rieche dabei die vertrockneten Cannabis-Blätter, die in Vincents Zimmer auf dem Boden verstreut liegen, und die kalte Asche. Überall riecht es nach kalter Asche. Ich inklusive. Überall sind Zigarettenstummel in gläsernen Palästen, fettige Pizzaschachteln in der Küche, einzelne Haare, die sich auf meinen Socken zu einem Fell verdichten. Hier bin ich, und nur hier. Ich weiß schon gar nicht mehr, seit wie lange schon. Vier Tage, oder sind es schon fünf? Ich weiß nicht mal, ob wir heute Dienstag oder Mittwoch haben, und vielleicht ist das tatsächlich nicht mehr wichtig. Ich bin hier. Im Mittelpunkt, am Weltenende, Wedding.

Die Wohnung, für die das Chaosmädchen und ich morgen (hoffentlich) den Vertrag unterschreiben werden, liegt in Moabit. Naja. Zwischendrin eigentlich. Irgendwie überall zwischendrin. Nur zwei Minuten von der S-Bahn entfernt, in einem Altbau von 98 Quadratmetern, und einem Gefühl von, -- Möglichkeit? Ich weiß nicht. Meine Überzeugung bezüglich der Wohnung kippt im Minutentakt; ich frage mich seit gestern Abend, ob ich die Sache nicht überstürze, aber selbst wenn: ich habe auch ein Recht auf überstürztes Verhalten. Ich muss, ich werde, ich kann. (Die Uhr tickt bis zum 31.01., verstehste?) Die Wohnung ist schön, die Miete beträgt fast die Hälfte von Rottencom, und wir sind innerhalb des Rings. (Auch wenn ich mich eigentlich in die Wohnung in Schöneberg verliebt habe, - aber gut. Ein andermal). Diese Wohnung hat ein gottverdammtes Potential, und auch wenn mir der Straßenname noch ungewohnt auf der Zunge liegt: ich kann es mir vorstellen. Berlin, verdammt. Zukunftslos, und hoffnunglos naiv, aber glücklich.

Meine Gedanken sind (noch) flüchtig(er) geworden. Ich denke kaum noch an A., ich denke nicht mehr an I., ich denke nicht mehr an Tubinga, mia disgrazia, weil das Leben mich hier packt, und nicht mehr loslässt. Maria ist ewig Gestriges, die Hörsäle, die Projekte. Bäng, hier, du brauchst nichts anderes als deinen eigenen Willen.

[Natürlich muss ich zwischenzeitlich mit Widerstand seitens meines Vaters kämpfen; aber ehrlich gesagt bin ich es leid. Ich lasse nicht mehr mit mir über etwas diskutieren, das mir zusteht. Ich lasse mich nicht mehr sabotieren].

Ich werde allmählich von Vincents Kreativität gefressen, seinen Ideen, und ich sitze mit dem Chaosmädchen beim Frühstück über dem Kaffee und male mir in Ungeduld das Morgen aus, gehe mit ihr im Sog der Straßen von einem Punkt zum nächsten und verliere mich sogar in den trüben, von Sorgen gezeichneten Gesichtern der U-Bahn-Passagiere, und sitze dann abends am Tisch, esse, trinke ein Glas Wein, höre Musik, und fühle mich erst jetzt (!) wieder richtig lebendig. Mir gefällt die Vorstellung, - jede Vorstellung, selbst die trostloseste. Selbst die trostloseste Vorstellung beinhaltet Leben. Das ist kein Vergleich zur Vergangenheit.
Daher lache ich endlich wieder. Lese wieder. Es ist nichts mehr so verhangen, ich kreise nicht mehr nur um mich. (Pah!) In Gedanken richte ich die Wohnung ein, in Gedanken fahre ich zur Uni, gehe Schrippen kaufen, verliebe mich in den Alltag neu. Ich muss nicht mehr dieselben Vierwände sehen, dieselben Straßen, dieselbe Abgeschlossenheit. Ich habe das Gefühl, ich könne mich dieses Mal tatsächlich mit dieser fremden, dieser harten und unpersönlichen Außenwelt vermischen.

Ich lächle über einen Mann in der U-Bahn, - er trägt seinen roten Schal nachlässig, und die obersten Knöpfe seiner Jacke stehen offen, - denn er wiederum lächelt sanft, jugendlich, als er diesem Zeitungsverkäufer seine klimpernden Münzen in die Hand drückt. Ich lächle über den Emojungen, der mir schräg gegenüber im Bus sitzt, weil er immer wieder flüchtig Augenkontakt sucht. Ich lächle, über die unpersönliche Stimme der Verkäuferin hinter der Theke, und liebe sie für eine Sekunde so sehr, - ihre vertrockneten Lippen, ihr strähniges Haar, ihre fleckige Bluse, - dass ich mich über den Tresen beugen, und ihr einen Kuss auf die Wange hauchen möchte. Ich freue mich über das Mädchen in Schöneberg, das uns fragt, ob wir Hilfe brauchen, weil wir so verloren aussehen, mit unserer überdimensionalgroßen Stadtkarte, und den vom Wind verwirrten Haaren. Ich freue mich über die Musik in den Schächten unter der Erde, die weit und lang hallt, freue mich über kurze Frequenzen Sonnenschein genauso wie über das Blitzeis, das die Straßen zur Eisbahn macht, auf der Alt und Jung, Gangster und Unbescholtene gleichermaßen rutschen; ich freue mich über das knarzende Parkett unter meinen Füßen, freue mich, berauscht, orgiastisch, und manchmal sogar recht körperlos. Ich bin endlich zu Hause.

Freitag, 4. Januar 2008

(I'm the) wind

wind *


THE CENTER OF ATTENTION
IS LIVING ON THE EDGE.



unterwegs. frei.
FREI! (verstehst du, was das bedeutet?)
ich bin endlich frei, von dir & mir, von der vergangenheit; ich bin frei von avalon, frei von tausend kilometern immergleichen kummers, frei von den fachwerkhäusern, die mir die sicht auf den himmel nahmen, frei von der erinnerung an das bessere gestern, als noch alles neu war, - frei von tubinga, mia disgrazia, frei vom süden, & der liebessabotage. keine obsession, keine hyperchondrie, kein wahnsinn. (es ist alles abgehakt & von der liste gestrichen). frei. o gott endlich frei.

& niemand kann mich fassen.
(es wäre nur das haschen nach wind).





(* taken by andrea paoli).

Donnerstag, 8. November 2007

Interlude: Io vs. Me vs. moi vs. Ich

Ankommen ist weniger wichtig, denke ich.

Im Halbdunkel sitze ich zwischen Kondomen und Notizbüchern, eine Topfpflanze steht auf der Kante eines Lattenrosts, - sie steht da nur vorläufig, weil auf dem Schreibtisch, dort wo sie sonst immer steht, kein Platz mehr ist, - daneben: das ungemachte Bett; da liegt das Buch Das Wunder des Theismus von John Leslie Mackie, und ich glaube, es wird noch eine ganze Weile ungelesen bleiben, und dem schräg gegenüber der Playboy, - das ist ein kleiner Ausschnitt dieser Wohnung, und ich werde ihn vergessen.
Draußen ist es dunkel, drinnen vorläufig auch. Ich lerne nicht genug, denke ich. Ich fordere nicht genug von mir selbst, und clicke mich über das Profil eines der Fremden, die in der Ferne arbeiten, leben, - lieben! Zweiundzwanzig, sagt die Haut, sagen die Zahlen auf dem Plastikkärtchen, sagt, -- wer? Die Welt? Niemals. Die Jahre, die vergangen sind, erscheinen mir ewig, unwiederbringlich ewig, und doch bleibt alles zeitlos, ungekannt, namenlos. Verspannung, ich lieg allein im Bett. Memorandum.

Sie löffelt den Kaba aus dem Cappuccinoglas.
Tippt eilig Zeilen in virtuelle Welten.
Spricht ins Mikrophon, und hört hinein, in das Rauschen der Welt.

Nur Geduld.


Natürlich fühlt sich alles gut und richtig an, und ich expandiere, entferne mich von mir selbst, distanziere mich, in dem ich die Vergangenheit bewältige, und so weiter, und so weiter, und in der U-Bahn in Tokio schläft ein junger, gutaussehnder Mann ein, angelehnt an die Fenster im Rücken, - sein Kopf sinkt ein Stückchen tiefer, zur Seite, um danach wieder ein Stückchen hochzukreisen, -kreiseln, immer wieder, und von vorn, und ich bin nicht. Ich sehe sein schwarzes T-Shirt, mit dem Totenkopf-Aufdruck (der Totenkopf trägt eine kleine Schleife), und sehe einen der schönsten Sonnenuntergänge (m/) seines Lebens, sehe den McDonalds, in dem sie lachen und dann folgt ein Ave Maria auf der Autobahn. Ich weiß, dass er Atheist ist, genauso wie ich weiß, dass ich Agnostiker bin, und trotzdem erscheinen mir die Heiligtümer nicht lächerlich, nicht kindisch, auch wenn sie es vielleicht sind. (Ich dulde Gott nicht, Spiritualität schon). Wir gehen aneinander vorbei, ohne uns zu grüßen, fahren in Zügen, fliegen in Flugzeugen, ohne uns zu kennen, und mal ist das wunderschön, wie ein Lächeln, oder ein Wort, das beiläufig zur Seite fällt, - erst recht ein Danke, - und mal ist es schrecklich, enttäuschend, da ist es ein rechter Haken mitten in die Fresse rein, und am besten noch ein Tritt in die Eier, --

Und dann gibt es noch den anderen, den Schatten des Menschen, den ich kannte, vom Sehen, vom Reden, vom Hören kannte, und er flirrt vorbei, - ich frage, wie es ihm geht, und er antwortet, er studiere, und ich verstumme gekonnt gleichgültig. Keine Aufdringlichkeit mehr, keine Obsession, - es ist. Weitergehen. Prozess der Aufarbeitung. Der Rest ist bloße Naivität. Also sitze ich vor dem Messenger, und sehe eine Weile seinen Namen an. Es ist seltsam, wie die Welt geworden ist, denke ich, und überschlage meine Freunde mit pulsierendem Herzen. (Für mich steht die Welt still, wenn ich mit euch spreche).
Also sehe ich stattdessen dieses wunderschöne Mädchen an, - sie hat Augen, für die ich morden würde, Augen, Diamanten! kleine strahlende Scheiben, in denen sich Licht zu Farben bricht, namenlose Farben, nichts, mit dem man spielen kann, - und sie lächelt nicht; sie berührt nur ihren Honigmund mit den Fingern, und streicht sich Haare aus der Stirn, und es gibt keine Erwartungshaltung.

Wir sind Menschen, Menschen sind, - das ist alles.




Morgen brechen wir auf, zurück ins One-Horse Town, Stepford-Ville, und dann am Montag geht es (schätzungsweise) fürs erste nach Berlin. (Es wird eine Zeit kommen, da werde ich diesen Namen nicht mehr schreiben müssen, juhu). Wohnungssuche, Lebenssuche, zieh weiter Nomade, zieh endlich weiter.

Dienstag, 21. August 2007

Röhrenatmen.

Le (n) nut

Es sind immer diese Tunnelwände, & die Bilder, die unter ihrer schützenden Hand entstehen. Es ist dieses Röhrenatmen, Bremslichtleuchten, - es ist die Klaustrophobie, die sich in einem hellen Punkt am anderen Ende des Tunnels bricht. Entkommen, frei sein, aus dem Verschwommenen heraus, & in den Teil der Wirklichkeit hinein, der unbegrenzt bleibt. Das ist alles, was ich will.

Dienstag, 14. August 2007

everything in transit

Ja, nichts läuft eigentlich so, wie ich es geplant habe. Alles ist anders, und fremd, und tut im Magen weh. [Vielleicht gehört das so].

Da ist die Zugfahrt morgen, und meine Ankunft um 17 Uhr auf Gleis 7, und mir ist schwindlig. Da ist die Uni und die Wohnungssuche und alles ist größer als es sein sollte. Da bist du, und da bin ich, und die Handbewegung, die alles wieder auseinander reißt. [Sag Bleib und ich werde gehen]. Die Tage gerinnen zu fester Materie, und der Körper zersprengt zu Atomen. Realität ist, was du daraus machst.
Mich juckt der Gaumen, wenn ich an all das Bier denke, das ich im Laufe der Woche widerwillig trinken werde, und an die Wut, die wie ein Bandwurm in mir nistet und sich an allem Schönen und Lebenswerten satt frisst, das meine Augen mit fließenden Blicken zu fassen versuchen. Nichts gelingt, und alles geht kaputt, gestern heute und erst recht morgen, und ich stehe schräg im Dunkeln und atme kochendes Wasser. Das Denken ist an der Kasse abzugeben, denke ich, und bleibe widerspenstig unrasiert.

Jetzt gibt es also lauter Auswege, die tatsächlich begehbar sind, - sie alle führen in Richtung B Punkt. Es folgt nun die Reise in die von mir geliebte Schrägstrich gehasste Stadt der Träume. Das sind begrenzte Baustellen, gefühlte Tiefen, unentdeckte Sicherheitslücken, und jede Menge Schlaglöcher, - es ist, als öffnete sich eine Tür, aber gleichzeitig verschließen sich zwei andere. Die sich Öffnende ist die Zukunft, - die anderen beiden sind Vergangenheit und Gegenwart. Ja, zugegeben: Die Zukunft existiert eigentlich überhaupt nicht; die Zukunft ist nur der unausgesprochene Sammelbegriff für alle möglichen Situationen, die aus dem Jetzt resultieren. Das heißt, die Zukunft ist nur eine Wahrscheinlichkeit, eine Mischung aus potentiellem Erfolg und Scheitern, oder nein, weniger: Nur ein Begriff des Sich-Tröstens. Was ich heute nicht schaffe, krieg ich vielleicht morgen hin. Morgen? Das ist ein Datum ohne Zahlen. Das ist ein Tag ohne Inhalt. Das ist die Zufälligkeit einer Verknüpfung in einem Kopf, - in vielen, in allen Köpfen. Vor allem in deinem eigenen. Da kann man stundenlang darüber nachdenken reden wahnsinnig werden, - das ist eine liegende Acht, die sich quer durch den Weltraum kugelt. Die Zeitfrage ist nicht mehr als eine Interessensfrage. Also vergessen wir das.

Ich stehe morgen zerknautscht auf, erstarre zu einer Säule aus Salz während ich vor dem Spiegel stehe, und dann später vor dem Bahnschalter, um eine Platzreservierung zu ergattern, dann sitze ich müde im Zug, steige euphorisch aus, und bin ganz und gar, und vor allem ein Stück weit weniger Ich als jetzt im Moment. Das ist im Grunde ganz interessant, würde daran nicht der Alltag nagen. Das meiste geschieht aus Notwendigkeit. Die Musik im Ohr, - Nikka Costa und Jack's Mannequin werden mich federleicht machen, - und der Blick aus dem rauschenden Fenster. Wieder Freiheit.
Andrea schrieb mir mal, er fühle sich erst dann normal, wenn er reise. Und ja, genau das ist es. Das denke ich mir auch jetzt noch. Es ist dieses Stück Normalität, das mir Unsterblichkeit verspricht. Vielleicht ist es der Gedanke, ein Atom zu sein, - meinetwegen auch ein Molekül der Einsamkeit, - das durch eine Fülle von Schalen springt, ein ungebundendes Stück Ewigkeit, das innerhalb eines Lebens aufleuchtet, um dann zu verlöschen. In mir, den Knochen, dem Blut, in den Synapsen, - da ist dieses Denken, dieser Bewusstseinstrom. Ich wache mit dem selben Blick auf, ich ziehe an, was ich vielleicht gestern schon trug, stolpere die Treppenstufen hoch oder runter, und es ist ein Tag wie jeder andere auch: alles zerspringt zu Einzelteilen, die für sich unbeweglich bleiben. Und trotzdem, trotzdem, - Irrationalität!, - geschieht etwas. Unbedeutendes, Alltägliches: ein Nippen am Kaffee, eine Windböe, die an der Kleidung zerrt, die Ampel, die von Grün auf Rot springt, und Menschen, die neben dir in der Synchronität stehen. Da ist es, da versteckt es sich: Was wäre alles möglich? Wer könnte da neben dir stehen? Rütteln, Eisenstreben, die sich kreuzen, um auseinander zu driften, und natürlich verliert sich das alles wieder. Der erste Schritt bedeutet Distanz, in den Häuserschluchten bleibt es windstill, und der zweite Schluck Kaffee ist zu bitter für den Augenblick. Da hilft auch der Pathos nicht. Man reicht mir die Sonne und ich verbrenne mir den Rücken dabei; man reicht mir verschwitzte Menschen, die nach Alkohol stinken, und mir wird schlecht davon; man reicht mir gehetzte, unausstehliche, wütende, unzufriedene Gesichter, und ich werde ein Teil von ihnen. Das ist irgendwie doch unausweichlich. Ich versuche mich an mir festzuhalten: das bist du, und das bist du nicht. Ich versuche mich zu erinnern. Wie war es, als es noch nicht so war. Und irgendwann ... überliste ich mich selbst, und mit mir die ganze Welt. [Nenn es Selbstbetrug, aber was bindet uns ans Leben?]

Ich bin meine eigene Distanz, denke ich. Ich werde mich nie zurücklegen, ich werde mich selbst nie überwinden, - egal wie sehr ich mich auch bemühe. Ich werde es nie so schaffen. Eher anders. Weiter Bauchschmerzen und Verspannungen im Nacken. Aber ich bin bereit. Bereit für etwas mehr Bewegung. Mehr als es versuchen kann ich nicht, - daher: los, vorwärts, mehr, und niemals zurück.

Freitag, 3. August 2007

Mrs. Dalloway is falling through the looking glass

Wieder zähle ich Tage. [Noch elf, dann zehn, schließlich über das Wochenende gerettet, dann in Papiertüten geatmet: Noch sieben Mal schlafen]. Die Seine ruft mich in glitzernder Schwärze, und mit ihr ganz Paris: Komm, Nomade, komm & finde, was Du suchst. Suchen? Finden. Immer dieses esoterische Geschwätz, ...

Während ich noch hier in Deutschland bin, - morgens halb und halb in fröstelnder Wärme vergraben, mittags mit offenen, saugenden Augen das Leben jagend, abends mit bleiernem Herzen die Möglichkeiten atmend, nachts befreit in verschiedenen Selbstentwürfen, - da schrecke ich zusammen. Bin ich. Könnte ich. Nichts verfügt über Substanz, - alles wankt und wackelt, drückt an den falschen Stellen ein, zerfließt, zerfällt, geht unter, nichts bleibt in der Form. [Das ist doch das falsche Rezept für den richtigen Kuchen]. Also gut. Die Strecke Paris-Berlin-Frankfurt höhlt mich aus, - schlägt mir Löcher in Kopf und Magen, - und ich bin die meiste Zeit schrecklich verkrampft verspannt verschreckt. Sehen so die Optionen aus? Willst du denn das alles wirklich riskieren? Mein Bauch sagt laut Jein, und weist weiter auf den stotternden Verstand. Wie? Herz, sagen Sie? Das Herz. Ja, das pumpt weiter lauwarmes Blut durch meine wippenden Beine, durch meine verschlungenen Arme, in meinen abwesenden Kopf. Da bleibt wenig Inhalt. Stattdessen sitze ich also vor dem Plan, und schiebe ein paar Zeittafeln von links nach rechts, - meist in der irrsinnigen Hoffnung, ich bekäme dadurch mehr Strukturen, - und irgendwie. Nein. Irgendwie strengt es mich schon sehr an. Keine Unterkunft, dafür ein paar Tickets. Keine Aussicht auf Erfog, dafür richtig böse Ungewissheiten. Die Sprache kippt mir klappfassadig gegen Stirn und Nerven, und ich denke nur: Du hast nicht mal deinen Métro-Plan bei dir. Was weiß da schon das Herz? [Das Herz flüstert über Kopf und Bauch hinweg: Ach, das wird schon werden].

Nur noch ein paar Nächte, und dann sitze ich wieder in einem neuen Jahr, in einem neuen Fragment, in einer anderen Zeitgeschichte. Notre Dame, - da will ich wieder sitzen, an genau demselben Fleck, auf der steinernen Brüstung, mit dem städtischen Grün im Nacken, und ich will wieder unter dem launischen lastenden Augusthimmel das Herz im Anschlag spüren. [Peng, peng, und du bist tot, - nur vorher lebst du zwischen zwei Ewigkeiten]. Das Carré will ich wieder schmecken, - viel zu nah am Marais, aber mit Leichtigkeit! Et le Caveau de la Huchette. Und so weiter, und so weiter. Ich will nicht das letzte Jahr in neuen bunten Tüten, auch wenn sich die Zeiten überschneiden: ich will mehr von dieser Stadt, - ich will mit dieser Stadt Unzucht treiben, - und dann spottend arrogant und voller Demut ein Denkmal bauen. Ich will zu denen gehören, die Kurznachrichten aus Italien schreiben, die nach Hamburg ziehen, die ein Leben auf den Kopf stellen, - nur für eine Weile, vielleicht, nur für einen Augenblick, aber mit einer solchen Unschuld, dass selbst der Wahnsinn innehält. Wenn es nicht so funktioniert, dann eben andersrum.

Also kaue ich jetzt den Ballast mit knirschenden Zähnen, und denke: Du wirst ein bisschen schiefer vorwärts gehen, krumm vielleicht und schräg, durch die Straßen und an all den Gesichtern vorbei; vielleicht taumelst du, und fällst sogar, und bleibst schließlich dort sitzen, wo es dir auf den ersten Blick gar nicht so gefällt, aber wer weiß? Vielleicht ist das auch dein Platz, auf dieser Welt.

Sonntag, 29. Juli 2007

Zwischenschritte, stolpernd

Eigentlich ist nichts so, wie ich es geplant habe. Alles ist schief: Das Herz unter den Rippen, der Mund mit dem Lächeln, die Pläne, die zwischen zwei Schritten auf der Strecke bleiben. Ich sage, alles ist okay, gerade, und denke trotzdem an die kleinen Katastrophen und Missverständnisse, die während eines Telephonats an die Oberfläche dringen: Was willst du vom Leben?

Ich will nach Paris, und plane zwei Besuche in zwei verschiedenen Zeiträumen, - Ende August für ein paar Tage, Ende Dezember, über Silvester; mit Makko auf der einen Seite, mit Chaos und Unverstand auf der anderen, - das muss, weil ich es sage. Dann die rippenstoßende Ungewissheit Italiens: ich folge Firenze, Milano, Verona im September, und liege jetzt planend über den Karten. Dann Berlin, natürlich, immer noch und von Herzen kommend, brechend, in Fragmenten über dem Frühstückstisch verschüttet, und Frankfurt. [Letzteres nur als Etappe]. Basel muss ich mit Wehmut von der Liste streichen, - dazu reicht dieses Leben nicht, - und stattdessen beziehe ich jetzt ein bisschen mehr Frankreich und Italien in mein Leben ein. Herz, - rasen, über die Straßen, in Richtung Sonnenunter, auf! und die Augen blinzeln in die rotgeränderte Wolkenschlucht über den Dächern der Stadt. Ich will vergessen, die Vergangenheit abschließen, und so kämpfe und wringe ich dem Leben ein bisschen Sinn ab, - absurd verschachtelt und voller Situationskomik: Io e il mio ego, - das muss Liebe sein. Also lache ich Avalon entgegen, meiner ehemaligen Schule, und ich lache auch Tübingen entgegen. Nein, dann glaubt nicht an mich, das ist egal; ich brauche eure Zustimmung nicht. Ich schüttle arrogant und selbstverliebt den Kopf: Es geht nicht darum, die Welt zu sehen; es ist viel mehr die Suche nach ein bisschen mehr Ichheit, mehr Kollektivität, - keiner kann mir sagen, was das Leben sein soll, oder was es sein muss; daher setze ich mir mein Leben selbst. [Weder Gott noch Geld geben mir, was ich brauche]. Scheiß auf Strukturalismus, wenn du ihn nicht brauchst! Scheiß auf die richtige Wortwahl, wenn sie dich nicht befriedigt! [Jeder will den Ausbruch aus Dänemark]. Das Leben braucht die Toleranzgrenze nicht, sie braucht nur das Atmen von Möglichkeiten. Daher will ich nicht mehr dazugehören, will nicht mehr Teil dieser anderen Welten sein, - lass die Menschen fett und unpassend gekleidet sein, wenn sie es sein wollen; lass sie machen und tun und denken, was sie wollen, - selbst dann, wenn sie sich selbst zerstören. [Nur sei selbst anders, und mehr, als du bist].

Das ist alles ganz praktisch, - es folgt alles den Gesetzen der Physik und Logik. Du bist, was du bist, weil du es sein musst, - such dir nur die richtigen Optionen aus, und du bist alles, was du sein willst. Das klingt für den ersten Moment unlogisch, und vor allem unberechenbar. Und vielleicht ist es das auch. Logik ist das, was wir erfunden haben. Die Dinosaurier sind nicht aus logischen Gründen ausgestorben. Das besorgt die Welt von selbst.
Also nicke ich bei Beautiful, von Lee & Leblanc, und singe mit im Takt. Schief, natürlich. Ich bleibe immer und immer wieder an dieser einen Ecke hängen, reibe mir die Haut von den Muskelsträngen, schlage mir den Ellbogen an der Türe auf, aber das ist wirklich ganz okay. [Ungeschicktheit entpuppt sich manchmal auch als Segen]. Ich denke: vielleicht ergibt alles tatsächlich einen Sinn. Ich, du und die ganze verdammte Welt zwischen uns. Und wenn nicht, naja, dann haben wir immerhin das Glück gehabt, für eine Weile dieselbe Erde, dieselbe Zeit, und dasselbe Leben zu teilen. [Weißt du, wie selten das eigentlich ist?]

Ich ziehe mich an, ziehe mich aus, stehe in Regen und Wind, und denke am Straßenrand, dass es letztlich immer irgendwie weitergeht. Selbst der Tod ist nur eine Option. Damit kann man sich später aufhalten. Vielleicht geschieht das wirklich ganz von selbst. Also date ich jetzt ein bisschen, telephoniere singend mit schiefer Stimme, und plane weiter. Die letzte Woche hat gut getan, im Allgäu, aber es reicht eben nicht. Eigentlich reicht es nie.


1984 vs. me
Auszüge
Avalons Erben
Bahnbegegnungen
Cardiomania
Chaos, Unverstand und Wahnsinn
Cine-Mania
der ewige Kampf
egotrip
fort-laufend
la tristesse
Opium2Go
out of mind | b-sides
Parallelwelt: Strich(er)leben
shortcuts to my brain
Traumsequenzen
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren